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Re: Reise nach Weliki Nowgorod

Verfasst: 05 Mär 2026, 21:32
von willi
Schön, hab schon auf ein Lebenszeichen von dir gewartet.
Wie war Terehova? Kannst du eventuell auch was über die Gegenspur sagen?
Bin früher mehrmals pro Jahr die M9 gefahren, das Memorial in Rshev war dann immer Gedenkminute. Auch wenn ich schon zigmal dort war ist es immer noch genauso beeindruckend wie beim ersten Mal.

Re: Reise nach Weliki Nowgorod

Verfasst: 06 Mär 2026, 21:16
von WernerP
Servus Willi,

Terehova ist ein Moloch ohnesgleichen...
Vor mir standen fünf Lkw's auf der Spur für Autos, also habe ich gewartet, als ein moldawischer Sprinter vorfuhr,
seine Unterlagen am ersten Wärterhäuschen zeigte und rein durfte, bin ich vorgegangen und habe nachgefragt, dann
durfte ich auch durch. Zuvor hatte ein Russe mit seinem Kastenwagen nachgefragt,er durfte nicht vor, also hatte ich gewartet,
bis der Moldawier auftauchte...
Der Übergang ist so groß und ohne Beschilderung, zusammengefahrener Schnee und Eis überall, überall Lkw's, man weiß fast nicht
wo man hin soll. Rechts von mir in der Box stand der Moldawier, ich in der zweiten ich. Jeder von uns mußte das ganze Auto ausräumen und
in das Gebäude tragen, um es zu scannen. Dann schickte mich die Dame zum scannen vom Sprinter rüber zu den Kollegen. Bereits auf der Rampe, meinte einer der Grenzer, ich soll nochmal rüber fahren und die restlichen Sachen rausnehmen, die ja vorher schon kontrolliert wurden, sonst können sie nicht scannen. Meine Geduld war kurz vor knapp, aber immer freundlich bleiben. Also wirklich alles raus und rüber zum Röntgen vom Sprinter.
Wieder zurück und alles wieder einräumen, die 18 Liter Diesel, die ich als Reserve noch von Deutschland dabei hatte und nicht brauchte, mußte ich bis auf 10L in den Tank schütten, da nicht mehr ausgeführt werden dürfen, was aber nicht mehr nachkontrolliert wurde. Eine Dame kontrollierte dann
noch meine Papiere, Migrationskarte und Zollerklärung, und wollte meine ungefähre Route wissen, die ich genommen hatte. Nach vier Stunden
war alles vorbei, das Nagelband wurde zur Seite gezogen und ich konnte Richtung Lettland fahren.

Meinst du mit Gegenspur die lettische Kontrolle?
Hier dauerte es eine Stunde, der erste Herr war dabei eher unfreundlich, als er meine Papiere kontrollierte, dann meinte er ich könnte fahren, ich konnte es nicht glauben, dass das schon alles war. Die Schranke war auf, Ampel auf grün, also bin ich die ca. 200m weiter zur Endkontrolle gefahren,
da meinte der Herr, es fehlen noch Stempel. Also rückwärts zurück und der Dinge geharrt, die noch kommen sollten. Der Zollbeamte kontrollierte dann fast nur nach Sicht mein Auto und fragte nach Wodka und Milchprodukten sowie nach Kartoffeln. Letzteres landete in der Tonne, der Wodka dachte ich sei mit einem Liter zollfrei, aber der Herr sagte, dieser sei sanktioniert. Wir gingen zusammen auf's WC und ich mußte die 4x0,2L in das Waschbecken kippen und die leeren Flaschen in die Tonne geben. Nach weiterer Befragung und Durchsicht meiner Papiere bekam ich die restlichen Stempel und konnte fahren. Ich hatte schon Bedenken, wieder die ganze Kiste ausräumen zu müssen, denn die Moldawier, die zu siebt im Auto waren und wieder neben mir standen, mußten das machen, die wurden ganz schön gef....! Warum die mit moldawischer Nummer aus Russland Richtung Lettland reisten bleibt wohl deren Geheimnis...

Alles in allem waren alle fair und freundlich, besonders die auf der russischen Seite, obwohl so gut wie keiner ein Wort englisch kann.
Ich hatte zwar ein Visum für eine zweifache Einreise, aber Kaliningrad habe ich mir dann erspart, hatte keine Lust mehr auf Kontrollen.
Die Einreise von Polen nach Deutschland bei Guben über die Lausitzer Neiße war ohne jegliche Kontrolle, es war noch nicht einmal ein Beamter vor Ort...

Rshev war sehr beeindruckend, das Denkmal hatte ich erst eine Woche vorher auf tiktok entdeckt, da mußte ich unbedingt hin, Denkmäler bauen können sie die Russen. Die 500km Fahrt von Weliki Nowgorod über Tver war ein kompletter Blindflug ohne funktionierendes Navi und z.T. ohne GPS, die Schneeschauer bei Dunkelheit taten ihr übriges, zwei Tage später, Montag morgen, war dann das Zündschloss hinüber...

Re: Reise nach Weliki Nowgorod

Verfasst: 06 Mär 2026, 21:53
von willi
der Beschreibung nach hat sich also nichts geändert in Terehova.
Mit Gegenspur hatte ich eigentlich die Einreise nach Russland gemeint,- ich frag da immer.
Die Moldawier sind Gastarbeiter im Baltikum, die fahren dort drüber weil es für sie die kürzeste Strecke ist.
Den Tipp mit Rshev wollte ich dir eigentlich noch geben, aber habe es dann gelassen weil es nach der Route die du damals gepostet hattest ein ziemlicher Umweg gewesen wäre. Aber egal, du hast ja hingefunden. Vom Memorial habe ich inzwischen ein paar Dutzend Aufnahmen zu jeder Tages- und Jahreszeit, aber ganz in weiss habe ich es noch nie gesehen. Aber du bist ja Profi.

Re: Reise nach Weliki Nowgorod

Verfasst: 07 Mär 2026, 16:19
von WernerP
Ah ja...
es standen zwei ältere E-Klasse Modelle mit deutschen Kennzeichen bei der Einreise dort, die
beiden Fahrer waren aber eindeutig Russen, ansonsten war dort die ganze Zeit über niemand zu sehen.
Ja, ich habe die Route geändert, weil ich mittendrin vor hatte, noch nach Wolgograd zu fahren, wo mein
zweiter Onkel begraben liegt, doch der abenteuerliche Abstecher nach Rshew hat mich eines Besseren belehrt.
Was für eine Schnapsidee, im Winter auf russischen Straßen einen 2.500km weiten Umweg dranzuhängen...