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Re: Das Gorbatschowsche Dilemma

Verfasst: 28 Nov 2014, 15:25
von Wladimir30
Gunnar hat geschrieben:Nenne mir bitte die Punkte, derentwegen man die Art und Weise des russischen Lebens, der Russischen Staatsführung, das Leben der einfachen Russen, deren Alltag usw. irgendwo anders auf der Welt nachahmen und imitieren wollen sollte. Es gibt schlichtweg keine Gründe!
Da gibt es ganz im Gegenteil eine ganze Reiche von Gründen, derentwegen ich ja auch hier bin. Mit Ausnahme vielleicht der Staatsführung, die ich in Dt. aber auch nicht glühend-leuchtendes Vorbild ansehen möchte.

Natürlich SOLL es keiner nachahmen, aber für mich gibt es sehr viele Punkte im hiesigen Leben, die ich für durchaus nachahmenswert halte. Man sieht diese Punkte sehr oft nicht, weil sie von einem Haufen an kaum erklärbaren Dingen verdeckt werden. Da muß man zuweilen schon ein bißchen suchen.

Re: Das Gorbatschowsche Dilemma

Verfasst: 28 Nov 2014, 15:40
von Gunnar
Wladimir30 hat geschrieben: Da gibt es ganz im Gegenteil eine ganze Reiche von Gründen, derentwegen ich ja auch hier bin. Mit Ausnahme vielleicht der Staatsführung, die ich in Dt. aber auch nicht glühend-leuchtendes Vorbild ansehen möchte.

Natürlich SOLL es keiner nachahmen, aber für mich gibt es sehr viele Punkte im hiesigen Leben, die ich für durchaus nachahmenswert halte. Man sieht diese Punkte sehr oft nicht, weil sie von einem Haufen an kaum erklärbaren Dingen verdeckt werden. Da muß man zuweilen schon ein bißchen suchen.
Ja, ich habe das natürlich überspitzt, weil es mir um die politische Ordnung des Landes ging, die die russische Führung ja für einen Exportschlager (Stichwort Krim) und ein gelungenes Gegenmodell zur sozialen rechtsstaatlichen Marktwirtschaft hält. Natürlich gibt es einiges im russischen Alltag, das einem gut gefällt.

A propos Sozialstaat und bevor Berlino aufstöhnt: Klar ist der auch in D am bröckeln, aber er ist vorhanden. Wer in D zu den Besserverdiener gehört, und damit meine ich nicht das was man sich landläufig unter Reich vorstellt, der zahlt hier gewaltige Steuersätze. Der russische Oligarch zahlt seine 13%, das wars. Das ist hochgradig unsozial.

Re: Das Gorbatschowsche Dilemma

Verfasst: 28 Nov 2014, 15:54
von Berlino10
Gunnar hat geschrieben:Ach Berlino, diese DIE LINKE Parolen werden nicht besser dadurch, dass man sie immer und überall abläßt.
Ach Gunnar, du darfst die Wahrheit und auch mich gerne verleugnen, wenn du weder emotional noch intellektuell in der Lage bist, den westlichen Imperialismus als solchen zu erkennen.

Es ist sicher richtig, wenn du schreibst, die Menschen wollen gut, sicher und sorgenfrei leben
Es ist nur lächerlich naiv, wenn du glaubst, dass das zu erfüllen, die Motivation der Herrschenden im Westen ist, und/oder dass den Menschen im Osten dieses passieren wird.

Du kannst es noch lange "DIE LINKE Parole" nennen .. wahr bleibt, dass das Kapital sich in den letzten Jahrzehnten Renditen, Zinsen, Einkünfte aneignet, die weit über die Wachstumsraten der jeweiligen Länder hinausgehen, und es ist eine mathematische Zwangsläufigkeit, dass das Kapital dafür anderen etwas wegnehmen muss ... dass es anderen Menschen, anderen Ländern dadurch schlechter gehen MUSS, um die Renditen des Kapitals zu bezahlen.
Und die tatsächlichen Entwicklungen in der Verarmung des Deutschen Prekariats, der südeuropäischen Länder, ... wirst selbst du leichtgläubiger Vasall nicht leugnen können.

- kapiert, oder muss ich noch mehr Nachhilfe geben? -

Im Gegensatz zu DIE LINKE glaube ich an den Kapitalismus und bin auch nicht dafür, wertschöpfende Unternehmen auszupressen,
aber sehr wohl dafür, verbrecherische Machenschaften und die Macht des Finanzkapitals und westlichen Imperialismus wieder zu beschränken.

*********
Es ist nicht unser System von Marktwirtschaft, Demokratie und Freiheit, das ich kritisiere, es schafft immer einen grösseren Kuchen als jedes andere System
sondern ich kritisiere deren Aushöhlung durch das Finanzkapital, das sogar dafür sorgen kann, dass bei den Menschen weniger vom Kuchen abfällt als wenn sie darauf verzichten.

Zum ersten Mal konnten wir das in RUS der 90er beobachten, dass die einzelnen Menschen sich ohne Marktwirtschaft, Demokratie und Freiheit besser stellen.

Re: Das Gorbatschowsche Dilemma

Verfasst: 29 Nov 2014, 02:28
von Haya
Moin Moin,

Lieber Zejtnot,
Ja natürlich. Warum ist wohl das Baltikum längst in der EU...?
Weiß Ich nicht. Deswegen habe Ich auch gefragt, ob dieselben Bedingungen, die derzeit Serbien gestellt werden auch schon vorher an anderen Länder gestellt wurden.
Wenn es nach Dir geht, anscheinend schon und die baltischen Staaten mussten also auch vorerst Sanktionen ggü. Russland verheängen, bevor sie in die EU aufgenommen wurden.
OK, wenn es so stimmt Bild

Lieber Gustav,
Im Kommunistischen Block um Sarah Wagenknecht hat man nie verstanden, dass die Welt von Menschen bevölkert wird, vielen einfachen, privaten, voller Träumen, Erwartungen und Zielen steckenden einzelnen Menschen. Die sind jeder für sich keine Großmacht oder das vielbeschworen Finanzjudentum oder die Imperialisten die sind auch keine grenzenlos manipulierbare Masse,
Haben Wir wieder "питьница"????
Steinmeier hat vor kurzem erst noch den Traum bzgl. des NATO-Beitritts und UA zu nichte gemacht und mit dem EU-Beitritt sieht es auch nicht besser aus.
Die Ukros werden und wurden aufs Kreuz gelegt. Man zeigt ihnen ein schönes Bild und sie springen drauf an.

...Und diese einfachen Menschen gucken einfach da hin, wo andere Menschen leben, die das bereits weitestgehend erreicht haben wovon sie träumen und wie sie das gemacht und geschafft haben. Der Mensch ist das was er ist, weil ihm die Evolution beigebracht hat, bei Artgenossen abzugucken und deren Erfolg zu immitieren anstatt selbst das Rad jedes Mal neu zu erfinden.
Da hast Du es auf den Punkt gebracht. Die Menschen schauen es sich ab und so, wie einst schon bestimmte ethnische Völker ausgelöscht wurden. Genauso versucht man es jetzt auch im Osten des Landes. Brüllt noch ein paar Heil-Parolen, erzieht die Jugendentsprechend, erhebt ein neues Idolund lässt alte Fahnen wieder aufleben
Nach dem Motto: http://endofroad.blogsport.de/images/Fo ... Esonax.jpg
Nenne mir bitte die Punkte, derentwegen man die Art und Weise des russischen Lebens, der Russischen Staatsführung, das Leben der einfachen Russen, deren Alltag usw. irgendwo anders auf der Welt nachahmen und imitieren wollen sollte.
-Mehrfache Hilfskonvois stellen, um hilfsbedürftigen Menschen zu helfen
-Gesprächsbereitschaft zwischen verfeindeten Seiten herstellen
-Trotz der eigenen Souveränität auf Forderungen, wie Truppenabzug, eingehen
-Alle Beschuldigungen, wie militärische Interventionen beim ggü. hinterfragen
-Trotz hoher Schulden sich dennoch mit dem Schuldiger an einen Tisch setzen, um ein Kompromiss zu erarbeiten
-....

Außer dass man vielleicht in Russland ungestraft Schwulen die Zunge rausstrecken kann
Und in Deutschland ist es verboten?
allenfalls das Staatssystem und das ist schlichtweg Schrott.

Das ist schon OK. Nur das des US-Bundesstaates Deutschland und dessen Gouverneurin weniger.
Kurzum, die Menschen wollen woanders (z.B. in der Ukraine) schlichtweg nicht so leben wie die Menschen in Russland, sie wollen so leben wie die Menschen in Westeuropa und das kann ich nur allzu gut verstehen. Sie haben auch das Zeug und die Voraussetzung das zu schaffen, zumindest ihre Kinder.
Und was ist mit den Menschen von Novorossia? Diese vernachlässigst Du?
Denn die Wahlen haben auch da deutlich gezeigt, dass diese Menschen gegen die Kiewer Regierung und somit gegen den Westen sind und für ein Russland.
Aber OK, erwarte eh von Dir keine Antwort, da es nie um diese Menschen ging und das zeigt Dein Beitrag deutlich.

Gruß
Haya

Re: Das Gorbatschowsche Dilemma

Verfasst: 29 Nov 2014, 04:38
von GIN
Gunnar hat geschrieben:
Wladimir30 hat geschrieben: Da gibt es ganz im Gegenteil eine ganze Reiche von Gründen, derentwegen ich ja auch hier bin. Mit Ausnahme vielleicht der Staatsführung, die ich in Dt. aber auch nicht glühend-leuchtendes Vorbild ansehen möchte.

Natürlich SOLL es keiner nachahmen, aber für mich gibt es sehr viele Punkte im hiesigen Leben, die ich für durchaus nachahmenswert halte. Man sieht diese Punkte sehr oft nicht, weil sie von einem Haufen an kaum erklärbaren Dingen verdeckt werden. Da muß man zuweilen schon ein bißchen suchen.
Ja, ich habe das natürlich überspitzt, weil es mir um die politische Ordnung des Landes ging, die die russische Führung ja für einen Exportschlager (Stichwort Krim) und ein gelungenes Gegenmodell zur sozialen rechtsstaatlichen Marktwirtschaft hält. Natürlich gibt es einiges im russischen Alltag, das einem gut gefällt.

A propos Sozialstaat und bevor Berlino aufstöhnt: Klar ist der auch in D am bröckeln, aber er ist vorhanden. Wer in D zu den Besserverdiener gehört, und damit meine ich nicht das was man sich landläufig unter Reich vorstellt, der zahlt hier gewaltige Steuersätze. Der russische Oligarch zahlt seine 13%, das wars. Das ist hochgradig unsozial.
Der russische Oligarch zahlt seine 13%
Du bist hier zu formal. Ich denke nicht das es sowas in Russland gibt... 13% für Reiche... Ihr vergesst die ganzen Schutzzahlungen die faktisch jeder reiche Russe irgendwelchen Beamten zahlen muss um Repressionen vom Staat zu vermeiden. Es macht keinen Sinn als Multimillionär in Russland zu leben. Ein Bekannten von mir beziffern neben den 13% seinen ehemaligen Satz bei 30% bis 40% pro Jahr. Deswegen ist er in die Schweiz.

Re: Das Gorbatschowsche Dilemma

Verfasst: 29 Nov 2014, 04:51
von Haya
Moin Moin,

Möglicher Grund für die Nötigung an Serbien ist die South-Stream-Pipeline, die den Terroristen (eigentlich Amerikanern, aber ist ja dasselbe) nicht passen könnte.
http://politropolis.wordpress.com/2014/ ... em-balkan/

Gruß
Haya

Re: Das Gorbatschowsche Dilemma

Verfasst: 01 Dez 2014, 02:37
von Sachse007
A propos Sozialstaat und bevor Berlino aufstöhnt: Klar ist der auch in D am bröckeln, aber er ist vorhanden. Wer in D zu den Besserverdiener gehört, und damit meine ich nicht das was man sich landläufig unter Reich vorstellt, der zahlt hier gewaltige Steuersätze. Der russische Oligarch zahlt seine 13%, das wars. Das ist hochgradig unsozial.
Da muß ich Gunnar recht geben (habe ich das jetzt wirklich geschrieben?). Wir haben jetzt hier Petersburger Kollegen, 7 девочки и один мальчик, die haben sich gewundert, wie viel Steuern wir zahlen. Ich als Opfer des Mittelstandsbauches bin ja nach Steuer, Krankenkasse, Plflege, Altersvorsorge mit ca. 50 % dabei. Und die zahlen ihre 13 % und haben oft noch einen zweiten Job, vergessen aber, den beim Finanzamt anzugeben (woraufhin ich ihnen sagte, dass das Finanzamt zu besch... in Deutschland eine sehr schlechte Idee ist, es ist einfach nicht klug). Wir alle klagen über den Fiskus, aber fakt ist auch, dass ohne ausreichend Steuergelder das Gemeinwesen (bzw. manchmal auch - unwesen) nicht funktioieren kann. Und das könnte in Russland eine der Hauptursachen mancher Mißstände sein..., leider wird es einem im Wahlkampf nicht gedankt, für Steuererhöhungen einzutreten...

Re: Das Gorbatschowsche Dilemma

Verfasst: 01 Dez 2014, 08:00
von Zejtnot
Gunnar hat geschrieben:Nenne mir bitte die Punkte, derentwegen man die Art und Weise des russischen Lebens, der Russischen Staatsführung, das Leben der einfachen Russen, deren Alltag usw. irgendwo anders auf der Welt nachahmen und imitieren wollen sollte. Es gibt schlichtweg keine Gründe! Außer dass man vielleicht in Russland ungestraft Schwulen die Zunge rausstrecken kann oder sich mit ordentlicher Chuzpe auf Kosten der Gemeinschaft bereichern darf. Das mögen Leute wie Marie LePen attraktiv finden, aber auch nur, weil sie ihr eigenes Leben erfolgreich, wohlhabend und abgesichert gestalten will.
Vergleiche den Lebensstil in Russland in den 90ern, als man versucht hat, westliche Ideale zu übernehmen, und heute. (Ja, ich weiß, da war der Ölpreis im Keller. Aber für den einfachen Bürger zählt, wie er reell lebt.)

Vergleiche den Lebensstil in Rumänien mit dem Lebensstil in Russland.

Etc.

Ich bin wirklich kein Freund der russischen Gesellschaftsordnung - aber die Frage lässt sich in meinen Augen leicht beantworten.

Re: Das Gorbatschowsche Dilemma

Verfasst: 01 Dez 2014, 10:22
von Berlino10
Sachse007 hat geschrieben:
A propos Sozialstaat und bevor Berlino aufstöhnt: Klar ist der auch in D am bröckeln, aber er ist vorhanden. Wer in D zu den Besserverdiener gehört, und damit meine ich nicht das was man sich landläufig unter Reich vorstellt, der zahlt hier gewaltige Steuersätze. Der russische Oligarch zahlt seine 13%, das wars. Das ist hochgradig unsozial.
Da muß ich Gunnar recht geben (habe ich das jetzt wirklich geschrieben?). Wir haben jetzt hier Petersburger Kollegen, 7 девочки и один мальчик, die haben sich gewundert, wie viel Steuern wir zahlen. Ich als Opfer des Mittelstandsbauches bin ja nach Steuer, Krankenkasse, Plflege, Altersvorsorge mit ca. 50 % dabei. ..
Und woher kommt der Mittelstandbauch wohl? Dass die Arbeit, Lohn- + Konsumsteuern fast alles tragen müssen über 80%?
Daher, dass Geringverdiener weniger Steuern zahlen müssen als früher?
Oder vielleicht doch daher, dass das Steueraufkommen aus den oberen 5% in den letzten Jahren / Jahrzehnten stark reduziert wurde,
Körperschafts- und Gewerbesteuer von über 20% auf unter 10%, veranlagte Einkommenssteuer von 13% auf 6%, abgeschaffte, reduzierte Vermögens- und Erbschaftssteuer, Begünstigung der Kapitalerträge?

Das Kapital hat sich auch hier auf Kosten des Volkes bereichert.

Das ist im Verbrecher- und Räuber-Kapitalismus RUS natürlich nicht besser ... die kommen ja auch eher daher, überhaupt keine Steuern gezahlt zu haben ...

Re: Das Gorbatschowsche Dilemma

Verfasst: 01 Dez 2014, 16:04
von Gunnar
@Zejtnot
Es stimmt, dass es den Russen heute besser geht als damals, das ist ja auch ok, ist aber nicht der Punkt. Putin tut nämlich so, als sei sein Russlandmodell ein exportfähiges attraktives Gegenmodel zu westlichen Staatsgebilden. Das will er uns ja immer sagen, wenn er behauptet, der Westen manipuliere und fresse osteuropäische Länder, die doch genauso gut den russischen Weg gehen könnten bzw. wollen würden. Tatsächlich ist das russische Staatsgebilde aber total marode und abgebrannt. Es fehlt Dezentralisierung, freier fairer Wettbewerb, ernsthafte Korruptionsbekämpfung, eine frei und selbstbewusste Justiz, attraktive Bedinungen für wissenschaftliche Eliten undsoweiterundsofort. Das alles könnte in Russland relativ easy erreicht werden. Medvedev hat ja vorgemacht, wie sehr man in wenigen Jahren eine zarte Aufbruchsstimmung aufkeimen lassen kann, wenn man es nur will!

Wenn sich dann der russische Botschafter bei Illner oder Will hinsetzt und im Grunde sagt, die russische Mentalität sei einfach zu anders und das sollen wir verdammt nochmal akzeptieren. Die Russen wünschten sich eben die aktuelle Art der Staatsführung, dann spuckt er damit seinen eigenen Bürgern ins Gesicht und dann macht er die meisten Deutsche damit wütend, weil wir uns den Russen eng verbunden fühlen.