Hallo Kalmyk,
war 2000 für 4 Wochen lang in Elista, Studenten-Austausch im September. War sehr schön und total exotisch - im Rückblick. Was brauchste denn konkret für Informationen?
Hier ein kurzer Blick auf unsere Reise:
Wir sind mit dem Zug nach Moskau, dann Hinflug nach Elista (- uns hat jemand privat geholfen bei der Buchung des Inlandfluges, eine Kalmykin, die bei uns an der Uni arbeitete, hat dabei die Organisation übernommen - Danke an Lydia nochmal an dieser Stelle!).
Das kleine Elista fand ich - gerade mit dem Park in der Innenstadt - sehr schön. Mir gefielen die - eher ruhigen - Kalmyken, die Märkte, die Gastfreundschaft, für uns vier wurde so einiges organisiert: die Presse war gleich vor Ort, wir wurden "rundum" betreut (Dozentin von der Uni/ Germanistik-Studentinnen/Geheindienst), lebten in einem Studentenwohnheim mit Halbpension, mit Frühstück in einer kleinen Stolovaja im Erdgeschoss. Wahnsinn, was für uns auf die Beine gestellt wurde! Unter anderem waren wir viel in Familien zu Besuch, wurden zu einem tollen Wolga-Ausflug auf Motorbooten mit Landung auf einer Insel sowie Ucha- und Kaviar-Verpflegung eingeladen, wurden zu Tanzvorführungen der Kalmyken und Schulbesuchen eingeladen, machten einen Ausflug zu einem buddh. Tempel in der Nähe usw. .....
Nach den vielen Jahren ist einiges aus dem Gedächtnis verbannt, aber als schwierig empfand ich damals die Wasser-Situation: im Stud.w.-Bad standen immer Eimer mit Wasser für den Notfall, einmal waren wir drei Tage ohne Wasser. (Man konnte sich aber helfen, die Küchenfrauen haben dann früh Wasser auf den Kohleofen warmgemacht, das war dann mittag heiß, außerdem bin ich ferienlager-erprobt, ich fand es nicht so schlimm wie meine Mitreisenden ..)
Was mir ausgenommen gut gefallen hat, war die Steppe. Irgendwie war das einfache Loslaufen in irgendeine Richtung im September in der Steppe sehr meditativ. Schön fand ich auch die Begegnungen mit den "normalen" Studenten, die nicht extra auf uns "angesetzt" waren, um Deutsch zu lernen. Ich denke, bei ihnen habe ich das meiste über das Leben vor Ort gelernt, wir fühlten uns gleich integriert und bei ihnen sehr gut aufgehoben.
Interessant fand ich, dass der Buddhismus erst wieder etabliert werden musste. Die uns begleitende Dozentin, eine schon ältere Dame, hat uns vieles über den Buddhismus und Kalmykien, über die Stalin-Deportation etc. erzählt. Habe jetzt übers Internet gesehen, dass endlich auch ein neues Denkmal zur Deportation und diverse andere Einrichtungen zum Buddhismus in Elista entstanden sind. Die Aufarbeitung der Geschichte und die Wiederbelebung des Buddhismus ist - aus meiner Sicht - voll im Gange.
Rückreise ist dann von Elista mit Marschrutka nach Volgograd erfolgt, von dort aus mit einem normalen Reisebus. In der Nähe von Moskau sammelten sich dann mehrere solcher Busse, und die Fahrenden wurden je nach Zielort umplatziert, bis Deutschland fuhren dann immer mehrere Busse in Kolonne. Ich hab unseren Bus dann später als "Aussiedler-Bus" getauft, denn die Geschichten der Umsiedler im Bus (die älteste Frau war 86 Jahre alt und sprach noch schwäbisch) waren für mich super spannend und haben fast die Strapazen dieser Dreieinhalb-Tage-Fahrt nach Berlin vergessen lassen. Meine Mitfahrer sind dort geblieben und für ein Scheinchen hat mich der Fahrer an einer Autobahn-Raststätte in Thüringen rausgelassen, weil der Bus nach Bayern weiter ist. (Das zum Thema "Schmiergeld" im Forum

- die Frage ist, wie man das System für sich nutzt!)
Irgendwie, fiel uns Vieren die Abreise aus Kalmykien ziemlich schwer. Wären gerne noch länger geblieben, hatten das Gefühl, alles ist in Bewegung, irgendwie im Aufbruch....
Naja, also das war mein ganz persönlicher Rückblick - ist ja schon 12 Jahre her. Gibt noch viele "Anektoden" von dieser Reise. Wenn dich noch was konkret interessiert, hab noch einiges in nem Karton zusammengesammelt zu Kalmykien ...
Lg Motik
PS: Apropos "gesammelt". Einer meiner Begleiter hat sich verliebt und sich gleich eine schöne Kalmykin mitgebracht!
