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Re: Loehne und Gehaelter in Russland

Verfasst: 10 Aug 2007, 14:45
von fremantle
Ich glaub schon, dass die "Metropolen" Sibiriens sich als Leuchttürme der Finsternis zwischen Moskau und Peking behaupten werden. Auch dort wird nachgezogen, in einem anderen Maßstab natürlich.
Es wird ein ähnliches Verhältnis sein, wie Berlin - Speckgürtel - Ober-/Mittelzentren (Frankfurt/O, Cottbus, Luckenwalde/Brandenburg/H, Neuruppin, Eberswalde). Aus Berliner Sicht passiert da auch nicht viel, wenn man dann aber dort mal ein paar Jahre gelebt hat, merkt man den Wandel. Nur die Dimensionen werden natürlich in Russland viel weiter auseinander liegen (Fläche&Distanz, Einwohnerzahlen, Gehaltsunterschiede, Investitionssumme, ...)

Re: Loehne und Gehaelter in Russland

Verfasst: 10 Aug 2007, 17:08
von Djadja_Mischa
ich bin da arg skeptisch - mein Beispiel ist Norilsk: eine Stadt, die von Rohstoffen quasi nur so erschlagen wird und Geld bis zum abwinken haette - nur findet sich dort kaum noch qualifiziertes Personal, selbst fuer die Nickel-Produktion werden da mittlerweile Ing.'s eingeflogen und selbst EDV-Warter (also nix Programmierung, sondern reine Dosen & Word-Installer) findet man da nicht ... nicht mal fuer viel Geld ...

Re: Loehne und Gehaelter in Russland

Verfasst: 10 Aug 2007, 18:41
von Zeppelin
Djadja_Mischa hat geschrieben:ich bin da arg skeptisch - mein Beispiel ist Norilsk...
Hast schon irgendwo recht D.-M.,
aber so eine Totalkonzentration wird es aus mehreren Gründen nicht geben.
Zum Einen haben auch zumindest die regionalen Oberzentren mit >800.000 EW eine sehr hohe soziale und wirtschaftliche Bindekraft. (Ich meine da solche Städte wie z.B. Ufa, Kazan' oder Omsk etc.)

Zum Anderen werden die vielfach höheren Gehälter in Moskau und wohl auch Piter ja von den Lebenshaltungskosten und sonstigen Lebensumständen aufgezehrt.

Hinzu kommt eben, wie Du selbst schreibst, dass der Fachkräftemangel vor Ort eben zu einer Personalabwerbung aus den "Metropolen" mit entsprechend lukrativen Angeboten führt.

In Kazan' könnte ich z.B. schon längst einen guten Job als SAP Admin haben, wenn
a) mein Russisch nicht so grottenschlecht wäre,
b) die Bedingungen für Ausländer dort weniger nervend wären und
c) ich nicht schlicht und einfach keinen Bock auf die Infastruktur-, Verkehrs-, Gesundheits- bedingungen etc. hätte.
M.a.W. eine Übersiedlung kommt für mich unter den gegebenen Bedingungen nicht in die Tüte - und nach Moskau und Piter schon gar nicht.
Aber deutlich anders sieht es da eben mit einheimischen Fachkräften aus, die Heimweh haben und / oder hier keinen Fuß auf den Boden bekommen.

Re: Loehne und Gehaelter in Russland

Verfasst: 10 Aug 2007, 19:21
von Djadja_Mischa
Du meinst so eine Art Heimat-Faktor ... wie die alten Sachsen, die nach Groefaz & WK zwo, jetzt wieder gen Dresden ziehen? Hm, hm - ich wuensch es ja dem Land ... aberrrr wenn dies schon im Osten Deutschlands mit den Jungen nur bedingt klappt & da ist die Infra-Struktur etwas besser als in Kazan (ich denke da mit Schrecken an einen Flug dahin zurueck), habe ich da meine Zweifel ...

Ich glaube auch nicht, dass eine Totalkonzentration in den naechsten 5 Jahren erfolgt ... aber historisch schaue ich da auf Frankreich im spaeten Mittelalter - als die Provinzen zugunsten der Zentrale mehr oder minder dicht gemacht wurden - da hat es rd. 150 Jahre gedauert (und schon kurz danach wurde versucht, dass ganze irgendwie ins Lot zubringen ... der Erfolg ueberzeugt noch immer nicht ganz) & in Russland mit seinen extremen Geschwindigkeiten & Gegensaetzen dauert vielleicht nicht ganz so lange, aber in 20 Jahren macht der Letzte in Kazan das Licht aus (naja - die Alten werden wohl da weiter haussen , muessen).

Oder man versucht es wieder mit Zwang ... Wiedergeburt eines Stalin ... nein danke ...

Re: Loehne und Gehaelter in Russland

Verfasst: 10 Aug 2007, 19:25
von m1009
papasha hat geschrieben: thema bezahlung: geht ja mittlerweile gut los, man beachte lokaler vertrag :D

hab inzwischen auch nen LOKALEN vertrag... und? was soll daran schlecht sein>?

Re: Loehne und Gehaelter in Russland

Verfasst: 10 Aug 2007, 19:56
von Zeppelin
Djadja_Mischa hat geschrieben:Du meinst so eine Art Heimat-Faktor ...
...aber in 20 Jahren macht der Letzte in Kazan das Licht aus (naja - die Alten werden wohl da weiter haussen , muessen).

Oder man versucht es wieder mit Zwang ... Wiedergeburt eines Stalin ... nein danke ...
Sorry D.-M.,
Du scheinst nicht zu wissen, was in den genannten Städten abgeht.
Fahr einfach mal hin.

Ich meine den Heimatfaktor nur als einen von weit schwerwiegenderen:
Nettoeinkommen-Lebenshaltungkosten+sozialer Lebensqualität.

Vor einigen Jahren waren Leipzig und Dresden übrigens auch noch totgesagt und heute ist so manche "Metropole" neidisch auf deren Erfolge.

Die Leute gehen halt da hin, wo das Verhältnis von Einkommen, Lebenshaltungskosten und Umgebungsvariablen optimal ist.

Was sollman schon als kinderloser Hochchulabsolvent allein in einem überteuerten Miniatur-Betonappartement am Stadrand von Moskau mit tägl. 4h Arbeitsweg?

Nee Du,
Da sind die Konditionen für eine angehende Bankerin mit Auslandserfahrung, Juristen, etc. in den regionalen Oberzentren schon deutlich attraktiver.

Nicht jede/-r ist schließlich scharf darauf, seinen automobilen P***-Ersatz einsam durch Moskau zu steuern und sich schließlich in einem Bord*** abzureagieren.

Der Vergleich mit D hinkt zwar immer, aber nicht ohne Grund wandern die Leute hier aus den Ausbildungsmetropolen regelmäßig und massenhaft in die "Provinz"ab, wo es die Job's gibt.
Irgendwann werden auch die russ. Unternehmen bemerken, dass es deutlich blliger ist, ihre Zelte außerhalb der Metropolen aufzuschlagen.

Re: Loehne und Gehaelter in Russland

Verfasst: 10 Aug 2007, 20:27
von Djadja_Mischa
Zeppelin hat geschrieben: Sorry D.-M.,
Du scheinst nicht zu wissen, was in den genannten Städten abgeht.
Fahr einfach mal hin.

- ich war da erst ... abgehen tut da schon was, nur haben mir fast alle in meinem Alter unisono ihren Wunsch nach Moskau mitgeteilt ...

Was sollman schon als kinderloser Hochchulabsolvent allein in einem überteuerten Miniatur-Betonappartement am Stadrand von Moskau mit tägl. 4h Arbeitsweg?

EBEN wegen der Kinder ist sie ja nach Moskau gekommen & faehrt die 4 Stunden ...

Nee Du,
Da sind die Konditionen für eine angehende Bankerin mit Auslandserfahrung, Juristen, etc. in den regionalen Oberzentren schon deutlich attraktiver.

- 400 USD war das Gehalt bis 01.01.2007 ...

Nicht jede/-r ist schließlich scharf darauf, seinen automobilen P***-Ersatz einsam durch Moskau zu steuern und sich schließlich in einem Bord*** abzureagieren.

na, na - also ICH bin nicht deswegen hier ...
Ich wuensche mir auch eine bevoelkertes Sibieren - ABER ich bin eben skeptisch & wuerde da auch nicht gern hin :roll:

Re: Loehne und Gehaelter in Russland

Verfasst: 10 Aug 2007, 22:51
von fremantle
Ich würde den Heimatfaktir nicht unterschätzen - nicht nur, dass viele nach der Ausbilduung in Westdeutschland oder 5 jahren Jobben wieder in den Osten zurückkehren, da nun langsam es hier anzieht, auch, das viele Menschen, in Großstädte ziehen, davon nach einer gewissen Zeit genervt sind. Ähnlich wird es bald in Russland sein. Da bin ich mir ziemlich sicher.
Norilsk seh' ich eigentlich nicht als Metropole, sondern eher Ekaterinburg, Novosibirsk, Tscheljabinsk und möglicherweise auch Wladiwostok. Da gehört schon einerseits eine gewisse kritische Masse an einwohnern und andererseits eine Integration in ein Städtenetzwerk,in welcher Form auch immer, dazu. Ich war letztes Jahr in Ekat. was da so an Firmenschildern deutscher/europäischer Firmen an den neuen Businesscentern prangte, läßt auf Boomtown im Schatten Moskaus schließen. Erste Stadt in Asien und aus "europäischem Verständnis" irgendwie hauptstadt Sibiriens, also des asiatischen Teils Russlands.

Re: Loehne und Gehaelter in Russland

Verfasst: 11 Aug 2007, 13:11
von Zeppelin
fremantle hat geschrieben:Ich würde den Heimatfaktor nicht unterschätzen - nicht nur, dass viele nach der Ausbilduung in Westdeutschland oder 5 jahren Jobben wieder in den Osten zurückkehren, da nun langsam es hier anzieht, auch, das viele Menschen, in Großstädte ziehen, davon nach einer gewissen Zeit genervt sind. Ähnlich wird es bald in Russland sein. Da bin ich mir ziemlich sicher. ...
Da kommen noch einige andere Faktoren hinzu, wie eben soziale / familiäre / kulturelle Bindungen und eben auch sowas wie (Lokal-)Patriotismus.
Das materielle Kalkül spielt zwar durchaus auch eine Rolle, aber vor allem im Sinne einer Gesamtbilanz von Pro und Contra.

Dabei weiß ich von Freunden und insbesondere von meiner Frau, dass ein ganz besonders relevantes Kriterium für diejenigen, die sich hier eine Karriere erhofft haben, letztlich auch die Frage der Staatsangehörigkeit ist. So fragen sich eben viele ob sie den russ. Pass wirklich abgeben wollen, um dann nur noch unter sehr erschwerten Bedingungen nach Hause reisen zu können u.v.a.m.
M.a.W., wer kein ausschließlicher Finanz-Utilitarist ist, wägt weit mehr Aspekte ab, als das reine Bruttoeinkommen.

Und so bin ich mir ziemlich sicher, dass Leute mit guten Qualifikationen und Auslandserfahrungen inzwischen in den Regionalmetropolen unterm Strich weit attraktivere Angebote vorfinden, als sich etwa in Moskau an der langen Schlange anzustellen.
Allein eine Reihe von Ex-Komilitoninnen meiner Frau, die 'nur' an der SPU in Kazan' studiert haben, gehen so mit 800 bis 1000 $ nach Hause und können damit weit fürstlicher leben, als mit dem 2,5-fachen davon in Moskau.

Noch scheinen ja aber zu viele Leute an ihre Chancen in dem Moloch zu glauben...

Re: Loehne und Gehaelter in Russland

Verfasst: 12 Aug 2007, 00:31
von Soletschnogorsk
Zeppelin hat geschrieben:
fremantle hat geschrieben:Ich würde den Heimatfaktor nicht unterschätzen - nicht nur, dass viele nach der Ausbilduung in Westdeutschland oder 5 jahren Jobben wieder in den Osten zurückkehren, da nun langsam es hier anzieht, auch, das viele Menschen, in Großstädte ziehen, davon nach einer gewissen Zeit genervt sind. Ähnlich wird es bald in Russland sein. Da bin ich mir ziemlich sicher. ...
Da kommen noch einige andere Faktoren hinzu, wie eben soziale / familiäre / kulturelle Bindungen und eben auch sowas wie (Lokal-)Patriotismus.
Das materielle Kalkül spielt zwar durchaus auch eine Rolle, aber vor allem im Sinne einer Gesamtbilanz von Pro und Contra.

Dabei weiß ich von Freunden und insbesondere von meiner Frau, dass ein ganz besonders relevantes Kriterium für diejenigen, die sich hier eine Karriere erhofft haben, letztlich auch die Frage der Staatsangehörigkeit ist. So fragen sich eben viele ob sie den russ. Pass wirklich abgeben wollen, um dann nur noch unter sehr erschwerten Bedingungen nach Hause reisen zu können u.v.a.m.
M.a.W., wer kein ausschließlicher Finanz-Utilitarist ist, wägt weit mehr Aspekte ab, als das reine Bruttoeinkommen.

Und so bin ich mir ziemlich sicher, dass Leute mit guten Qualifikationen und Auslandserfahrungen inzwischen in den Regionalmetropolen unterm Strich weit attraktivere Angebote vorfinden, als sich etwa in Moskau an der langen Schlange anzustellen.
Allein eine Reihe von Ex-Komilitoninnen meiner Frau, die 'nur' an der SPU in Kazan' studiert haben, gehen so mit 800 bis 1000 $ nach Hause und können damit weit fürstlicher leben, als mit dem 2,5-fachen davon in Moskau.

Noch scheinen ja aber zu viele Leute an ihre Chancen in dem Moloch zu glauben...
Sorry für die ganze Kopie deiner Nachricht, aber so läßt es sich besser antworten.

Fakt ist es viele Osteuropärer arbeiten ein paar Jahre in der BRD, leichtgemacht durch den EU-Betritt, bauen sich von dem Geld ein Haus in ihrem Land.
Bin zur Zeit in Rumänien, habe aber noch nie soviele Q7 (Audi) gesehen, als in Deutschland.
Derweil der Verdienstdurchschnitt bei 300 Euro liegt. In Ballungsgebieteten geht es einigen Leuten ganz gut. Auf den Dörfern gibt es Wasser aus dem Brunnen und die Alten treiben ihre Kuh am Wegensrand entlang.
Rumänien wird erst in 10 Jahren vielleicht den EU-Standart erreichen, sobald der Euro kommt, wird es eine Teuerungswelle geben, die eine Vielzahl der Bevölkerung nicht verkraften wird.