Dietrich hat geschrieben:Was soll man dazu sagen? Solange es genug Leute gibt, die diesen Beruf auch unter diesen Bedingungen ausueben, solange wird wohl keiner eine Notwendigkeit sehen, dies zu aendern.
Erst wenn es irgendwann keine (guten) Musiklehrer mehr gibt, dann wird es vielleicht wieder etwas besser.
Gruende bzw. Moeglichkeiten fuer ein "staatliches Eingreifen" sehe ich da eigentlich nicht.
Ein bißchen weniger Zynismus wäre nett:)
Weißt Du wie man Musikschullehrer wird? Oder was das für Typen Mensch sind. Viele Leute rutschen da während ihrer Studienzeit rein, in der Hoffnung und im festen Glauben, daß sie später was Besseres machen werden. Doch es wird oft nicht besser, man wird auch älter, vielleicht kommen dazu neue Verpflichtungen, die Leute haben Angst vor totaler Arbeitslosigkeit, müssen ihre Partner bei der Kreditrückzahlung unterstützen etc. Und die Arbeit an sich prägt einen! Gerade weil wir auf keinen Schutz vom Staat und sonstigen Organisationen hoffen können, fühlen wir uns wie Sklaven. Und wenn jemand es doch wagt (was alle 10 Jahre 1 Mal passiert), den Mund aufzumachen, wird er langsam und qualvoll ausbluten müssen. Man dreht ihm einfach den Hahn zu. Er kriegt keine neuen Schüler (selbst dürfen wir um sie nicht werben). Irgendwann gehen die alten aus (sie bleiben doch nicht für ewig), und dann wir einfach der Arbeitsvertrag nicht mehr verlängert.
Glaubst du etwa, daß wenn du als Musiklehrer um jeden Schüler zittern muß, daß du ihn dann so unterrichtest, wie du ihn unterrichten würdest, wenn du ein Festangestellter wärest. Als Freiberufler mußt du den Leuten in erster Linie gefallen. In zweiter und in dritter auch. Und vielleicht ganz bißchen und ganz höflich sagst du ihm dann, wie du es gerne hättest. Auch ein Musikschullehrer sollte eine Autoritätsperson sein, doch die Spezifik seiner Lage entzieht ihm jegliche Grundlagen dafür.
Und das ist eine sehr wichtige, unentbehrliche Tätigkeit! Ein Kind, der eine Violine in die Hand nimmt, nimmt keine Bombe. Die Beschäftigung mit Musik hat nicht nur positive Auswirkungen auf das Gehirn, sondern sie erzieht den Menschen, sie lehrt ihn Geduld, Ausdauer und Disziplin. In unserem Zeitalter der Hyperaktivität ist es enorm wichtig. Das Kind lernt, Freude zu empfinden, die aus dem Inneren kommt und nicht oberflächlichen Spaß, für den man immer Reize von Außen braucht. Wir sind Ansprechpartner für unsere Schüler. Ich habe schon einen davon abgebracht, sich das leben zu nehmen. Sie erzählen mir vom Tod ihres geliebten Haustieres, vom blöden Vater, der das alleinige Sorgerecht will und von ihrer ersten Liebe. Deswegen habe ich etwas dagegen, daß man uns in einer Reihe mit der Firma für Wollsocken stellt. Bildung (und das ist eine Bildungsanstalt!) und Medizin ist die Sache des Staates, der soll es schützen und eingreifen, wenn es nicht mehr rechtens ist.