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Re: Wie sieht es mit RUS aus?

Verfasst: 29 Apr 2014, 22:12
von klaupe
Jenenser hat geschrieben:.... fehlt es an qualifizierten und motivierten Arbeitskräften.
Sind die Kolchosbauern alle ausgestorben?
Natürlich kann der einheimische Markt quantitativ und qualitativ eine Verbesserung vertragen. Den EU-Markt zu erobern stelle ich mir jedoch schwieriger vor. Und bin mir sicher, dass man zum Beispiel in Holland, Spanien... daran auch kein Interesse hat... In Lateinamerika schafft es auch nicht jede Banane nach Europa. Und das liegt nicht an der Qualität.
Man muss ja nicht alles gleich erobern, aber man kann am Wettbewerb teilnehmen und bei etlichen Produkten vielleicht besser und billiger sein, als Überseeimporte.
Aber mit Öl, Gas und ein paar anderen Rohstoffen kann man genug verdienen, da muss man nicht anfangen den Garten umzugraben und sich Schwielen an den Händen holen.
Sibirier hat geschrieben:Afrika usw. Sind die Monatsloehne noch bei 50 EUR, da lohnt sich so etwas. Dort findet man sogar noch gute Arbeitskraefte dafuer. Das kannst Du in der RF vergessen.

Fuer Landwirtschaft in der RF brauchst Du viele Flaechen und grosse Maschinen. Es macht doch ein Deutscher hier vor. Nur dazu brauchst Du Kapital und Beziehungen...Dann klappt es auch mit der Landwirtschaft.
da frage ich mich, wie es in anderen Ländern, z.B. in der EU oder gar in Deutschland gelingt bei hohen Löhnen, relativ kleinen Flächen und einem bescheidenen Maschinenpark es gelingen kann, dass Bauern überleben. Nicht alle bekommen Subventionen

Re: Wie sieht es mit RUS aus?

Verfasst: 30 Apr 2014, 00:09
von weltenbummler
Jenenser hat geschrieben:
klaupe hat geschrieben:...
Da liegt Russland ja fast vor der Haustür und könnte sich hier einen lukrativen Markt erobern.
Auch dem einheimischen Markt würde eine Verbesserung der Versorgung und Qualität nicht schaden.
Wir haben hier im Forum irgendwo Anfang des Jahres über die Ausstellungshalle Russlands während der “Grünen Woche” in Berlin diskutiert. Obwohl fruchtbare Böden vorhanden sind, vor allem im Krasnodarer Kreis, am Kuban und auch “westliche Technik” ohne Einschränkung zur Bearbeitung des Bodens genutzt werden könnte, fehlt es an qualifizierten und motivierten Arbeitskräften.

Natürlich kann der einheimische Markt quantitativ und qualitativ eine Verbesserung vertragen. Den EU-Markt zu erobern stelle ich mir jedoch schwieriger vor. Und bin mir sicher, dass man zum Beispiel in Holland, Spanien... daran auch kein Interesse hat... In Lateinamerika schafft es auch nicht jede Banane nach Europa. Und das liegt nicht an der Qualität.
Es gibt durchaus sehr moderne und erfolgreiche russische Agrarunternehmen:

z.B.: http://www.miratorg.ru/sites/en/about/default.aspx

Einige ukrainische Agrarholdings waren kurz davor in die EU zu exportieren, bzw. haben auch schon exportiert. Aber dank aufgrund der momentanen politischen Situation hat sich das wohl bald erledigt....

http://www.thepoultrysite.com/poultryne ... -to-follow

Re: Wie sieht es mit RUS aus?

Verfasst: 30 Apr 2014, 08:10
von Zejtnot
klaupe hat geschrieben:
Jenenser hat geschrieben:.... fehlt es an qualifizierten und motivierten Arbeitskräften.
Sind die Kolchosbauern alle ausgestorben?
Wer zu Sowjetzeiten 30 war, ist jetzt 55, also kurz vor der Rente. Die jüngeren sehen die Vorzüge der Stadt und vor allem die möglichen Löhne in der Stadt bei zugleich körperlich weniger anstrengender Arbeit.

Insofern: ja.

Re: Wie sieht es mit RUS aus?

Verfasst: 30 Apr 2014, 10:03
von klaupe
weltenbummler hat geschrieben:Es gibt durchaus sehr moderne und erfolgreiche russische Agrarunternehmen:
Davon bin ich überzeugt, aber es scheinen mir eher Einzelfälle zu sein und die Möglichkeiten sind noch lange nicht ausgeschöpft.
Wenn ich mir vorstellen, wieviel sehr guter Boden brach liegt und wieviel Arbeitskräfte verfügbar sind, kann man sich nur wundern.
Zejtnot hat geschrieben:Wer zu Sowjetzeiten 30 war, ist jetzt 55, also kurz vor der Rente. Die jüngeren sehen die Vorzüge der Stadt und vor allem die möglichen Löhne in der Stadt bei zugleich körperlich weniger anstrengender Arbeit.
Wenn es auf dem Land keine Beschäftigung gibt, muss man die Heimat verlassen und in die Stadt ziehen. Oft ein Weg vom Regen in die Traufe. Aber der Staat regelt so viel, warum nicht auch an solchen kritischen Punkten?

Re: Wie sieht es mit RUS aus?

Verfasst: 30 Apr 2014, 21:25
von Saboteur
Zejtnot hat geschrieben: Wer zu Sowjetzeiten 30 war, ist jetzt 55, also kurz vor der Rente. Die jüngeren sehen die Vorzüge der Stadt und vor allem die möglichen Löhne in der Stadt bei zugleich körperlich weniger anstrengender Arbeit.

Insofern: ja.
Das kann ich bestätigen -meine Schwiegereltern halten ein Leben auf dem Dorf als Dorfleben für undenkbar für uns und junge Leute.

Man kann aber noch differenzieren, dass es ein Dorfleben im Dorf (Modell Selbstversorgung) gibt und ein Stadtleben im Dorf (eher wie in Deutschland weit verbreitet)... im Dorf meiner Schwiegereltern mit mehreren hundert Einwohnern leben eine Hand voll Leute ein Stadtleben auf dem Dorf - wenn überhaupt. Das muss man sich eben auch leisten können...

Das Dorfleben was ich so mitkriege ist ja alles schön und gut aber so extrem Entbehrungsreich, dass die Abwanderung logisch ist.

Ich denke "das russische Dorf" liegt im Sterben und hat keine Zukunft...

Re: Wie sieht es mit RUS aus?

Verfasst: 30 Apr 2014, 21:39
von weltenbummler
Saboteur hat geschrieben:
Zejtnot hat geschrieben: Wer zu Sowjetzeiten 30 war, ist jetzt 55, also kurz vor der Rente. Die jüngeren sehen die Vorzüge der Stadt und vor allem die möglichen Löhne in der Stadt bei zugleich körperlich weniger anstrengender Arbeit.

Insofern: ja.
Das kann ich bestätigen -meine Schwiegereltern halten ein Leben auf dem Dorf als Dorfleben für undenkbar für uns und junge Leute.

Man kann aber noch differenzieren, dass es ein Dorfleben im Dorf (Modell Selbstversorgung) gibt und ein Stadtleben im Dorf (eher wie in Deutschland weit verbreitet)... im Dorf meiner Schwiegereltern mit mehreren hundert Einwohnern leben eine Hand voll Leute ein Stadtleben auf dem Dorf - wenn überhaupt. Das muss man sich eben auch leisten können...

Das Dorfleben was ich so mitkriege ist ja alles schön und gut aber so extrem Entbehrungsreich, dass die Abwanderung logisch ist.

Ich denke "das russische Dorf" liegt im Sterben und hat keine Zukunft...
Wobei man da differenzieren muss. Die Selbstversorgungslandwirtschaft ist mühselig und man verdient praktisch nichts.

Arbeitsplätze in modernen Landwirtschaftlichen Betrieben sind allerdings, in meinen Augen, sehr attraktiv. Es ist normalerweise keine Körperliche Arbeit, sondern die Arbeit ist voll automatisier und Computergesteuert. Nicht anders als in modernen Industriebetrieben. Dort kann man allerdings eigentlich nur gut ausgebildete Spezialisten gebrauchen. Die "Kolchosbauern" finden dort kaum eine sinnvolle Beschäftigung (vielleicht als Wachmann oder so).

Das ist in meinen Augen auch der Grund, warum es sinnvoll ist, die modernisierung von Industrie und Landwirtschaft langsam, Schritt für Schritt vorzunehmen. Sonst werden die vielen schlechtqualifizierten "Kolchosbauern" arbeitslos, während es nicht ausreichend Spezialisten gibt, um die neuen Anlagen zu betreiben.

Re: Wie sieht es mit RUS aus?

Verfasst: 30 Apr 2014, 21:46
von Saboteur
Wobei man da differenzieren muss. Die Selbstversorgungslandwirtschaft ist mühselig und man verdient praktisch nichts.
absolut, du hast recht... es ist komplex :) Danke für den Hinweis, das hatte ich übersehen!
Arbeitsplätze in modernen Landwirtschaftlichen Betrieben sind allerdings, in meinen Augen, sehr attraktiv. Es ist normalerweise keine Körperliche Arbeit, sondern die Arbeit ist voll automatisier und Computergesteuert. Nicht anders als in modernen Industriebetrieben. Dort kann man allerdings eigentlich nur gut ausgebildete Spezialisten gebrauchen. Die "Kolchosbauern" finden dort kaum eine sinnvolle Beschäftigung (vielleicht als Wachmann oder so)
genau, und diese Arbeitsplätze sind doch absolute Mangelware... Wenn ich im Sommer im Kursker Gebiet unterwegs bin, habe ich fast nie einen modernen "Kombain" gesehen, eher Niva. Die Kolchose im Dorf ist auf jeden Fall noch 100% sowjetisch ausgerüstet. Aber es ist nur eine von tausenden...

Das krasse ist, dass man in Spanien und Holland Gewächshäuser in unendlichen Dimensionen findet. Im Gebiet der fruchtbarsten Erde jedoch nicht...

Re: Wie sieht es mit RUS aus?

Verfasst: 30 Apr 2014, 22:18
von Alex KA
Saboteur hat geschrieben:

Das krasse ist, dass man in Spanien und Holland Gewächshäuser in unendlichen Dimensionen findet. Im Gebiet der fruchtbarsten Erde jedoch nicht...
Diese Erde gehört zu Kolchose, und sollte Jemand als Privatperson Gewächshäuser bauen wollen, nicht leicht diese Erde zu bekommen, nicht zu verkaufen.. Und wenn, man muss auch Geld haben.. Kredit nehmen für 20% pro Jahr? Einfache Kolchosnick bekommt so ein Kredit wahrscheinlich nicht..

Re: Wie sieht es mit RUS aus?

Verfasst: 30 Apr 2014, 22:42
von Saboteur
ja ich verstehe das Dilemma sehr gut und will auch nicht oberschlau kritisieren, es ist nur aufgefallen und ich finde es schade im Supermarkt im (angeblich) fruchtbarsten Gebiet der Erde keine Tomaten und Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch und und und aus der Region, geschweige den aus Russland zu bekommen... aber das Thema Inverstitionssicherheit spielt da sicher mit rein.

Re: Wie sieht es mit RUS aus?

Verfasst: 30 Apr 2014, 22:54
von weltenbummler
Saboteur hat geschrieben:
genau, und diese Arbeitsplätze sind doch absolute Mangelware... Wenn ich im Sommer im Kursker Gebiet unterwegs bin, habe ich fast nie einen modernen "Kombain" gesehen, eher Niva. Die Kolchose im Dorf ist auf jeden Fall noch 100% sowjetisch ausgerüstet. Aber es ist nur eine von tausenden...

Das krasse ist, dass man in Spanien und Holland Gewächshäuser in unendlichen Dimensionen findet. Im Gebiet der fruchtbarsten Erde jedoch nicht...
Also gerade in dem Gebiet Kursk - Belgorod - Woronesch wird, meiner Meinung nach im Bereich Landwirtschaft und Tierhaltung sehr stark investiert und modernisiert. Das Beispiel Miratorg hatte ich ja vorher schonmal erwähnt.

Auf der Schwarzerde werden allerdings in erster Linie Mais, Weizen und vielleicht Zuckerrüben angebaut. Kartoffeln baut man eher auf leichten Böden an. Gewächshäuser sind mir, ehrlich gesagt, nicht aufgefallen. Ich bin aber Landwirt, von Gärtnerei versteh ich nix. ;-)