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Re:

Verfasst: 19 Jul 2007, 03:29
von pimpelay
[In anderen Städten jedoch scheint das nicht so zu sein.
Ich war beispielsweise einmal in Petrozavodsk, welches mit etwa 250.000 Einwohnern auch schon eine verhältnismäßig große Stadt ist. Meinem Eindruck nach war selbst in Nürtingen (rund 50.000 EW) das kulturelle Angebot breiter. :cry: (Wobei mir natürlich klar ist, dass das wahrscheinlich materiell zu begründen ist)[/quote]

DA würde ich euch die Stadt Belgorod empfehlen, ungefähr 450000 einwohner (grosse jährliche zuwachs), gute Unterhaltungs Angebot, niedrige Kriminalitets rate, sehr Grün,Ausländer freundlich usw.

Am 5 August ist Stadts Feiertag(1943 Grösste Panzerschlacht "Kurskbogen" genannt), Massenfeier ganze nacht,ist recht geil :)

Und größte Vorteil ist, dass die weit von sch... Moskau liegt ca. 650 Km :) mag Moskau nicht:)

Re: Warum leben wir eigentlich hier ...

Verfasst: 24 Aug 2007, 14:59
von manuchka
Die Provinz fängt schon in den an die Moskauer Oblast angrenzenden Oblasten / Gebieten an, wo die Löhne durchschnittlich weit unter dem Moskauer und Petersburger Niveau liegen. Der Lebensstandard ist natürlich auch niedriger. Aber da kann man mit einer dt. Euro-Rente sehr gut um die Runden kommen.

Re: Re:

Verfasst: 08 Jan 2008, 06:45
von pravda
pimpelay hat geschrieben: dass die weit von sch... Moskau liegt ca. 650 Km :) mag Moskau nicht:)
Keiner mag Moskau, außer die Moskauer selbst, die lieben es :-)

Warum ich hier bin?
Ich hatte das Glück russisch mit in die Wiege gelegt bekommen zu haben aber mit den Jahren geriet die Sprache und die Kultur immer mehr in Vergessenheit. Das fand ich sehr schade, daher war für mich das Reiseziel klar. Back to the roots, schauen wo man herkommt.
Dann gab es natürlich noch den idealistischen Walt Disney Gedanken etwas gutes für die Welt zu tun ;-)
Außerdem wollte ich selbstständig werden und mich ein wenig aufs Studium vorbereiten. Da ich in einem -etwas speziellen- Ast der Wirtschaft studieren will, ist die russische Sprache und Russland als Arbeitsplatz ein großer Vorteil und bietet viel Potential und größere Karrierechancen als in Deutschland.

Der Hauptgrund war aber die Abenteuerlust. Ein Jahr aussteigen, etwas neues erleben. Die Lebenserfahrung, die man sammelt, wenn man plötzlich in einem Fremden Land auf sich alleine gestellt ist, ist unbezahlbar.

Was mir hier gefällt?
Die Offenheit und die Mentalität der Menschen, die hier leben. Diese Stadt bietet unzählige Möglichkeiten und ich bin froh, dass ich beim Aufstehen nicht weiß was ich an diesem Tag erlebe.

Was mir hier nicht gefällt?
Jetzt könnte ich die stinkenden Treppenhäuser oder die schlecht sortierten Supermärkte aufzählen aber was bringt es mir? Das sind alles nur Dinge, die wir luxusverwöhnten Deutschen anders gewöhnt sind. Das sind Kleinigkeiten, Nichtigkeiten über die es sich aufzuregen nicht lohnt. Natürlich bin ich froh, dass ich mittlerweile eine Waschmaschine habe aber wäre ich vorher an Überarbeitung durch die Handwäsche krepiert? Wohl kaum, jetzt weiß ich sie wenigstens zu schätzen.
Ob es nun die versteinerte Bürokratie oder Probleme mit der Miliz sind, jedes Problem bietet uns die Möglichkeit etwas zu lernen und über uns hinaus zu wachsen. (Auch wenn man dieses Problem in dem Moment zum Teufel wünscht ;-) ) Daher bin ich auch froh diese Probleme zu haben.


Ich habe es bisher keine Sekunde bereut diesen Schritt gegangen zu sein und überlege mir schon ob ich nach dem Jahr nicht nochmal hier leben werde. Andererseits gibt es noch so viele andere interessante Länder... :)

Re: Re:

Verfasst: 09 Jan 2008, 10:45
von Dietrich
pravda hat geschrieben:Natürlich bin ich froh, dass ich mittlerweile eine Waschmaschine habe aber wäre ich vorher an Überarbeitung durch die Handwäsche krepiert? Wohl kaum, jetzt weiß ich sie wenigstens zu schätzen.
Solange du alleine bist und deine Unterhosen nur alle 3-4 Tage wechselst ,mag das ja sein. Aber spaetestens bei einem Kind waere das ein Fulltime-Job!
pravda hat geschrieben:Ob es nun die versteinerte Bürokratie oder Probleme mit der Miliz sind, jedes Problem bietet uns die Möglichkeit etwas zu lernen und über uns hinaus zu wachsen.
Was, ausser Geduld kann man denn bei der russischen Buerokratie noch lernen?

Ach ja! Wie man ein Einzahlungsformular der Sberbank auszufuellen hat, wie man von einer muerrischen russischen Menschenmenge erfaehrt, wer der letzte in der Schlange ist, wie man mal eben an der Schlange vorbei "nur fuer eine kurze Frage" in den entsprechenden Raum kommt, etc. etc.

Hast Recht! Alles wichtige Erfahrungen!

Dietrich.

Re: Re:

Verfasst: 09 Jan 2008, 12:44
von Oletsch
Dietrich hat geschrieben:Solange du alleine bist und deine Unterhosen nur alle 3-4 Tage wechselst ,mag das ja sein. Aber spaetestens bei einem Kind waere das ein Fulltime-Job!
ich frage mich, wie haben es meine Eltern und viele andere geschafft, ohne Waschmaschine Kinder grosszuziehen? da gab es noch nicht mal Pampers! An das Gute gewöhnt man sich schnell...

Gruß
Oletsch

Re: Re:

Verfasst: 18 Jan 2008, 21:18
von pravda
Dietrich hat geschrieben:
pravda hat geschrieben:Natürlich bin ich froh, dass ich mittlerweile eine Waschmaschine habe aber wäre ich vorher an Überarbeitung durch die Handwäsche krepiert? Wohl kaum, jetzt weiß ich sie wenigstens zu schätzen.
Solange du alleine bist und deine Unterhosen nur alle 3-4 Tage wechselst ,mag das ja sein. Aber spaetestens bei einem Kind waere das ein Fulltime-Job!
pravda hat geschrieben:Ob es nun die versteinerte Bürokratie oder Probleme mit der Miliz sind, jedes Problem bietet uns die Möglichkeit etwas zu lernen und über uns hinaus zu wachsen.
Was, ausser Geduld kann man denn bei der russischen Buerokratie noch lernen?
zB Gelassenheit und die Fähigkeit sich nicht über jeden Mist aufregen zu müssen.
Ich bin mit Sicherheit niemand, der es toll findet drei Stunden lang in der Schlange zu stehen um dann mit einem Satz abgewiesen zu werden weil irgendetwas organisatorisch nicht geklappt hat aber was bringt es einem sich noch darüber auf zu regen? Wenn man sich lange genug beschwert und aufregt wirds schon besser? Wohl kaum. Gelassenheit und "alles wird gut" kann man angesichts des lähmenden Bürokratieapparates lernen und gut gebrauchen.

Re: Warum leben wir eigentlich hier ...

Verfasst: 20 Jan 2008, 21:47
von Xottabych
Du hast eine positive Grundhaltung, pravda, und das ist gut.

Man kann so etwas allerdings auch "Resignation" nennen. ;)

Re: Warum leben wir eigentlich hier ...

Verfasst: 20 Jan 2008, 22:03
von pravda
waldmeister hat geschrieben:Du hast eine positive Grundhaltung, pravda, und das ist gut.

Man kann so etwas allerdings auch "Resignation" nennen. ;)
Ich wusste, dass das "alles wird gut" etwas missverstanden wird ;-)

Ein Pessimist sagt "alles ist schlecht, ich kann sowieso nichts ändern" und tut nichts. Ein Optimist sagt "alles wird gut, ich muss also nichts tun". Ich würde mich am ehesten als aktiver Optimist bezeichnen. Ich versuche aus der jeweiligen Situation das beste zu machen und statt Problemen Möglichkeiten zu sehen. Siehe Signatur :)

Re: Warum leben wir eigentlich hier ...

Verfasst: 21 Jan 2008, 11:42
von manuchka
Mal sehen, wie lange dein Optimismus hält, wenn du zum xten Mal drei Stunden in einer Schlange stehst und wieder wegen irgendwelchem Mist abgewiesen oder woanders hingeschickt wirst, wo du wieder zwei Stunden stehst, x Formulare ausfüllen und drei Spravki besorgen musst (für die du jeweils eine Stunde in der jeweilgen Behörde/Poliklinik und noch mal je 40 Minuten in der Sberbank anstehen musst), dann zurück kommst und erfährst, dass eine Spravka doch nicht nötig war, dafür eine andere...

Lass dir sagen, dass das anfangs vielleicht nicht so ätzend ist, denn man hat ja Zeit und so. Aber wenn du "nebenbei" auch noch arbeiten und zwei, drei andere Dinge erledigen musst und du einfach nicht voran kommst, weil du überall auf diese Situation mit der Schlange triffst - dann findest du es irgendwann nicht mehr so toll, weil du einfach irre viel Zeit unsinnig verlierst. Möglicherweise kannst du nichts ändern, und aufregen bringt auch nichts, aber da resigniert meiner Meinung nach der letzte Optimist - denn selbst wenn du "Gelassenheit und die Fähigkeit sich nicht über jeden Mist aufregen zu müssen" gelernt hast, hört das nie auf...

Re: Warum leben wir eigentlich hier ...

Verfasst: 21 Jan 2008, 11:47
von Zejtnot
Stimmt Manuchka. Aber ich bin dennoch entspannter geworden, nach all den Erfahrung in Russland.