Seite 5 von 5

Re: Ausländer müssen für den russischen Pass in den Krieg?

Verfasst: 26 Okt 2026, 13:03
von Axel Henrich
HJ52 hat geschrieben: 26 Okt 2026, 11:58Reflexartig wollte ich - Wessi! - antworten.
Was die Arroganz damals betrifft, hättest du auch sicher Recht!
Ansonsten haben z.B. auch Ossis Bilder von den schlimmsten Orten gemacht und haben die dann mit dieser fremdschäm-Überheblichkeit rumgereicht und damit den Eindruck erweckt, es sähe überall so aus ... :roll:
Spielt Neid auf den Wohlstand des Westens eine Rolle?
Neid? Nö, überhaupt nicht! Wir (Ossis) haben nebenbei fast allein die Kriegslasten und Reparationen getragen. Russland hat zur Reparation bestimmt ein Viertel (?) der Industrie abgebaut und nach Russland verbracht und auch ein Teil der Produktion beansprucht. Dazu das System an sich, Verträge innerhalb unserer "Wirtschaftsunion" ... ;)

Dafür haben wir es nicht so schlecht gemacht, nicht so schlecht gelebt, wie das heuer oft gesagt wird. Womit wir wieder beim Stolz wären ... ;)

Auf der anderen Seite Marschallplan (wobei auch der eher ein Vorteil für die Amis war), Industrien verblieben im Land ..?
Dafür haben Sie dann nach der Wende gelöhnt...

-ah-

Re: Ausländer müssen für den russischen Pass in den Krieg?

Verfasst: 26 Okt 2026, 14:22
von Wladimir30
Nun wird es wirklich spannend.

Ich denke mal, dass sich die Meinungen hierzu individuell stark unterscheiden werden und, was oft vergessen wird, auch bei ein und derselben Person sich im Laufe der Zeit ändern (zumeist unmerklich). Was vor gut 20 Jahren unser aller Meinung war, ist sicher nur noch teilweise kongruent mit dem, was wir heute denken.

Ich geb ehrlich zu, mir wurde damals immer das Bild vermittelt, dass die Leute aus dem "Osten" arme Schweine sind, keine Ahnung, was in der Welt vor sich geht, da weder Nachrichten (freie, d.h. richtige) noch eigene Reisemöglichkeiten bestanden. "Sie können ja nix dafür....". So der Tenor. Und obwohl das offizielle Ziel der Politik die Einheit war, wurde alles dafür getan, dass nimmermüde erklärt wurde, dass "die da" irgendwie ganz anders seien, so nicht so deutsch irgendwie.

Sprich es war schon ein erhebliches Überlegenheitsgefühl den Ossis gegenüber. Und damit dann natürlich der UdSSR gegenüber erst recht.

Allein dass heute noch aktiv von Ossis und Wessis gesprochen wird, zeigt ja, dass diese Kategorien immer noch im Denken verankert sind.

Und als dann die Grenze geöffnet wurde, na, klar, die kommen jetzt alle mit ihren Trabis, verstopfen die Autobahnen (Frevel, und was für einer!) wollen unseren sauer verdienten Wohlstand für umsonst bekommen. Begrüßungsgeld? Ok, geschenkt, wir müssen den armen Kerlen ja helfen. Aber noch mehr? Da müsst ihr erstmal lernen, richtig zu arbeiten.

Dem entsprechend war das Bild "den Russen" gegenüber nochmal potenziert so. Und ist es bei vielen heute sicher immer noch so.

Ich will das in keinster Weise verharmlosen, verniedlichen, verteidigen. Dies war die Denke, wie sie bei vielen Leuten im Westen im Vordergrund stand. Nicht bei allen! Aber, ja, auch ich war nicht frei davon. Und mir wurde erst viel später klar, was für einer üblen Masche ich da ins Nerzr gegangen war. Oder mich selber dort hab reinfallen lassen, was wohl mindestens genauso richtig ist. Parallelen zur heutigen Meinung vieler über die Rolle Russlands in der modernen Geschichte, wie diese Meinung gesteuert wird und von vielen absolut kritiklos an- und übernommen wird, drängen sich da auf.

Re: Ausländer müssen für den russischen Pass in den Krieg?

Verfasst: 26 Okt 2026, 14:47
von HJ52
Nach der Wende waren die „Wessis“ in unserer Familie zunächst eine willkommene Einnahmequelle. Von meinen Eltern habe ich jedenfalls nicht bewusst mitbekommen, dass sich ein aktiver Hass auf sie (Wessis) breitgemacht hätte – auch nicht im Zusammenhang mit dem Gefühl, zu den „Wendeverlierern“ zu gehören. Ab und zu gab es zwar Bemerkungen darüber, dass manche versucht hätten, wegen des verlockenden Westgeldes noch bessere Bedingungen auszuhandeln, das wars aber.

Meine tief verwurzelte Abneigung gegen einen bestimmten Menschenschlag – nennen wir sie einmal „Geschäftemacher“ – kann also wohl kaum in meiner Jugend entstanden sein.

Bleibt die spätere Lebenserfahrung. Wurde ich von Westdeutschen übervorteilt, bewusst betrogen oder als dummer Ossi hingestellt? Auch hier lautet die ehrliche Antwort: nein. Während meiner Selbstständigkeit habe ich überwiegend mit westdeutschen Firmen gearbeitet. Wenn etwas schiefging, lag die Ursache, soweit ich das beurteilen konnte, meist bei mir selbst.