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Re: Ukrainische Oppositionelle sterben mysteriös

Verfasst: 29 Mär 2015, 02:00
von klaupe
Sachse007 hat geschrieben:
klaupe hat geschrieben:
Man sollte die Kirche im Dorf lassen. Das Thema "Ukraine" ist eh schon emotional überfrachtet. Wer setzt die Grenze, was aus welchem Land wie ausführlich berichtet wird? Es gibt ja noch andere Staaten und andere news.
Solche Morde/Todesfälle gehören dort zur Tagesordnung und reißen kaum die Ukrainer vom Hocker.
Ich weiß jetzt nicht, wie es euch geht, aber Wladimirs Feststellung gibt mir am meisten zu denken. Findet hier niemand etwas dabei, Morde an unliebsamen Politikern als "standardmäßig" bzw. "normal" einzustufen? Oder ist es wichtiger, auf Russland herumzuhacken (wobei ich jetzt nicht weiß, wie man Russland hieran die Schlud geben kann...)
Ich sehe keinerlei Hinweis, dass mit dem Unglücksfällen oder meinethalben Verbrechen hier irgendwo Moskau in Verbindung gebracht wird. Das sind -- bis auf den letzten Fall -- eindeutig ukrainische Angelegenheiten.
Der Tod vom Sohn Janukowitschs war zwar auf russischem Territorium,der hätte sich aber genau so in Canada oder Finnland oder sonstwo ereignen können, wo man mit einem frisierten Karren und viel Unverstand über einen zugefrorenen See rast.

Der Kern der Diskussion ist doch einfach die Bemängelung von Berlino, dass hier die Medien weniger Interesse an der Berichterstattung haben, als z.B. der Mord an Nemzow. Er sieht darin böse Absicht, ich sehe mangelndes Interesse der Kunden unserer Medien.

Sind die Medien und deren "Verbraucher" nun gezwungen, bei allen ähnlichen Fällen den Proporz zu wahren? Muss ich mir nun vorschreiben lassen, was mich zu interessieren hat?

Zitat korrigiert! Zejtnot, Vize-Admin

Re: Ukrainische Oppositionelle sterben mysteriös

Verfasst: 29 Mär 2015, 07:05
von Wladimir30
Sachse007 hat geschrieben:
klaupe hat geschrieben:
Wladimir30 hat geschrieben: Solche Morde/Todesfälle gehören dort zur Tagesordnung und reißen kaum die Ukrainer vom Hocker.
Ich möchte in aller Deutlichkeit ausdrücklich darum bitten, mir keine Zitate zu unterstellen, die nicht von mir stammen!!!!! Bitte belegen, wann und wo ich dieses veröffentlicht haben soll!

Offensichtlich war dem Sachsen beim Zitieren ein technischer Fehler unterlaufen. Ich habe dies korrigiert - ich darf das, ich bin auch Sachse. Zejtnot, Vize-Admin

Re: Ukrainische Oppositionelle sterben mysteriös

Verfasst: 29 Mär 2015, 10:07
von klaupe
Wladimir30 hat geschrieben:Ich möchte in aller Deutlichkeit ausdrücklich darum bitten, mir keine Zitate zu unterstellen, die nicht von mir stammen!!!!! Bitte belegen, wann und wo ich dieses veröffentlicht haben soll!
Für den Satz "Solche Morde/Todesfälle gehören dort zur Tagesordnung und reißen kaum die Ukrainer vom Hocker" zeichne ich verantwortlich. Der stammt von mir und erschien am So 15. März 2015, 19:30

Dann taucht er wieder auf bei "Sachse007 » Sa 28. Mär 2015, 21:32" und wurde dabei, ich vermute mal versehentlich, Dir untergejubelt. Von da an nahm das Unglück seinen Lauf.

Ansprüche wegen ©-Verletzung erhebe ich in diesem Fall nicht. :)

Zugegeben, ich hätte das bei am Sa 28. Mär 2015, 23:00 korrigieren können, habe es wohl in der Eile im Quote-Jungel übersehen - mea culpa.

Noch mal als Nachtrag zu meinem Statement:
Ich hatte gerade vorgestern ein Gespräch mit Inna aus Kiew, gute Freundin und als Hochschullehrerin nicht gerade 'БIЛД'-Konsumentin (oder wie heißt das Schmierenblatt-Pendent in UKR?).

Nicht ganz zufällig haben wir auch paar hiesige Forenthemen mit ukrainischem Hintergrund durchgeknautscht, also auch diese Kriminalfälle.

Sie zeigte sich sehr erstaunt, dass ich darüber besser informiert war als sie selbst. Offensichtlich scheint sie das nicht zu erschüttern, Zitat (etwa): "Keine Ahnung davon, aber alle diese Idioten sollen sich doch schnell gegenseitig umbringen, dann ist Ruhe."

Ich fürchte, das ihr Desinteresse zu solchen Vorfällen in der Ukraine kein Einzelfall ist. Die haben derzeit andere, viel brennendere und aktuellere Sorgen.

Re: Ukrainische Oppositionelle sterben mysteriös

Verfasst: 01 Apr 2015, 20:40
von Axel Henrich
Verschleierung in Kiew
Die Regierung müsste durch die Aufklärung der „Majdan-Morde“ das Vertrauen der Bürger gewinnen. Die praktizierte Vertuschung setzt dieses eher aufs Spiel.
Es war ja offenkundig: Bei der Aufklärung des Blutbads auf dem Majdan hat die neue ukrainische Regierung keinen großen Eifer an den Tag gelegt. Als sich die Morde an proeuropäischen Demonstranten, verübt von Heckenschützen, Ende Februar zum ersten Mal jährten, konnte die Justiz in Kiew noch immer keine Ergebnisse vorweisen.
-ah-

Re: Ukrainische Oppositionelle sterben mysteriös

Verfasst: 01 Apr 2015, 21:52
von klaupe
Axel Henrich hat geschrieben:Verschleierung in Kiew
Die Regierung in Kiew muss nicht nur um Territorium kämpfen, sondern vor allem um das Vertrauen der Bürger. Das hat sie durch Verschleierung à la Janukowitsch aufs Spiel gesetzt.
Ich vermisse entsprechende Sanktionen des Westens, statt da mal die Ukrainer drastisch zur Ordnung zu rufen, werden Milliardenkredite gewährt.

Die Griechen will man erziehen, ehe €uronen fließen. Bei den Ukrainern, die weitaus mehr Mist als die Griechen verzapfen ist man großzügig bis zur Kante.
Auch wenn es hart wäre und hart klingt, aber ich glaube, dass die ukrainischen Bürger sehr gut verstehen, wenn der Geldregen aus dem Westen ausbleibt. Nach meiner Erfahrung aus vielen Gesprächen mit Bekannten und guten Freunden, ist man ohnehin der Meinung, dass die Milliardenhilfen in dunklen Kanälen verschwinden und nicht bei den wirklich Bedürftigen landen. Die Opferbereitschaft der Bevölkerung wird schamlos ausgereizt.

Re: Ukrainische Oppositionelle sterben mysteriös

Verfasst: 16 Apr 2015, 10:42
von Berlino10
MIt Oleg Kalaschnikow ist nun der 8. oder 9. Oppositionelle in der UKR binnen Wochen "ums Leben gekommen".
Diesesmal ermittelt sogar die UKR Staatsanwaltschaft wegen Mordes ... zumindest angeblich ...
und diesesmal gab es sogar eine Meldung in SPON

Re: Ukrainische Oppositionelle sterben mysteriös

Verfasst: 17 Apr 2015, 10:47
von Bluewolf
So langsam sollte vielleicht mal jemand ein Machtwort sprechen ...
http://www.reuters.com/article/2015/04/ ... 8I20150416

Edit:
Ah sehe gerade Jenenser hat es gestern schon im anderen Thread in der Kaffeebar verlinkt, sorry

Re: Ukrainische Oppositionelle sterben mysteriös

Verfasst: 17 Apr 2015, 17:59
von lausi
Bluewolf hat geschrieben:So langsam sollte vielleicht mal jemand ein Machtwort sprechen ...
http://www.reuters.com/article/2015/04/ ... 8I20150416
Die Situation erinnert immer mehr an das Deutschland Anfang der 30er Jahre. Hier etwas auf deutsch dazu:
In Kiew sind ein regierungskritischer Journalist und ein ehemaliger Politiker der »Partei der Regionen« ermordet worden. Oles Busina, bis vor kurzem Chefredakteur der Zeitung Segodnja wurde nach Behördenangaben am Donnerstag vor seinem Haus erschossen. Bereits am Mittwoch abend hatten Unbekannte den früheren Abgeordneten Oleg Kalaschnikow im Treppenhaus vor seiner Wohnung im achten Stock eines Wohnblocks ebenfalls erschossen.
Kalaschnikow hatte während des Euromaidans die Gegendemonstrationen für Janukowitsch im Mariinskij-Park neben dem Parlamentsgebäude organisiert. Er hatte nach Angaben von Angehörigen in den letzten Wochen mehrfach Drohanrufe und beleidigende SMS erhalten. Der Tote ist nicht der erste ehemals prominente Politiker des Janukowitsch-Lagers, der in den vergangenen Wochen ums Leben kam. Allein seit Ende Februar haben sich drei frühere Abgeordnete der offiziellen Version der ukrainischen Ermittler zufolge das Leben genommen. Anhänger der Opposition sprechen dagegen von Morden und von »physischer Abrechnung« der neuen Machthaber mit ihren Gegnern. Petro Simonenko, Chef der vom Verbot bedrohten Kommunistischen Partei der Ukraine, sagte nach seinem Verhör beim Geheimdienst SBU vor einigen Tagen, die Ermittler hätten ihm gedroht, wenn er sich nicht still verhalte, werde er enden wie die drei Verstorbenen.
Im Fall des Mordes an Kalaschnikow ermitteln die ukrainischen Behörden nach eigenen Angaben in alle Richtungen: vom Eifersuchtsdrama über geschäftliche Auseinandersetzungen bis hin zu »anderen Versionen«. Der stellvertretende Innenminister Anton Geraschtschenko suggerierte eine Abrechnung in den eigenen Reihen: Kalaschnikow habe zu viel über die Finanzierung des »Antimaidan« gewusst. Im nationalistischen Milieu löste der Mord offene Freude aus. Boris Filatow, während der Amtszeit des Oligarchen Igor Kolomojskij als Gouverneur in Dnipropetrowsk dessen Stellvertreter, twitterte: »Noch ein Dreckskerl erledigt. Ich hoffe sehr, nicht wegen Schulden und nicht zur Verwischung von Spuren, sondern durch ein Attentat im Geiste Banderas.« Follower Filatows riefen zu weiteren Morden an »Separatisten« auf.
Diese hasserfüllte Sprache der ukrainischen Faschisten ist keine Ausnahmeerscheinung, sondern wird im politischen Diskurs der Ukraine zusehends hegemonial. So schrieb der ehemalige Justizminister Roman Zwarytsch in einem Zeitungsbeitrag, im Donbass gebe es keine Zivilbevölkerung, sondern nur Verräter, die streng bestraft werden müssten. Der größte Fehler Kiews sei, im Krieg um den Donbass auf eine politische Lösung zu setzen. Den Krieg gewinne man nur, wenn man den Feind vernichten wolle. Im Westen wenig wahrgenommen wurde auch eine Äußerung des Vorsitzenden des ukrainischen Sicherheits- und Verteidigungsrates, Olexandr Turtschinow. Er hatte bei der Ankündigung neuer ukrainischer Wunderwaffen vor zwei Wochen auf Nachfrage nicht ausgeschlossen, dass die Ukraine auch eine »schmutzige Atombombe« bauen könnte. »Hauptsache, die Waffen sind wirksam«, befand Turtschinow, ob sauber oder schmutzig, sei eine technische Frage. Die ukrainischen Nationalisten hadern seit langem mit der Tatsache, dass die Ukraine nach dem Ende der Sowjetunion eingewilligt hatte, ihre aus sowjetischen Beständen übernommenen Atomwaffen zur Vernichtung abzugeben. Hätte Kiew diese Waffen noch gehabt, so ihr Argument, dann hätte sich Russland 2014 nicht getraut, die Krim zu übernehmen.
Die Wutphantasien der offiziellen Ukraine haben auch ihre humoristischen Seiten. In der mit US-Geld finanzierten Wochenzeitung Dzerkalo Tyzhnja kritisierte ein Kiewer Diplomat das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte, weil es in seinen Berichten die Volksrepubliken nicht in Anführungszeichen setze und auch Kriegsverbrechen der ukrainischen Seite notiere – »entgegen den offiziellen Statements der Ukraine«. Die Ukraine müsse sich fragen, warum sie mit diesen UN noch zusammenarbeite.
http://www.jungewelt.de/2015/04-17/043.php

Re: Ukrainische Oppositionelle sterben mysteriös

Verfasst: 17 Apr 2015, 19:17
von Sachse007
lausi hat geschrieben:Im Westen wenig wahrgenommen wurde auch eine Äußerung des Vorsitzenden des ukrainischen Sicherheits- und Verteidigungsrates, Olexandr Turtschinow. Er hatte bei der Ankündigung neuer ukrainischer Wunderwaffen vor zwei Wochen auf Nachfrage nicht ausgeschlossen, dass die Ukraine auch eine »schmutzige Atombombe« bauen könnte.
Das wurde mit Sicherheit von offiziellen Stellen sehr wohl wahrgenommen, ebenso wie die weiteren Entgleisungen der ukrainischen Regiering (gehört jetzt hier Regierung in " " oder nicht?) wie Jaroschs Berufung zum Berater, die Berufung des von Georgien per Haftbefehl gesuchten Sakaashvili, der Ruf nach Entvölkerung des Ostens der Ukraine etc. Das wird alles wahrgenommen,
Aber meiner Meinung nach wird das nicht öffentlich berwertet. Ich nehme mal an, das passt nicht zu den "lupenreinen Demokraten", mit denen Gauck über den Maidan spazierte und welche wir regelmäßig nach Berlin einladen und denen wir unser Geld nachwerfen. Stellt euch doch einmal vor, was das für ein Gerede im Netz geben würde: Einerseits wird über Rechsextreme und Asylbewerber sowie abgebrannte Asylantenheime diskutiert (und das mit Recht, Deutschland ist ein Einwanderungsland, allein wegen des BIP), andererseits finanziert die EU ganz offen und ungeniert Faschisten in der Ukraine. Es könnte sein, dass das das dem einen oder anderen Wähler (wir sind Wähler, keine Bürger, das ist ein Unterschied) doch auffällt...
Außerdem scheint das Verhalten der Ukraine vielen EU-Politikern absolut und völlig egal zu sein. Hauptsache, es geht gegen Russland. Und wenn es sogar nachgewiesenermaßen Mörder wären, für den Kampf gegen Russland sind diese allemal gut genug. Wäre bei den USA nicht das erste Mal...
Und letztens schließlich wurden ja genau wegen solcher Leute, weil diese gegen die ukrainische Verfassung (ich sage nur Stimmenanzahl im Parlament) an die Macht gehieft werden mußten, die Sanktionen gegen Russland verhängt. Um genau derlei Dinge auf der Krim zu vermeiden (wo im Vergleich zur Ostukraine noch mehr Russen leben), hat Russland zu der bekannten Lösung gegriffen. Es war mit Sicherheit eine schlechte Lösung, aber die Alternative wäre noch wesentlich schlechter gewesen. Stellt euch mal vor, was wäre, wenn die Politiker zugeben müßten: Irgendwie hat Putin doch Recht gehabt. Also, das geht glei gar ne!

Re: Ukrainische Oppositionelle sterben mysteriös

Verfasst: 17 Apr 2015, 23:37
von klaupe
Sachse007 hat geschrieben:Aber meiner Meinung nach wird das nicht öffentlich berwertet. Ich nehme mal an, das passt nicht zu den "lupenreinen Demokraten", mit denen Gauck über den Maidan spazierte und welche wir regelmäßig nach Berlin einladen und denen wir unser Geld nachwerfen.
Auf 'Lupenreine Demokraten' hat wohl Schröder das Copyright und Guck machte seinen Spaziergang eher im Gedenken an die Opfer und nicht um Solidarisierung zu demonstrieren.
Frau Merkel wird am 10.5. auch ganz demonstrativ in Moskau der Kriegsopfer gedenken und schafft es, sich gleichzeitig von der aktuellen Politik zu distanzieren.
...andererseits finanziert die EU ganz offen und ungeniert Faschisten in der Ukraine.
Ist das mit den Faschisten nicht schon total abgelatscht? Die echten ukrainischen Faschisten haben schon bei der letzten Wahl eine deutliche Abfuhr erhalten und die aktuelle Regierung richtet sich bei faschistischen Tendenzen ziemlich genau nach dem Moskauer Vorbild
Außerdem scheint das Verhalten der Ukraine vielen EU-Politikern absolut und völlig egal zu sein. Hauptsache, es geht gegen Russland.
Vielleicht vielen, aber nicht allen, sonst würde sich da deutlich mehr Aktivität zeigen.
Um gegen Russland etwas zu unternehmen, gäbe es weitaus andere und viel interessantere Schauplätze und Anlässe.
Die Rolle Russlands in der Ukraine-Krise ist nicht vom Westen diktiert, sondern ein Meisterstück der Planungskommission in Moskau.