Seite 7 von 7

Verfasst: 02 Feb 2005, 17:58
von Bephep
Gott sei Dank habe ich nicht "Privilegierte Partnerschaft"...geschrieben weiss der Teufel was da gemeint ist.
Aber wenn die Ukraine demokratisch wird muss die EU etwas machen diesen Prozess zu unterstuetzen.Auch schon wegen Belaruss,damit die Menschen dort wieder etwas Hoffnung haben.

Verfasst: 02 Feb 2005, 18:34
von Sibirier
Also ich denke, die Ukraine wird irgendwann der EU beitreten. Es ist nur die Frage wann. Erstmal muß das Land sich selbst umstrukturieren. Dabei sind sie schon. Ich denke, dass das Im- und Exportgeschäft in der Ukraine vereinfacht werden sollte. Denn das wird der Ukraine den Aufschwung bringen. Nur ich denke, ein Beitritt zur EU ist nicht vor 2015 zu erwarten.

Gruß

Sibirier

Verfasst: 03 Feb 2005, 02:50
von Bephep
Ich hoffe das eines Tages alle Europaeischen Staaten in der EU sind auch Russland.Aber 2015 ist sehr frueh,ich glaube erst spaeter.
Von den tausend Problemen nur zwei.Die Landwirtschaft der Ukraine wuerde riesige Kosten verursachen weil klimatisch guenstiger und bei "billig Loehnen" wuerden noch mehr Firmen nach Osten gehen und die Arbeitslosigkeit hier ansteigen.Das haelt die EU nicht aus.

Verfasst: 04 Feb 2005, 05:14
von Anonymous
die antwort von Bephep muss man umfassender sehen

das heer von arbeitslosen in westeuropäischen staaten besitzt keine bzw. nur sehr wenig ausbildung und diese arbeiten daher vorwiegend in produktionsbetrieben

so im allgemeinen auch die immigranten aus ärmeren ländern, die zum teil funktionale analphabeten sind,
sind nachweislich von arbeitslosigkeit öfter betroffen, sie haben auch das problem der integration zu bewältigen (spracherwerb etc.) und sind benachteiligt in der gesellschaft

selbstverständlich verlagern produktionsbetriebe arbeiten mit niedriger qualifikation in staaten mit geringen lohnkosten, aber auch wegen der massenhaften verfügbarkeit von arbeitskräften dort, der prozess der abwanderung geschieht schon seit jahrzehnten, der EU-beitritt von wirtschaftlich schwächeren ländern würde diese vorgänge nur marginal beinflussen

wir können uns das geringere übel eigentlich nur aussuchen, entweder wir verlagern diese arbeiten ins ausland oder heerscharen von gering-qualifizierten arbeitskräften werden in die EU strömen und das arbeitsmarktdesasterimmer weiter verschlimmern, langfristig wären soziale spannungen zwischen heimischen and zugewanderten "hacklern" zu befürchten

so bitter es für uns auch klingt, die abwanderung von produktionsbetrieben mit minderqualifizierten arbeiten ist auch unsere chance gegen arbeitslosigkeit, bringt es doch den betreffenden ländern arbeitsplätze, einen bescheidenen langsam wachsenden wohlstand und eine zukunftsperspektive, die motivation zur abwanderung in hochentwickelte industriestaaten würde signifikant schrumpfen

vergleichen wir:

die kosten für die grenzsicherungen gegen illegale einwanderung, schmuggelware (auch menschen), schubhaft, die abschiebung selbst, die sozialhilfebezüge von gescheiterten zuwanderern mit grossfamilien in der EU und der bekämpfung der eben daraus resultierenden kriminalität von ausländischen bürgern durch ihre prekäre lage

die gewinne, die wir durch billig produzierte kleidung, unterhaltungselektronik, sportartikel und was weiß ich noch alles, erzielen (viele waren, die wir uns normalerweise ohne probleme leisten können, wären auf einmal unglaublich teuer, wären sie bei uns produziert worden), ausserdem wären diese länder ein riesiger exportmarkt für die EU-länder, die z.B. arbeiter/unternehmer mit ihren löhnen/erträgen aus den dortigen produktionsbetrieben unsere (qualitäts)erzeugnisse kaufen können, leute könnten auf einmal auch als devisenbringende touristen z.b. nach Österreich zum schifahren kommen (ich weiß nämlich, das interesse dafür wäre in den GUS staaten groß)

vergleichbare erfolgsbeispiele wären südostasiatische staaten wie taiwan, südkorea, thailand, china etc.

auch im fall der ukraine sollten die leute zumindest von der defizitären staatlichen kolchosenwirtschaft in die private produktion wechseln, damit die landwirtschaft endlich privatisiert und auf vordermann gebracht werden kann, ohne eine riesige arbeitskräftefreisetztung auszulösen, eine tatsache, die den transformationsprozess seit je her hemmt

wir müssen bereit sein, jetzt in den sauren apfel zu beißen und zu INVESTIEREN, damit wir alle in ferner zukunft davon profitieren können, sich viele probleme sich langsam in wohlgefallen auflösen und die EU mit der ukraine mit weniger sorgenfalten bezüglich kosten beitrittsverhandlungen beginnen kann

und noch etwas: unsere gesellschaft muss sich bewusst werden, dass fast nur arbeitsplätze in der produktion verloren gehen, arbeitsplätze im dienstleistungssektor kaum (wie soll man arbeitsplätze von reinigungspersonal, taxifahrer, pizzazustellservice sinnvoll woanders verlagern, wir brauchen diese HIER und nicht dort), im gegenteil: wir haben einen akuten mangel an facharbeitern, der UNSER wirtschaftswachstum hemmen lässt! wir haben unter anderem versucht, computer spezialisten aus Indien mit "green cards" zu locken, aber das ging ja bekanntlich in die hose, der facharbeitermangel ist noch immer da...

Verfasst: 04 Feb 2005, 14:32
von Sportsfreund
wenn in der EU nur Taxifahrer, Eisverkäufer und Pizzalieferanten bleiben,
dann ist es für die EU schon verlorenes Spiel...
:cry:

Woher sollen die Taxifahrer Kunden bekommen, wenn die Pizzalieferenten sowie so nur im "Dienstwagen" unterwegs sind, und die Eisverkäufer kein Geld fürs Taxi haben?
Und wem sollen die Pizzalieferenten Pizzas liefern?
Taxifahrer haben kein Geld für die Pizza, weil sie keine Kunden haben
(weil die Pizzalieferenten sowie so nur im "Dienstwagen" unterwegs sind,
und die Eisverkäufer kein Geld fürs Taxi haben)

Wenn im Lande nichts produziert wird, dann gibt es kein "Geldzustrom" von aussen.
Es ist wie innerhalb der Familie etwas verkaufen.
Der Papi verkauft Spielzeug an die Kinder, damit er ihnen später Taschengeld geben kann (von diesem Geld können sie das Spielzeug bei Papi wieder zurückkaufen), der Papi kann die Muti mit dem Geld für Essen bezahlen, Muti bezahlt die Kinder damit sie in der Wohnung aufräumen.
Die Frage ist- wie lange kann das Geld so in einem geschlossenen System zirkulieren?
Irgendwann muss man sich "da draussen" Lebensmittel und Kleidung und sonst was kaufen

Verfasst: 04 Feb 2005, 15:02
von Dietrich
Wenn ich das Posting von Eiskristall richtig sehe, dann werden wir also ein Volk von entweder hochqualifizierten oder im Dienstleistungssektor Beschaeftigten.
Alle einfach zu produzierenden Artikel werden importiert und wir bauen die Technik und komplexe Sachen um sie dann zu exportieren. Und sichern uns damit unser geliebtes Lohnniveau.

Aber was passiert nun ploetzlich wenn in den Niedriglohnlaendern sich auch Leute qualifizieren und diese Laender ploetzlich anfangen selber die Waren zu produzieren die wir ihnen teuer verkaufen wollen?

...dann bringen wir uns alle gegenseitig Pizza....

Dietrich

P.S. Und das unsere Arbeitslosenprobleme nur durch das Ausbleiben von Immigranten geloest werden moechte ich auch mal bezweifeln! Auch Deutsche sind nicht alle qualifizierte Facharbeiter! Aber die Exportieren wir dann halt einfach in die Niedriglohnlaender!

Verfasst: 06 Feb 2005, 03:24
von Bephep
Hallo eiskristal
Deine Analyse ist nicht schlecht aber Du ziehst meiner Meinung nach die falschen Schlüsse.
Die Ukraine aber auch Russland lassen sich nicht mit der Tuerkei,die auch Mitglied werden will,vergleichen.
Als ich das erste mal in Russland war mache Russland auf mich den Eindruck eines Entwicklungslandes,aber mit einem Unterschied.Die Menschen waren gut ausgebildet und ich denke das russische Bildungssystem System ist anders,aber nicht schlechter wie das deutsche.

Wenn die in die EU kommen dann sind das nicht die Leute die nur einfache arbeiten machen, die haben das koennen Produkte herzustellen wie wir in Deutschland.Was da noch fehlt ist die Infrastruktur wie Strassen und Bahnlinien und natuerlich auch ein noermales Steuersystem und Gerichte.Und weniger Einfluss des Staates auf die Wirtschaft.

Unser Bildungsystem ist eine Katastrophe das muss schon lange geaendert werden aber nichts passiert.Wenn das so weiter geht werden WIR einmal die einfachen billigen Sachen herstellen.

Verfasst: 06 Feb 2005, 07:57
von Anonymous
ch wollte mit meinem beitrag eigentlich auf etwas anderes hinaus, ich hab wohl zu viele verschachtelte sätze in meinen postings :shock:

Sportsfreund beschreibt schon folgerichtig das allgemeine gegenseitige abhängigkeitsprinzip in einer gut funktionierenden marktwirtschaft, und es bedeutet auch noch lange nicht, dass das ganze system über nacht gleich zusammenbricht wenn es plötzlich einen kaufkraftverlust der entlassenen belegschaft eines ausgelagerten betriebes verkraften muss. es wird nur geschwächt, langsam & schleichend, da kann aber die politik zu diesem zeitpunkt noch rettend eingreifen...

es gibt keinen staat auf der welt, der so autark ist, um einen geschlossenen geld- und warenkreislauf zu führen, das ist humbug, die weltwirtschaft ist bereits global vernetzt, ich schrieb ja bereits, die EU darf ihre grenzen gegnüber den GUS-staaten und schwellenländern nicht verriegeln, es ist der falsche weg und kontraproduktiv

ich habe auch nicht andeuten wollen, dass das bildungsniveau in anderen (billiglohn)ländern prinzipiell niedriger ist (es ist nachweislich meistens höher), ich hatte nur festgestellt, dass UNS die qualifizierten facharbeiter fehlen, da wir es nicht zustandebringen unsere leute und zugewanderte arbeitskräfte zu motivieren und so auszubilden, dass die freien stellen endlich besetzt werden können, stattdessen hat man versucht, bereits ausgebildete spezialisten aus dem ausland zu holen (hat nicht funktioniert)

im kontrast dazu sitzen wir auf sehr großen heer an relativ teuren einfachen arbeitskräften, weil firmen/konzerne aus kostengründen produktionsarbeit abziehen, da läuft schon einiges schief :-(

Verfasst: 06 Feb 2005, 08:43
von Anonymous
Dietrich sieht es aus diesem aspekt und es ist meiner meinung nach richtig

solange zwischen den GUS staaten und EU diesen großen wirtschaftlichen unterschied giebt scheint es diesen trend zu geben und zwar so lange, bis sich das volksvermögen durch das einkommen der lohnarbeiter aus der produktionstätigkeit soweit vermehrt, dass diese staaten sich schließlich aus eigener kraft die infrastruktur verbessern, eigene forschungsabteilungen errichten und neue technologien herzustellen können

diese entwicklung ist sehr wünschenswert, denn in dieser phase werden auch die löhne dort kontinuierlich steigen und für produktionsfirmen wird es zunehmend unattraktiver, arbeitsplätze dorthin zu verlagern, arbeitnehmer werden es sich leisten können, als touristen (und devisenbringer) in EU ländern urlaub zu machen, etc. etc.

und ich sehe auch den vorübergehenden verlust an produktionsarbeitsplätzen als Investition, den sprichwörtlichen sauren apfel, in den wir jetzt beissen müssen, nach dem motto:

lieber ein ein ende mit schrecken, als ein schrecken ohne ende!

außerdem es ist doch bei uns immer noch so, dass bei uns einfache produktionsarbeit gemacht wird...

Verfasst: 15 Feb 2005, 00:24
von Bephep
Na,dann fehlen ja nur noch Zitate aus dem Komunistischen Manifest.
Ich wohne in einem Vorort in der naehe eines Bahnhofes und da stellen viele Pendler Ihre Autos ab und fahren mit der Bahn zur Arbeit.
Die S-Bahn haelt an jedem kleinen Bahnhof und schafft ungefaehr 70 Kilometer in der Stunde.