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Re: @Beitrag von Haya » Di 2. Sep 2014, 03:54

Verfasst: 04 Sep 2014, 08:35
von daveg
mig hat geschrieben:Danke für die informative Aufklärung über diese Soldatenmütterkampagne, die ja schon stark die Runde macht und mich sehr überrascht hat.

Wie kommt es, dass sich Mütter von russ. Soldaten die für Russland kämpfen und ggf. sterben einer von des USA finanzierten Vereinigung anschließen? Kennt jemand die Mitgliederzahl?

Ich würd mich nicht von den hier eingeworfenen Nebelkerzen ablenken lassen. Dieses Soldatenmütter-Thema ist für mich gegessen.

Gruß
Ganz einfach: weil es in Ru sonst nichts vergleichbares gibt, da es der russ. Regierung nämlich scheißegal ist. Dort werden nur Kosaken gesponsort (damit die dann die Opposition verdreschen), oder ab und zu (aber immer Öffentlichkeitswirksam die Veteranen, die man ansonsten aber vergisst).

Die Frage sollte auch lauten, wieso es eigentlich ausländischer Gelder bedarf um überhaupt NGO`s am Leben zu erhalten!? Ich habe da eine Vermutung: das inländische Spendenaufkommen geht gegen null, egal für wen oder was. Spenden oder privates Engagement gehört nicht gerade zu den russ. Tugenden.
Trifft ja nicht nur politische Organisationen (obwohl was ist politisch daran, wenn sich Soldatenmütter zusammen schliessen, um bessere Bedingungen für ihre Söhne zu erhalten bzw. Auskunft über den Verbleib der Söhne (damit fing es ja während des Tschetchenienkrieges an)), sondern auch jegliche andere Organisationen welche sich für Obdachlose, die Umwelt oder ähnliches einsetzen.

Nehmen wir doch Greenpeace, die den Laden eigentlich jetzt zu machen können, da die neueste Idee ja ist, den NGO`s zu verbieten Gehälter zu zahlen. Nur noch nach 20.00 Uhr in der Freizeit die Umwelt zu retten wird schwierig, und das gerade in Russland, wo das ganz besonders nötig ist.

Re: @Beitrag von Haya » Di 2. Sep 2014, 03:54

Verfasst: 04 Sep 2014, 10:33
von Dietrich
mig hat geschrieben:Wie kommt es, dass sich Mütter von russ. Soldaten die für Russland kämpfen und ggf. sterben einer von des USA finanzierten Vereinigung anschließen?
Wenn man sich die Webseiten bezüglich der ausgezahlten Summen ansieht, so erkennt man, dass diese Vereinigung nicht von den USA "finanziert", sondern nur "unterstützt" wird.
Für derartiges Geld werden zum Beispiel größere Treffen organisiert, eben Dinge die außer persönlichem Engagement auch finanzielle Mittel vorraussetzen.

Die Soldatenmütter würde es auch ohne diese Unterstützung geben, bzw. es gab sie auch vorher schon. Leider hat es sich der russische Staat nicht unbedingt auf die Fahnen geschrieben, solche Organisationen zu unterstützen. Zumindest nicht die, die auch mal ungenehm werden können.
Bei linientreuen Organisationen wie "Naschi" sieht das natürlich ganz anders aus.

Vielleicht sollte die USA denen auch mal 10.000 Dollar überweisen. Einfach, damit sie auch mit auf der Liste stehen ;-)

Re: @Beitrag von Haya » Di 2. Sep 2014, 03:54

Verfasst: 04 Sep 2014, 11:35
von Gunnar
daveg hat geschrieben: Ganz einfach: weil es in Ru sonst nichts vergleichbares gibt, da es der russ. Regierung nämlich scheißegal ist. Dort werden nur Kosaken gesponsort (damit die dann die Opposition verdreschen), oder ab und zu (aber immer Öffentlichkeitswirksam die Veteranen, die man ansonsten aber vergisst).

Die Frage sollte auch lauten, wieso es eigentlich ausländischer Gelder bedarf um überhaupt NGO`s am Leben zu erhalten!? Ich habe da eine Vermutung: das inländische Spendenaufkommen geht gegen null, egal für wen oder was. Spenden oder privates Engagement gehört nicht gerade zu den russ. Tugenden.
Trifft ja nicht nur politische Organisationen (obwohl was ist politisch daran, wenn sich Soldatenmütter zusammen schliessen, um bessere Bedingungen für ihre Söhne zu erhalten bzw. Auskunft über den Verbleib der Söhne (damit fing es ja während des Tschetchenienkrieges an)), sondern auch jegliche andere Organisationen welche sich für Obdachlose, die Umwelt oder ähnliches einsetzen.

Nehmen wir doch Greenpeace, die den Laden eigentlich jetzt zu machen können, da die neueste Idee ja ist, den NGO`s zu verbieten Gehälter zu zahlen. Nur noch nach 20.00 Uhr in der Freizeit die Umwelt zu retten wird schwierig, und das gerade in Russland, wo das ganz besonders nötig ist.
So siehts aus. In Russland wird per Handsteuerung vom Oberputinisten Putin das Geld an die verteilt, die seine Sänfte tragen. Alle anderen kriegen einen Tritt.

Haya, Du schwingst Dich hier ja erkennbar zum Vordenker in Punkto Kreml-Ideologie auf. Daher bist Du bestimmt auch der Richtig um uns mal zu erläutern, was die Kernprinzipien und -ziele der russischen Staatsphilosophie und Politik sind. Da brauchst Du Dich auch nicht mit kleiner angestrengter Widerlegerei und Haarspalterei rumzuquälen, einfach mal frei weg von der Leber für uns nicht Erleuchteten den ganz großen Bogen machen, um den es in der Putinpolitik für die nächsten 10 Jahren geht. Was ist ihm wichtig und wie wird er es erreichen und was ist daran im Vergleich zu den Politikmodellen im Westen vorzugswürdig?
Ich finde, für einen wie Dich ist es einfach unwürdig, unsere bescheuerten unlogischen undurchdachten und ideologisierten Argumente im einzelnen abarbeiten und durchkauen zu müssen, das machst Du ja, wie Du sagst, mit links, ist also irgendwie zu anspruchslos. Schreib also einfach mal auf, was jemanden wie Dietrich oder mich dazu bringen kann sich für diese putinistische Politik und Staatsführung so zu begeistern, wie Du es tust. Viele werden Dir ein solches Grundsatzwerk hier sicherlich danken.

Re: Russlands Soldatenmütter

Verfasst: 04 Sep 2014, 19:07
von Bluewolf
Och ne Gunnar ..

jetzt wird er jedes einzelne Wort zitieren und sezieren...

Das könnte etwas dauern bis er alle Links zusammen hat, und selbst Haya muss ja ab und zu mal schlafen ;-)

Re: Russlands Soldatenmütter

Verfasst: 05 Sep 2014, 03:47
von Haya
Moin Moin,

Lieber Daveg,
wieso es eigentlich ausländischer Gelder bedarf um überhaupt NGO`s am Leben zu erhalten!?
Oder warum überhaupt Gelder an sogenannte "Soldatenmütter" zu Zeiten (damit meine Ich nicht 2014) gezahlt werden, wo es keine militärische Interventionen Russlands gab?
Wenn Ich jemandem helfen will, dann mache Ich es vom Herzen und brauche dafür keine Entschädigung.
Spenden oder privates Engagement gehört nicht gerade zu den russ. Tugenden.
Den Hilfskonvoi schon vergessen? Macht ja nichts ;)
obwohl was ist politisch daran, wenn sich Soldatenmütter zusammen schliessen, um bessere Bedingungen für ihre Söhne zu erhalten bzw. Auskunft über den Verbleib der Söhne
Wer sagt überhaupt, dass es "Soldatenmütter" sind? Hast Du auf der Demonstration in St. Petersburg (oder von mir aus auch anderswo) Schilder von der Organisation gesehen, die Deine genannten Bedingungen verlangt haben?
http://sdelanounas.ru/i/c/h/a/f_cHAudms ... wZw==.jpeg



Lieber Dietrich!

[als Mod] Selbstverständlich habe Ich für Deine Bitte vollstes Verständnis und werde so gut es geht diesem Anliegen in der besagten Art oder einer gleichwertigen nachkommen und meinen Schreibstil entsprechend anpassen. ;)
Wenn man sich die Webseiten bezüglich der ausgezahlten Summen ansieht, so erkennt man, dass diese Vereinigung nicht von den USA "finanziert", sondern nur "unterstützt" wird.
Wenn man sich die Webseiten der NED und den Wikipedialink bezüglich der ausgezahlten Summen ansieht, so erkennt man, dass diese Vereinigung ganz deutlich finanziert wird.
Daher noch mal (zum wie vielten eigentlich?):
2005: $50,000
2006: $50,000
2007: $68,000
2008: $60,000
2009: $94,160
2010: $85,000
2011: $84,966
Link(s) zur NED hab Ich teilweise u.a. auf der 1. Seite des Treads schon gepostet, genauso, wie das Zitat von Wikipedia
National Endowment for Democracy (NED) ist eine US-amerikanische Stiftung mit dem erklärten Ziel der weltweiten Förderung der Demokratie. Sie wurde 1983 vom US-Kongress in Washington, D.C. gegründet und erhält von diesem für ihre Arbeit eine jährliche Finanzierung aus dem US-Bundeshaushalt.
Für derartiges Geld werden zum Beispiel größere Treffen organisiert
Woher hast Du nun diese Information? Ich schließe nicht aus, dass die Gelder in die eigene Tasche wandern. Du schon?
Die Soldatenmütter würde es auch ohne diese Unterstützung geben
Auf diese Informationsquelle bin Ich gespannt (auch wenn Ich leider wieder die Befürchtung habe, das da nichts kommen wird)
es gab sie auch vorher schon.
Falsch (wie sooft)!
NED = 1983 (siehe Wikipedia-Zitat)
Mamis = 1989 https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%A1%D0 ... 0%B8%D0%B8

Lieber Gunnar
Haya, Du schwingst Dich hier ja erkennbar zum Vordenker in Punkto Kreml-Ideologie auf.
Tue Ich das? Schnuckelchen, nur weil Deine eigene Quelle, auf die Du dich stützt selbst besagt, dass es das Justizministerium war und nicht der Kreml, wie von Dir behauptet, heißt es doch nicht, dass Ich mich stellvertretend für den Kreml äußere. Es war lediglich eine Richtigstellung Deiner Behauptung (wie sooft).
Daher bist Du bestimmt auch der Richtig um uns mal zu erläutern, was die Kernprinzipien und -ziele der russischen Staatsphilosophie und Politik sind. Da brauchst Du Dich auch nicht mit kleiner angestrengter Widerlegerei und Haarspalterei rumzuquälen, einfach mal frei weg von der Leber für uns nicht Erleuchteten den ganz großen Bogen machen, um den es in der Putinpolitik für die nächsten 10 Jahren geht. Was ist ihm wichtig und wie wird er es erreichen und was ist daran im Vergleich zu den Politikmodellen im Westen vorzugswürdig?
Es ehrt mich sehr, dass Du mich auf ein Podest stellst, aber leider kann Ich Deinem Anliegen nicht nachkommen, da Ich weder mich stellvertretend für den Kreml äußern kann, noch irgendwelche Zukunftaussichten prophezeien kann. Den Blick in die Glaskugeln und den Tarotkarten überlasse Ich Dir und Dietrich ;)
Im übrigen sind für mich solche "Haarspaltereien" keine Qual, sondern, wie Du es eigentlich schon selbst festgestellt hast:
Ich finde, für einen wie Dich ist es einfach unwürdig, unsere bescheuerten unlogischen undurchdachten und ideologisierten Argumente im einzelnen abarbeiten und durchkauen zu müssen, das machst Du ja, wie Du sagst, mit links, ist also irgendwie zu anspruchslos.
Gruß
Haya

Re: Russlands Soldatenmütter

Verfasst: 05 Sep 2014, 05:00
von kamensky

Re: Russlands Soldatenmütter

Verfasst: 05 Sep 2014, 10:44
von Dietrich
Haya hat geschrieben:
Für derartiges Geld werden zum Beispiel größere Treffen organisiert
Woher hast Du nun diese Information? Ich schließe nicht aus, dass die Gelder in die eigene Tasche wandern. Du schon?
Zum Beispiel aus der von dir zitierten Quelle:
St. Petersburg Regional Public Human Rights Organization "Soldiers' Mothers of St. Petersburg"
$84,966
To conduct its annual Human Rights School, as well as workshops on Russia's Alternative Civil Service and legal issues related to the draft, for thousands of draft-age youth and conscripts. Soldiers' Mothers will also monitor and document cases of human rights abuse at military bases throughout Russia, providing one-on-one legal assistance when necessary. Finally, Soldier's Mothers will continue updating its website (http://www.soldiersmothers.ru) to provide legal information and advice to draftees, servicemen, and their families.
Es wurde mit diesem Geld also die jährliche Schulung/Seminar zu den Menschenrechten finanziert und Workshops zu rechtlichen Fragen abgehalten. Und auch für die Erstellung/Aktualisierung der Webseiten wurde Geld verwendet.
Seminare, Workshops und Webhosting kosten Geld. Echtes Geld. Da hilft es auch nichts, wenn die Soldatenmütter sich da freiwilling und ohne Bezahlung engagieren.
Wenn du behauptest, dass da Geld in eigene Taschen wandert, dann solltest DU Beweise anbringen und es dir nicht nur so einfach für dich "nicht ausschließen".
Indizien (die Vorsitzende hat ein teures Auto, ein Haus an der Roblovka) sollten das Mindeste sein.

Haya hat geschrieben:
es gab sie auch vorher schon.
Falsch (wie sooft)!
NED = 1983 (siehe Wikipedia-Zitat)
Mamis = 1989 https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%A1%D0 ... 0%B8%D0%B8
Keine Ahnung, was du mit NED meinst... aber wenn ich lese
Wikipedia hat geschrieben:Союз комитетов солдатских матерей России (СКСМР), до 1998 года Комитет солдатских матерей России — правозащитная организация, созданная в 1989 году, впервые зарегистрирована как общероссийская организация в 1991 году.
Объединяет более 200 организаций солдатских матерей.
Занимается просветительской деятельностью в сфере защиты прав призывников, военнослужащих и их родителей, помощью семьям военнослужащих срочной службы, пострадавших в результате несения военной службы, попавших в зоны ведения военных действий.
Und dann die Infos sehe, dass in den Jahren ab 2005 da Geld zur Unterstützung gezahlt wurde....

Dann ist da nichts falsch. Und ob die nun "Комитет солдатских матерей России" oder wie auch immer heißen....

Aber allein deine ganzen Versuche, diese Organisation in eine zwielichtige Ecke zu bringen, sprechen schon Bände.

Re: Russlands Soldatenmütter

Verfasst: 05 Sep 2014, 14:01
von daveg
Haya hat geschrieben: Den Hilfskonvoi schon vergessen? Macht ja nichts ;)
Ein Hilfskonvoi in 20 Jahren ändert natürlich alles.

Russland ist auf einem der letzten Plätze weltweit, was Spenden, Entwicklungshilfe, Aufbauhilfe etc. betrifft.

In Zahlen:
Ru - ca. 550 Mio
USA - ca. 31 000 Mio
D - ca. 14 000 Mio
das kleine Dänemark - ca. 3 000 Mio

Re: Russlands Soldatenmütter

Verfasst: 05 Sep 2014, 14:15
von Alex KA
Stimmt, die Letzte "Entwicklungshilfe" von Deutschland ging an die Ukraine, 500 mio Euro, wen man berücksichtigt das dort gerade Donezk bombardiert wurde, diese sogenannte Hilfe kann man als Investition in Tötung der ostukrainische Bevölkerung bewerten.. Man muss gut aufpassen das deutsche Kanzlerin morgen jemandem in Russland nicht hilft, der mir zum Beispiel umbringen und ausrauben will..

Re: Russlands Soldatenmütter

Verfasst: 05 Sep 2014, 15:37
von Gunnar
@Haya: Du verteidigst hier also auf der ganzen, und damit meine ich wirklich auf der GANZEN Linie eine von der Mehrheit im Westen in Frage gestellte Kremlpolitik (nicht nur in Bezug auf die Ukrainesituation) mit klitzekleinsten Haarspalterein, (gezielten) Fehlinterpretationen, persönlichen Herabsetzungen ("Schnuckelchen") kleinlichsten Grabenkämpfen und hast inhaltlich KEINE große Linie dazu, weshalb Du das tust? Etwas das man in wenigen Sätzen als politisches Motiv dafür formulieren kann, dass man einer Demokratur (Putin nennt es selbst ja ausdrücklich "gelenkte Demokratie") bedingungslos die Steigbügel hält?

Wenn das so ist, dann sehe ich bei Dir kein engagierte bürgerschaftliche Haltung. Dann bist Du für mich eine Art von Politoffizier, der einem Marschbefehl ohne eigene Haltung folgt.

Ich mache den Anfang:
Ich unterstütze eine Staatspolitik, die in der Vergangenheit sichtbare Bemühungen und Beiträge geleistet und Erfolge erzielt hat, um ein angstfreies Leben seiner Staatsbürger zu erreichen. Dazu gehört nicht nur die materialistische Angst vor einem Verhungern (als krasseste Form dieser materiellen Angst), das schaffen auch bereits Schwellenländer und Demokraturen, sondern ich meine vor allem die Angst vor staatlicher Willkür vor dem unvorhersehbaren, unverhältnismäßigen, wehrlos ausgesetzten, sachfremd motivierten oder entwürdigenden Schlag der Staatsmacht in einem Umfang, wo man nicht mehr von einzelnen Versehen sprechen kann sondern wo es regelmäßig nur die trifft, die eine Machtelite bei ihren Verteilungskämpfen stört.

Diese von mir klar bevorzugte Staatspolitik wird von ihrem Grundsatz her getragen durch eine über dem (notwendigen) Rechtspositivsmus des täglichen Miteinanders stehendes übergesetztiches Recht, eine Ethik und Moral, die sich letztendlich auf die kant'schen Grundsätze des Kategorischen Imperativs zurückführen lässt.
In der oben verlinkende Fundstelle aus Wiki wird das so zusammengefasst:
Er [der kategorische Imperativ] gebietet allen endlichen vernunftbegabten Wesen und damit allen Menschen, ihre Handlungen darauf zu prüfen, ob sie einer für alle, jederzeit und ohne Ausnahme geltenden Maxime folgen und ob dabei das Recht aller betroffenen Menschen, auch als Selbstzweck, also nicht als bloßes Mittel zu einem anderen Zweck behandelt zu werden, berücksichtigt wird.
Die philosophische Basis ist also, dass es eine Art ewiges, allgemeingültiges Recht gibt, das über formaljuristisch korrekt verabschiedetem und angewandtem Recht steht (Der ausschliessliche Glaube an Letzteres ist der sog. Rechtspositivsmus) und an dem man das formale Recht stets messen muss. In den Mauerschützenprozessen ist das wiederholt von den Deutschen Obergerichten ausdrücklich angewendet worden (vgl.
https://www.jurion.de/Urteile/BVerfG/1996-10-24/2-BvR-1851_94 hat geschrieben: Bundesverfassungsgericht Entscheidung vom 24.10.196
)

Aus meiner Sicht nimmt dabei die Justiz, also das funktionierende Prinzip der Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit eine ganz entscheidende Position ein. Denn rechtsstaatliche Grundprinzipien können und werden im politischen Tagesgeschäft überall auf der Welt mißachtet, vergessen usw.

Jeder der beruflich mit der Deutschen Justiz zu tun hat weiß, dass unsere Richter so unabhängig und frei sind wie es unter den menschenlichen Prämissen nur geht und sie sich allein ihrem Wissen und Gewissen verpflichtet sehen. Jeder der das bestreitet ist schlichtweg ahnungslos oder verblendet. Erst die funktionierende Justiz gewährt dem Individuum die oben genannte Angstfreiheit vor seinem eigenen Staat und die damit einhergehende Lebensqualität. Deutschland wird in vielen Ländern der Welt, nicht zuletzt auch in Russland, bewundert dafür, wie viel hier doch einigermaßen geräusch- und reibungslos funktioniert und wie sorglos die Menschen hier leben können. Das gibt es aber nicht geschenkt sondern das wird täglich aufs neue durch selbstkontrollierende Herangehensweisen erkämpft.

Und nun komme ich auf Dich, mein lieber Haya, zurück. Wo bitte, wo sind die wirklich gelebten Grundprinzipien des russischen Staatswesens und der putinistischen Politik? Wo ist die unabhängige russischen Justiz? Berlino konnte mir neulich zu diesem Thema auf Nachfrage nicht eine einzige höchstrichterliche Entscheidung aus Russland nennen, bei der der unbefangene Betrachter sofort erkennt, dass sich da ein unliebsames Rechtssubjekt erkennbar gegen eine Übermacht des Staates verteidigen oder durchsetzen konnte. Im Glücksfall gibts per Handsteuerung eine Begnadigung oder einen Scheck von Putin, medienwirksam in einer öffentlichen Fragestunde zelebriert. Grundprinzipien, die Herr Putin in den nächsten 10 Jahren mit seinem Land erreichen will hat er nie formuliert. Aus seinem bloßen Handeln kann man allenfalls ableiten, dasd ihm materielle Angstfreiheit seiner Bürger wichtig ist. Mit diesem Konzept kann man aber keinen moralischen Führungsanspruch erheben, denn Hungern muss man auch nicht in Saudi Arabien.

Ich stelle mir mal ein klares und von jeder Haarspalterei freies Statement vor, ansonsten ist alles was Du hier so von Dir gibst wertloses blabla, "l'art pour l'art" sozusagen ohne tieferen Sinn, nur um ein System zu bekämpfen ohne offen aufzuzeigen, wo für Dich die Reise hingehen sollte.