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Re: Wohnung in Berlin

Verfasst: 26 Aug 2011, 06:24
von Norbert
Apollo hat geschrieben:Auslandsdeutscher ist Deutscher mit Erstwohnsitz im Ausland, habe nur einen Reise- und einen Dienstpass.
"... und ..." - also ich bin Auslandsdeutscher und habe keinen Dienstpass. Den hat man nur als Angestellter einer staatlichen deutschen Organisation, wie ZfA, Goethe, ...

Man kann seit einiger Zeit auch als Auslandsdeutscher wieder einen Perso haben - das ist neu. Ab 2013 kann man den dann in den meisten Botschaften und Konsulaten bestellen, bis dahin in jeder beliebigen deutschen Meldestelle (wobei es in BaWü wohl technische Probleme gibt).

Re: Wohnung in Berlin

Verfasst: 26 Aug 2011, 09:11
von Zeppelin
herlit hat geschrieben:So Du noch immer dort wohnst, gefällt es Dir dennoch.
Es würde zu weit führen, dies zu erklären. Aber meine Wohnung hat hinsichtlich Lage, Verkehrsanbindung, Größe und Kosten sehr große Vorteile.
Ärgerlich ist nur die neue Bevölkerung in der Nachbarschaft. Ich lasse mich aber nicht vertreiben.

Re: Wohnung in Berlin

Verfasst: 26 Aug 2011, 13:07
von Apollo
Zeppelin hat geschrieben:Ärgerlich ist nur die neue Bevölkerung in der Nachbarschaft. Ich lasse mich aber nicht vertreiben.
Die jungen Erfolgreichen, deren Kinder Merle oder Sebastian Balthasar heissen, die mit Sturzhelmen auf Spielplätzen spielen, Eltern die nur Bio und Fair Trade kaufen, es hipp finden die Falafel beim Türken um die Ecke zu verspeisen. Mütter, die mit den Kleinkindern in die Mutter-Kind Sauna gehen.
Ja ja, die Gesellschaft kann so interessant sein....

Re: Wohnung in Berlin

Verfasst: 26 Aug 2011, 13:21
von Zeppelin
Apollo hat geschrieben:Die jungen Erfolgreichen, deren Kinder Merle oder Sebastian Balthasar heissen, die mit Sturzhelmen auf Spielplätzen spielen, Eltern die nur Bio und Fair Trade kaufen, es hipp finden die Falafel beim Türken um die Ecke zu verspeisen. Mütter, die mit den Kleinkindern in die Mutter-Kind Sauna gehen.
Ja ja, die Gesellschaft kann so interessant sein....
Du bringst es ziemlich gut auf den Punkt. :( / :lol:
Hast nur noch vergessen, dass die selbst Eingeborenen Berlinern meinen, mir Berlin erklären zu müssen. :twisted:

Re: Wohnung in Berlin

Verfasst: 26 Aug 2011, 13:30
von Norbert
Apollo hat geschrieben:Mütter, die mit den Kleinkindern in die Mutter-Kind Sauna gehen.
Meine Mama war mit mir auch in den frühen 80ern in der Sauna. ;) Und ich gehe auch wieder mit meinem Sohn in die Sauna.

Aber mal im Ernst - mein Sohn hat einen schöneren Namen, finde ich, und hat keinen Sturzhelm - aber ansonsten bestehe ich auch in Russland auf einen Kindersitz im Auto und würde in Berlin sofort viel Bio kaufen. Dürfte ich deswegen nicht im Prenzlauer Berg wohnen, wenn ich plötzlich ein Jobangebot in Berlin hätte? Anders gefragt - wo wäre ich denn richtiger? Auf den Potsdamer Platz passe ich wohl auch nicht so recht. Wenn ich jetzt nach Friedrichshain gehen würde, wäre ich wahrscheinlich noch böser, weil ich dann "auch dort noch" den Kiez zerstören würde.

Dass sich durch die Aufwertung von Berlin zur Hauptstadt gewisse Verdrängungsprozesse einstellen, war vorherzusehen. Aber das wichtigste: Wie will man die denn aufhalten? Maximalmieten werden die Mamas und Papas von Smilla und Jonas sicher nicht aufhalten, oder?!

Re: Wohnung in Berlin

Verfasst: 26 Aug 2011, 14:39
von Zeppelin
Norbert hat geschrieben:Meine Mama war mit mir auch in den frühen 80ern in der Sauna. ;) Und ich gehe auch wieder mit meinem Sohn in die Sauna.
Sachma, wolltest oder konntest Du die Ironie von Apollo nicht verstehen? Es geht ja nicht darum, mit nem Kind in die Sauna zu gehen oder nicht, sondern eben spezielle Einrichtungen aufzusuchen, die die 'Kinderindustrie' hier neben vielen anderen Absurditäten hervor gebracht hat.
...würde in Berlin sofort viel Bio kaufen.
Kindersitz ist ja wohl längst obligatorisch. Aber wenn Du glaubst, dass Du 'Bio'Ware bekommst, wenn Du in den einschlägigen Märkten kaufst, bist Du halt selber schuld.
Wenn schon, dann müsstest Du Dir die Mühe machen, im schönen Brandenburg über Land zu fahren und direkt bei den regionalen Kleinerzeugern einkaufen. Ich mach das ab und zu und zahle dabei inclusive Bahnticket für wirklich gute Lebensmittel nicht mehr, als für gefakte überteuerte Ware in Berlin.
Dürfte ich deswegen nicht im Prenzlauer Berg wohnen, wenn ich plötzlich ein Jobangebot in Berlin hätte? Anders gefragt - wo wäre ich denn richtiger?
Von dürfen kann und soll ja keine Rede sein. Mir wärst Du sicher auch ein willkommener Nachbar. Die Frage ist viel mehr, ob es Dir bzw. Euch hier wirklich gefallen würde.
Da könnte ich Dir eher Pankow oder Friedrichshagen/Rahnsdorf empfehlen.
Wenn ich jetzt nach Friedrichshain gehen würde, wäre ich wahrscheinlich noch böser, weil ich dann "auch dort noch" den Kiez zerstören würde.
Das mit dem Freidrichshain hat sich eh' schon längst erledigt. Da würdest Du als Kiezzerstörer nicht mehr ins Gewicht fallen. Und ich habe so meine Zweifel, ob es Dir dort gefallen würde.
Dass sich durch die Aufwertung von Berlin zur Hauptstadt gewisse Verdrängungsprozesse einstellen, war vorherzusehen. Aber das wichtigste: Wie will man die denn aufhalten? Maximalmieten werden die Mamas und Papas von Smilla und Jonas sicher nicht aufhalten, oder?!
Aufhalten oder verhindern kann und will eine solche Entwicklung höchstens eine fanatisierte Minderheit. Aber Moskauer oder New Yorker Verhältnisse sind hier auch niemands Wunsch. Berlin lebt eben von je her von einer ausgewogenen Mäßigung, die die Stadt erst zu dem gemacht hat, was sie in aller Welt Wahrnemung auch ist.
Aber genau der üble Habitus der massenhaft hergelaufenen aus westlichen Provinznestern, die schlichtweg zu doof oder zu faul sind, ihren Müll vernünftig zu trennen und sich so egoistisch-asozial wie möglich zu benehmen, macht das Image der Stadt nach und nach leider zunichte.

Komm einfach mal vorbei und sieh Dir selbst an, dass dieser vermeintliche Ökotrend nur absolut aufgesetzt ist; reine Fassade und nix dahinter. Gegenseitige Rücksichtnahme oder gar Hilfe: Totale Fehlanzeige!

Re: Wohnung in Berlin

Verfasst: 26 Aug 2011, 15:18
von bella_b33
Apollo hat geschrieben: Die jungen Erfolgreichen, deren Kinder Merle oder Sebastian Balthasar heissen, die mit Sturzhelmen auf Spielplätzen spielen, Eltern die nur Bio und Fair Trade kaufen
:lol: VOLLTREFFER! Da drauf geb ich ne Runde Bionade aus *duck und weg*

Re: Wohnung in Berlin

Verfasst: 26 Aug 2011, 15:35
von Norbert
Zepp, ich habe bewusst mit meiner Aussage etwas provozieren wollen - denn die Fragestellung interessiert mich wirklich. Ich lese in der taz (ist das jetzt auch schön böse oder noch nicht ;) ) immer wieder von diesem Konflikt, und denke mir dann: Mensch, an sich bist Du auch so einer, der den Kiez zerstören würde - leicht überdurchschnittliches Einkommen, de facto Pseudo-Öko, derzeit ein verwöhntes Einzelkind im Haushalt, ... aber ich lebe halt so und meine auch, jede Änderung dieses Stils wäre nur aufgesetzt. Und was wäre denn konkret für mich der Ausweg? Ich würde den Kiez ja wirklich nicht zerstören wollen, weil ich Berlin so schrullig, wie es auf mich Sachsen wirkt, sehr mag! Aber wenn ich jetzt einen Job da hätte, irgendwo müsste ich ja hin?!

Wahrscheinlich wäre so eine Ecke wie Rahnsdorf wirklich ein Kompromiss. Ist aber arg weit draußen.

(An sich hast Du schon recht, so ganz würde ich ins Feindbild des Schwaben wohl doch nicht passen, aber die Frage bleibt - es gibt ja auch liebe Schwaben.)

Re: Wohnung in Berlin

Verfasst: 26 Aug 2011, 16:06
von Mista
Zeppelin hat geschrieben: Ich lebe zwar immer noch im Prenzlauer Berg, aber heute würde ich hier nicht mehr herziehen.
dito...

Re: Wohnung in Berlin

Verfasst: 26 Aug 2011, 16:17
von Zeppelin
Norbert hat geschrieben:Ich lese in der taz (ist das jetzt auch schön böse oder noch nicht ;) )
Böse ist es sicher nicht, nur leider ebenso ideologisiert wie etwa die BLÖD-Zeitung am anderen Ende des Spektrums
immer wieder von diesem Konflikt, und denke mir dann: Mensch, an sich bist Du auch so einer, der den Kiez zerstören würde - leicht überdurchschnittliches Einkommen, de facto Pseudo-Öko, derzeit ein verwöhntes Einzelkind im Haushalt, ... aber ich lebe halt so und meine auch, jede Änderung dieses Stils wäre nur aufgesetzt.

Nun, ich wiederhole mich: Du müsstest Deinen Lebensstil vom Ansatz her sicher nicht ändern. Schließlich knüpfst Du damit ja an die Ursprünge des Prenlauer Berg Mythos' in den 1970ern an (abgesehen mal von den damaligen Einkommmensverhältnissen). Aber Du würdest davon heute hier nicht mehr viel finden. Denn die meisten meinesgleichen hatten bei der Privatiesierung und 'Modernisierung' weit weniger Glück als ich und sind gnadenlos verdrängt worden bzw. geflüchtet.
Und was wäre denn konkret für mich der Ausweg? Ich würde den Kiez ja wirklich nicht zerstören wollen, weil ich Berlin so schrullig, wie es auf mich Sachsen wirkt, sehr mag! Aber wenn ich jetzt einen Job da hätte, irgendwo müsste ich ja hin?!

Wahrscheinlich wäre so eine Ecke wie Rahnsdorf wirklich ein Kompromiss. Ist aber arg weit draußen.
Also: Berlin war und ist schon immer eine Stadt gewesen, deren Leben von Zu- und Durchwanderern aus aller Herren Länder gespeist und geprägt wurde. So besingt ein alter Song ja völlig zu Recht "Ich hab noch einen Koffer in Berlin..." - Wer hier weggeht, lässt immer einen zurück und kommt irgend wann, um den zu holen oder um doch hier zu bleiben. (Darunter auch jede Menge Sachsen - die wir hier in unterschiedlich guter Erinnerung haben.)
Rahnsdorf: Auf der Karte mag es aussehen, wie 'j.w.d.' (Jott weh dee), ist aber die reiste Idylle und verkehrstechnisch sehr gut angebunden. War aber neben Friedrichshagen und Pankow nur ein Beispiel.
Natürlich käme auch für Euch - wie ich es schon Mista empfohlen hatte - womöglich das Viertel zwischen Seestraße, Afrikanischer Straße/Volkspark Rehberge, Kurt-Schumacher-Platz und nördlicher Müllerstraße/bzw. dann Scharnweberstraße in Frage. Man nennt dieses auch 'afrikanisches Viertel'.
(An sich hast Du schon recht, so ganz würde ich ins Feindbild des Schwaben wohl doch nicht passen, aber die Frage bleibt - es gibt ja auch liebe Schwaben.)
Und genau das mit den 'Schwaben' ist so ein Medienklischee, welches nicht den Kern der Sache trifft. An schlimmsten sind vielmehr die Leute aus kleinen Provinzstädten in vielerlei Gegenden des Landes.
Da hat man immer den Eindruck, die sind bis zum Abi mit Stützrädern am Fahrrad von Mami zur Schule gebracht worden. Und nun hat man denen auf dem Weg nach Berlin diese Stützräder vom Rad montiert und nun wollen sie hier endlich mal die "Sau rauslassen" - benehmen sich dabei aber so, als würde ihnen Mami noch immer alles nachräumen. Weil das aber nicht passiert, lassen sie ihren Frust an der Nachbarschaft und auf deren Kosten aus.
Ich will das gar nicht weiter ausführen.

Aber hier: http://youtu.be/V9-ltTCuEFU ist ziemlich plastisch beschrieben, was ich meine

Gruß,
Z.