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Re: Russische Justiz wird zur Inquisition?

Verfasst: 10 Okt 2012, 19:26
von bella_b33
Gunnar hat geschrieben:Selbstverständliche werden gerade diese Verfechter, wenn es sie plötzlich selbst träfe, kleinlaut nach ihrem Recht des "im Zweifel für den Angeklagte" verlangen.
Und weiter? Der, den es trifft, hat es eh nicht zu entscheiden.

Re: Russische Justiz wird zur Inquisition?

Verfasst: 10 Okt 2012, 21:55
von pippie
Dietrich hat geschrieben: Also erstmal ist nicht sicher, dass die nicht verhafteten nochmal morden ...
Ich hoffe, wenn dieser Eine dein Kind umbringen würde, würdest du anders reden.
Dietrich hat geschrieben:Übrigens: Wenn dir dies für dieses theoretisch 99:1 Verhältnis eindeutig klar ist, dann wäre meine nächste Frage: Ab welchem Verhältnis würde die Sache dann für dich kippen? 49:1? 9:1? 1:1? 1:9? 1:99?
Würdest du also 100 Leute einsperren, wenn du weisst, das einer von denen ein Mörder ist? Kaum, oder? Aber 10 Leute für neun Mörder? Zwei Leute von denen einer ein Mörder ist?
Siehe Antwort oben.

Re: Russische Justiz wird zur Inquisition?

Verfasst: 10 Okt 2012, 22:11
von Kultgrieche
Gunnar hat geschrieben:ich glaub die hier vereinzelt vertretenen Ideen von Präventivbestafung auch bei Restzweifeln (Thema 99:1) sind nicht ernstzunehmen
Gottchen, bist du aber eine arrogante Type. Ist auch egal, was sagst du zur Sicherungsverwahrung? Ist doch auch eine Präventivmaßnahme im Rechtsstat.

Re: Russische Justiz wird zur Inquisition?

Verfasst: 10 Okt 2012, 22:18
von manuchka
pippie hat geschrieben:Ich hoffe, wenn dieser Eine dein Kind umbringen würde, würdest du anders reden.
Naja, wenn der besagte Andere, der da unschuldig sitzen soll, dein Kind wäre, dann würdest du vielleicht auch anders reden.

Abstrakt urteilen kann man gut, wenn man selbst nicht betroffen ist - in die eine und auch in die andere Richtung
Da fallen einem Argumente ein, warum ein Mörder womöglich freigesprochen werden muss - Rechtsstaatlichkeit, Unschuldsvermutung, fairer Prozess etc. Aber man würde vielleicht anders denken, wenn das eigene Kind das Opfer dieses Typen wäre.
Und andersrum fallen einem anderen Argumente ein, warum notfalls auch ein Unschuldiger verurteilt werden muss, wenn nur so sichergestellt ist, dass der Mörder auch auf jeden Fall erwischt wird. Gerechte Strafe für den Täter, Opferschutz, Prävention. Aber man würde vielleicht anders denken, wenn das eigene Kind wegen dem Typen auch "lebenslänglich" kriegt.

Ich weiß nicht mal, ob die Wahrheit irgendwo in der goldenen Mitte liegt, ob es so eine goldene Mitte überhaupt gibt. Im Zweifel würde ich aber wahrscheinlich auch eher dazu tendieren, den Mörder meines Kindes laufen zu lassen, wenn die andere Alternative wäre, dass jemand anders unschuldig in den Knast muss, damit der Mörder auch sitzt. Mein Kind wird davon nicht wieder lebendig, aber das Leben des unschuldig Verurteilten wäre verpfuscht, und das läge womöglich auf meinem Gewissen.

Re: Russische Justiz wird zur Inquisition?

Verfasst: 10 Okt 2012, 22:49
von Nikolaus
Das ist ja alles richtig und interessant; es wird ja nicht umsonst deshalb auch seit Jahren ueber die Todesstrafe diskutiert, ohne Einigkeit selbst in den Musterdemokratien hierueber zu erzielen. Obwohl doch die gemeinsame Erfahrung von Justizirrtuemern gezeigt hat, dass stets noch ein Restzweifel besteht. :)
Nur: Wo ist der Zusammenhang zum Fall der Pussies? An der gemeinsamen Straftat besteht doch kein Zweifel, lediglich der Grad ihrer Teilnahme wurde aufgrund nun endlich vorgebrachter, neu zu beruecksichtigender Erkenntnisse relativiert und durch ein veraendertes Strafmass - im Rahmen des fuer den einen gleichen Straftatbestand vorgesehenen - gewuerdigt. Oder glaubt hier etwa jemand, das Kassationsgericht habe fuer Samuzewitsch den dem Urteil der 1. Instanz zugrundeliegenden Straftatbestand nicht bestaetigt?! :roll:

Re: Russische Justiz wird zur Inquisition?

Verfasst: 10 Okt 2012, 23:02
von Axel Henrich
Gunnar hat geschrieben:Dieses Prinzip kommt übrigens dem neutestamentlichen Gedanken der Nächstenliebe deutlich näher als das Niederknien vor irgendwelchen verwaschenen und ausgeblichenen Ikonenbildern.
Gunnar hat geschrieben:Was die von Dir angesprochene Ärmlichkeit der Presse als Informationsqulle angeht, so wirst Du für diese abenteuerliche Pauschalthese Deine biographischen Gründe haben.
Ist schon ne ziemliche Sauerei wie abfaellig du dich immer wieder ueber Sachen aeusserst, die du offensichtlich weder kennst, noch verstehst. Ob das ueber Glaeubige ist, oder deine Einlassungen zum Leben in Russland, zur DDR/FDJ, oder zuletzt auch dieser unmoegliche Psychiater-Spruch. Alles zwar nicht sehr erbaulich, aber doch sehr informativ um allein auf Grund deiner Schreibe einzuschaetzen, wes Geistes Kind du bist ... Gut zu wissen!

-ah-

Re: Russische Justiz wird zur Inquisition?

Verfasst: 11 Okt 2012, 02:03
von manuchka
Nikolaus hat geschrieben:Wo ist der Zusammenhang zum Fall der Pussies?
Wahrscheinlich gibt es keinen. Zu dem Thema "P.R." diskutiere ich nicht mit, aber der Abdrifter hatte mich dann doch interessiert.

Re: Russische Justiz wird zur Inquisition?

Verfasst: 11 Okt 2012, 04:43
von Cookie
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnav ... eigelassen

никто не думает что это звучит как пропаганда из времен холодной войны? Besonders der Kommentar am Ende. Nur ist diesmal alles Spiegelverkehrt.

Re: Russische Justiz wird zur Inquisition?

Verfasst: 11 Okt 2012, 10:04
von pippie
manuchka hat geschrieben: Abstrakt urteilen kann man gut, wenn man selbst nicht betroffen ist - in die eine und auch in die andere Richtung
Ja es ist schon ein ziemlich abstrakter Fall, den Dietrich hier als Beispiel gebracht hat. Und bezeichnend ist auch, dass in der Diskussion nicht daruf eingegangen wird, was ist, wenn weiter gemordet wird, sondern gefragt wird, bei welcher Prozentzahl von Unschuldigen ich anders handeln würde.
Gut, dass dieser Fall in Wirklichkeit sicher nicht eintritt.

Re: Russische Justiz wird zur Inquisition?

Verfasst: 11 Okt 2012, 11:43
von Dietrich
pippie hat geschrieben:Ja es ist schon ein ziemlich abstrakter Fall, den Dietrich hier als Beispiel gebracht hat. Und bezeichnend ist auch, dass in der Diskussion nicht daruf eingegangen wird, was ist, wenn weiter gemordet wird, sondern gefragt wird, bei welcher Prozentzahl von Unschuldigen ich anders handeln würde.
Gut, dass dieser Fall in Wirklichkeit sicher nicht eintritt.
Natürlich tritt der SO in Wirklichkeit wohl kaum ein.
Es sollte ja auch kein (wirklicher) Fall sein, sondern eine Art Gedankenspiel, bei dem man, wie ich finde, aber mal ganz gut auch seine eigene Einstellung zum Rechtstaat und zum Prinzip "im Zweifel für den Angeklagten" darstellen und vielleicht auch überdenken kann.
Hast du dir denn mal überlegt, welche Prozentzahl dies bei dir gefühlsmäßig so ist?

Aus dem Grund habe ich auch die sehr emotionale Diskussion um die Todesstrafe außen vor gelassen, da hier die Grundsätzliche Entscheidung "ist die Todesstrafe auch dann O.K./nicht O.K. wenn die Schuld wirklich zu 100% bewiesen ist" schon von emotionalen Entscheidungen abhängig ist, während man wohl kaum darüber diskutieren braucht, ob ein Mörder überhaupt eine Strafe (also zumindest Gefängnis) erhalten sollte.
Und auch das Thema Sicherheitsverwahrung ist in dem Fall absolut Nebensächlich bei der Frage, ob man Unschuldige einsperren würde, um damit auch Schuldige zu erwischen. Können wir allerdings gerne drüber diskutieren, falls der Einbringer des Themas seine Meinung dazu darlegt.

@Nikolaus: Der Zusammenhang zu P.R. war die Aussage, dass es doch Schnuppe sei, ob der Prozess rechtstaatlich war, hauptsache die Damen sind (irgendwie) erstmal weg von der Bildfläche und es werden Nachahmer abgeschreckt. Ist zwar nicht genau das Gleiche, geht aber in die gleiche Richtung. Zumindest wird hier unter Umständen jemand für (rechtlich gesehen) unnötig lange weggesperrt, nur damit ein Ziel erreicht wird, bzw. Menschen bestraft werden, die man selbst "nur scheiße" findet.