Luschniki
Verfasst: 11 Okt 2009, 21:13
Hier ein Bericht zum Besuch des Fußballspiels Russland - Deutschland, den ich für das Forum von Rot Weiß Oberhausen geschrieben habe. Dürfte hier vielleicht auch interessieren.
Unser Kontaktmann in Moskau, Alexei, hatte es nach einigen Schwierigkeiten geschafft, über den russischen Fanverband drei Eintrittskarten für das entscheidende Qualifikationsspiel Russland - Deutschland zu bekommen. Eine für sich und zwei für die Delegation der Emschercoast (das sind Roy und ich). Immerhin zwei Tage vor dem Spiel hatte er sie. Versprochen waren die Karten für Anfang September. Das ist zwar nicht gut für die Nerven, aber rechtzeitig war es noch.
Also fuhren wir in Erwartung eines interessanten und spannenden Spiels zum Stadion Luschniki, was auch der hauptsächliche Zweck unserer Wochenendtour war. An sich gehört der Oktober nicht zu den bevorzugten Monaten für eine Reise nach Moskau. Ausgestattet mit Schal und Fahne schien die zweite Kontrolle einen problemlosen Besuch zu versprechen. Als der Milizionär (nicht "Millionär", die normale Polizei heisst in Russland "Miliz") meinen Schal sah, lächelte er verlegen, tastete habherzig eine Tasche meiner Jacke ab und winkte mich durch. Wir hatten genug Zeit und spazierten auf dem längeren Weg um das Stadion herum. Wenn wir den weiteren Verlauf geahnt hätten, dann hätten wir uns diese Runde erspart.
Direkt am Eingang zu unserem Sektor wartete die nächste Kontrolle, wo der Strichcode auf den Karten gelesen wird. Diese passierten wir auch, aber dann mochte ein Milizionär nicht die Verantwortung übernehmen, deutsche Fans dem russischen Block zum Fraß vorzuwerfen. Wir durften nicht rein. Stattdessen wurde per Funk diskutiert, bis ein junger Milizionär uns mit dem Auftrag abholte, uns an einem sicheren Sektor den dortigen Ordnungskräften zu übergeben.
Also marschierte er zackigen Schrittes voran, halb um das Stadion herum, und wir hinterher. Am deutschen Block angekommen machte sich ein weiterer Milizonär, der dort eingeteilt war, auf den Weg, um für uns freie Plätze zu suchen. Nach einer Viertelstunde kam er zurück mit der schlechten Nachricht, dass er gar nicht wissen könne, welche Plätze frei sind, da noch lange nicht alle Zuschauer im Stadion wären. Am besten sollten wir die deutsche Fahne und den Schal verstecken und es nochmal in dem russischen Sektor versuchen, für den wir Eintrittskarten hatten.
Also marschierten wir wieder um das halbe Stadion herum, aber bis zu unserem Sektor kamen wir nicht. Kurz vorher war inzwischen ein Bereich für die anreisenden VIPs gesperrt. Deshalb mussten wir in der anderen Richtung fast um das ganze Stadion herum laufen.
Natürlich wurde der Strichcode nicht akzeptiert, denn wir hatten bereits das Tor bei unserem ersten Versuch passiert und das hat sich das Ding gemerkt. Außerdem hatte derselbe Milizionär uns entdeckt, der uns bereits beim ersten Versuch den Zugang verweigerte. Dann versuchten wir es eben bei einem anderen Verein, der OMON. Das ist eine Truppe des Innenministeriums, die vor allem bei Großveranstaltungen eingesetzt wird. Die drei waren der Meinung, dass es keine Probleme geben würde und wir sollten einfach rein gehen. Leider standen die drei auf der falschen Seite des Zauns und unser Freund von der Miliz mochte immer noch nicht das Risiko eingehen.
Also wurde uns wieder ein Jungmilizionär als Eskorte zugeteilt, damit wir es nochmal am deutschen Block versuchen. Wieder marschierten wir um das halbe Stadion herum. Dort machte sich ein weiterer Milizionär auf den Weg, um die Lage im deutschen Block zu prüfen. Nach einigen Minuten kehrte er zurück und sagte, wir sollen rein gehen, aber nur die beiden Deutschen, denn ein Russe im deutschen Block wäre genauso wenig wünschenswert wie Deutsche im russischen Block. Unser Kontaktmann Alexei machte sich also auf den Weg zurück. Der Milizionär schickte uns in die Warteschlange, ohne das Personal am Kartenleser zu informieren. Dort waren keine Polizisten beschäftigt, sondern Ordner des Stadions. Das fand ich gut, denn die Polizei war bisher nicht in der Lage, uns Eingang zu verschaffen. Also wandte ich mich direkt an die ältere Dame mit der gelben Weste und schilderte unsere Lage. Diese wurde erst mit dem Kollegen am benachbarten Tor erörtert, dann per Funk, dann durften wir rein. Wir hatten es fast geschafft.
Es folgte noch eine weitere Sicherheitskontrolle und am Eingang zum Block kontrollierten weitere Milizionäre die Karten. Ich besah mir den Trupp und entschied mich für den etwas beleibteren, älteren Herrn, der offenbar der Vorgesetzte war. Er hörte sich nur einen Teil der Ausführungen an, die ich mir zurecht gelegt hatte, und unterbrach meinen Redefluss durch hereinwinken. Wir waren drin!
Übrigens habe ich mindestens zwei russische Fans im deutschen Block gesehen und unser Kontaktmann Alexei berichtete nach dem Spiel von etlichen Deutschen im russischen Block. Das kann ich aber nicht bestätigen, denn ich konnte es von meinem Platz aus nicht genau erkennen.
Ich finde, dass es gut gelaufen ist. Genau so muss man sein erstes Fußballländerspiel gestalten. Alles andere ist für Weicheier. Zu Schulzeiten hätte ich es allerdings als Schikane empfunden, wenn ich so viele Runden im Stadion Niederrhein hätte laufen müssen.
Unser Kontaktmann in Moskau, Alexei, hatte es nach einigen Schwierigkeiten geschafft, über den russischen Fanverband drei Eintrittskarten für das entscheidende Qualifikationsspiel Russland - Deutschland zu bekommen. Eine für sich und zwei für die Delegation der Emschercoast (das sind Roy und ich). Immerhin zwei Tage vor dem Spiel hatte er sie. Versprochen waren die Karten für Anfang September. Das ist zwar nicht gut für die Nerven, aber rechtzeitig war es noch.
Also fuhren wir in Erwartung eines interessanten und spannenden Spiels zum Stadion Luschniki, was auch der hauptsächliche Zweck unserer Wochenendtour war. An sich gehört der Oktober nicht zu den bevorzugten Monaten für eine Reise nach Moskau. Ausgestattet mit Schal und Fahne schien die zweite Kontrolle einen problemlosen Besuch zu versprechen. Als der Milizionär (nicht "Millionär", die normale Polizei heisst in Russland "Miliz") meinen Schal sah, lächelte er verlegen, tastete habherzig eine Tasche meiner Jacke ab und winkte mich durch. Wir hatten genug Zeit und spazierten auf dem längeren Weg um das Stadion herum. Wenn wir den weiteren Verlauf geahnt hätten, dann hätten wir uns diese Runde erspart.
Direkt am Eingang zu unserem Sektor wartete die nächste Kontrolle, wo der Strichcode auf den Karten gelesen wird. Diese passierten wir auch, aber dann mochte ein Milizionär nicht die Verantwortung übernehmen, deutsche Fans dem russischen Block zum Fraß vorzuwerfen. Wir durften nicht rein. Stattdessen wurde per Funk diskutiert, bis ein junger Milizionär uns mit dem Auftrag abholte, uns an einem sicheren Sektor den dortigen Ordnungskräften zu übergeben.
Also marschierte er zackigen Schrittes voran, halb um das Stadion herum, und wir hinterher. Am deutschen Block angekommen machte sich ein weiterer Milizonär, der dort eingeteilt war, auf den Weg, um für uns freie Plätze zu suchen. Nach einer Viertelstunde kam er zurück mit der schlechten Nachricht, dass er gar nicht wissen könne, welche Plätze frei sind, da noch lange nicht alle Zuschauer im Stadion wären. Am besten sollten wir die deutsche Fahne und den Schal verstecken und es nochmal in dem russischen Sektor versuchen, für den wir Eintrittskarten hatten.
Also marschierten wir wieder um das halbe Stadion herum, aber bis zu unserem Sektor kamen wir nicht. Kurz vorher war inzwischen ein Bereich für die anreisenden VIPs gesperrt. Deshalb mussten wir in der anderen Richtung fast um das ganze Stadion herum laufen.
Natürlich wurde der Strichcode nicht akzeptiert, denn wir hatten bereits das Tor bei unserem ersten Versuch passiert und das hat sich das Ding gemerkt. Außerdem hatte derselbe Milizionär uns entdeckt, der uns bereits beim ersten Versuch den Zugang verweigerte. Dann versuchten wir es eben bei einem anderen Verein, der OMON. Das ist eine Truppe des Innenministeriums, die vor allem bei Großveranstaltungen eingesetzt wird. Die drei waren der Meinung, dass es keine Probleme geben würde und wir sollten einfach rein gehen. Leider standen die drei auf der falschen Seite des Zauns und unser Freund von der Miliz mochte immer noch nicht das Risiko eingehen.
Also wurde uns wieder ein Jungmilizionär als Eskorte zugeteilt, damit wir es nochmal am deutschen Block versuchen. Wieder marschierten wir um das halbe Stadion herum. Dort machte sich ein weiterer Milizionär auf den Weg, um die Lage im deutschen Block zu prüfen. Nach einigen Minuten kehrte er zurück und sagte, wir sollen rein gehen, aber nur die beiden Deutschen, denn ein Russe im deutschen Block wäre genauso wenig wünschenswert wie Deutsche im russischen Block. Unser Kontaktmann Alexei machte sich also auf den Weg zurück. Der Milizionär schickte uns in die Warteschlange, ohne das Personal am Kartenleser zu informieren. Dort waren keine Polizisten beschäftigt, sondern Ordner des Stadions. Das fand ich gut, denn die Polizei war bisher nicht in der Lage, uns Eingang zu verschaffen. Also wandte ich mich direkt an die ältere Dame mit der gelben Weste und schilderte unsere Lage. Diese wurde erst mit dem Kollegen am benachbarten Tor erörtert, dann per Funk, dann durften wir rein. Wir hatten es fast geschafft.
Es folgte noch eine weitere Sicherheitskontrolle und am Eingang zum Block kontrollierten weitere Milizionäre die Karten. Ich besah mir den Trupp und entschied mich für den etwas beleibteren, älteren Herrn, der offenbar der Vorgesetzte war. Er hörte sich nur einen Teil der Ausführungen an, die ich mir zurecht gelegt hatte, und unterbrach meinen Redefluss durch hereinwinken. Wir waren drin!
Übrigens habe ich mindestens zwei russische Fans im deutschen Block gesehen und unser Kontaktmann Alexei berichtete nach dem Spiel von etlichen Deutschen im russischen Block. Das kann ich aber nicht bestätigen, denn ich konnte es von meinem Platz aus nicht genau erkennen.
Ich finde, dass es gut gelaufen ist. Genau so muss man sein erstes Fußballländerspiel gestalten. Alles andere ist für Weicheier. Zu Schulzeiten hätte ich es allerdings als Schikane empfunden, wenn ich so viele Runden im Stadion Niederrhein hätte laufen müssen.