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Re: Wie sieht es mit RUS aus?

Verfasst: 27 Apr 2014, 22:57
von weltenbummler
GIN hat geschrieben:
weltenbummler hat geschrieben:
klaupe hat geschrieben:Permafrostzonen und ausgetrocknete Steppen will ich mal auslassen, aber entlang der Verkehrswege gibt es auch etliche Notstandsgebiete. Bis zur Wende hat man mit Anlagen produziert, die aus dem beginn des Industriezeitalters stammen und nie modernisiert wurden. Damit kann man nun auch nichts mehr sinnvoll produzieren. Immerhin, für die Milliarden, die z.B. in Sotschi verpulvert wurden, hätte man etliche Betriebe hochfein modernisieren können und da wäre die Rendite sicherlich höher als in einem subtropischen Wintersportort.
Zum Beispiel in der Landwirtschaft wurde massiv investiert (Im Moment ist aufgrund des Rubelkurses Pause). Auch in sehr entlegenen Regionen. Es wurden sogar Tierhaltungsanlagen in Jakutsk, im Permafrost oder auf Kamschatka modernisiert. Aber es braucht nun mal Zeit bis es bergauf geht.

Und in solchen modernen Betrieben braucht man gut ausgebildete motivierte Mitarbeiter. Die "Problemfälle" kann man dort auch nicht sinnvoll beschäftigen
Es wurde in Grossbetriebe investiert die völlig überteuert produzieren. Der gesamte landwirtschaftliche Sektor ist vollkommen von Subventionen abhängig. Kleintraktoren haben überhaupt keinen Markt in Russland. Ich hab bei mir die durchschnittlichen Erträge an Grasschnitt an der Wolga (Engels) liegen und da war zwischen 1900 und 1930 immer nur 8 bis 9 Tonnen. Heute fahren die 3 bis 4 Tonnen ein. Überhaupt keinen Zwang zur Optimierung, sondern nur Subventionsfehltsteuerung. Wenn der Oilpreis auf 20 USD/Fass sinken würde, dann gibt's wieder Brotkrisen in Russland.
Es gibt jede Menge Kleintraktoren in Russland (Typ Belarus). Die "arbeiten" aber auch in Großbetrieben.

Die Betriebsstruktur in Russland war immer anders als in Westdeutschland. Erst gab es Gutsbetriebe mit Leibeigenen, dann Kolchosen, heute Agrarholdings. Die modernen Agrarholdings wirtschaften sehr effizient und Kostengünstig, teilweise wird sogar Weizen nach Europa exportiert. Gerade die alten "Kolchosen" mit den Belarus Kleintraktoren haben wirtschaftliche Probleme.

Die Subventionen in Russland sind anders strukturiert. Je erzeugter Tonne Getreide dürften die Subventionen insgesamt aber deutlich niedriger sein als in Deutschland.

Engels ist sicherlich eine Ausnahme. Hier waren deutsche Siedler aktiv. Dort haben sich die Betriebsstrukturen vermutlich deutlich von den Strukturen im übrigen Russland unterschieden.

Re: Wie sieht es mit RUS aus?

Verfasst: 27 Apr 2014, 23:02
von klaupe
weltenbummler hat geschrieben:Die "Problemfälle" kann man dort auch nicht sinnvoll beschäftigen
Die Problemfälle sind nun mal nicht vom Himmel gefallen.
Zugegeben, in Russland gibt er deutlich mehr Probleme und ein Teil wurde auch als direktes Erbe von der CCCP übernommen.

Mich verwundert nur immer wieder die Konzentration der Politik auf spektakuläre Themen. Bestehende Probleme im Inland werden auf die lange Bank geschoben oder einfach ignoriert, dafür holt man sich aus Prestigegründen ein neues, sehr teures Problem ins Haus: Krim. Dazu kümmert man sich noch um Probleme im Ausland (z.B. Ukraine), als wenn man nicht genug im eigenen Haus hätte.

Re: Wie sieht es mit RUS aus?

Verfasst: 27 Apr 2014, 23:22
von weltenbummler
Ein sehr interessanter Artikel über Landwirtschaft in Russland, und was man tun kann, um diese in Schwung zu bringen und dem Land zu helfen:

http://www.spiegel.de/spiegel/a-807985.html

Re: Wie sieht es mit RUS aus?

Verfasst: 28 Apr 2014, 00:01
von Alex KA
Kleintraktoren "Belarus" sind gut, weil die muss man nicht aus Deutschland importieren.. Ausländische Traktoren kosten 1 Million Euro oder so, nach diese Kauf muss man jahrelang schuften um Geld zurück zu bekommen.. Da ohne Putins "Subventionen" natürlich nicht zu machen..

Re: Wie sieht es mit RUS aus?

Verfasst: 28 Apr 2014, 10:31
von klaupe
weltenbummler hat geschrieben:Ein sehr interessanter Artikel über Landwirtschaft in Russland, und was man tun kann, um diese in Schwung zu bringen und dem Land zu helfen:
Wirklich sehr interessant! Es zeigt aber auch, dass man viel Kraft und Einfallsreichtum braucht, um sich gegen die "herrschenden Kräfte" durchzusetzen. Nicht jeder Bauer ist da so veranlagt und offensichtlich reicht Fleiß und Talent in der Landwirtschaft nicht aus.

Andererseits zeigt es, dass genügend Potential (gutes Land, Arbeitskräfte, Absatzmärkte usw.) vorhanden ist, um solche Projekte erfolgreich durchzuführen.
Das sollte doch auch Russen gelingen!

Re: Wie sieht es mit RUS aus?

Verfasst: 28 Apr 2014, 11:48
von Dietrich
Alex KA hat geschrieben:Ausländische Traktoren kosten 1 Million Euro oder so, nach diese Kauf muss man jahrelang schuften um Geld zurück zu bekommen..
Mindestens! Wenn nicht 1 Milliarde oder 10!!!

http://www.truckscout24.de/search/ger/d ... d=14908391

1000% Strafzoll wird auch Putin auf solche (gebrauchten) Traktoren nicht aufschlagen....

Re: Wie sieht es mit RUS aus?

Verfasst: 28 Apr 2014, 13:13
von Zejtnot
klaupe hat geschrieben:Auch später klotzte man bei den Zentren ran, denn das gab schnelle Erfolge und eine repräsentative Optik, mit der man angeben kann.
Das "platte Land" wurde einfach vergessen und daran hat sich bis jetzt kaum etwas geändert. Bei der Eigendarstellung Russlands werden diese Gebiete auch konsequent vergessen.
Nach einem Jahr in einem russischen Dorf teile ich diese Sichtweise nicht mehr - es werden erstaunliche Gelder in die Provinz gesteckt. Dies ist nur leider erheblich aufwändiger, da die Provinz in eine wesentlich größere Fläche verteilt ist. http://www.deutsche-novosibirsk.de/gesc ... utujas/#13

Auch die Landwirtschaft kommt langsam in Gang, scheint mir. Hier in Sibirien vor allem im Altai-Gebiet (nicht Republik Altai!), wo wirklich fast alle Felder wieder bestellt sind. Und inzwischen gibt es auch in Sibirien frischen Salat (der offensichtlich vor Ort gezüchtet wird) und sogar schon Milchfabriken, welche scheinbar aus dem Segment des geschmacklosen Standard-Käse herauswachsen wollen. Leider, wie auch von mir schon oft kritisiert, nur sehr sehr langsam.

Re: Wie sieht es mit RUS aus?

Verfasst: 29 Apr 2014, 10:50
von klaupe
Zejtnot hat geschrieben:Nach einem Jahr in einem russischen Dorf teile ich diese Sichtweise nicht mehr - es werden erstaunliche Gelder in die Provinz gesteckt. Dies ist nur leider erheblich aufwändiger, da die Provinz in eine wesentlich größere Fläche verteilt ist.... Leider, wie auch von mir schon oft kritisiert, nur sehr sehr langsam.
Nun meine ich mit "plattes Land" nicht alles außerhalb Moskaus oder den urbanen Zentren. Das Land ist ja unendlich groß mit sehr viel "platt".

Schon früher wurde bemängelt, dass Putin auch entfernte Gebiete besuchte und dort Investitionen zusagte. Die kamen dann auch (nicht immer, aber immer öfter), aber sie wurden dann auch nur dort eingesetzt und ein paar km weiter änderte sich nichts.
Gezeigt werden immer nur die Ecken, in denen es funktioniert.
Leider fehlt mir ein ordentlicher Überblick, wie sich der Wohnstand in Russland verteilt, wo die Wirtschaft expandiert und wieviel Prozent des Landes immer noch jammern.
Gemessen an "den Stimmen des Volkes" (ich stöbere seit Jahren intensiv bei 'germany.ru' mit über 1 Mio. Mitgliedern), an Medienberichten (sicherich auch relativ einseitig) und den offiziellen Statistiken, muss es da noch erhebliche weiße Flecken auf der Landkarte geben. Wäre die Produktion überall so, wie von Dir beschrieben, dann müsste das Gesamtproduktionsergebnis und BIP deutlich höher liegen.

das Potential wäre sicherlich da und auch die Absatzmärkte. Da spielen selbst bei Landwirtschaftsprodukten die Transportwege eine geringere Rolle, wenn Leistung und Preis stimmen. Wir beziehen Getreide aus Südamerika, Früchte aus der Karibik, Afrika, 'frischen' Spargel und grüne Bohnen aus Chile, Äpfel aus China und fast alle Rosen und andere Blumen kommen inzwischen aus Kenia und Nachbarn. Die Liste lässt sich unendlich fortsetzen.
Da liegt Russland ja fast vor der Haustür und könnte sich hier einen lukrativen Markt erobern.
Auch dem einheimischen Markt würde eine Verbesserung der Versorgung und Qualität nicht schaden.

Re: Wie sieht es mit RUS aus?

Verfasst: 29 Apr 2014, 12:59
von Jenenser
klaupe hat geschrieben:...
Da liegt Russland ja fast vor der Haustür und könnte sich hier einen lukrativen Markt erobern.
Auch dem einheimischen Markt würde eine Verbesserung der Versorgung und Qualität nicht schaden.
Wir haben hier im Forum irgendwo Anfang des Jahres über die Ausstellungshalle Russlands während der “Grünen Woche” in Berlin diskutiert. Obwohl fruchtbare Böden vorhanden sind, vor allem im Krasnodarer Kreis, am Kuban und auch “westliche Technik” ohne Einschränkung zur Bearbeitung des Bodens genutzt werden könnte, fehlt es an qualifizierten und motivierten Arbeitskräften.

Natürlich kann der einheimische Markt quantitativ und qualitativ eine Verbesserung vertragen. Den EU-Markt zu erobern stelle ich mir jedoch schwieriger vor. Und bin mir sicher, dass man zum Beispiel in Holland, Spanien... daran auch kein Interesse hat... In Lateinamerika schafft es auch nicht jede Banane nach Europa. Und das liegt nicht an der Qualität.

Re: Wie sieht es mit RUS aus?

Verfasst: 29 Apr 2014, 19:24
von Sibirier
Afrika usw. Sind die Monatsloehne noch bei 50 EUR, da lohnt sich so etwas. Dort findet man sogar noch gute Arbeitskraefte dafuer. Das kannst Du in der RF vergessen.

Fuer Landwirtschaft in der RF brauchst Du viele Flaechen und grosse Maschinen. Es macht doch ein Deutscher hier vor. Nur dazu brauchst Du Kapital und Beziehungen...Dann klappt es auch mit der Landwirtschaft.