Zejtnot hat geschrieben: 23 Feb 2020, 15:05 Rein sprachlich wäre im Russischen ja auch der Begriff Немец falsch, denn wir leben ja nicht in Немецкия. Solche sprachlichen Ungenauigkeiten gibt es eben.
Wenn wir schon diese etwas angestaubte Diskussion wieder aufleben lassen, möchte ich doch noch was dazu anmerken.
Die Bezeichnung von Menschen und von Staaten ist nur zum Teil deckungsgleich. Am größten ist die Deckungsgleicheit bei inselförmigen Staatsgebilden, die in sich mehr oder weniger abgeschlossen sind. Island z.B., wo der Staat Island heißt und die Bewohner Isländer sind. Bei der Insel in der Nordsee wird es schon schwieriger, da es neben England dort noch andere Länder gibt, und Schotten sehr empfindlich reagieren, wenn man sie als Engländer bezeichnet. Dies unterläuft Ausländern (Deutschen) oft in vergleichbarer Form, wie das von Zejtnot angeführte Beispiel der Bewohner der ehemaligen Sowjetrepubliken, die von Ausländern (nehmen wir mal ebenfalls Deutsche) undifferenziert als "Russen" bezeichnet wurden, obwohl sie Usbeken o.a. waren. Zwar wußte/weiß jeder, dass es auch Schotten gibt, aber in der Umgangssprache werden sie einfach als Engländer bezeichnet, wie auch die gesamte Insel oft als "England" bezeichnet wird anstelle von Großbritannien.
Interessant wird es bei Völkern, die gar keinen eigenen Staat haben, wie die Kurden zum Beispiel. Wenn Staasbezeichnung und Volkszugehörigkeit in einer eins zu eins Relation ständen, gäbe es diese ja gar nicht.
Da sich Staatsgrenzen oft verschoben haben und sich manche Staaten überhaupt erst relativ spät gebildet haben, wurden die Menschen auch nicht nach der Staatszugehörigkeit bezeichnet, sondern nach anderen Merkmalen, meistens einer ethnischen Zugehörigkeit (wo Sprache, Kultur etc. das verbindende Element bilden) oder andere (wie das berühmte Немец, wo ein für Slawen hervorstechendes Merkmal als Bezeichnungsgrundlage herangezogen wurde. Das wäre in etwa so, als wenn Iren als "Rotschopfe" oder so bezeichnet würden. Da Deutschland als Staatsgebilde sehr jung ist, wundert es nicht, dass die Bezeichnung für "Deutsche" in verschiedenen Sprachen (Ländern) unterschiedlich ist, abhängig davon, mit welcher Ethnie die Träger der jeweiligen Kultur in Kontakt kamen. Germans (von Germanen), Tedesco (von deutsch "Teutonen"), Alleman (von den "Alemannen") - oder eben vom Wortstamm "niemc-", der 'Fremd, weil nicht verständlich sprechend' bedeutete, und erst später auf "die Deutschen" eigeengt wurde.
Nun fallen die ethnischen Merkmale nur selten mit den Staatsgrenzen zusammen. Bekannte Beispiele sind die Schweiz oder Belgien. Doch auch andere Beispiele verdeutlichen dies. Längst nicht alle in Deutschland lebenden sind Deutsche, und nicht alle Deutschen leben in Deutschland. Meines Wissen nach ist die homogenste Ethnie unter diesem Aspekt eben Island und die Isländer.
Somit ist die Klassifizierung als sprachliche Ungenauigkeit nicht zutreffend.