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Re: Lichtblick China?
Verfasst: 21 Mai 2014, 22:55
von klaupe
GIN hat geschrieben:400 Milliarden die nicht in USD abgerechnet werden sollen sondern in einer anderen Währung. Ich bin gespant wie das Projekt weitergeht.
Russland will ja schon lange den Jubel-Rubel als Leitwährung im internationalen Handel etablieren.
Wenn die Chinesen clever sind, stimmen sie einer Abrechnung in Rubel zu. Bei dem anhaltenden Verfall kann das Geschäft nur interessanter werden.
Ich verstehe schon, warum man meint, das die Chinesen immer lächeln ("Das Land des Lächelns")
Re: Lichtblick China?
Verfasst: 21 Mai 2014, 23:05
von Dietrich
Rechnen wir mal....
30 Jahre mal 38 Mrd m³ macht 1140 Mrd m³.
Das sind 1,14 Millarden mal 1000 m³
Da 1000m³ die Maßeinheit für die stets diskutierten Gaspreise sind, haben wir hier also 400 Mrd US-$ geteilt durch 1,14 Mrd mal 1000 m³.
Macht einen Preis von 350 US-$ pro 1000m³. Hört sich erstmal nicht schlecht an.....
Wenn man aber die 400 Mrd mal auf die 30 Jahre abzinst und sich die notwendigen Anfangsinvestitionen Russland ansieht, dann sieht die Sache anders aus. Zu dem Schluss kommt auch
SPON:
Und schließlich ist die Volksrepublik verglichen mit Europa noch ein kleiner Abnehmer. "Russland liefert an Europa pro Jahr knapp 130 Milliarden Kubikmeter Gas, plus 40 Milliarden an die Türkei", sagt Gasexperte Bukold. Das ist mehr als viermal so viel wie der neue Vertrag für China vorsieht.
[...]
Rechnet man die kolportierten 400 Milliarden Dollar auf die gesamten Lieferungen um, kriegt Gazprom nur etwa 350 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas. Das ist etwas weniger als der durchschnittliche Importpreis von umgerechnet etwa 365 Dollar, den Deutschland im März für sein Erdgas zahlte. Und kommerziell enttäuschend angesichts der gewaltigen Summen, die der Konzern nun in die Erschließung der neuen Felder in Ostsibirien investieren muss.
Es sind teure Jubelbilder, die Wladimir Putin da gerade produziert.
Aber solche Überlegungen wird in in den russischen Massenmedien wahrscheinlich nicht geben...
Re: Lichtblick China?
Verfasst: 21 Mai 2014, 23:35
von klaupe
Dietrich hat geschrieben:Rechnen wir mal....
Wir ja, aber das scheint keine der im Kreml verbreiteten Leidenschaften zu sein, jedenfalls nicht nach den hier bevorzugten Rechenmethoden.
Macht einen Preis von 350 US-$ pro 1000m³. Hört sich erstmal nicht schlecht an....
Danke für die rechnung, ich war schlicht zu faul, habe aber in der Richtung geschätzt. Gut, ich hätte auch vorher SPON lesen können, aber da habe ich wohl vom falschen Ende aus gegoogelt. Immerhin liege ich mit meinen Gedanken nicht so weit daneben.
Aber solche Überlegungen wird in in den russischen Massenmedien wahrscheinlich nicht geben...
Man darf doch nicht brave Bürger verwirren, nein, pfui, bääääh, das macht man nicht! Sie sollen stolz sein auf ihren Kleister aller Massen, Pardon, "Meister aller Klassen"!
Wie ist eigentlich der Chef bei seiner offensichtlichen Dyskalkulie an seine Milliarden gekommen? Die Welt ist voller Rätsel

Re: Lichtblick China?
Verfasst: 22 Mai 2014, 01:06
von Sibirier
Sorry, fuer mich ist dies eine kluge Entscheidung in den chinesischen Absatzmarkt einzusteigen.
Desto mehr Abnehmer eine Firma/ein Land hat, desto freier ist sie in Entscheidungen. In meiner damaligen Fabrik in De galt immer die Regel, einem Kunden niemals mehr als 10% der gesamten Produktion zu uebergeben und wir hatten einige Kunden, die dies gerne gehabt haetten. Dadurch hat sich die Firma bis heute nie in Verhandlungszwaengen mit abhaengigen Kunden geben muessen...
Also mehr Verteilung gibt weniger Abhaengigkeit usw...
Re: Lichtblick China?
Verfasst: 22 Mai 2014, 01:47
von klaupe
Sibirier hat geschrieben:Sorry, fuer mich ist dies eine kluge Entscheidung in den chinesischen Absatzmarkt einzusteigen.
Politisch gäbe es ja an China aus westlicher Sicht deutlich mehr zu meckern als über Russland, aber im Geschäft gelten sie als reell und zuverlässig, sicher auch als schlau und raffiniert. Aber darauf kann man sich einstellen.
Das erinnert mich immer an Verträge, die wir mit der Black Sea Shipping Co., Baltic Shipping Co. und INTOURIST machten. Wenn es ausgehandelt und unterschrieben war (eine Tortur!), dann konnte man sich aber auch 100 % darauf verlassen. Selbst Nachbesserungen des laufenden Vertrags zum gegenseitigen Vorteil waren kaum möglich. Da war die CCCP ein absolut solider Vertragspartner.
In der "freien Demokratie" Russlands scheint dieser Ehrenkodex zumindest auf Regierungsebene nicht mehr zu gelten und immer mehr gibt es Anlass, an der Seriosität zu zweifeln.
Die Beispiele der letzten Zeit demonstrieren das sehr auffällig.
Also mehr Verteilung gibt weniger Abhaengigkeit usw...
Eine sinnvolle Möglichkeit das Risiko zu minimieren und die Oberhand zu behalten!
Re: Lichtblick China?
Verfasst: 22 Mai 2014, 11:06
von Dietrich
Natürlich ist der Einstieg in den chinesischen Absatzmarkt erst einmal pauschal kein Fehler.
Da er aber mit nicht unerhebelichen Anfangsinvestitionen verbunden ist, muss sich das ganze schon rechnen. Wenn man nun bedenkt, dass Russland an die Türkei schon 40 Mrd m³ pro Jahr liefert, dann relativieren sich die zahlen bereits. Und wenn man dann ebdenkt, dass Russland (so wie es sich liest) eine Art Festpreis für 30 Jahre macht, dann interressiert schon, ob es da Mechanismen gibt, die auf Inflation und allgemeine Energiepreisschwankungen reagieren oder ob die Chinesen auch dann noch 350 US-$ (oder welche Währung dann auch immer) zahlen, wenn bei z.B. 5% Inflation die 350$ nur noch 75$ heutiger Kaufkraft entsprechen, oder der Rest der Welt längst 1000$ pro 1000m³ bezahlt.
Artikel in der Wirtschaftswoche:
http://www.wiwo.de/politik/ausland/vert ... 31048.html
Um es ganz einfach auszudrücken:
10 Jahre lang hat China mit Russland verhandelt. 10 Jahre lang war Russland nicht mit dem Angebot der Chinesen einverstanden. Und es ist nicht wahrscheinlich, dass im Rahmen der Ukraine-Krise sich China genötigt sah, sein Angebot irgendwie zu verbessern. (So blöd sind die Chinesen nicht!)
Putin wird also einen Vertrag unterschrieben haben, den er vor einigen Monaten noch abgelehnt hatte.
Re: Lichtblick China?
Verfasst: 22 Mai 2014, 11:46
von klaupe
Sicherlich kann man den Russen gratulieren, dass nun nach langen Geburtswehen endlich ein Vertrag in Sack und Tüten ist.
Die Chinesen dürfen jubeln, dass die Konditionen für sie stimmen. Der Zeitpunkt mit der Ukraine und Westsanktionen war günstig gewählt.
Strittig sind scheinbar noch Details zum Ausbau der Pipeline
Bei den Lieferbedingungen kann russischer Jubel kaum überzeugend sein, allenfalls er wird aus dem Propagandaetat finanziert.
Würde jetzt der Westen, was unwahrscheinlich ist, die Abnahme russischen Gases drosseln und Zahlungen einstellen, müsste Russland über Nacht die Leitungen nach China bauen, um wenigstens paar Kopeken zu verdienen. Die Bauzeit wird aber auf 4 Jahre geschätzt. Das gäbe eine verdammt lange Durststrecke.
Da stellt sich dann die Frage, wie es in der Zwischenzeit mit der russischen Wirtschaft weiter geht, was mit dem Rubelkurs wird und der Inflation. Möglicherweise steht dann Putin nicht mehr so strahlend als Held da und er eigene Kochtopf wird der russischen Bevölkerung mal wichtiger, als internationaler Ruhm und Ehre in der Welt.
Mag Russland über den (angeblichen) Superdeal noch jubeln, ich sehe es eher als den krampfhaften Versuch in dieser Situation noch irgend etwas zu retten, was auf diesem Wege nicht mehr zu retten ist.
Eine Rückbesinnung auf normale politische Umgangsformen, ohne Großmachtexperimente und Führerselbstbeweihräucherung könnte unter dem Strich mehr einbringen. Aber bisher glauben scheinbar noch zu viele Russen an den "Endsieg". Das Experiment ist schon mal gründlich schief gegangen.
Re: Lichtblick China?
Verfasst: 26 Mai 2014, 11:21
von klaupe
Dietrich hat geschrieben:Natürlich ist der Einstieg in den chinesischen Absatzmarkt erst einmal pauschal kein Fehler. ...
Putin wird also einen Vertrag unterschrieben haben, den er vor einigen Monaten noch abgelehnt hatte.
Dazu ist mir gerade noch ein ziemlich abwegiger (aber nicht unmöglicher) Gedanke gekommen:
Verfolgen wir mal den Gang des Kapitals und vergleichen wir mit anderen Großprojekten (z.B. Nord Stream, Olympia). In der Schattenkalkulation waren nennenswerte Beträge enthalten, die in den "Pensionsfond des Herrschers und seiner Freunde" flossen.
10 % von 400 Milliarden US-$ Gesamthandelsvolumen zuzüglich Baukostenabgabe wären schon ein sozialer Beitrag zur Sicherung der Altersversorgung. Ich finde das nicht skandalös, eher putinös.
Re: Lichtblick China?
Verfasst: 03 Jun 2014, 17:19
von daveg
Re: Lichtblick China?
Verfasst: 08 Jun 2014, 19:21
von GIN