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Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]
Verfasst: 24 Jan 2018, 08:37
von m5bere2
Vor allem ganz witzig: sind wir auf der unteren Etage, wo Oma und Opa sind, da redet sie Deutsch. Sobald sie mit uns allein auf der oberen Etage ist, redet sie plötzlich wieder russisch.
Aber vermischt nix.
Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]
Verfasst: 25 Jan 2018, 02:47
von fugen
m5bere2 hat geschrieben:jackie_rs hat geschrieben:Mir haben eigentlich alle Russen, die auch mal in Deutschland gelebt haben, gesagt es gäbe keine Dialekte in Russland
Das liegt daran, dass die meisten Russen, die mal in Deutschland gelebt und die Welt bereist haben, innerhalb Russland kaum aus ihrer Stadt rausgekommen sind.

Wenn sie den überhaupt in Russland gewohnt haben ;-)
Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]
Verfasst: 25 Jan 2018, 23:05
von jackie_rs
fugen hat geschrieben:m5bere2 hat geschrieben:jackie_rs hat geschrieben:Mir haben eigentlich alle Russen, die auch mal in Deutschland gelebt haben, gesagt es gäbe keine Dialekte in Russland
Das liegt daran, dass die meisten Russen, die mal in Deutschland gelebt und die Welt bereist haben, innerhalb Russland kaum aus ihrer Stadt rausgekommen sind.

Wenn sie den überhaupt in Russland gewohnt haben ;-)
Das ist dann das nächste. Bei mir in der Schule gab es einige Spätaussiedler bzw. Spätaussiedler-Kinder. Ich hatte natürlich keine Ahnung wie gut oder schlecht die Russisch sprechen, ich wusste nur dass sie es manchmal tun. Bis mir dann einer der erst vor 3-4 Jahren nach D gekommen war mir mal gesteckt hat, dass er es peinlich findet wie die anderen Russisch reden.
Zumal einige von ihnen sich gern als Russen betitelten obwohl ihre Eltern in Kasachstan gelebt hatten und von Deutschen abstammten - sie alle hatten typisch russische Vornamen aber deutsche Nachnamen.
Manchmal denke ich mir, es wäre interessant einigen von ihnen wiederzubegegnen. Nicht ausgeschlossen dass ich in gewisser Weise besser Russische spreche und Russland kenne als sie selber

Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]
Verfasst: 26 Jan 2018, 03:48
von GIN
jackie_rs hat geschrieben:Das ist dann das nächste. Bei mir in der Schule gab es einige Spätaussiedler bzw. Spätaussiedler-Kinder. Ich hatte natürlich keine Ahnung wie gut oder schlecht die Russisch sprechen, ich wusste nur dass sie es manchmal tun. Bis mir dann einer der erst vor 3-4 Jahren nach D gekommen war mir mal gesteckt hat, dass er es peinlich findet wie die anderen Russisch reden.
Zumal einige von ihnen sich gern als Russen betitelten obwohl ihre Eltern in Kasachstan gelebt hatten und von Deutschen abstammten - sie alle hatten typisch russische Vornamen aber deutsche Nachnamen.
Manchmal denke ich mir, es wäre interessant einigen von ihnen wiederzubegegnen. Nicht ausgeschlossen dass ich in gewisser Weise besser Russische spreche und Russland kenne als sie selber

Ich denke Du versteht den Begriff Russe völlig falsch. Diese Russlanddeutsche wie Du sie beschreibt fühlen sich oft so....
https://ru.wikipedia.org/wiki/Россияне
Das hat mit dem Russisch, wie viele Russen es verstehen, nichts zu tun.
Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]
Verfasst: 26 Jan 2018, 06:51
von m5bere2
Die Russlanddeutschen, die in Deutschland Russen genannt werden, werden in Russland Deutsche genannt.

Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]
Verfasst: 26 Jan 2018, 08:27
von Zejtnot
Aber sie sagen doch von sich, я русский немец und nicht я российский немец. Und Россияне kommt ja von Россия, zu denen sie als Bewohner der Kasachischen SSR auch kaum gehört haben. Höchstens als Ahnen jener Russlanddeutschen, die einst ins russische Zarenreich ausgewandert waren, aber die nennt man nicht Россияне.
Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]
Verfasst: 26 Jan 2018, 11:27
von Wladimir30
m5bere2 hat geschrieben:Die Russlanddeutschen, die in Deutschland Russen genannt werden, werden in Russland Deutsche genannt.

Dann haben sie noch Glück gehabt.
Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]
Verfasst: 26 Jan 2018, 11:50
von Saboteur
jackie_rs hat geschrieben:
Zumal einige von ihnen sich gern als Russen betitelten obwohl ihre Eltern in Kasachstan gelebt hatten und von Deutschen abstammten - sie alle hatten typisch russische Vornamen aber deutsche Nachnamen.
Ich hatte vor 10-15 Jahren beruflich viel mit diesen jungen Leuten hier in Ostberlin zu tun. Oft wares es Jugendliche (die ich innerlich als total zerissen erlebt habe) mit hörbarem Akzent die in einem bestimmten Alter (meist ab Grundschule) mit den Eltern nach Deutschland gekommen sind und das in der Regel nicht freiwillig oder gerne. Sie trafen auf ein fremdes Land mit fremder Sprache, Kultur, Mentaliutät und so weiter. Absurderweise wurden ja auch teilweise Namen der Kinder eingedeutscht. Das alles unfreiwillig. Nicht so gute Vorraussetzungen. Sie haben sich als Russen bezeichnet. Meiner Meinung nach ein Resultat aus Ausgrenzung (beispielsweise hatten Sie bei der Jobsuche (nicht mal für Helferjobs) oft keine Chance) aber auch bewusste Abgrenzung gegenüber Deutschland und Identifikationsmöglichkeit in der eigenen Bezugsgruppe. Immerhin waren das ja sehr sehr viele Jugendliche/junge Erwachsene mit ähnlichen Erfahrungen die sich dann auch online vernetzt haben und sich durch ihre Sprache, Biografie, Werte, Erfahrungen, Dresscode, Musik verbunden fühlen. Der Begriff Russe war natürlich nicht groß inhaltlich/akademisch unterfüttert - man ist es oder nicht - die Sprache war das Eintrittstor. Ein Jugendlicher hat das mal eindrücklich beschrieben indem er sagte: "Hier bin ich nicht richtig angekommen. Komisches Land mit komischen Leuten. Aber zurückgehen ist auch nicht möglich. In unserem Dorf ist niemand mehr. Sie sind alle in Deutschland verstreut."
Natürlich wurde Russland auch verklärt. Ein richtiges Zauber- und Schlaraffenland wurde da beschrieben. Aber gut, das kann man dann eher als Sehnsuchtsort einordenen, den man sich natürlich schön ausmalt. Ist ja ein bekanntes menschliches Phänomen und durchaus nachvollziehbar. Der Einfluss kam dabei eher nicht durch die Eltern. Er war es der Glaube an etwas der sich dann gegenseitig bestätigt wurde.
Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]
Verfasst: 27 Jan 2018, 05:35
von Axel
jackie_rs hat geschrieben:
Manchmal denke ich mir, es wäre interessant einigen von ihnen wiederzubegegnen. Nicht ausgeschlossen dass ich in gewisser Weise besser Russische spreche und Russland kenne als sie selber

Glückwunsch, du vergleichst Deutsche, die schon mindestens zwei Jahrzehnte hier leben, immer seltener russisch benutzen und alltäglich die deutsche Sprache sprechen mit Dir, die mit einem Russen verheiratet ist 24/7 die russische Sprache hört und wahrscheinlich in Russland lebt/oft in Russland ist. Mehr als albern. Denn auch wenn es einige nicht verstehen wollen, nirgends steht in Stein gemeißelt, dass Russlanddeutsche perfekt Russisch sprechen, geschweige denn ÜBERHAUPT russisch sprechen müssen, nur weil sie mal unter Zwang zwei Jahrhunderte lang einen sibirischen Husky in der Familie hatten. Ich kenne auch viele, die kein russisch mehr sprechen, meine Nachbarin ist Russlanddeutsche und versteht auch kein Russisch, ich bin Russlanddeutscher und spreche es noch, aber es ist nur ein Privileg, mehr nicht. Dass man sich damals als ``Russe´´ gefühlt hat ist ja wohl normal, man ist mit der russischen Kultur und Sprache aufgewachsen und in der Klasse wurde man auch als ``Russe´´ ausgegrenzt, aber als Erwachsener ist sowas Schnee von gestern und kein einziger, der Axel oder Harry heißt wird sich als Russe noch fühlen.
Re: Wie stolz seid ihr auf euch? [zweisprachige Kinder]
Verfasst: 27 Jan 2018, 13:18
von saransk
Axel hat geschrieben: und kein einziger, der Axel oder Harry heißt wird sich als Russe noch fühlen.
Es sind halt eben immer wenige, auch unter den Rußlanddeutschen, die das Klischee auch heute noch bedienen (Russland-Schal im Heckfenster, Jogginghose und Lederjacke etc.) und damit eine ganze gesellschaftliche Gruppe in Verruf bringen. Ist wie bei den Türken.