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"(freie und) Abrißstadt Moskau"
Verfasst: 06 Aug 2004, 21:40
von northstar
Alfred Lichtwark hat meine erste Heimatstadt seinerzeit mit dem Titel "Freie und Abrißstadt" belegt, in der man des ökonomischen Vorteils willen nur zu leicht historischen Gebäude-Bestand platt machte. Diese Äußerung liegt bereits über 100 Jahre zurück, obwohl es immer noch Beispiele aus der Gegenwart gibt (Stichwort: Europapassage). Nun möchte ich nicht über die Stadtentwicklung in Hamburg diskutieren und auch nicht über die Freiheit in Moskau (dies geschieht bereits an anderer Stelle), sondern über das Bauen und Abreissen in der Boomtown Moskau.
M.E. regiert in Moskau allein die Profitgier und es siegen Geld und Beziehungen über das kunsthistorische Gewissen, sofern es überhaupt vorhanden ist.
Einerseits werden die "gestürmten Ikonen" (Kirchen am Roten Platz sowie die Kathedrale Khrista-[verballhornt:Luzhka-] Spasitelya)geschichtsklittern wieder aufgebaut. Anderseits geht man mit Denkmälern der jüngsten, zwar nicht immer angenehmsten, Vergangenheit rücksichtslos um (s. Hotel Moskva).
Verfasst: 09 Aug 2004, 09:27
von Dietrich
Hallo zusammen,
natuerlich ist dieses 'wir reissen alles nieder und bauen uns tolle neue Einkaufszentren' fuer unsere (verwoehnten) westlichen Massstaebe erstmal schlimm.
Aber die Menschen sind nunmal so, das Dinge wie Umweltschutz und Baudenkmaeler erst wichtig werden, wenn das taegliche Leben 'von alleine' laeuft.
Wer in Deutschland als Beamter irgendwo sitzt und schon genau weiss wann er welche Stufen die Besoldungsleiter hochfaellt, der faengt halt an, sich Gedanken ueber die 'tollen alten Gebaeude in der Innenstadt' zu machen. Leute deren Hauptaugenmerk darauf liegt moeglichst schnell ihren Monatsverdienst von 300 auf 500 Dollar zu bringen interessiert es einen Sch...dreck ob da nun irgendwas altes abgerissen wird oder nicht.
Und solange sich bei einem derart korrupten System Leute die 'an den Hebeln' sitzen dadurch bereichern koennen das sie solche Objekte abreissen lassen.... solange werden sie es tun!
Diese Leute initiieren es und die Bevoelkerung regt sich nicht drueber auf...
Das war in Deutschland auch nicht immer so. Und wenn man sich mal anschaut, wieviel in der DDR fuer derartige Sachen ausgegeben wurde... die hatten da halt auch andere Sorgen!
Dietrich.
Verfasst: 09 Aug 2004, 09:39
von achim
Dietrich hat geschrieben:Leute deren Hauptaugenmerk darauf liegt moeglichst schnell ihren Monatsverdienst von 300 auf 500 Dollar zu bringen interessiert es einen Sch...dreck ob da nun irgendwas altes abgerissen wird oder nicht.
Das ist so nicht wahr. Ich denke schon, dass die Moskauer zumindest aus sentimentalen Gruenden an den historischen Gebaeuden haengen. Nur ist es hier nicht unbedingt ueblich, diesen Beduerfnissen durch Protest Nachdruck zu verleihen. Administrative Veraenderungen werden einfach hingenommen.
Dietrich hat geschrieben:
Und solange sich bei einem derart korrupten System Leute die 'an den Hebeln' sitzen dadurch bereichern koennen das sie solche Objekte abreissen lassen.... solange werden sie es tun!
Diese Leute initiieren es und die Bevoelkerung regt sich nicht drueber auf...
Hier stimme ich dir zu.
...
Verfasst: 09 Aug 2004, 10:33
von Sibirier
Also ich denke auch, Moskau erhält schon die historischen Gebäude.
Die Deutschen waren zum Teil verrückter. In den 70 er Jahren Kopfsteinpflaster raus, geteert. In den 90 er Jahren, ach es war doch historischer...Teer raus, Kopfsteinpflaster rein, aber mit neuen Steinen...
Gruß
Sibirier