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Kirchenwechsel wegen Partnerschaft?

Verfasst: 24 Mai 2010, 06:47
von Norbert
Thread ist eine Auskopplung aus http://forum.aktuell.ru/viewtopic.php?f=34&t=11063
Moscow24 hat geschrieben:nur eine Frage noch, wie schauts bei euch mit den Religionen aus? Meine Herzensdame hat schon mehrmals geäußert das sie nicht sehr happy mit meinem katholischen "Glauben" ist (ich übrigens auch nicht sehr)
Bei mir sind alle in der Familie Atheisten, insofern stellt sich die Frage nicht.

Wie ist die Lage bei Dir? Freundin orthodox? Wärest Du mit diesem Glauben denn "happy"? Oder auch alle ungläubig?

Re: Russische Freundin - "Was beachten?"

Verfasst: 24 Mai 2010, 08:34
von Sibirier
Also meine Frau war bis Ende letzten Jahres auch Atheist, hat sich aber letztes Jahr taufen lassen, weil sie meinte es müsste so sein...

Betreffend Glauben würde ich Deiner Freundin klipp und klar machen, dass jeder seinen eigenen Glauben haben sollte und damit umgehen sollte. Ein Glauben wegen Liebe anzunehmen ist Quatsch.....

Ihr werdet noch einige "Unarten" des anderen Partners feststellen, weil es eine andere Kultur ist.... ;)

Wie z. B. meine Stieftochter es nicht verstehen konnte, als wir letztes Jahr in DE war, dass ein Brötchen mit Mett lecker ist, sie, wie kann man nur rohes Fleisch essen.... :lol: Meine Frau hat es probiert und fand es ebenfalls lecker....

Re: Russische Freundin - "Was beachten?"

Verfasst: 24 Mai 2010, 09:46
von bella_b33
Meine Frau ist ein wenig orthodox gläubig, ich überhaupt nichts. Wenn sie einmal in 8Wochen zur Kirche geht, 1 Kerze fürs Glück anzündet und ich 15min draussen warten muss, mach ich sicher keine Szene daraus ;). Wenn aber irgendwer meint, mich bekehren zu müssen....dann gehts los :lol:

Re: Russische Freundin - "Was beachten?"

Verfasst: 24 Mai 2010, 09:51
von Moscow24
Meine Dame stellt sich da leider als sehr gläubig heraus... hab eigentlich nicht vermutet, da sie so ja nie in die Kirche geht, dem entsprechend geschockt war ich, als Sie mir sagte, das es für sie sehr schwer ist. Gestern war ich dann mit Ihr in Sergeev Possad und da war ja auch das Dreifaltigkeitsfest... Ein Kulturschock... schon alleine weil ich nicht wusste wie ich mich verhalten soll neben Ihr, für mich ist das ganze total neu....

Ich bin eigentlich nicht sehr gläubig, und für mich macht es keinen Unterschied ob katholisch, protestantisch oder orthodox, ist ja der selbe Gott. Ich versuch halt mein Leben als guter und offener Mensch zu leben, ich denke das ist etwas das ist wichtig. Was nach dem Tod ist, weiß ich nicht, ob es ein Leben nach dem Tod gibt weiß ich nicht, aber selbst wenn nicht, will ich am Ende meines Lebens zurückblicken können und sage, das ich ein gutes Leben gelebt habe.

Ich wollte sowieso aus der Kirche austreten, das ich jetzt nach dem Studium den Kirchenbeitrag bezahlen müsste. Was sich aber derzeit in der Kirche abspielt, geht gar nicht einher mit dem was ich glaube. Ich habe meinem Schatz gesagt, das es für mich der selbe Gott ist, und ich eigentlich die Unterschiede nicht so groß finde, es sind nur die Bräuche etwas anders, aber der Grundstock ist der selbe. Ich hab sie halt gebeten mir die orthodoxe Kirche etwas näher zu bringen und sollten wir wirklich mal später heiraten, könnte ich ja zum orthodoxen Glaube wechseln (Ich bin da sehr flexibel und wenn es ihr so wichtig ist, warum nicht) (das Heiratsthema kommt in den letzten Tagen häufiger schon auf, meist scherzen wir nur ein bisschen, aber irgendwie kann ich mir es schon sehr gut vorstellen... und das obwohl ich eigentlich nie wollte...) ;)

Re: Russische Freundin - "Was beachten?"

Verfasst: 24 Mai 2010, 09:52
von manuchka
Ich denke mal, dass die Freundin an eine spätere kirchliche Trauung, Taufe und Erziehung der Kinder usw. denkt. Da ist es natürlich praktisch, wenn beide Partner der gleichen Konfession angehören, aber NUR DESHALB würde ich nicht mal eben die Konfession wechseln. Und erst recht sollte das keine Bedingung für ein gemeinsames Zusammenleben sein. Außerdem ist Katholizismus und Orthodoxie gar nicht sooo weit voneinander entfernt, und wenn du nicht auf die Unfehlbarkeit des Papstes pochst, sollte es keine Probleme geben :) Ein Nachteil ist dann allerdings, dass ihr nicht gemeinsam in einer Kirche Abendmahl nehmen könnt - du darfst nur in der katholischen Kirche, sie nur in der orthodoxen. Ich weiß nicht, wie du generell zu Kirche und Glauben stehst - wenn das alles für dich gar keine Bedeutung hat, dann wäre die Konsequenz zwar evtl. ein Austritt aus der katholischen Kirche, aber nicht der Beitritt zur orthodoxen.

Die orthodoxe Kirche "erlaubt" (wenn man das so sagen will) übrigens, genau wie alle anderen christlichen Konfessionen auch, eine kirchliche Trauung, auch wenn einer der Partner nicht orthodox ist - dann braucht man aber (rein formell) das Einverständnis des zuständigen Bischofs, und der Nicht-Orthodoxe soll sich verpflichten, dass die gemeinsamen Kinder orthodox getauft und erzogen werden. (Das verlangt umgekehrt die katholische Kirche auch, wenn die Trauung in selbiger stattfindet.)

Solltest du ernsthaft darüber nachdenken, die Konfession zu wechseln, dann informiere dich zunächst über die russische Orthodoxie. Es gibt da schon ein paar Besonderheiten - Gottesdienst in kirchenslawischer Sprache (in Deutschland zB. gibt es aber auch deutschsprachige Gottesdienste), Beichte vor dem Abendmahl ist Pflicht. Es gibt auch Gebetsregeln, Fastenzeiten, einige andere Traditionen usw., ob und wie man die einhält - nun, das entscheidet jeder selbst in Abstimmung mit seinem "geistlichen Mentor" oder mit seinem Gewissen.

Denke daran, dass der Wechsel der Konfession nicht mal so eine Laune ist, das sollte schon gut bedacht sein und nicht bloß der Freundin zuliebe passieren. Es wäre vielleicht ganz gut, wenn du mal mit einem deutschsprachigen orthodoxen Priester sprichst, in Wien gibt es z.B. eine russisch-orthodoxe Kirche, und ich denke mal, die sprechen da auch deutsch. Der Wechsel selbst geht dann eigentlich ganz schnell und einfach - wenn jemand christlich getauft ist, wird derjenige mit der orthodoxen Kirche "vereinigt" oder ihr "hinzugefügt" (so heißt die Handlung: prisojedinenie) - der Priester spricht die entsprechenden Gebete, du musst dich von deinem "alten" Glauben lossagen und sagen, dass du zur orthodoxen Kirche dazugehören willst, das orthodoxe Glaubensbekenntnis sprechen, und als Abschluss wirst du noch mit Öl gesalbt. Davor sollte man die Beichte ablegen und danach, bei der nächstmöglichen Gelegenheit, Abendmahl in der orthodoxen Kirche einnehmen.

Re: Russische Freundin - "Was beachten?"

Verfasst: 24 Mai 2010, 10:10
von bella_b33
manuchka hat geschrieben: Denke daran, dass der Wechsel der Konfession nicht mal so eine Laune ist, das sollte schon gut bedacht sein und nicht bloß der Freundin zuliebe passieren.
Ich würd mich da auch zu nichts hinreissen lassen ;)

Re: Russische Freundin - "Was beachten?"

Verfasst: 24 Mai 2010, 10:17
von CSB_Wolf
Moscow24 hat geschrieben:Meine Herzensdame hat schon mehrmals geäußert das sie nicht sehr happy mit meinem katholischen "Glauben" ist (ich übrigens auch nicht sehr)
Dann sind aber die zukünftigen Probleme eurer Partnerschaft oder einer Ehe disbezüglich schon vorprogramiert :roll: Das hätte ich an deiner Stelle sofort abgestellt, entweder nimmt sie dich so wie Du bist oder sie soll es bleiben lassen. Nichts gegen Gläubigkeit aber alles in Grenzen. Meine Frau ist auch orthodox und ich Katholisch, aber das war und ist für uns nie ein Thema.

Gruss
wolf

Re: Kirchenwechsel wegen Partnerschaft?

Verfasst: 24 Mai 2010, 11:06
von Moscow24
Sie hat zwei mal angesprochen, das es für Sie ein großer Unterschied ist, und Sie daher Probleme hat, über eine Zukunft zu denken... (Interpretationen möglich, sie hat ab und zu Probleme die richtigen Wörter im Englischen zu finden)

Dieses Thema ist ihr sehr wichtig, ich respektiere es sehr, aber ich bin nicht sehr gläubig und ich hatte nie den eindruck das Religion mal in meinem Leben ein Hindernis sein wird... aber jetzt sehe ich erst was wirklich dahinter steht...

ich hab ihr auch mehrmals gesagt das ich die Unterschiede nicht als sehr groß sehe, aber sie meinte, diese sind sehr groß, sie hat schon mit jemanden darüber gesprochen (mit wem, das hat sie mir nicht gesagt).

Ich kenne eigentlich viele Eltern meiner Freunde, wo beispielsweise einer der beiden von zum protestantischen Glauben gewechselt ist (der Sprung ist viel kleiner, ich weiß, aber mir ist erst gestern bewusst geworden, das halt doch Unterschiede viel größer sind, Naja verliebte Naivität halt).

Ich habe eigentlich kein Problem, damit meine Konfession zu ändern, ich finds halt ehrlich gesagt nicht wirklich notwendig, da ich mein Leben nach meinen Überzeugungen lebe und mich eine Kirche, außer als Tourist schon lange nicht mehr gesehen hat... für mich ist es halt ehrlich nur Aufwand.... (ich hoffe mit meinen Worten hier niemanden zu verletzen)

Re: Kirchenwechsel wegen Partnerschaft?

Verfasst: 24 Mai 2010, 11:17
von Sibirier
Also Moscow24, so sehr Du die Dame liebst. Du solltest ihr aber klipp und klar machen, das Toleranz in einer Ehe sehr wichtig ist. Dazu gehört auch die Toleranz, dass jeder Partner "seine Religion, Kirche" leben kann und man sich trotzdem liebt....

Ganz ehrlich, wenn meine Partnerin das von mir verlangen würde, wäre das für mich ein Ausschlusskriterium.....

Re: Kirchenwechsel wegen Partnerschaft?

Verfasst: 24 Mai 2010, 11:47
von Moscow24
Sie hat nichts von mir verlangt, mir nur klar gemacht das es für sie sehr schwer ist, das ich nicht orthodox bin... ich hab zwar versucht herauszufinden was sie genau gemeint hat, aber leider ist sie muss ich ihr immer alles aus der Nase ziehen...

Es läuft halt alles perfekt, bist auf diesen "Umstand".... ich werde nochmal mit Ihr reden, wenn ein passender Zeitpunkt kommt... ich will das alles zwischen uns nicht aufgeben, nur wegen etwas, das für mich nur nebensächlich ist...

Für mich ist es halt nur, entschuldigt meine Worte, "Aufwand"...

Danke für eure Ansichten, ist immer gut andere Standpunkte zu sehen und zu verstehen!