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Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?
Verfasst: 31 Mär 2014, 12:00
von klaupe
Dietrich hat geschrieben:Passt er ehrlich gesagt auch besser hin.
Es gibt ja im Inter-Nett so ein Forum, das genau seine Weltanschauung und den Stil trifft
(mach ich mal ganz klein, soll ja keine Schleichwerbung werden: http://forum-ukraine.de/index.php/Portal/)
Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?
Verfasst: 02 Apr 2014, 07:11
von Norbert
Herr Schäuble hat ja etwas unvorsichtig in einer Schülerdiskussion den auch hier diskutierten Vergleich zum größten deutschen Österreicher gezogen. Auch wenn die Überschrift des Artikels üble Thesen erwarten lässt, so war ich dann doch überrascht über den Artikel:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/s ... 61997.html
Fazit: Ein Vergleich mit Hitler ist falsch, aber mit der Weimarer Republik sehr berechtigt.
Diese Ähnlichkeiten zu erkennen und zu beschreiben, heißt nicht, Russland zu diffamieren oder zu beschimpfen. Sie sind auch nicht zwingend ein Plädoyer für ein hartes Vorgehen gegen Moskau. Sie können vielmehr helfen, das russische Vorgehen zu erklären. Gerade uns Deutschen.
Und das stimmt.
Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?
Verfasst: 02 Apr 2014, 07:30
von m1009
Der Artikel ist nicht der schlechteste.
Mit den Putin - Hitler Vergleichen erreichen die Vertreter der Freien Laender nur eins. Die langsame Abwendung und aufkeimender Hass der Russischen Bevoelkerung gegen "die im Westen".
Als Kind hab ich dieses nicht Verstanden. Als ich am 9. Mai in Wuensdorf oder anderen Garnisonen der Sovjet Armee zwischen den Erwachsenen stand. Ich begann dies erst zu verstehen, als ich mit meiner Familie in Russland am 9. Mai durch die Stadt ging.
Nach 10 Jahren versteht man, was die meisten Russen bewegt, wenn es um den Faschismus, um Leid, um Tot und den Sieg ueber den Hitlerfaschismus geht.
Und da kommen Kriminelle wie Timichenko und nun sogar Deutsche, die Putin mit dem groessten Verbrecher der Menschheit vergleichen.
Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?
Verfasst: 02 Apr 2014, 09:26
von klaupe
m1009 hat geschrieben:Mit den Putin - Hitler Vergleichen erreichen die Vertreter der Freien Laender nur eins. Die langsame Abwendung und aufkeimender Hass der Russischen Bevoelkerung gegen "die im Westen"
Wenn die Bevölkerung sich angesprochen fühlt und mit Putin und seiner Politik identifiziert, dann kann die Abwendung nur von Vorteil sein.
Auch die Deutschen waren Jahrzehnte lang die bestgehassten Nazifaschisten, insbesondere in östlichen Regionen und selbst heutzutage bekommen deren Kinder, Enkel und Urenkel noch gerne das Etikett verpasst. Das ist nun mal so, wenn man Verbrechern blind folgt.
Und da kommen Kriminelle wie Timichenko und nun sogar Deutsche, die Putin mit dem groessten Verbrecher der Menschheit vergleichen.
Das ist sicherlich übertrieben. Er ist zwar auf dem besten Weg dahin, aber da muss er sich noch etwas anstrengen. Mit dem wachsenden und begeisterten Rückhalt in der Bevölkerung wird es ihn aber gelingen.
Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?
Verfasst: 02 Apr 2014, 10:26
von Nikolaus
m1009 hat geschrieben:Nach 10 Jahren versteht man, was die meisten Russen bewegt, wenn es um den Faschismus, um Leid, um Tot und den Sieg ueber den Hitlerfaschismus geht.
Und da kommen Kriminelle wie Timichenko und nun sogar Deutsche, die Putin mit dem groessten Verbrecher der Menschheit vergleichen.
Ja, so ist das. Ich kenne etliche Russen und zwar gutausgebildete Leute mit Super-Job, die im Resultat dieser westlichen Hetzkampagne nun meinen, dass der Westen eben nun noch einen Schritt in alte faschistische Muster gemacht hat. Ich befuerchte, dass so besonders wir als binationale Familien unausweichlich in Konflikte geraten werden. Nur unsere Bekannten wissen ja, wie wir denken, und die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass Fremde sich nicht die Muehe machen werden, das zu erfahren ...
Zumal, wie die Diskussionen hier im Forum ja zeigen, dass dieser "Generalverdacht" leider oft zutrifft, teils mehr, teils weniger.
Die permanente Unterstuetzung seitens des Westens fuer die postsowjetischen Oligarchen ueberzeugen den "einfachen Russen" noch mehr in seiner Meinung; denn betrachtet sie, wohl nicht zu Unrecht, als gewoehnliche Diebe und Betrueger, die sich mit Hilfe korrupter Beamter Staatseigentum ergaunert haben. Egal, ob das Russen, Ukrainer, Slowaken, ... sind.
Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?
Verfasst: 02 Apr 2014, 10:58
von Jenenser
m1009 hat geschrieben:
Mit den Putin - Hitler Vergleichen erreichen die Vertreter der Freien Laender nur eins. Die langsame Abwendung und aufkeimender Hass der Russischen Bevoelkerung gegen "die im Westen".
...ich war froh, als ich gestern Abend noch die Spätnachrichten des russischen Fernsehens sah, dass dieser Vergleich kein Thema war.
Norbert hat geschrieben:Herr Schäuble hat ja etwas unvorsichtig in einer Schülerdiskussion den auch hier diskutierten Vergleich zum größten deutschen Österreicher gezogen. Auch wenn die Überschrift des Artikels üble Thesen erwarten lässt, so war ich dann doch überrascht über den Artikel:...
Das heutige Russland zeigt ebenso auffällige wie beunruhigende Ähnlichkeiten mit dem Deutschland der Zwischenkriegszeit.
Folgt man nun dieser ausgearbeiteten Logik im Spiegel weiter, die einer Chronik gleicht, dürfte es bis zum großen Knall gar nicht mehr so weit sein.
m1009 hat geschrieben:
Als Kind hab ich dieses nicht Verstanden. Als ich am 9. Mai in Wuensdorf oder anderen Garnisonen der Sovjet Armee zwischen den Erwachsenen stand. Ich begann dies erst zu verstehen, als ich mit meiner Familie in Russland am 9. Mai durch die Stadt ging.
Nach 10 Jahren versteht man, was die meisten Russen bewegt, wenn es um den Faschismus, um Leid, um Tot und den Sieg ueber den Hitlerfaschismus geht.
Diese Lebenserfahrungen haben leider nur wenige in Deutschland.
Von befreundeten Russen aus dem Ural habe ich als Deutscher im Zusammenhang mit dem 9. Mai im vergangenen Jahr folgende Nachricht bekommen.
Да, 9 Мая – это НАСТОЯЩИЙ праздник… мы все помним!
Главное, что события прошлого сделали всех нас мудрее, терпимее и добрее.
Счастья нам всем! С Победой.
Sie deckt sich übrigens mit den Meinungen, die ich auch in anderen Teilen Russlands und auch in der Ukraine erhielt!
Und ist Ausdruck der Versöhnung und der Verständigung. Ein Hitler-Putin Vergleich ist absolut unangebracht.
Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?
Verfasst: 02 Apr 2014, 12:06
von Berlino10
Norbert hat geschrieben:
Diese Ähnlichkeiten zu erkennen und zu beschreiben, heißt nicht, Russland zu diffamieren oder zu beschimpfen. Sie sind auch nicht zwingend ein Plädoyer für ein hartes Vorgehen gegen Moskau. Sie können vielmehr helfen, das russische Vorgehen zu erklären. Gerade uns Deutschen.
Und das stimmt.
Norbert!?
Sie lehnt den Hitler-Vergleich ausdrücklich ab,
sagt, dass sich Schäuble irrt und dass er Schaden anrichtet ...
"Diese Ähnlichkeiten" bezogen sich auf einen Vergleich, RUS sei wie in der Weimarer Republik.
Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?
Verfasst: 02 Apr 2014, 13:30
von Norbert
Nikolaus, genau - das finde ich auch richtig.
(Ich werde es in meinem Posting noch klarstellen, dass sich das Zitat eben auf Weimar und nicht auf Hitler bezieht.)
Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?
Verfasst: 02 Apr 2014, 17:50
von GIN
Wieso sei den Russland wie in der ersten deutschen Republik? verstehe ich nicht. Bitte um Erklärung
Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?
Verfasst: 02 Apr 2014, 18:14
von Berlino10
GIN hat geschrieben:Wieso sei den Russland wie in der ersten deutschen Republik? verstehe ich nicht. Bitte um Erklärung
Ich finde die Parallelen so falsch nicht, es fehlen nur viele Anpassungen und Ergänzungen.
Und die Frage ist auch wieder - was sagt uns das? Welche Gefahren wollen wir an die Wand malen?
Wie das Deutsche Reich nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg sieht sich Russland nach dem Ende des Kalten Krieges als gedemütigtes Land, das sich mit einer schmachvollen Niederlage abfinden muss. Es musste die Verkleinerung seines Herrschaftsgebiets hinnehmen, es sieht sich isoliert, von Feinden umgeben, deren Ziel es ist, Russland weiter zu schwächen. Millionen Russen - wie damals Deutsche - finden sich außerhalb der Landesgrenzen.
Wie im Deutschland der dreißiger Jahre ist die Demokratie weithin diskreditiert. Denn die ersten demokratischen Gehversuche Moskaus in den neunziger Jahren gingen - wie im Deutschland der Weimarer Republik nach dem Ende der Monarchie - mit wirtschaftlichem Niedergang und finanziellen Krisen einher. Die meisten Russen fühlten sich aus der relativen Sicherheit des sowjetischen Systems in genau jenen Raubtierkapitalismus entlassen, den die sowjetische Propaganda als Schreckbild gemalt hatte. Demokratie wurde zum Synonym für politische Schwäche, die eine kleine Gruppe von Oligarchen zur Bereicherung nutzte, während ein Großteil der Bevölkerung verarmte.
Wie das damalige Deutschland reagiert Russland mit einer Rückbesinnung auf das Nationale, einem nationalen Sendungsbewusstsein, das die westliche Moderne als dekadent ablehnt.