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Re: Das Gorbatschowsche Dilemma

Verfasst: 27 Nov 2014, 18:00
von Jenenser
Zejtnot hat geschrieben: Quelle: http://www.laender-analysen.de/russland ... sen267.pdf, Seite 2 bis 5.
Eine interessante Analyse vom 22. Nov 2013. Es gibt in der Geschichte genügend Beispiele, wo neue Märkte mit Gewalt und ausschließlich mit ihr erobert wurden. Es bleibt die Frage, ob das! im 21. Jahrhundert noch zeitgemäß ist.

Allein in deinem zitierten Teil der Analyse ist erkennbar, wie sich Russland noch im Sommer vergangenen Jahres um die Ukraine bemühte. Mit Hilfe des von den Ukrainern gewählten Präsidenten, der im Westen stets als russlandfreundlich eingestuft wurde, gelang das Vorhaben Russlands: „Nichtunterzeichnung des EU-Assoziierungsabkommen“. Beim beschriebenen „Handelskrieg“ sind keine Menschen ums Leben gekommen. Einige Oligarchen, ebenfalls beschrieben im Text, hatten jedoch das Nachsehen. Speziell diese lenken heute die Geschicke des Landes Ukraine an zentraler Stelle. Wie soll ich jetzt noch daran glauben, dass im Februar 2014 „das Volk“ den „Diktator“ verjagt hat...

Re: Das Gorbatschowsche Dilemma

Verfasst: 27 Nov 2014, 20:18
von Wladimir30
Jenenser hat geschrieben:Allein in deinem zitierten Teil der Analyse ist erkennbar, wie sich Russland noch im Sommer vergangenen Jahres um die Ukraine bemühte. Mit Hilfe des von den Ukrainern gewählten Präsidenten, der im Westen stets als russlandfreundlich eingestuft wurde, gelang das Vorhaben Russlands: „Nichtunterzeichnung des EU-Assoziierungsabkommen“. Beim beschriebenen „Handelskrieg“ sind keine Menschen ums Leben gekommen. Einige Oligarchen, ebenfalls beschrieben im Text, hatten jedoch das Nachsehen. Speziell diese lenken heute die Geschicke des Landes Ukraine an zentraler Stelle. Wie soll ich jetzt noch daran glauben, dass im Februar 2014 „das Volk“ den „Diktator“ verjagt hat...
Stimmt, daran erinnere ich mich auch noch. Wie schnellebig unsere Zeit doch geworden ist, wie schnell derartige Dinge aus dem kollektiven Gedächtnis verschwinden.

Re: Das Gorbatschowsche Dilemma

Verfasst: 28 Nov 2014, 06:45
von Haya
Moin Moin,

Lieber Zejtnot,
Ich denke die Reaktionen Russlands auf das drohende Assoziierungsabkommen im vergangenen Jahr waren sogar deutlich aggressiver:....Quelle: http://www.laender-analysen.de/russland ... sen267.pdf, Seite 2 bis 5.
Ist aber nicht dasselbe, wie
Genau dasselbe hat ja Russland mit der Ukraine im Herbst gemacht - Ihr wollt günstig unser Gas, dann spielt nicht mit Europa.
Du längst ab!
Wenn Serbien nun mit Russland kuschelt, so wäre es ja absurd, sie in die EU aufzunehmen. Warum sollte man?
Weil Serbien ein souveräner Staat ist, an den dieselben Grundbedingungen gestellt werden sollte, wie an anderen Staaten, da man sonst leicht rassistisch wird, wenn man den einen Staaten (neue EU-Länder) Privilegien erteilt und anderen (Serbien) verwehrt (wie bei der Krim eben).

Gruß
Haya

Re: Das Gorbatschowsche Dilemma

Verfasst: 28 Nov 2014, 08:10
von Zejtnot
Hä? Dass Russland keine ukrainischen Waren mehr importiert hat, weil die Ukraine ein Abkommen mit der EU abschließen wollte, war in Ordnung? Aber dass die EU Serbien nicht aufnehmen möchte, weil es lieber mit Russland kooperiert, ist nicht in Ordnung? Das verstehe ich nicht. Und ich verstehe auch nicht, warum ich mit diesem Vergleich ablenke.

Die Ukraine als souveräner Staat wurde unmittelbar mit Handelssanktionen in die Knie gezwungen. Die Wirtschaft war sofort betroffen und das Land hatte keinerlei Ausweg.

Serbien wird ohne konkrete Folgen darauf hingewiesen, dass bei Kooperationen mit Russland der Eintritt in die EU unwahrscheinlich wird. Die Wirtschaft hat keine unmittelbaren Nachteile davon und das Land kann sich in Ruhe überlegen, ob eine Kooperation mit Russland der bessere Weg ist.

Warum erwartet irgendein Land freundliche Reaktionen, wenn es sich unfreundlich verhält. Klar kann man die Krim angliedern, einen Konflikt anheizen - aber man kann dann nicht erwarten, dafür geliebt zu werden. Genauso kann man Kiew unterstützen oder Sanktionen verhängen - sollte sich dann aber nicht über steigende Gaspreise und Importverbote wundern. That's live.

Wenn ein Freund plötzlich mit Leuten auf dicke Freundschaft macht, die ich nie leiden konnte, dann lade ich ihn auch nicht mehr zwingend zum Geburtstag ein.
Jenenser hat geschrieben:Allein in deinem zitierten Teil der Analyse ist erkennbar, wie sich Russland noch im Sommer vergangenen Jahres um die Ukraine bemühte. Mit Hilfe des von den Ukrainern gewählten Präsidenten, der im Westen stets als russlandfreundlich eingestuft wurde, gelang das Vorhaben Russlands: „Nichtunterzeichnung des EU-Assoziierungsabkommen“. Beim beschriebenen „Handelskrieg“ sind keine Menschen ums Leben gekommen. Einige Oligarchen, ebenfalls beschrieben im Text, hatten jedoch das Nachsehen. Speziell diese lenken heute die Geschicke des Landes Ukraine an zentraler Stelle. Wie soll ich jetzt noch daran glauben, dass im Februar 2014 „das Volk“ den „Diktator“ verjagt hat...
Habe ich das angezweifelt? Ich bin da ganz Deiner Meinung, keine Frage!

Es ging ausschließlich um die Frage, dass die EU nun Serbien droht, dass eine Aufnahme in die EU unwahrscheinlich wird, wenn Serbien mit Russland auf dicke Freundschaft macht. Da die laut Haya eine ganz üble rassistische Erpressung wäre, wollte ich mit dem Beispiel Russland-Ukraine aufzeigen, dass Russland vergleichbar handelte.

Menschen sind beim Handelskrieg nicht umgekommen - aber durch die Folgen dieses Handelskrieges. Hoffen wir inständig, dass sich der Druck der EU in Serbien nicht ähnlich auswirkt, die der damalige Druck Russlands in der Ukraine.

Re: Das Gorbatschowsche Dilemma

Verfasst: 28 Nov 2014, 08:33
von Haya
Moin Moin,

Lieber Zejtnot,
Und ich verstehe auch nicht, warum ich mit diesem Vergleich ablenke.
Hab Ich Dir schon oben erklärt!
Deine Quelle ist kein Beleg für
"Genau dasselbe hat ja Russland mit der Ukraine im Herbst gemacht - Ihr wollt günstig unser Gas, dann spielt nicht mit Europa."
Dass Russland keine ukrainischen Waren mehr importiert hat, weil die Ukraine ein Abkommen mit der EU abschließen wollte, war in Ordnung? Aber dass die EU Serbien nicht aufnehmen möchte, weil es lieber mit Russland kooperiert, ist nicht in Ordnung?
Genau!
Serbien wird ohne konkrete Folgen darauf hingewiesen, dass bei Kooperationen mit Russland der Eintritt in die EU unwahrscheinlich wird. Die Wirtschaft hat keine unmittelbaren Nachteile davon und das Land kann sich in Ruhe überlegen, ob eine Kooperation mit Russland der bessere Weg ist.
Wurden solche Bedingungen auch bein anderen Staaten bzgl. des EU-Beitritts getroffen?
Wenn ein Freund plötzlich mit Leuten auf dicke Freundschaft macht, die ich nie leiden konnte, dann lade ich ihn auch nicht mehr zwingend zum Geburtstag ein.
Steht Dir frei, wen Du zu Deiner Geburtstagsfete einladen möchtest. Ich fände es als diskriminierend jemanden nicht zum Geburtstag einzuladen, weil Ich ihn in seinem Recht der informationellen Selbstbestimmung beschneiden will.
Menschen sind beim Handelskrieg nicht umgekommen - aber durch die Folgen dieses Handelskrieges.
Nein! Wurde aber schon etliche Male diskutiert.
Hoffen wir inständig, dass sich der Druck der EU in Serbien nicht ähnlich auswirkt, die der damalige Druck Russlands in der Ukraine.
Russland hat mit dem Putsch nichts am Hut. Dieser Druck kam vom Westen.

Gruß
Haya

Re: Das Gorbatschowsche Dilemma

Verfasst: 28 Nov 2014, 09:43
von Zejtnot
Haya hat geschrieben:
Serbien wird ohne konkrete Folgen darauf hingewiesen, dass bei Kooperationen mit Russland der Eintritt in die EU unwahrscheinlich wird. Die Wirtschaft hat keine unmittelbaren Nachteile davon und das Land kann sich in Ruhe überlegen, ob eine Kooperation mit Russland der bessere Weg ist.
Wurden solche Bedingungen auch bein anderen Staaten bzgl. des EU-Beitritts getroffen?
Ja natürlich. Warum ist wohl das Baltikum längst in der EU, mit Georgien und Moldawien gibt es Assoziierungsabkommen, aber mit Weißrussland nicht?

Re: Das Gorbatschowsche Dilemma

Verfasst: 28 Nov 2014, 11:04
von Sachse007
Weißrundland? Vielleicht, weil die USA und die EU bisher noch keinen Weg gefunden haben, dort auch eine farbige Revolution anzufangen. Die wäre dann vielleicht rosa...

Re: Das Gorbatschowsche Dilemma

Verfasst: 28 Nov 2014, 12:56
von Jochen
Ich länge mich auch mal ab. Und zwar mit einem schönen, kräftigen Kaffee. Wer lang hat, kann lang hängen lassen!

Re: Das Gorbatschowsche Dilemma

Verfasst: 28 Nov 2014, 14:57
von Berlino10
Zejtnot hat geschrieben:Hä? Dass Russland keine ukrainischen Waren mehr importiert hat, weil die Ukraine ein Abkommen mit der EU abschließen wollte, war in Ordnung? Aber dass die EU Serbien nicht aufnehmen möchte, weil es lieber mit Russland kooperiert, ist nicht in Ordnung?
Darin liegt das argumentative Problem, wenn man sich treu hinter eine Seite der Großmächte und ihre jeweiligen imperialen Zwangsmaßnahmen stellt.
RUS ist im Vergleich zu den westlichen Imperial-Mächten weltweit schwach, nicht einmal 10% der Militärausgaben, <10% der Militärstützpunkte und
auch weit unterlegenem Geheimdienst-Apparat, wirtschaftlich mit ihrem Finanzkapital vergleichsweise unbedeutend, ... bis auf die Nuklearwaffen eben Regionalmacht
das hindert RUS aber nicht daran, in den wenigen Gebieten/Ländern des Ostens ähnlich erpresserisch, imperial zu agieren wie der Westen weltweit, etwa gegenüber Belarus ..

@Sachse: Die Umstürze des Westens, die sog. Farbrevolutionen werden heute vom Westen besser vorbereitet ...
ihr kapitalistischer Kolonialismus und Imperialismus in den Ziel-Ländern ist schon weiter fortgeschritten, wie in der UKR werden mehr Oligarchen, Politiker und Medien korrumpiert,
mehr Bank- und Handelsvolumen generiert, so dass Macht und Einfluss stärker sind, bevor die NATO auch den politischen Umsturz betreibt ...
Der Westen hat eben mehr militärische, wirtschaftliche und Geheimdienst-Macht, um ihre Ziel-Kolonien zu versklaven.

Letztendlich bemühen sich aber beide Großmächte nach Kräften, ihre eigenen Interessen rücksichtslos und imperial durchzusetzen, der Westen expansiv, RUS in der Verteidigung des schrumpfenden Machtraums.

Re: Das Gorbatschowsche Dilemma

Verfasst: 28 Nov 2014, 15:18
von Gunnar
Ach Berlino, diese DIE LINKE Parolen werden nicht besser dadurch, dass man sie immer und überall abläßt.

Im Kommunistischen Block um Sarah Wagenknecht hat man nie verstanden, dass die Welt von Menschen bevölkert wird, vielen einfachen, privaten, voller Träumen, Erwartungen und Zielen steckenden einzelnen Menschen. Die sind jeder für sich keine Großmacht oder das vielbeschworen Finanzjudentum oder die Imperialisten die sind auch keine grenzenlos manipulierbare Masse, das sind Leute, die alle dasselbe wollen, gut, sicher und sorgenfrei leben. Und diese einfachen Menschen gucken einfach da hin, wo andere Menschen leben, die das bereits weitestgehend erreicht haben wovon sie träumen und wie sie das gemacht und geschafft haben. Der Mensch ist das was er ist, weil ihm die Evolution beigebracht hat, bei Artgenossen abzugucken und deren Erfolg zu immitieren anstatt selbst das Rad jedes Mal neu zu erfinden. Daher wollen einfache Osteuropäer in die EU in die NATO und nicht weil dort irgendwelche bösen Monster an versteckten Schalthebeln diese Menschen wie Marionetten manipulieren und diese wie ferngesteuerte Roboter gen Westen wanken lassen. Solche Vorstellungen zeugen allenfalls von Menschenverachtung oder Menschenunkenntnis.

Nenne mir bitte die Punkte, derentwegen man die Art und Weise des russischen Lebens, der Russischen Staatsführung, das Leben der einfachen Russen, deren Alltag usw. irgendwo anders auf der Welt nachahmen und imitieren wollen sollte. Es gibt schlichtweg keine Gründe! Außer dass man vielleicht in Russland ungestraft Schwulen die Zunge rausstrecken kann oder sich mit ordentlicher Chuzpe auf Kosten der Gemeinschaft bereichern darf. Das mögen Leute wie Marie LePen attraktiv finden, aber auch nur, weil sie ihr eigenes Leben erfolgreich, wohlhabend und abgesichert gestalten will.

Die russische Landschaft und die russische Seele, die äußerst liebenswürdig sind, die lassen sich ja nicht beliebig anderswohin exportieren, allenfalls das Staatssystem und das ist schlichtweg Schrott.

Kurzum, die Menschen wollen woanders (z.B. in der Ukraine) schlichtweg nicht so leben wie die Menschen in Russland, sie wollen so leben wie die Menschen in Westeuropa und das kann ich nur allzu gut verstehen. Sie haben auch das Zeug und die Voraussetzung das zu schaffen, zumindest ihre Kinder.