Dietrich hat geschrieben:Und du bist dir sicher, dass die Zahlen so direkt vergleichbar sind?
Das die Definitionen in allen drei Fällen die Gleichen sind?
...
Diese ganzen Zahlen direkt zu vergleichen ist also durchaus schwierig.
Das ist absolut richtig. Und deswegen finde ich diese Aussage
Dietrich hat geschrieben:Also wenn ich (mal rein mathematisch) davon ausgehe, dass es in Russland mehr Heimkinder als Adoptionswillige Paare gibt und in den USA mehr Adoptionswillige als Heimkinder, dann würde ich die Aussage:
"Es gibt in den USA mehr gute, ehrliche und mildherzige Leute, die gerne ein Kind adoptieren möchten UND noch keins adoptiert haben, als in Russland" durchaus im Bereich des Möglichen einordnen.
(man beachte die hervorgehobene Einschränkung!)
recht gewagt. Ok, du hast gesagt "im Bereich des
Möglichen", aber du hast auch gesagt "rein
mathematisch" - und wir sind ja nun zum Ergebnis gekommen, dass es eben mathematisch keine Möglichkeit gibt, die Zahlen so einander gegenüberzustellen, dass man tatsächlich sieht, wo es mehr Adoptionswillige gibt, sprich wo möglicherweise mehr gute, ehrliche und mildherzige Leute leben...
Dietrich hat geschrieben:manuchka hat geschrieben:Rein mathematisch gibt es in den USA per se einfach mehr Leute als in Russland. Damit hinkt der Vergleich schon mal.
DAS Argument spricht aber doch eher FÜR meine Behauptung....
Nur, wenn man absolute Zahlen betrachtet. Aber dann müsste man wohl sagen, dass statistisch in China die meisten guten, ehrlichen und mildherzigen Leute leben... aber anteilig (und darauf läuft es ja bei der Gegenüberstellung Adoptionswillige / adoptierbare Kinder raus) muss das noch lange nicht so sein, da könnte auch Island die meisten guten, ehrlichen und mildherzigen Bewohner haben.
Egal, die Diskussion ist müßig, ich möchte mir jedenfalls nicht anmaßen zu behaupten, dass hier oder da oder dort mehr Menschen in die Kategorie "gut, ehrlich und mildherzig" fallen als anderswo. Und das hat der Patriarch auch nicht getan. Er hat nur an die Güte und Mildherzigkeit seiner Adressaten appelliert, und das sind in erster Linie die orthodoxen Gläubigen in Russland.
Dietrich hat geschrieben:Ich finde aber trotzdem, dass sich ein geistlicher Führer dazu äußern sollte, wenn ein derartiges Gesetz von der Politik beschlossen wird UND er das Thema anspricht.
Ja, der Meinung bin ich grundsätzlich auch, ABER nur weil er das Thema in der Weihnachtsrede angesprochen hat, muss er nicht auch in der gleichen Weihnachtsansprache eine politische Stellungnahme abgegeben. Ich mag den Patriarchen nicht sooo sehr, aber ich finde es weise, dass dieses Thema an dieser Stelle nicht politisiert wurde. Ich finde es gut, dass der Aufruf zu mehr Adoptionsbereitschaft an dieser Stelle ohne Verweis auf die Existenz des neuen Gesetzes kam. In diesem Sinne hat dieser Aufruf auch etwas versöhnliches: egal, wie man diesem Gesetz nun gegenüber steht - mehr Adoptionsbereitschaft im Land wäre sicher positiv, da kann sich also der Befürworter des Gesetzes genauso angesprochen fühlen wie der Gegner dieser Regelung.
Eine kritische Stellungnahme
zur richtigen Zeit und gegenüber dem richtigen Adressatenkreis ist sicher angebrachter und respektvoller und vermutlich sehr viel wirkungsvoller als große Polemik in der Weihnachtsansprache. Ich als Adressat würde es jedenfalls mehr schätzen, wenn man mir seine Bedenken in der entsprechenden Runde mitteilt und ich sie nicht in Form einer Ansprache ans ganze Volk um die Ohren gehauen bekäme. Da könnte ich mich nämlich dann auch blöd stellen und sagen: a) Das war ja gar nicht an mich gerichtet. b) Offiziell sind Staat und Kirche getrennt, der hat also gar nix zu melden.
Insofern wäre so eine politisierte Weihnachtsansprache womöglich eher kontraproduktiv.