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Re: Wir steuern auf großen Krieg zu

Verfasst: 15 Apr 2016, 01:18
von Berlino10
Das ist keine Antwort. Und auch völlig unerheblich.
Oder haben nur blockgebundene Staaten ein Recht auf nationale Souveränität?
Oder hätten die USA "ok" gesagt, wenn Kuba im WP gewesen wäre?

Re: Wir steuern auf großen Krieg zu

Verfasst: 15 Apr 2016, 16:42
von saransk
Berlino10 hat geschrieben:Oder haben nur blockgebundene Staaten ein Recht auf nationale Souveränität?
Das hab ich nie bestritten. Und es spricht nichts dagegen, wenn sich blockfreie Staaten Militärausbilder einladen. Die Stationierung fremder Truppen in einem Land, was keinem Block angehört, und sich nicht in einem bewaffneten Konflikt befindet ist aber bedenklich, und ruft immer Unbehagen bei den Anrainerstaaten hervor. Und Atomraketen oder sonstige ABC-Waffen haben außerhalb der Eigentumsländer (USA, Russland, Frankreich etc) oder dem Verteidigungsbündnis nichts verloren.
Wie würde wohl Ägypten oder Kenia reagieren, wenn China im Rahmen der Militärhilfe plötzlich Atomwaffen im Sudan hätte, oder Pakistan in Bangladesh etc.
Und wenn ein Land seine Souveränität durch die Aufrüstung seiner Nachbarn bedroht sieht, muß es halt ebenfalls seine Streitkräfte modernisieren oder verstärken. Aber es hat kein Recht dem Nachbarn dies zu untersagen. Das dadurch die Gefahr eines Konflikts steigt lässt sich leider nicht verhindern, wenn die entsprechenden Regierungen und Bevölkerungen nicht rational sondern faschistisch-emotional reagieren.
Berlino10 hat geschrieben:Oder hätten die USA "ok" gesagt, wenn Kuba im WP gewesen wäre?
Lässt sich heute nur spekulativ beantworten, da damals ganz andere emotionale, politische und wirtschaftliche Vorstellungen und Realitäten herschten, und ich mir dazu kein Urteil bilden kann.

Re: Wir steuern auf großen Krieg zu

Verfasst: 15 Apr 2016, 23:47
von Berlino10
saransk hat geschrieben:Die Stationierung fremder Truppen in einem Land, was keinem Block angehört, und sich nicht in einem bewaffneten Konflikt befindet ist aber bedenklich, und ruft immer Unbehagen bei den Anrainerstaaten hervor.
Aha, dann schau dir doch mal die Liste der US-Militärbasen weltweit an, da gehören die Mehrheit nicht zur NATO.
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von ... im_Ausland
saransk hat geschrieben: Und wenn ein Land seine Souveränität durch die Aufrüstung seiner Nachbarn bedroht sieht, muß es halt ebenfalls seine Streitkräfte modernisieren oder verstärken. Aber es hat kein Recht dem Nachbarn dies zu untersagen.
Das behauptet auch niemand. Aber man muss nicht jeden aufnehmen ... schon garb nicht, wenn man anderes zugesagt hatte.
Oder gar durch Umstürze/Regime-Changes bzw. gar Kriege die Möglichkeiten erst schaffen wie im Nahen Osten, ... Kosovo oder eben auch der UKR.
Vor allem auch dann nicht, wenn die andere Hälfte der Bevölkerung des Landes das gar nicht will.

Re: Wir steuern auf großen Krieg zu

Verfasst: 16 Apr 2016, 13:46
von saransk
Berlino10 hat geschrieben:Aha, dann schau dir doch mal die Liste der US-Militärbasen weltweit an, da gehören die Mehrheit nicht zur NATO.
Stimme Dir voll zu. Weiß auch nicht, was die Amerikaner auf den Philipinen und sonstwo eigentlich zu suchen haben. Bei Südkorea könnte man es ja vielleicht noch etwas verstehen, weil dem Durchgeknallten im Norden nichts heilig zu sein scheint, und sowohl China als auch Russland als direkte Nachbarn nicht eindeutig mit der ultima ratio drohen, wenn er gewisse Grenzen überschreiten würde.
Berlino10 hat geschrieben:Das behauptet auch niemand. Aber man muss nicht jeden aufnehmen ... schon gar nicht, wenn man anderes zugesagt hatte.
Oder gar durch Umstürze/Regime-Changes bzw. gar Kriege die Möglichkeiten erst schaffen wie im Nahen Osten, ... Kosovo oder eben auch der UKR.
Vor allem auch dann nicht, wenn die andere Hälfte der Bevölkerung des Landes das gar nicht will.
Gegen eine Erweiterung der Nato auf die Ukraine oder Georgien bin ich zum jetzigen Zeitpunkt auch entschieden. Erst müssen die dort noch bestehenden Grenzkonflikte geklärt werden, und die Länder eine stabile Regierung aufweisen. Wenn sie dann einen Antrag auf Aufnahme in die Nato oder die EU stellen, geht dies von den Nachbarn dann keinen mehr was an. Bedrohungsgefühle können auch aus Paranoien entstehen.Es sind souveräne Staaten, welche über die Mitgliedschaft in Bündnissen oder Organisation alleine entscheiden. Es wäre naiv zu glauben, das dabei nicht doch wieder Druck von außen über die wirtschaftliche Schiene erfolgen wird. Sowohl von der Eu bzw der USA als auch von Russland. Denn anders als immer wieder im Propagandafernsehen behauptet, geht es auch der russischen Regierung, wie der amerikanischen, in erster Linie um wirtschaftliche und strategische Interessen und nicht um das Wohl des Volkes.
Es liegt aber auch in der Natur der Sache, das nicht alle bei so einem Schritt glücklich werden. Wenn, mal angenommen, die demokratisch gewählte und stabile Regierung der Ukraine in ein paar Jahren soweit wäre, und einen Antrag auf Aufnahme in die Nato oder EU stellen würde, die Bewohner des Donbaß aber dagegen sind, ist das für die dann halt Pech. Die Südtiroler müssen ja auch in Italien bleiben, ob wohl sie seit fast 100 jahren nach Österreich zurück wollen, weil sie keine Mehrheit im Parlament für ihr Vorhaben bekommen. Andersrum gilt es natürlich genauso, wenn die UA dann in ein Bündnis mit Russland eintreten möchte. 51 % sind auch eine Mehrheit
Bei Gebietsveränderungen bleibe ich aber bei meinem vor Monaten bereits einmal geschilderten Standpunkt. Theoretisch möglich, aber nur unter Aufsicht von UNO und mindestens noch OECD, und nicht durch ein Referendum was ein regionales Abnickparlament initiiert, und dabei dann noch nicht mal das betroffene Land, welches Gebiete abtreten soll etwas zu sagen hat. Die Welt ist doch kein Selbstbedienungsladen für Großmäuler und Militaristen. Wenn jemand mit seiner Regierung, der persönlichen Situation oder den wirtschaftlichen Verhältnissen unzufrieden ist, oder zu der Überzeugung gelangt, daß woanders das Gras grüner ist, sollte er seinen Koffer packen und auswandern.

Re: Wir steuern auf großen Krieg zu

Verfasst: 16 Apr 2016, 13:53
von Sachse007
saransk hat geschrieben: Andersrum gilt es natürlich genauso, wenn die UA dann in ein Bündnis mit Russland eintreten möchte. 51 % sind auch eine Mehrheit

Dann hätte ja die jetzige Regierung in der Ukraine nie vom Westen anerkannt werden dürfen, weil damals die verfassungsmäßige Mehrheit im Parlament nicht erreicht wurde (ich glaube, zwei Stimmen zu wenig). Oder habe ich das falsch verstanden? Ist die Interpretation derartiger Zahlenverhältnisse einzig und allein davon abhängig, für (bzw. gegen) wen man ist?

Re: Wir steuern auf großen Krieg zu

Verfasst: 16 Apr 2016, 14:13
von saransk
Sachse007 hat geschrieben: Dann hätte ja die jetzige Regierung in der Ukraine nie vom Westen anerkannt werden dürfen, weil damals die verfassungsmäßige Mehrheit im Parlament nicht erreicht wurde (ich glaube, zwei Stimmen zu wenig). Oder habe ich das falsch verstanden? Ist die Interpretation derartiger Zahlenverhältnisse einzig und allein davon abhängig, für (bzw. gegen) wen man ist?
Wenn das so ist, stimme ich Dir natürlich zu. Dann hätte es zumindest Neuwahlen bedurft. Habe die Anfaänge aber damals nicht verfolgt, und hab auch keine verläslichen Informationen dazu, um mich über den Maidan etc äußern zu können.
Totzdem Danke für den Hinweis.

Re: Wir steuern auf großen Krieg zu

Verfasst: 16 Apr 2016, 15:20
von Berlino10
Neuwahlen gabe es ja, nach dem illegalen Umsturz und der verfassungswidrigen Absetzung des alten Präsidenten. Insofern besteht schon eine Legitimität zum Handeln in der UKR, auch wenn die undemokratischen Verfolgungen und Verbote und Morde die Opposition stark unterdrücken.

Für solche grundlegenden Entscheidungen reichen einfache, temporäre Mehrheiten nicht aus, die fast die andere Hälfte der Bewohner ausschließen und unnötig diskriminieren. Schliesslich gibt es heute wieder östlich von Kiew überall pro-russische Mehrheiten, nicht nur im Donbass. Es besteht keien Notwendigkeit, solch gespaltene Länder wie die UKR einseitig in eine Richtung zu trimmen.

Re: Wir steuern auf großen Krieg zu

Verfasst: 17 Apr 2016, 11:02
von Sachse007
Berlino10 hat geschrieben:Es besteht keien Notwendigkeit, solch gespaltene Länder wie die UKR einseitig in eine Richtung zu trimmen.
Das ist Deine Meinung, aber offenbar bestand für die EU und die USA eine derartige Notwendigkeit...

Re: Wir steuern auf großen Krieg zu

Verfasst: 17 Apr 2016, 12:24
von Berlino10
Sachse007 hat geschrieben: Das ist Deine Meinung, aber offenbar bestand für die EU und die USA eine derartige Notwendigkeit...
:lol: ... zwischen sachlicher Notwendigkeit im Interesse des Landes einerseits und Teil der Weltherrschaftspläner des US-Imperiums anderseits gibt es schon einen Unterschied

Re: Wir steuern auf großen Krieg zu

Verfasst: 17 Apr 2016, 12:52
von Sachse007
Berlino10 hat geschrieben:
Sachse007 hat geschrieben: ... zwischen sachlicher Notwendigkeit im Interesse des Landes einerseits...
Das mag ja sein, aber hat diese jemals die USA bzw. unsere Bundesregierung interessiert?