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Lettland macht die EU für Ausländer auf?

Verfasst: 09 Jul 2010, 10:48
von Sibirier
Ich war diese Woche in Lettland. Da hörte ich von einer Mitarbeiterin dort und auf dem Rückflug las ich sogar schon Werbung darüber.

Wenn Ausländer in Lettland z. B. eine Immobilie kaufen können Sie ein mehrjähriges Schengen-Visum oder sogar die lettische Aufenthaltsgenehmigung beantragen.

Damit haben wohl diese Ausländer uneingeschränktes Reiserecht innerhalb der EU!!!!

Und unsere Botschaft/Ausländerbehörden stellen sich noch so an......

Re: Lettland macht die EU für Ausländer auf?

Verfasst: 09 Jul 2010, 18:33
von zimdriver
Montenegro und Bulgarien Serben auch damit.

Re: Lettland macht die EU für Ausländer auf?

Verfasst: 09 Jul 2010, 20:21
von Mista
zimdriver hat geschrieben:Montenegro und Bulgarien Serben auch damit.
Das hast Du schön gesagt :lol:

Re: Lettland macht die EU für Ausländer auf?

Verfasst: 09 Jul 2010, 20:28
von zimdriver
das war ein Tippfehler, blöder Autotext

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Re: Lettland macht die EU für Ausländer auf?

Verfasst: 10 Jul 2010, 12:27
von Kundun
Moskau. Es war ein heikles Unterfangen: Anfang Mai schickten sich die Abgeordneten zum lettischen Parlament an, über ein neues Immigrationsrecht abzustimmen. Es war klar, dass vor allem Russen von der Regelung profitieren würden. Auf sie sind die Letten nach jahrzehntelanger Okkupation durch das Sowjetregime immer noch nicht gut zu sprechen.

„Abänderungen am Immigrationsgesetz sind eine schleichende Okkupation“, prangte auf Plakaten nationalistischer Demonstranten vor dem Parlament. Oder etwas pikanter: „Gegen Geld kommt man ins Bordell, aber nicht nach Lettland“.

Seit 1. Juli doch. Es reicht, eine Firma zu gründen, die jährlich 14.000 Euro Steuern abliefert und fünf Leute beschäftigt. Es reicht auch, ein Bankkonto mit 280.000 Euro zu eröffnen oder eine Wohnung in Riga für 140.000 Euro oder auf dem Land für die halbe Summe zu erwerben. Wer eines dieser Kriterien erfüllt, kauft damit eine fünfjährige Aufenthaltsgenehmigung im neuen EU-Staat – und zugleich die Erlaubnis für visafreie Reisen im Rest der EU.
http://diepresse.com/home/wirtschaft/ea ... 6/index.do

Re: Lettland macht die EU für Ausländer auf?

Verfasst: 10 Jul 2010, 15:33
von zimdriver
Kundun hat geschrieben:
....... Es reicht, eine Firma zu gründen, die jährlich 14.000 Euro Steuern abliefert und fünf Leute beschäftigt. Es reicht auch, ein Bankkonto mit 280.000 Euro zu eröffnen oder eine Wohnung in Riga für 140.000 Euro oder auf dem Land für die halbe Summe zu erwerben. Wer eines dieser Kriterien erfüllt, kauft damit eine fünfjährige Aufenthaltsgenehmigung im neuen EU-Staat – und zugleich die Erlaubnis für visafreie Reisen im Rest der EU.
http://diepresse.com/home/wirtschaft/ea ... 6/index.do
... wenn ich mich recht erinnere, ist dies auch in D so, was die Firma betrifft. Bankkonto und Immo- Eigentum sind kein Grund, aber Selbständigkeit/ Investoren- Status reicht.

Re: Lettland macht die EU für Ausländer auf?

Verfasst: 12 Jul 2010, 17:35
von ein Mann zum verlieben
Am besten finde ich den Begriff "nach jahrzehntelanger Okkupation" :D . Habe mir immer gedacht, Okkupation sieht ganz anders aus...

Re: Lettland macht die EU für Ausländer auf?

Verfasst: 12 Jul 2010, 18:13
von zimdriver
ein Mann zum verlieben hat geschrieben:Am besten finde ich den Begriff "nach jahrzehntelanger Okkupation" :D . Habe mir immer gedacht, Okkupation sieht ganz anders aus...
Nun ja, zumindest war es mir nur in Riga passiert, wo mir eine ältere Dame zur Sowjetzeit recht böse auf meine Russisch vorgebrachte Frage nach dem Weg antwortete, weshalb ich als Deutscher nicht Deutsch in Riga spreche. Schlie'lich seien wir hier in Lettland und nicht in Russland.

Es scheint mehrere Verfechter dieser Sprechart zu geben, wie in wikipedia.de nachzulesen ist:
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte ... _1939.2F40

Okkupation muss nicht mit Waffengewalt vorgetragen werden. Eine Reise durch Zentralasien oder den Kaukausus kann dies beispielhaft zeigen, das wenig freundliche Verhältnis mit Russland/ Russen hat AUCH darin seinen Ursprung.

Re: Lettland macht die EU für Ausländer auf?

Verfasst: 24 Jul 2010, 14:38
von GIN
zimdriver hat geschrieben:
ein Mann zum verlieben hat geschrieben:Am besten finde ich den Begriff "nach jahrzehntelanger Okkupation" :D . Habe mir immer gedacht, Okkupation sieht ganz anders aus...
Nun ja, zumindest war es mir nur in Riga passiert, wo mir eine ältere Dame zur Sowjetzeit recht böse auf meine Russisch vorgebrachte Frage nach dem Weg antwortete, weshalb ich als Deutscher nicht Deutsch in Riga spreche. Schlie'lich seien wir hier in Lettland und nicht in Russland.

Es scheint mehrere Verfechter dieser Sprechart zu geben, wie in wikipedia.de nachzulesen ist:
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte ... _1939.2F40

Okkupation muss nicht mit Waffengewalt vorgetragen werden. Eine Reise durch Zentralasien oder den Kaukausus kann dies beispielhaft zeigen, das wenig freundliche Verhältnis mit Russland/ Russen hat AUCH darin seinen Ursprung.

Wiki wird immer trauriger.. weil es auch nicht wirklich alles rüberbringt..

Die Dame hat aber vergessen zu sagen das zu Sowjetzeiten um 1990 60% der Bevölkerung "russischsprachig" als Muttersprache in Riga angab und die Letten mit 38% eine Minderheit waren. In der näheren Geschichte war Riga bis in die späten 1870er Jahre eine fast reine deutschsprachige Stadt mit einer grossen Bevölkerungmehrheit von DeutschBalten und grossen Minderheiten von Juden und Polen. Letten gab es überhaupt nicht. Erst um 1870 stieg durch die industrielle Revolution in Kurland und dem südlichen Livland der Bevölkerungsanteil der latgäisch,kurrischen und semgalischen Bevölkerungsanteile in der Stadt stark an. Die panslawischen Regierungen in Petersburg förderten die entdeutschung der Stadt mit russischen Pflichtunterricht und Masseneinwanderung von Nicht-Deutschen(meistens Balten). Nach dem ersten Weltkrieg und der lettischen Unabhängigkeit war Lettisch immer noch nicht Verkehrsprache in den Strassen von Riga. Die Juden, ethnischen Polen sowie Deutsch-Balten redeten Hochdeutsch/Plattdeutsch oder Halbdeutsch in den Strassen.Die aus Petersburg geflohenen Russen/Deutschen und Juden sprachen meistens ein perfekten petersburger Russisch. Die nun aus Semgalen, Latgalen und Kuren entwickelten Letten machten 1939 nur 1/4 der Bevölkerung aus und fast jeder Ladenbesitzer, Mediziner, Unternehmer oder Anwalt war entweder ein Volksdeutscher, Jude, Russe oder Pole. Die Letten beschränkten sich auf politische Ämter, Armee und Fabrikjobs bzw arbeiteten im zentralen Markt als Verkäufer und sprachen zu Lettisch fast ausnahmslos Halbdeutsch. Die aus dem zaristischen Russland geflohenen Juden und Russen waren Unternehmer, oder gingen medizinischen Jobs nach, ihre Clubs waren in Jurmala..und die Strände wurden schnell berühmt durch die gutgebräunten Damen und Sprüche wie "Боже, Царя храни!"... in den 1930er Jahre kontrollierten sie fast alle Strände in Jurmala und galten als wohlhabende Bürgerschicht im Land.
Der zweite Weltkrieg war für alle Volksgruppen eine Tragödie. Deutschbalten wurden durch Hitler umgesiedelt oder sind 1944 in kleiner Anzahl aus der Stadt geflohen. Die Juden und Polen wurden fast restlos durch die Gestapo und SD eliminiert. Die aus dem zaristischen Russland geflohenen Russen in der Stadt mussten abermals vor den Roten fliehen und landeten meistens in den USA oder Kanada. Ein grosser Anteil der Armee Wlasow rekrutierte sich aus Russen vom Baltikum. Ein grosser Teil der in Riga lebenden lettischsprachigen Bevölkerung (lettische Offiziere, Beamtenfamilien) wurde durch Stalin vernichtet, flohen oder verbluteten/verhungerte durch die NAZI-Politik der "Aufnordung" im Baltenland. Übrigens Rosenberg lebte zu grossen Teilen in seinem Leben in Riga, und war im Nazireich der Stadthalter der Baltenprovinzen. Von ihm war die Aussage 1925 "Riga war deutsch und wird wieder deutsch werden". Er sprach im privaten sein Hochdeutsch mit baltischem Akzent, fluchte auf Russisch und sprach kein Lettisch.
Des Weiteren war von 1920 bis zum zweiten Weltkrieg SPD ein beleidigendes Wort in Riga.. man sagte zbs "Hänschen... Du benimmst Dich wie ein Sozialdemokrat"... was etwa meinte..... "Verräter, jemand der Lügt, Feigling" usw.. und bezog sich auf den Abmarschbefehl der Deutschen Truppen die das Ende der deutschen Vormachtstellung in Riga bedeuteten. Die SPD Reichsregierung befahl 1919 den Abzug der deutschen Armeen... die Kriegsschiffe der Ente liefen in RIga ein und durch mangelnde Unterstützung vom Deutschen Reich verloren die Deutschen ihre Stellung im Land, wurden enteignet usw.

Nicht einmal 0.5 % der Bevölkerung die heute in Riga lebt... lebte vor 1945 in der Stadt (auch nicht die Grosselterngeneration). Meine Lettischlehrerin wurde 1932 in Riga geboren, sie sprach als halbe Jüdin ein sehr gutes Hochdeutsch und Halbdeutsch.
In meiner Klasse gab es mehr als 10 Nationalitäten.. wir sprachen Russisch als Verkehrssprache.. Lettisch konnten wir nach einer Zeit auch. Kein Bewohner in Riga hat das Recht rauszunehmen.. das eine Nationalität aus der Stadt verschwindet soll... wollen wir es genau nehmen.. dann ist Riga eine "Deutsche" Idee...., das heutige Riga ist eine multiethnische Idee... in dem mindestens 1/2 der Bevölkerung Russisch und Lettisch denkt und lebt. Die Zeiten des Sprachennationalismus einiger lettischen Nationalisten der 90er Jahre ist vorbei, als vor 1 1/2 Jahren das Parlament versucht wurde zu stürmen... bespuckten und randalierten lettischsprachige Menschen und russischsprachige Menschen gemeinsam die korrupte und unfähige Legislative. 1992 war so etwas noch nicht vorstellbar das ein Lette mit einem russisch-sprachigen Menschen gemeinsam auf eine Demo geht.
Riga ist genau wie es vor dem zweiten Weltkrieg war..Baltisch, Vielnational und friedlich. Die grösste Sorge sollte jetzt die Wirtschaft sein. Sollte der Motor nicht anspringen dann sieht es mit der Demografie sehr schlecht aus.. es gibt kein land ind er EU.. das eine höhere Auswanderungsquote hat als Lettland. Das Land blutet aus... die Menschen stimmen mit den Füssen ab.