domizil hat geschrieben:... das JEDER, angefangen ganz oben, sich nur seine Taschen füllt, gestohlen und betrogen wird, Gesetze so geschrieben werden das sich die jeweils "Zuständigen" damit die eigenen Taschen füllen können
Diese Worte/Sätze wirst du in fast jedem Land hören, egal ob Russland, Deutschland oder USA, denn es ist auch fast überall so. Skandinavien kann man da mal als Ausnahme hinstellen.
Alexander Rahr, ein von allen deutschen Parteien angesehener Russlandexperte hat in einem Interview gesagt:
Was bedeutet Putins Kreml-Rückkehr für Deutschland?
„Mit Putin ist bald wieder ein Mann im Kreml, der sehr Deutschland-freundlich ist. Das gilt es zu nutzen. Über Deutschland will Putin nach Westen.
Die Alternative zu Putin wären anti-westliche Nationalisten. Da können wir für ihm fast dankbar sein, auch wenn die Situation in Russland mit Demokratie nicht viel zu tun hat. Bei Menschenrechten wird Putin Zugeständnisse machen, um sein Image aufzubessern.“
Und für die Wirtschaft?
„Für deutsche Konzerne wird es übersichtlicher. Bisher musste man zu Medwedew, obwohl jeder wusste, dass Putin die Entscheidungen trifft. Mit ihm gibt es wieder eine Kommandozentrale.“
Der Schriftsteller Viktor Jerofejew, der sich bisher wahrlich nicht als Putinfreund ausgezeichnet hat, hat in einem Welt-Interview, die nun erst recht nicht Putinfreundlich ist, gesagt:
Was ich weiß, ist, dass Putin liberaler in seinen Ansichten ist als 80 Prozent der russischen Bevölkerung, die nationalistischer und fremdenfeindlicher ist als er. Man kann sagen, was man will, aber Putin ist ein Schutzschild gegen das Aufkeimen negativer Gefühle in einem im Wesentlichen armen Land. Wir brauchen keine Revolutionen von unten. Russlands liberale Kräfte sind verschwindend klein und sie werden stetig kleiner, sei es, weil die Liberalen nicht wissen, wie sie mit dem Kreml umgehen sollen, oder weil die jungen Liberalen in den Westen fliehen.
Wir brauchen keine östlichen Ayathollas
Nun, da die Hoffnungen auf ein Wunder sich erledigt haben, wenden wir uns doch einfach der Realpolitik zu. Sollte sich Putin als Pragmatiker erweisen, ist das gut. Gut auch für mich persönlich. Denn wenn uns die persönlichen Freiheiten erhalten bleiben, die Putin uns Anfang der 2000er-Jahre verschafft hat, ist das gar nicht mal so schlecht.
Und dennoch: Die Moral im Land ist niedrig - Korruption ist ein schamloses Mittel, im Leben voranzukommen; es gibt viel Gewalt. Der Vorsitzende der Kommunistischen Partei, Gennadi Sjuganow, hat kürzlich erklärt, die Mordrate in Russland sei 20 Mal höher als in der Europäischen Union. Das ist beängstigend. In den kommenden Jahren könnten viele Russen sich auf eine ideologische Allianz aus Macht und Religion zubewegen, wie im Iran, eine Entwicklung mit unabsehbaren Folgen. Man kann nur sagen, lang lebe Putin, der Pragmatiker! Wir brauchen keine östlichen Ayathollas.
Also, ich hätte keine Bedenken nach 2012 in Russland weiter zu leben.