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Re: Das ideale Hotel
Verfasst: 16 Okt 2011, 18:00
von pippie
domizil hat geschrieben:pippie hat geschrieben:Da sind ja echte Profis am Werke, es gibt ja kaum was, an das ihr nicht gedacht habt
... naja, danke, danke. Ich würde weniger das Wort "Profis" betonen als vielmehr sagen das sich ein gutes "Kommando" zusammengefunden hat. Für die ganz speziellen fachlichen Dinge wurde im vergangenen Jahr eine deutsche Unternehmensberatung beauftragt. Ansonsten versucht der "Kreis der Interessierten" einfach alles logische und vernünftige zusammen zu tragen. Wir haben bereits seit 1995 gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit gesammelt. 1995 haben wir angefangen das System "Duty Free" in Kaliningrad aufzubauen - ich meine erfolgreich. 1997 haben wir angefangen dasselbe im Süden Russlands zu organisieren (Sotchi, Rostow, Krasnodar und und und) - ich meine erfolgreich. 2001 haben wir ein Netz von Shops für elitäre alkoholische Getränke in Kaliningrad aufgebaut - ebenfalls erfolgreich. Vor einem Jahr haben wir dann auch im Süden damit angefangen. Immer haben wir Neuland betreten und man hat uns bedauert - weil es aussichtslos ist ... Naja und nun sind wir etwas abgewichen von der Hauptlinie - entgegen dem deutschen Sprichwort: "Schuster bleib bei deinen Leisten". Mir "zittern" natürlich auch ein wenig die Knie, aber wie sagt der Russe: "Wer nicht wagt trinkt keinen Champagner. Und da man - entsprechend meiner Fußnote in diesem Forum "...an Russland einfach nur glauben muß..." gebe ich mir alle Mühe gemeinsam mit meinen russischen Partnern auch an dieses Projekt zu glauben.
Uwe
Ich wünsche euch von ganzem Herzen auch weiterhin ein glückliches Händchen!
Re: Das ideale Hotel
Verfasst: 17 Okt 2011, 19:24
von Jenenser
In Russland (Ukraine) fällt mir als gewöhnlicher Tourist immer auf, dass das Frühstücksrestaurant in Hotels oft in fensterlosen Räumen oder häufig im Keller ist. Den neuen Flachbildfernseher soll jeder sehen und vor allem hören...
Soll heißen, dass ich andere Vorstellungen habe. Das Büfett (Шведский стол) ist stark im Kommen und verdrängt langsam das Komplexfrühstück. Bei der zu letzt genannten Variante ist die Spannung stets recht hoch, was in Gängen serviert wird. Manchmal kann man einige Bestandteile wählen, entweder sofort oder es liegt ein Stift und Zettel für eine mögliche Bestellung für den nächsten Tag bereit. Auch bestimmte der Kellner, wie viel Zucker gut für den Tee ist, der nur am Ende des Frühstücks serviert wird... Für westliche Besucher ist diese Form ungewöhnlich, für mich stets interessant.
Man sollte auch beim Frühstücksbüffet im Hotel nicht verzichten auf die typischen russischen Kaschas (ich mag besonders овсянка), Quarkkeulchen u.s.w. Auf dem Büffet macht sich auch ein Samowar für den Tee ausgezeichnet. Die Russen experimentieren gern mit Farben, Tapeten, Gardinen. Für mich als Ausländer ist das chic und besser als weiße Raufaser und weiße Bettwäsche. Im Bad erkenne ich (und vor allem meine Frau) immer, egal ob Hotelneubau oder Sanierung, Fehler bei der Verlegung der Fliesen oder der Sanitärtechnik. In den Hotelfluren empfehle ich eine Art Bildergalerie mit Fotos aus der Königsberger- und der neuen Kaliningrader Zeit. Russen, die ich kenne, fotografieren sehr gern und betrachten gern historische Aufnahmen. Auch kommen ältere Gegenstände, wie Stühle, Kommoden zur Dekoration immer gut an. Ich denke schon, dass das Kaliningrader Gebiet Neugierde bei allen Russen weckt. Es ist exotisch und auch Geheimtipp, gerade in Bezug auf die deutsche Vergangenheit. Eine Shuttle sollte regelmäßig das Hotel mit der Stadt oder anderen Gegenden verbinden. Das Fahrzeug kann ruhig eine gepflegte russische GAZelle mit Beschriftung sein, als ein alter ausrangierter Mercedes. Fahrrad wurde schon erwähnt. Aus dem Ural weiß ich, das Thema ist im Kommen.
Re: Das ideale Hotel
Verfasst: 17 Okt 2011, 19:49
von domizil
Danke für den Beitrag und die Empfehlungen. Wurde von mir alles bereits in die große Diskussionsdatenbank für die nächste Versammlung aufgenommen.
Gerne möchte ich aber nochmal auf das Thema «Frühstück» zurückkommen. Ich schwelge gerne in Erinnerungen und deshalb hier an der Stelle vielleicht mal mein Erlebnis aus dem Jahre 1996 zum sogenannten Komplexfrühstück.
Während der Instandsetzung meiner Wohnung lebte ich ungefähr eine Woche im Hotel «Kaliningrad». Damals wie heute eines der größten Hotels am Platze. Die Übernachtung kostete für mich als Ausländer hundert Dollar, allerdings ohne Frühstück. Am ersten Morgen ging ich nach unten um zu frühstücken und merkte, daß dies gar nicht so einfach war. Ein Frühstücksbüffet gab es nicht und so wartete ich auf die Bedienung, die dann auch irgendwann kam.
„Ich möchte frühstücken“, sagte ich forsch. Die etwas füllige Kellnerin antwortete leicht gequält: „Es gibt Komplexfrühstück eins oder Komplexfrühstück zwei. Welches wollen sie?“ Leider war ich ungenügend qualifiziert, um diese Frage sofort beantworten zu können und fragte deshalb, was denn Komplex eins und Komplex zwei sei. Die nette Bedienung verdrehte leicht die Augen über diesen ungebildeten Ausländer. Wahrscheinlich war ich auch nicht der Erste, der diese dumme Frage stellte und sie fühlte sich schon leicht gestreßt. „Also Komplexfrühstück eins ist: Tee, Brot, Butter und Würstchen. Komplexfrühstück zwei ist Kaffee Brot, Butter und Spiegelei.“ Nun hatte ich Appetit auf das Spiegelei. Aber Kaffee wollte ich nicht und so bestellte ich den Frühstückskomplex zwei, aber mit Tee. Sie dachte kurz nach, war etwas verwirrt und sagte, das so ein Komplexfrühstück nicht existiere. Sie vermutete wohl, daß ich die Struktur des Frühstücks nicht richtig verstanden hatte und wiederholte nochmals. Anschließend wiederholte ich meinen Wunsch wiederum. Jetzt wurde sie doch etwas ungemütlicher. Schließlich hatte sie noch mehr zu tun, als diesen dummen Ausländer zu bedienen, der partout nicht verstehen wollte, daß es festgelegte Frühstücksregeln gab. Auch ich verlor langsam die Geduld. Links und rechts wurde man schon aufmerksam und begann sich auch zu amüsieren. Alle hatten das gleiche Problem und nun wartete man gespannt, wie das Duell zwischen ausländischem Aufsässigen und einheimischer Servierkraft mit planpolitischer Kampferfahrung ausgehen würde. Sie ging jetzt zum Angriff über und versetzte mir den Todesstoß: „Also, ich sage es ihnen nun zum letzten Mal, wir haben eine Kalkulation und deshalb kann ich ihnen das Komplexfrühstück zwei nur mit Kaffee anbieten.“ „Verstehe ich nicht“, erwiderte ich. „Ist denn der Unterschied zwischen Kaffee und Tee in der Kalkulation so groß?“ „Na sicher doch“, antwortete sie, „ansonsten wäre es doch möglich Kaffee gegen Tee zu tauschen.“ Ich nahm die Speisekarte und zeigte ihr, daß in der Speisekarte sowohl Kaffee wie auch Tee zum selben Preis angeboten wurden. Ich bat sie, mir den Widerspruch, der gar keiner war, zu erklären. Sie war empört über so einen schlecht erzogenen Gast. Sie stellte mir ein Ultimatum: „Entweder sie entscheiden sich jetzt zwischen eins oder zwei, oder sie können gehen. Ich werde sie nicht weiter bedienen.“ Jetzt wurde es gefährlich für mich. Leider gab es damals noch keine kleinen Kaffees oder Bistros, wo man früh am Morgen frühstücken konnte. Ich konnte also nicht einfach aufstehen und woanders frühstücken. Deshalb entschied ich mich zu drei Dringen: erstens für das Komplexfrühstück Nummer zwei mit Kaffee, zweitens zu einer zusätzlichen Tasse Tee aus der normalen Speisekarte und drittens, daß dies mein letzter Besuch in diesem Hotel gewesen sein sollte. Allerdings nahm ich mir vor, wenn einmal ungebetene Gäste unsere Firma besuchen sollten, diese in diesem Hotel unterzubringen.
Glauben sie bitte nicht, daß ich mit dieser Schilderung übertreibe. Als wir unsere zweite Firma im Süden Rußlands eröffneten und ich öfter in Sochi zu tun hatte, traf ich auch dort auf ein ähnliches Phänomen. Allerdings ging es hier nicht um Kaffee oder Tee, sondern um ein zusätzliches Glas Orangensaft, welches natürlich im Preis nicht einkalkuliert war. Obwohl ich bereit war zusätzlich zu bezahlen, hatte ich Schwierigkeiten. Erst nachdem ich der Servierkraft das Geld im voraus gegeben hatte, war diese bereit, mir ein Glas zu besorgen. Nun, es dauert eben ein bißchen, bis auch im letzten Winkel von Rußland die planwirtschaftlichen Marotten ausgemerzt sind. Mit Grausen erinnere ich mich daran, daß das auch mal meine Studienrichtung gewesen war. Allerdings hatten wir etwas ganz anderes in der Theorie gelernt. So schlecht hörte sich die Planwirtschaft in den Vorlesungen und Seminaren auf der Akademie oder der Hochschule oder während der Berufsausbildung gar nicht an. Aber in der Praxis wurde dann doch die Theorie arg vergewaltigt.
Uwe Niemeier
Re: Das ideale Hotel
Verfasst: 17 Okt 2011, 21:59
von Apollo
Macht man sich über solche Dinge nicht Gedanken, bevor der erste Stein gelegt wird ? Solche Überlegungen sind doch in der Regel Bestandteil eines Business Plans, den man für die Gespräche mit potentiellen Investoren benötigt. Oder hat Oligarch die Baukosten aus der Portokasse gelegt ?
Auf Basis der avisierten Zielgruppe, nach durchgeführter Marktanalyse und -segmentierung, sollte man bedarfsgerechte Ausstattungsmerkmale und Zusatzangebote definieren.
Wie würde denn die Zielgruppe am Besten beschrieben werden ? Alter ? Einkommens- und Bildungsniveau ? etc..
Re: Das ideale Hotel
Verfasst: 17 Okt 2011, 22:41
von pippie
Apollo hat geschrieben:Macht man sich über solche Dinge nicht Gedanken, bevor der erste Stein gelegt wird ? Solche Überlegungen sind doch in der Regel Bestandteil eines Business Plans, den man für die Gespräche mit potentiellen Investoren benötigt. Oder hat Oligarch die Baukosten aus der Portokasse gelegt ?
Auf Basis der avisierten Zielgruppe, nach durchgeführter Marktanalyse und -segmentierung, sollte man bedarfsgerechte Ausstattungsmerkmale und Zusatzangebote definieren.
Wie würde denn die Zielgruppe am Besten beschrieben werden ? Alter ? Einkommens- und Bildungsniveau ? etc..
Trotzdem kann man doch kurz vor Fertigstellung seine Gedanken nochmal überprüfen und eventuell neue zulassen, die gut passen!
Nichts ist so gefährlich wie Stillstand.
Re: Das ideale Hotel
Verfasst: 17 Okt 2011, 23:03
von Apollo
pippie hat geschrieben:Trotzdem kann man doch kurz vor Fertigstellung seine Gedanken nochmal überprüfen und eventuell neue zulassen, die gut passen!
Nichts ist so gefährlich wie Stillstand.
Da Stimme ich Dir zu, allerdings können es in dieser Phase in der Regel nur Feinadjustierungen sein.
Entscheidend ist und bleibt die Zielgruppe.
Was die Zielgruppe angeht ist aus deutscher Sicht eigentlich nur die Vergangenheit dieser Region interessant. Insofern dürften die meisten Tourismusgäste innerhalb der Stadt, des Oblastes irgendwo auf der Suche nach Spuren aus der Vergangenheit sein.
Jetzt kann man sich überlegen, was das für eine Klientel ist. Diejenigen, die alles noch aus erster Hand erlebt haben sind Rentner und steinalt.
Die zweite Generation, noch in Königsberg geboren, ist auch über 65 und Rentner. Die dritte Generation ist auf der Suche nach den Wurzeln, vielleicht 40-50, durchaus gut verdienend, wenn man eine derartige Tour als Urlaub plant. Die wollen dann aber auch was rumkommen und nicht nur im Hotel Ressort abhängen.
Urlaub nur wegen der Natur ? Daran glaube ich nicht. Da gibts andere Destinationen, die man "problemloser" bereisen kann. U.A. auch in Polen.
Urlaub wegen Russland ? Da gehts eher nach Moskau oder Petersburg.
Zusammengefasst, ich würde überlegen, wie ich die besonderen historischen Aspekte der Region in das Angebot einfliessen lassen kann.
Wegen so einer Netzfarm dürften auch die Wenigsten eine Entscheidung für das Hotel treffen.
Darüber hinaus, natürlich, Service, Sauberkeit, die Klassiker für Hotels eben.
Re: Das ideale Hotel
Verfasst: 17 Okt 2011, 23:05
von Jenenser
domizil hat geschrieben:
Glauben sie bitte nicht, daß ich mit dieser Schilderung übertreibe. Als wir unsere zweite Firma im Süden Rußlands eröffneten und ich öfter in Sochi zu tun hatte, traf ich auch dort auf ein ähnliches Phänomen. Allerdings ging es hier nicht um Kaffee oder Tee, sondern um ein zusätzliches Glas Orangensaft, welches natürlich im Preis nicht einkalkuliert war. Obwohl ich bereit war zusätzlich zu bezahlen, hatte ich Schwierigkeiten. Erst nachdem ich der Servierkraft das Geld im voraus gegeben hatte, war diese bereit, mir ein Glas zu besorgen.
Sochi und Orangensaft: Wir wohnten vor einigen Jahren im Hotel "Primorskaya". Leider öffnete die "Bar" mit den Getränken erst am Abend. Von den Frühstückskellnern kam da keiner ran. Und der gezuckerte Tee war bekanntlich der letzte Gang und noch weit entfernt. Sei es drum! Übrigens waren alle von mir besuchten Hotelzimmer in Russland mit einem relativ großen Kühlschrank ausgestattet. Den konnte (mußte) man selbst bestücken...
Re: Das ideale Hotel
Verfasst: 17 Okt 2011, 23:45
von Andrei
Uwe, Sie haben den sowjetischen Bedienungsstil ganz gut kennenglernt! Vielleicht können Sie jetzt eine besondere Darbietung für Ihre Hotelgäste anzubieten: den sowjetischen Restaurant. So mit "Frühstuck Nr.1", mit "Комплексный обед", mit Beefstroganoff - also für die West-Deutschen die Exotic, und für die Russen und vielleicht manche Ost-Deutschen eine Art von Nostalgie. Aber natürlich muss daneben auch ein normales europeische Restaurant sein.

Re: Das ideale Hotel
Verfasst: 17 Okt 2011, 23:49
von domizil
Apollo hat geschrieben:Macht man sich über solche Dinge nicht Gedanken, bevor der erste Stein gelegt wird
... ach, Sie haben ja so recht ... Aber wir sind in Russland und ... ich zitiere Sie weiter:
Apollo hat geschrieben:Oder hat Oligarch die Baukosten aus der Portokasse gelegt ?
... nicht ganz, aber ...
Alles andere was Sie schreiben ist völlig richtig und wir sind dabei darüber nachzudenken. Deshalb ist ja auch eine deutsche Unternehmensberatung eingeschalten. Nur ich möchte auch meinen Beitrag leisten - unabhängig von irgendwelchen Unternehmensberatungen - wenn Sie so wollen als kritischer Gegenfrager - und deshalb sind solche Beiträge wie die Ihren Gold wert. Und, was den Businessplan angeht: In meiner Firma bewegt sich kein Stein und kein Rubel ohne einen Businessplan, in anderen Firmen geht das irgendwie ... Wie sagt ein altes Sprichwort: "Und ist der Plan auch noch so gelungen, verträgt er doch noch Änderungen."
Uwe Niemeier
Re: Das ideale Hotel
Verfasst: 17 Okt 2011, 23:55
von domizil
Andrei hat geschrieben:Vielleicht können Sie jetzt eine besondere Darbietung für Ihre Hotelgäste anzubieten: den sowjetischen Restaurant.
... wie sich die Gedanken kreuzen. Also an so ein Restaurant bzw. Hotel (Minihotel) habe ich auch schon mal gedacht. Im Osten Deutschlands soll es so etwas schon geben und wird von Westdeutschen auch genutzt - eben wegen der "kalten Schauer über dem Rücken ..."
Aber wir sind in Russland noch nicht ganz soweit, weil doch noch vieles von früher übriggeblieben ist und der westdeutsche Tourist so nicht unterscheiden kann was denn spezielle Nostalgie ist und was ist noch reale Wirklichkeit ... (bitte das ganze mit etwas Augenzwinkern lesen).
Ich behalte aber diesen Nostalgiegedanken erstmal für mich - mein russischer Bekannter würde vielleicht doch denken das ich während meines kurzen Deutschlandaufenthaltes irgendwas nicht vertragen habe ...
Andrei, danke und bis bald
Uwe