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Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?

Verfasst: 03 Apr 2014, 13:18
von Gunnar
Auch im Westen besteht übrigens bis heute das Paradoxon, dass Mord, Gewalt und Krieg in filmischen Darstellungen den Jugendlichen durchaus in aller Detailtreue gezeigt werden dürfen, nicht aber eine konkrete Vollziehung des Liebesaktes, selbst wenn es dabei ohne jede Unterdrückung oder Entmenschlichung zugeht. Da fragt man sich schon manchmal, wie verquer das eigentlich ist. Begründbar ist das auch nur mit dem Erziehungsauftrag, den eine Gesellschaft vorgibt. Daher mag es durchaus so sein, dass eine andere Gesellschaft auch Homosexualität nicht in der Öffentlichkeit propagiert sehen will. Das Paradoxon zwischen Gewalt und Sex ist Russland noch viel ausgeprägter als in Deutschland.

Wirklich problematisch ist, dass es in Russland aber eben nicht allein um die Sendezeiten von Filmen im Fernsehen oder ähnliches geht sondern um den ganz realen Alltag und dort Grenzziehungen faktisch nicht machbar sind, was Kinder und Jugendliche mitbekommen dürfen sollen und was nicht. Ein schwules Paar, dass händchenhaltend Freunde mit Kindern besuchen, wird da mindestens latent kriminalisiert. Das geht viel zu weit und fördert extrem eine Blockwartmentalität.

Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?

Verfasst: 03 Apr 2014, 23:07
von Kultgrieche
Gunnar hat geschrieben: Ein schwules Paar, dass händchenhaltend Freunde mit Kindern besuchen, wird da mindestens latent kriminalisiert. Das geht viel zu weit und fördert extrem eine Blockwartmentalität.
Besser schwul und zu Russen gehen als Weiß und die Bronx zu besuchen! :lol:

Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?

Verfasst: 03 Apr 2014, 23:33
von Berlino10
Kultgrieche hat geschrieben: Besser schwul und zu Russen gehen als Weiß und die Bronx zu besuchen! :lol:
Besser Weiß und die Bronx besuchen, als als Schwarzer im Weißen-Viertel Gummibärchen kaufen gehen
http://de.wikipedia.org/wiki/Todesfall_Trayvon_Martin

Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?

Verfasst: 03 Apr 2014, 23:44
von Kultgrieche
Weiß und in die Bronx? Aber nur im Rahmen eines Klassenausfluges des Ku-Klux-Klan...

Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?

Verfasst: 04 Apr 2014, 10:46
von Norbert
Ich halte diesen Artikel mal für eine sehr ausgewogene Beleuchtung von Seiten der gegenüber Russland kritischen Stimmen:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/k ... 62393.html

Und der Humor kommt auch nicht zu kurz:
Lothringen ist wohl für immer verloren, aber bei dem Elsass sollten wir hartnäckig bleiben. Als Ausgleich könnten wir den Franzosen das Saarland anbieten. Das hat uns eh nur Scherereien gemacht (Honecker, Lafontaine). Auch über die Rückgabe von Mallorca an Spanien ließe sich reden, vorausgesetzt, England würde auf Gibraltar verzichten.

Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?

Verfasst: 04 Apr 2014, 11:08
von Dietrich
Norbert hat geschrieben:Und der Humor kommt auch nicht zu kurz:
Lothringen ist wohl für immer verloren, aber bei dem Elsass sollten wir hartnäckig bleiben. Als Ausgleich könnten wir den Franzosen das Saarland anbieten. Das hat uns eh nur Scherereien gemacht (Honecker, Lafontaine). Auch über die Rückgabe von Mallorca an Spanien ließe sich reden, vorausgesetzt, England würde auf Gibraltar verzichten.
Wobei man in den Kommentaren zum Artikel ganz gut sehen kann, dass diese Art von Humor, bzw. überhaupt erstmal der Fakt, das dies humorvoll überspitzt dargestellt ist, bei vielen Fleischhauer-Kritikern (mal wieder) überhaupt nicht ankommt.
Liegt wahrscheinlich daran, dass man derartige Dinge z.B. in den stets bierernsten Anklagen Augsteins sehr selten antrifft.

Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?

Verfasst: 04 Apr 2014, 11:28
von klaupe
Norbert hat geschrieben:Ich halte diesen Artikel mal für eine sehr ausgewogene Beleuchtung von Seiten der gegenüber Russland kritischen Stimmen:
Ausgewogen? Na ja, kommt immer auf den Blickwinkel an.
Im Moment ist die Hypersensibilität in Russland fast schon überreizt. Da muss Jan Fleischhauer wohl mit Sanktionen rechnen.
Ansonsten vermisse ich noch die "Ostmark" (Österreich) und dann packen wir Südtirol doch auch gleich mit ein.

Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?

Verfasst: 04 Apr 2014, 13:08
von Norbert
klaupe hat geschrieben:
Norbert hat geschrieben:Ich halte diesen Artikel mal für eine sehr ausgewogene Beleuchtung von Seiten der gegenüber Russland kritischen Stimmen:
Ausgewogen? Na ja, kommt immer auf den Blickwinkel an.
Genau so meinte ich es eigentlich auch: Diese Sichtweise auf die Dinge, aber ohne Krawall dargestellt.

Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?

Verfasst: 04 Apr 2014, 15:37
von klaupe
Norbert hat geschrieben:Diese Sichtweise auf die Dinge, aber ohne Krawall dargestellt.
Auf jeden Fall eine interessante Sammlung verschiedener Aspekte zum Thema.

Re: nationalsozialistische Argumentationsmuster?

Verfasst: 04 Apr 2014, 23:08
von Jenenser
Das „Nationalsozialistische Argumentationsmuster“ wurde in der Bundesrepublik Deutschland schon mehrmals bei politischen Auseinandersetzungen bedient.

Ich habe mal im Archiv des Spiegels geblättert.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13520992.html

Das Nachrichtenmagazin gab es zur damaligen Zeit in Jena noch nicht im Handel. Und doch kann ich mich an die Meldungen zum Thema im Fernsehen erinnern, die bei uns in der Stadt jedoch allgemein für Empörung sorgten. Vielleicht wollte der deutsche Bundeskanzler uns einfachen Menschen einfach nur seine Hilfe anbieten, um uns zu schützen?

Mann, ganze drei Jahre später war dieser Kanzler auch mein Kanzler. Er nahm mich in seine Obhut. Ich war im Besitz eines Passes dieses, seines, Staates, ganz automatisch, die Währung wechselte. Vorausgegangen war ein Referendum, später sollte es „erste freie Wahl“ heißen. Eine Mehrheit bei uns im Land hatte sich für einen Beitritt, andere nannten es Wiedervereinigung, entschieden. Und doch verstummt bis heute das Wort „Annexion“ nicht. Es folgte sichtbarer Aufschwung in vielen Bereichen, Wohlstand, Frieden und eine gewisse Stabilität. Auch ich habe davon profitiert.

Übrigens, unsere damalige Schutzmacht konnte den Prozess nicht aufhalten, obwohl es gültige Verträge über gegenseitigen Beistand gab. Die Geschichte, die Schaffung von Tatsachen machten diese Pakte obsolet.

Ein bekannter amerikanischer Politologe kommentierte diese Vorgänge im Jahr 1990 einmal treffend so:
Из статьи З.Бжезинского «Холодная война и её последствия»:

С геополитической точки зрения результат поражения СССР в холодной войне напоминает 1918 год. Потерпевшая поражение империя находится в стадии демонтажа. Как и в процессе прекращения предыдущих войн, здесь наблюдался отчётливо момент капитуляции. Вероятнее всего, такой момент наступил в Париже 19 ноября 1990 года. Там, на конклаве, проходившем в атмосфере показной дружественности, которая была призвана скрыть реалии ситуации, Михаил Горбачёв принял условия победителей. В завуалированных, изящных выражениях он назвал объединение Германии, которое произошло исключительно на западных условиях, великим событием. По существу же это было эквивалентом акта о капитуляции, подписанного в железнодорожном вагоне в Компьене в 1918 году или на борту линкора «Миссури» в августе 1945-го. Хотя это главное содержание было аккуратно упаковано в слова о дружбе.