Dietrich hat geschrieben:
Liegt vielleicht aber auch daran, woher Russland "damals" kam und wohin es in dem Moment wollte.
Wenn ein Land im Begriff ist, sich von einem menschenverachtenden kommunistischen System in etwas anderes zu bewegen, dann ist auch das Ausland diesem Prozess gegenüber anders eingestellt, als wenn ein Land, welches mittlerweile bereits wesentlich demokratischer ist, sich durch Korruption und repressive Gesetze die lediglich der Machterhaltung der momentanen Regierung dienen, vom Weg in eine noch demokratischere Gesellschaft eher entfernt.
Tut mir leid, mit ansehen zu müssen, wie naiv und leichtgläubig Du über Machtpolitiker urteilst, die nur den eigenen Vorteil suchen, und deren Interesse an anderen Ländern nur geheuchelt ist. Die USA haben völkerrechtswidrige Kriege geführt, Hundertausend Chilenen umbringen, eine demokratisch gewählte Regierung stürzen lassen, haben ihre eigene Landsleute mit Drogen beliefern lassen, nur damit sich die Contras finanzieren können .. u.v.m.
Alein die zitierten Kohl-Protokolle sprechen Bände:
http://einestages.spiegel.de/s/tb/26182 ... umpel.html
Diese Haltung schloss große Nachsicht gegenüber den neuen Partnern im Kreml ein.
- Jelzin durfte am 3. Oktober 1993 das Parlamentsgebäude, in dem sich Deputierte verschanzt hatten, die ihn absetzen wollten,
mit Panzern beschießen.
- Ein Jahr später konnte er einen verlustreichen
Krieg gegen die abtrünnige Teilrepublik Tschetschenien beginnen, ohne dass er deutsche Proteste befürchten musste.
- Und schließlich konnte er es sich 1996 leisten, mit
Manipulationen bei der Präsidentenwahl den Sieg seines kommunistischen Konkurrenten Gennadi Sjuganow zu verhindern.
Kohls Solidarität war Jelzin dennoch sicher.
- Kein Wort darüber, dass der korruptionsumwitterte Tschernomyrdin, ein Ex-Boss des Staatskonzerns Gazprom, als Frontmann der
Kleptokratie galt - jener Form der exzessiven Selbstbereicherung, die auf den Kollaps der UdSSR folgte.
Kohls Milde gegenüber solch korrupten Kumpeln im Kreml folgte einer rein machtpolitischen Logik: Tschernomyrdin war politisch pflegeleicht.
So lange RUS angenehm war, wurde alles verziehen, was man Putin heute vorhält.
Demokratische Werte waren den Westpolitikern scheissegal.
Dietrich hat geschrieben:
In den 90ern machte der Wandel in Russland den Menschen im Westen Hoffnung, dass sich Russland zu einem Land entwickelt, welches als verlässlicher Partner mit einer demokratischen Regierungsordnung dienen kann. Die Menschen im Westen wollten keinen kalten Krieg mehr und waren aus eigener Erfahrung sicher, dass dies auch den Menschen in Russland hilft, ein besseres und freieres Leben zu führen.
Naives Gelaber. Alle kompetenten Berater, die ich hier schon oft zitierte, haben den Westen / IWF vor ihrer eigennützigen Poltik (Märkte für Westprodukte, billige Abschöpfung von Rohstoffen..) mit verfrühtem Zwang zur Privatisierung und Demokratisierung gewarnt. Der Westen hat mit zu verantworten, dass RUS ins Elend stürzte und Demokratie in RUS diskreditiert ist.
Dietrich hat geschrieben:
Das alles tut Putin nicht. Im Gegenteil. ..
Ja, da kann ich viel teilen.
Dietrich hat geschrieben:
Und diese Mär, dass "der Westen/die USA" Russland nur deshalb demokratischer haben möchte, weil es dann schwach ist und dahinter eine Hass auf Russland steckt... typischer VT-Quatsch.
Der Westen will einen verlässlichen, führbaren Partner. Die USA wollen ihre letzten Gegner aus dem Weg räumen, zumindest schwächen RUS, China, Iran ..
Die USA haben in der Geschichte schon immer die schlimmsten Diktaturen unterstützt, so lange sie nur nützlich waren.
Demokratie in anderen Ländern interessieren sie einen Scheiss.