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(M)ein Erfahrungsbericht "Heirat in Deutschland"

Verfasst: 12 Nov 2009, 21:41
von flyaway
Für alle Interessierten habe ich unseren Weg bis zur "Heirat in Deutschland" skizziert:


Ich habe "meine Traumfrau" im Internet entdeckt und kennengelernt.

Wir haben sehr schnell festgestellt, dass wir gut zueinander passen könnten. 3 Wochen nach der ersten eMail haben wir uns an einem neutralen Ort in Russland (St. Petersburg) für ein paar Tage getroffen, gefolgt von einem 2-wöchigen Deutschlandaufenthalt in meiner Stadt.

Ich hatte für ihr deutsches Schengen-Visum schon im Vorfeld alles vorbereitet (Auslands-KV, VE, Flugtickets). Das Visum wurde vom deutschen Konsulat nach drei Tagen problemlos ausgestellt. Allerdings nur für die beantragten 2 Wochen.

Es folgten 2 weitere Reisen meinerseits in ihre Heimatstadt, um ihr Umfeld (Eltern, Freunde und Verwandte...) kennenzulernen.
Der Entschluss zu heiraten wurde schnell gefasst.

Wir haben uns entschieden, in Deutschland zu heiraten.

Hierzu habe ich mir als erstes auf dem Standesamt die Liste mit den benötigten Papieren besorgt und erklären lassen.

Dann habe ich beim Leiter des Ausländeramtes vorgesprochen und ihm von meinem Plan erzählt, eine russische Staatsangehörige zu heiraten.

Ich habe ihn gefragt, was das Ausländeramt ganz allgemein von Heiraten in Dänemark hält (nichts) und die Frage gestellt, ob das Ausländeramt meiner Verlobten eine Aufenthaltsgenehmigung erteilen würde, wenn sie mit einem nicht-deutschen Schengen-Visum einreist, in Deutschland heiratet und einen bestandenen Deutsch-A1-Test vorweist.
Die Antwort war ein klares "Ja", da der Anspruch auf eine Aufenthaltsgenehmigung im Lande (Deutschland) entstanden ist.
(Der grosse Nachteil einer Heirat in Dänemark ist die Tatsache, dass der frisch angetraute Partner wieder ausreisen muss und ein Visum zur Familienzusammenführung beantragen muss, bei dem ein ähnlicher Papieraufwand anfällt wie bei einer Heirat in Deutschland.)

Wir haben daraufhin die Liste des Standesamtes sorgfältigst abgearbeitet. Ihre fertigen Dokumente habe ich bei meinem 2. Besuch in ihrer Heimatstadt an mich genommen und nach Deutschland gebracht. Dort wurden sie von einem OLG-anerkannten Übersetzer in die deutsche Sprache übersetzt.
Die kompletten Unterlagen wurden dann dem Standesamt übergeben, welches sie an das OLG weiterleitete.
Das ganze habe ich zeitlich so geplant, dass die OLG-Genehmigung spätestens während ihres nächsten Deutschlandaufenthaltes eintrifft.

De facto hat das OLG überraschend schnell gearbeitet und sich bei den Gebühren sehr zurückgehalten.

Meine Verlobte hat es dann (nach den Erfahrungen des ersten deutschen Schengen-Visums) vorgezogen, ein finnisches Schengen-Visum zu beantragen.
Das finnische Schengen-Visum konnte sie in einem Reisebüro mit vernünftigem Papieraufwand beantragen, ohne die Notwendigkeit, beim Konsulat vorzusprechen.

Sie hat problemlos ein 30-tägiges Schengen-Visum erhalten und ist dann über Helsinki in den Schengen-Raum eingereist und am selben Tag nach Deutschland weitergeflogen.
(Natürlich wurde sie bei der Einreise in Finnland über ihre Reisepläne ausgefragt.
Die Frage, ob sie von Finnland weiterfliegen würde hat sie wahrheitsgemäss beantwortet. Die nächste Frage, ob sie demnach nur 2 Tage in Finnland bliebe, verneint und von unseren Plänen erzählt, nach dem Deutschland-Besuch einen gemeinsamen Freund in Helsinki zu besuchen...)

Zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon das "Ok" vom OLG erhalten und konnten unsere standesamtliche Hochzeit mit 3-wöchiger Vorlaufzeit planen.

Schon an ihrem zweiten Tag in Deutschland hatte meine Verlobte einen Prüfungstermin für das A1-Zertifikat bei einem Goethe-Institut unserer Wahl wahrgenommen. Die Prüfung wurde mit "sehr gut" bestanden.
Sie hat sich mit dem kostenlosen Internet-Sprachkurs "Deutsch interaktiv" des Goethe-Instituts vorbereitet, der auf der Web-Seite der "Deutschen Welle" angeboten wird und sich gezielt mit dem vom Goethe-Institut angebotenen Material auf die A1-Prüfung vorbereitet.

2 Tage nach der standesamtlichen Hochzeit haben wir beim Ausländeramt vorgesprochen und eine einjährige Aufenthaltsgenehmigung für meine Frau erhalten. (Eine kurze Diskussion mit der Sachbearbeiterin wg. des angeblich "falschen" (finnischen) Schengen-Visums wurde schnell vom Leiter des Ausländeramtes geklärt.)

Drei Monate später haben wir in ihrer Heimatstadt kirchlich geheiratet und im Kreise ihrer Verwandschaft und Freunde gefeiert.

Im Moment basteln wir an einem neuen russischen Pass mit ihrem neuen Namen und finden die deutsche Bürokratie im nachhinein gar nicht mehr so schlimm.
(Hierzu nehmen wir die Hilfe eines Konsular-Service in Anspruch.)

Viele Grüsse,
flyaway

Re: (M)ein Erfahrungsbericht "Heirat in Deutschland"

Verfasst: 12 Nov 2009, 22:53
von TM09
flyaway hat geschrieben:Die kompletten Unterlagen wurden dann dem Standesamt übergeben
Danke für den interessanten Bericht! Wie lange hatte es in etwa gedauert bis du alle Unterlagen vorlegen konntest. Wie lange musstest du auf dein Ehefähigkeitszeugnis warten? Und sie auf ihre Unterlagen?

Gruß
Thomas

Re: (M)ein Erfahrungsbericht "Heirat in Deutschland"

Verfasst: 12 Nov 2009, 23:14
von werner
Vielen dank für Deinen sehr gut geschriebenen Bericht und Glückwünsche zur Hochzeit :blumen2:

Die Reise über Helsinki war bestimmt nicht ökonomisch aber für Deine Frau bestimmt entlastend.
Das ist das wichtigste an einer Ehe, dass man nicht auf jede Kopeke guckt und fragt, was kostet eine
Minute nach Russland. Wer eine Russin heiraten möchte, sollte kein Geizkragen sein. Du hast es aber richtig
gemacht und ihr Umfeld angesehen. Nochmals viel Glück für Euer weiteres Leben !

Mit besten Grüssen von Werner

PS: Welchen Konsular-Service hast Du in Anspruch genommen ? Das war schon früher hier eine unbeantwortete Frage.

Re: (M)ein Erfahrungsbericht "Heirat in Deutschland"

Verfasst: 12 Nov 2009, 23:40
von flyaway
Hallo Thomas und Werner,

vielen Dank für die Wünsche!

Die Unterlagen meiner Frau waren nach 2 Wochen fertig. Allerdings hatte sie den Vorteil, dass bei ihr die Stadtverwaltung direkt vor Ort war. Der positive Bescheid des OLG kam nach 10 Tagen.
Meine eigenen Unterlagen waren innerhalb weniger Tage bereit.

Konsularservices:
http://www.visum.net/ (Spomer)
und
http://www.alphaservices.de/contact.html

Mir ist bewusst, dass wir insgesamt viel Glück gehabt haben. Aber ich dachte mir, dass die Fälle, in denen es gut gegangen ist, auch bekannt werden dürfen... :D

Viele Grüsse,
flyaway

Re: (M)ein Erfahrungsbericht "Heirat in Deutschland"

Verfasst: 13 Nov 2009, 00:47
von werner
Vielen dank für Deine hilfreichen Links ! Mit der Heirat einer russischen Frau hast Du eine Art Bewusstseinserweiterung
hervorgebracht. Dein Leben wird nicht einfacher, aber unwahrscheinlich interessanter werden.
Vor meiner "Hochzeitsanbahnung" habe ich auch stundenlang auf einer Bank am Elbeufer gesessen und dachte so über die
Folgen nach. Wenn ich mich schon binden werde, sollte es doch etwas ganz besonderes sein. Und das wurde es ;)

Re: (M)ein Erfahrungsbericht "Heirat in Deutschland"

Verfasst: 13 Nov 2009, 10:08
von Sibirier
Auch von mir ein Danke für den Bericht und wünsche Euch alles Gute.

Was ich nicht ganz verstehe, warum ein finnisches Visum? Hätte das Ausländeramt die Aufenthaltsgenehmigung nicht erteilt, wenn sie ein deutsches Visum gehabt hätte?

És war auch sicherlich sehr gut, vorher mit Ausländerbehörde zu sprechen. Denn wenn es dann ernst wird, ist Dein Gesicht schon bekannt und sie wissen, dass Du nicht betrügen willst...

Re: (M)ein Erfahrungsbericht "Heirat in Deutschland"

Verfasst: 13 Nov 2009, 11:06
von manuchka
Super Bericht, vielen Dank!

Re: (M)ein Erfahrungsbericht "Heirat in Deutschland"

Verfasst: 13 Nov 2009, 11:31
von TM09
Sibirier hat geschrieben:És war auch sicherlich sehr gut, vorher mit Ausländerbehörde zu sprechen.
Sicherlich! Obwohl das Verhalten nicht unbedingt nachvollziehbar ist. Wenn der Leiter von Dänemark nichts hält, sollte er von heiraten mit dem falschen Visum eigentlich auch nichts halten, da in beiden Fällen die ABH umgangen wird.

"falsches" schengen-visum

Verfasst: 13 Nov 2009, 14:51
von flyaway
Die ABH hat mit der Erteilung eines Schengen-Visums nicht zu tun und ist folglich nicht übergangen worden.
Allenfalls stellt sie - falls erforderlich - eine VE für ein deutsches Schengen-Visum aus.

Ein Schengen-Visum des deutschen Konsulats wäre für uns mit sehr viel mehr Aufwand verbunden gewesen (mehr Papierkrieg, Flug-Reise nach St. Petersburg, Wartezeit...)

Das finnische Visum war einfach unkomplizierter und ist natürlich vollkommen legal.
(Sofern man bei mehreren besuchten Ländern den Hauptteil der Gültigkeitsdauer in Finnland verbringt oder die Ersteinreise in den Schengen-Raum über Finnland erfolgt (falls man nicht weiss, wieviel Zeit man auf der Reise in den einzelnen Schengen-Ländern verbringen wird).)
Allerdings hat man trotz Visum kein Anrecht auf die Einreise in den Schengen-Raum.

Insofern hat sich der Leiter unseres Ausländeramtes richtig verhalten.
(Ausserdem hatte ich genau diese Frage schon im Vorfeld mit ihm besprochen (siehe Bericht...))

Re: (M)ein Erfahrungsbericht "Heirat in Deutschland"

Verfasst: 13 Nov 2009, 15:21
von Sibirier
Ok. Ich denke, der damit verbundene Mehraufwand war das Problem..... Das kenne ich, meine Mitarbeiterin die Dienstreisen bearbeitet, freut sich auch immer, wenn sie ein anderes Schengen-Visum als das von der dt. Botschaft beantragen muss, weil die anderen Botschaften wohl unkomplizierter sind. Aber sie hat selten das Glück..... ;)

Das die ABH mit Erteilung eines Schengen-Visums nichts zu tun hat, wußte ich schon, ebenfalls das der Leiter des Ausländeramtes richtig verhalten hat (obwohl hier wohl schon mal Berichte waren, dass die ABH die Ausreise verlangt hat und man ein Visum zwecks Familienzusammenführung beantragen....).