Reisebericht - 14.000 km Russland mit allen Verkehrsmitteln
Verfasst: 15 Jul 2011, 21:41
Hey,
da ich vor meiner Reise viele hilfreiche Tipps und Anregungen in diesem Forum erhalten habe, möchte ich euch meine Erfahrungen und Erlebnisse nicht vorenthalten.
Meine Reise ging vom 06.06. bis 14.07.2011 von Kiel bis zum Altai und zurück. Dabei nutzte ich alle gängigen Verkehrsmittel: Fähre, Mietwagen, Bus, Minibus, Bahn, Trampen und Flugzeug. Wer zu Reiseabschnitten, Regionen oder Verkehrsmitteln oder wo auch immer spezielle Fragen zu hat, den bitte ich diese einfach mir zu stellen, da ich sicher nicht alles in einem Post berichten kann. Ich anworte gerne.
Route in Kurzform:
Von Kiel (06.06.) bin ich mit der Fähre nach Klaipeda (Litauen) gefahren (22h). Auf der Fähre habe ich mich mit den AUtoschiebern unterhalten und eine Mitfahrt nach Kaunas (07.06.) (Litauen) gesichert.
Nach 2 Tagen geplanten Aufenthaltes in Kaunas (09.06.) bin ich mit dem Bus nach Moskau (22h) gereist. Der Bus kam aus Deutschland und es waren Leute mit verschiedenen Hintergründen "an Bord" - von Familie über heimreisender Arbeiter aus England bis Deutsch-Russische Babuschka...
In Moskau (10.06.) nutzte ich die Metro, um zur Autovermietung zu kommen. Mit dem Mietwagen holte ich 2 Freunde vom Flughafen Domodedowo ab. Gemeinsam ging es dann Richtung Süden: Voronesch (11.06.), Saratow (12./13.06.), Volgograd (14.06.), Astrakan (16.06.), Krasnodar (17.06.). Von dort ist der erste Freund zurück geflogen (18.06.).
Dann fuhren wir einen kleinen Schlenker durch den Vor-Kaukasus über Novorosiisk (19.06.), Tuapse, Maikop zurück nach Krasnodar (21.06.). Von dort ging es nach Westen auf die Russische Seite der Kerch'er Enge und Richtung Norden an der Asows'schen Meeresküste über Eisk und Asow bis nach Rostov (22.06.). Zurück in Krasnodar (24.06.) gaben wir das Auto ab und fuhren mit dem Zug nach Adler (südl. von Sotschi, 25.06.). Von Adler nahmen wir den Bus nach Kranaja Poljana (Skiregion für die Olymp. Spiele 2014).
Dort wanderten wir 4 Tage in den Bergen (28.06.). Daraufhin fuhren wir mit dem Bus nach Sotschi und erholten uns da ein paar Tage beim Flanieren am schwarzen Meer (01.07.).
Mit dem Zug ging es in einer Nacht nach Rostov(02.07.), von wo aus mein zweiter Reisebegleiter zurück flog(03.07.).
Ich startete von dort das Trampen mit einem Rückflugticket am 14.07. ab Tjumen nach Hamburg im Gepäck.
Die Strecke, die ich per Anhalter zurücklegte, ging über Volgograd (04.07.), Saratov, Samara (05.07.), Ufa, Tscheljabinsk, Kurgan (06.07.), Omsk (07.07.), Novosibirsk bis nach Barnaul (08.07.).
In Barnaul setzte ich mich in den Bus nach Gorno Altaisk und wanderte einige Kilometer Altai-aufwärts in den Bergen für 3 Tage (11.07.). Mit dem Bus ging es zurück nach Novosibisrk (12.07.). Dort nahm ich die Transsib-Eisenbahn (Zug 01: Wladivostok - Moskau, 3. Klasse) nach Tjumen (13.07.). In Tjumen nahm ich mir ein Taxi zum Flughafen und flog zurück nach Deutschland (14.07.).
Motivation der Reise
Unüberwindbare Weiten, tausende Quadratkilometer unerschlossene Gebiete, nicht zu erklimmende Berge, wilde reissende Flüsse und ein unbeschränktes landwirtschaftliches Potenzial. So stellte ich mir Russland - neben außerhalb der für mich wenig interessanten und mehr oder weniger geschichtsträchtigen, der schönen oder auch hässlichen Städte - vor, bevor ich meine Reise antrat.
Was mich antrieb, das war die Neugierde und das Abendteuer. Die Neugierde meine Erwartungen erfüllt zu wissen oder auch zu widerlegen und das Abenteuer, das Land, von dem so viele Abstand nehmen, weil es zu unerschlossen, zu groß, zu weitläufig...., oder auch zu gefährlich ist, zu erkunden.
Vor dem Hintergrund meines landwirtschaftlichen Studiums und dem Bewusstsein über die Knappheit der für die Landwirtschaftlichen Produktion zur Verfügung stehenden Flächen in Westeuropa interessierte mich auch, inwiefern die Produktion in Russand gesteigert werden kann - durch Intensivierung und Bewirtschaftungs-Optimierung sowie durch Inkulturnahme von Brache - , um die Ernährung der Weltbevölkerung in den nächsten Jahrzehnten zu sichern. Zusätzlich wollte ich herausfinden, ob Russland für mich als potenzieller Arbeitsmarkt in Frage kommt.
Nicht zu vergessen erhoffte ich auch ein wenig Erholung, vielleicht besser Ablenkung, von meinem Studium, das ich jetzt abschließe. Und somit war es wahrscheinlich auch eine gute, vielleicht die letzte Möglichkeit für mich, diesem Wunsch nachzugehen. Denn mit Job und Familie wird so eine Reise in Zukunft wahrscheinlich schwer zu vereinbaren sein...
1. Reiseabschnitt: Kiel - Kaunas
Die Fähre stellt ein Fortbewegungsmittel dar, das sich nur langsam seinem Ziel nähert. Somit hat man viel Zeit sich mental darauf vorzubreiten, was einem nach seiner Ankunft erwartet. Zusätzlich kann man so für einen Appel und nen Ei (35€) die Distanz von Kiel nach Klaipeda überwinden. Das gefiehl mir besonders daran.
Mit guten Erinnerungen an vorherige Fahrten auf dieser Route stieg ich vertraut in Kiel ein, nachdem ich meiner Freundin den Abschiedskuss gab. Mir war bewusst, dass die preiswerten Pullmann-Liegesitze in einem Großraumabteil stehen, indem sich nachts geizige allzu korrekte Rentner über an-/betrunkene Litauische LKW-Fahrer aufregen. Dazu kamen die geschätzten 50 Rocker, die zu einem Festival bei Klaipeda mit ihren Motorädern fuhren. Aus diesem Grunde zog ich es vor außendecks zu übernachten und bereitete mir einen Schlafplatz auf dem Sonnendeck, nachdem ich mich mit Litauischen LKW-Fahrern, einem Litauischen Heimfahrer, der in Wales gearbeitet hatte und ein paar deutschen Touristen, die an der Litauischen Küste mit dem Fahrrad entlang fahren wollten, unterhalten und mir eine Mitfahrt bei einem Autoschieber besorgt hatte. Insgesamt waren 18 LKW mit Trailern und beladen mit Schrott-Autos aus Westeuropa auf der Fähre - sozusagen eine Mitfahrt-Garantie in den gesamten baltischen Raum!
Die Nacht war doch etwas hart auf meiner 5mm dicken Isomatte über den Stahlblechen des Fähr-Decks (bei Waldboden kein Problem) und der Wind vor der Küste Litauens/Königsbergs brachte mir am nächsten Morgen doch etwas Kälte in meinen Schlafsack. Aber ich bin mir sicher: In den Pullmann-Sitzen hätte ich nicht besser geschlafen! Dies wurde mir nocheinmal besonders bewusst, als in mitten der Nacht eine Frau an mir vorbei schlich und es mir gleich tat. Sie hatte sicher schon versucht im Großraumabteil an den Schultern eines vielleicht Schwedischen Rockers zu schlafen...
Rechtszeitig aufgestanden (4:30) bewunderte ich den Sonnenaufgang, die Frachtschiffe sowie ein U-Boot, aß mein vom Festland mitgebrachtes Frühstück und suchte mir ein halbwegs sauberes Waschbecken, um meine Zähne zu putzen und mich etwas frisch zu machen.
Wie unschwer am Geruch und anhand kleiner Seen von Erbrochenem auf den Gängen und Toiletten unter Deck zu erkennen war, hatte der Alkohol einigen meiner Mitreisenden am vorherigen Abend sehr zugesagt (oder sie sind seekrank geworden, obwohl die Fähre wie ein Brett im Wasser lag ;-)). Aber das kannte ich schon von vorherigen Fahrten mit dieser Linie...
Ich machte mir da nichts draus und unbekümmert ging ich wieder auf das Sonnendeck, um dem näherkommenden Baltikum entgegen zu fiebern.
Endlich gegen Mittag angekommen, machte packte ich meine Sachen zusammen und lief mit meiner Mitfahrgelegenheit (ich nenne ihn Andrej obwohl er anders hies) zu den Auto-Decks. Dort starteten die Rocker noch ein kleines Konzert mit ihren Feuerstühlen und brausten davon.
Da die LKWs rückwärts von der Fähre muessen, dauerte es etwa bis wir an der Reihe waren und Adrej vorsichtig und sicher seinen Renault samt Trailer und 9 Autos im Gepäck über die Beladerampe stoppte.
Dann ging es aber auch zügig los. Einen kleinen Umweg um die Polizeiposten am Stadtausgang von Klaipeda musste aber drin sein. Und nach etwa 3,5h Fahrt und einem kurzen Stopp, um das von den Autos abgezwackte Benzin und Diesel an die Freundin zu übergeben, waren wir dann auch schon in Kaunas.
An einer Raststätte ausgestiegen lief ich Stadtauswärts in ein Naturschutzgebiet und suchte mir gegen Abend ein nettes Plätzchem im Wald.
Am nächsten Morgen machte ich mich dann auf den Weg in die Stadt. Ich deckte mich mit Getränken und Lebensmitteln ein, kaufte mir meine Busfahrkahrte nach Moskau und machte mich auf den Weg stadtauswärts einen Platz für die nächste Nacht zu finden. Zufälligerweise fand ich diesen gleich neben dem Botanischen Garten an einem alten Schloss mit einem netten kleinen Teich, an dem Kinder angelten. Hier lies es sich aushalten. Ich ruhte mich aus, baute mein Zelt unter einer alten Buche auf und schlief hervorragend. Den nächsten Morgen verbrachte ich im Botanischen Garten, nachdem ich mich mit einigen Studentinnen über die Gegend unterhalten hatte.
Rechtzeitig aufgebrochen hatte ich noch ausreichend Zeit eine Runde im Neris (Fluss) zu schwimmen, einige meiner Sachen zu waschen (natürlich abseits des Flusses!) und trocknen zu lassen. Es war sehr warm gewesen und ich hatte schon 2 meiner 3 T-Shirt beim Wandern so nass geschwitzt, dass die Salzränder deutlich zu erkennen waren.
Am späten Nachmittag freute ich mich dann endlich in den etwa 2h verspäteten Bus nach Moskau zu steigen, um das große Abenteuer Russland zu beginnen.
Ergänzungen folgen....
da ich vor meiner Reise viele hilfreiche Tipps und Anregungen in diesem Forum erhalten habe, möchte ich euch meine Erfahrungen und Erlebnisse nicht vorenthalten.
Meine Reise ging vom 06.06. bis 14.07.2011 von Kiel bis zum Altai und zurück. Dabei nutzte ich alle gängigen Verkehrsmittel: Fähre, Mietwagen, Bus, Minibus, Bahn, Trampen und Flugzeug. Wer zu Reiseabschnitten, Regionen oder Verkehrsmitteln oder wo auch immer spezielle Fragen zu hat, den bitte ich diese einfach mir zu stellen, da ich sicher nicht alles in einem Post berichten kann. Ich anworte gerne.
Route in Kurzform:
Von Kiel (06.06.) bin ich mit der Fähre nach Klaipeda (Litauen) gefahren (22h). Auf der Fähre habe ich mich mit den AUtoschiebern unterhalten und eine Mitfahrt nach Kaunas (07.06.) (Litauen) gesichert.
Nach 2 Tagen geplanten Aufenthaltes in Kaunas (09.06.) bin ich mit dem Bus nach Moskau (22h) gereist. Der Bus kam aus Deutschland und es waren Leute mit verschiedenen Hintergründen "an Bord" - von Familie über heimreisender Arbeiter aus England bis Deutsch-Russische Babuschka...
In Moskau (10.06.) nutzte ich die Metro, um zur Autovermietung zu kommen. Mit dem Mietwagen holte ich 2 Freunde vom Flughafen Domodedowo ab. Gemeinsam ging es dann Richtung Süden: Voronesch (11.06.), Saratow (12./13.06.), Volgograd (14.06.), Astrakan (16.06.), Krasnodar (17.06.). Von dort ist der erste Freund zurück geflogen (18.06.).
Dann fuhren wir einen kleinen Schlenker durch den Vor-Kaukasus über Novorosiisk (19.06.), Tuapse, Maikop zurück nach Krasnodar (21.06.). Von dort ging es nach Westen auf die Russische Seite der Kerch'er Enge und Richtung Norden an der Asows'schen Meeresküste über Eisk und Asow bis nach Rostov (22.06.). Zurück in Krasnodar (24.06.) gaben wir das Auto ab und fuhren mit dem Zug nach Adler (südl. von Sotschi, 25.06.). Von Adler nahmen wir den Bus nach Kranaja Poljana (Skiregion für die Olymp. Spiele 2014).
Dort wanderten wir 4 Tage in den Bergen (28.06.). Daraufhin fuhren wir mit dem Bus nach Sotschi und erholten uns da ein paar Tage beim Flanieren am schwarzen Meer (01.07.).
Mit dem Zug ging es in einer Nacht nach Rostov(02.07.), von wo aus mein zweiter Reisebegleiter zurück flog(03.07.).
Ich startete von dort das Trampen mit einem Rückflugticket am 14.07. ab Tjumen nach Hamburg im Gepäck.
Die Strecke, die ich per Anhalter zurücklegte, ging über Volgograd (04.07.), Saratov, Samara (05.07.), Ufa, Tscheljabinsk, Kurgan (06.07.), Omsk (07.07.), Novosibirsk bis nach Barnaul (08.07.).
In Barnaul setzte ich mich in den Bus nach Gorno Altaisk und wanderte einige Kilometer Altai-aufwärts in den Bergen für 3 Tage (11.07.). Mit dem Bus ging es zurück nach Novosibisrk (12.07.). Dort nahm ich die Transsib-Eisenbahn (Zug 01: Wladivostok - Moskau, 3. Klasse) nach Tjumen (13.07.). In Tjumen nahm ich mir ein Taxi zum Flughafen und flog zurück nach Deutschland (14.07.).
Motivation der Reise
Unüberwindbare Weiten, tausende Quadratkilometer unerschlossene Gebiete, nicht zu erklimmende Berge, wilde reissende Flüsse und ein unbeschränktes landwirtschaftliches Potenzial. So stellte ich mir Russland - neben außerhalb der für mich wenig interessanten und mehr oder weniger geschichtsträchtigen, der schönen oder auch hässlichen Städte - vor, bevor ich meine Reise antrat.
Was mich antrieb, das war die Neugierde und das Abendteuer. Die Neugierde meine Erwartungen erfüllt zu wissen oder auch zu widerlegen und das Abenteuer, das Land, von dem so viele Abstand nehmen, weil es zu unerschlossen, zu groß, zu weitläufig...., oder auch zu gefährlich ist, zu erkunden.
Vor dem Hintergrund meines landwirtschaftlichen Studiums und dem Bewusstsein über die Knappheit der für die Landwirtschaftlichen Produktion zur Verfügung stehenden Flächen in Westeuropa interessierte mich auch, inwiefern die Produktion in Russand gesteigert werden kann - durch Intensivierung und Bewirtschaftungs-Optimierung sowie durch Inkulturnahme von Brache - , um die Ernährung der Weltbevölkerung in den nächsten Jahrzehnten zu sichern. Zusätzlich wollte ich herausfinden, ob Russland für mich als potenzieller Arbeitsmarkt in Frage kommt.
Nicht zu vergessen erhoffte ich auch ein wenig Erholung, vielleicht besser Ablenkung, von meinem Studium, das ich jetzt abschließe. Und somit war es wahrscheinlich auch eine gute, vielleicht die letzte Möglichkeit für mich, diesem Wunsch nachzugehen. Denn mit Job und Familie wird so eine Reise in Zukunft wahrscheinlich schwer zu vereinbaren sein...
1. Reiseabschnitt: Kiel - Kaunas
Die Fähre stellt ein Fortbewegungsmittel dar, das sich nur langsam seinem Ziel nähert. Somit hat man viel Zeit sich mental darauf vorzubreiten, was einem nach seiner Ankunft erwartet. Zusätzlich kann man so für einen Appel und nen Ei (35€) die Distanz von Kiel nach Klaipeda überwinden. Das gefiehl mir besonders daran.
Mit guten Erinnerungen an vorherige Fahrten auf dieser Route stieg ich vertraut in Kiel ein, nachdem ich meiner Freundin den Abschiedskuss gab. Mir war bewusst, dass die preiswerten Pullmann-Liegesitze in einem Großraumabteil stehen, indem sich nachts geizige allzu korrekte Rentner über an-/betrunkene Litauische LKW-Fahrer aufregen. Dazu kamen die geschätzten 50 Rocker, die zu einem Festival bei Klaipeda mit ihren Motorädern fuhren. Aus diesem Grunde zog ich es vor außendecks zu übernachten und bereitete mir einen Schlafplatz auf dem Sonnendeck, nachdem ich mich mit Litauischen LKW-Fahrern, einem Litauischen Heimfahrer, der in Wales gearbeitet hatte und ein paar deutschen Touristen, die an der Litauischen Küste mit dem Fahrrad entlang fahren wollten, unterhalten und mir eine Mitfahrt bei einem Autoschieber besorgt hatte. Insgesamt waren 18 LKW mit Trailern und beladen mit Schrott-Autos aus Westeuropa auf der Fähre - sozusagen eine Mitfahrt-Garantie in den gesamten baltischen Raum!
Die Nacht war doch etwas hart auf meiner 5mm dicken Isomatte über den Stahlblechen des Fähr-Decks (bei Waldboden kein Problem) und der Wind vor der Küste Litauens/Königsbergs brachte mir am nächsten Morgen doch etwas Kälte in meinen Schlafsack. Aber ich bin mir sicher: In den Pullmann-Sitzen hätte ich nicht besser geschlafen! Dies wurde mir nocheinmal besonders bewusst, als in mitten der Nacht eine Frau an mir vorbei schlich und es mir gleich tat. Sie hatte sicher schon versucht im Großraumabteil an den Schultern eines vielleicht Schwedischen Rockers zu schlafen...
Rechtszeitig aufgestanden (4:30) bewunderte ich den Sonnenaufgang, die Frachtschiffe sowie ein U-Boot, aß mein vom Festland mitgebrachtes Frühstück und suchte mir ein halbwegs sauberes Waschbecken, um meine Zähne zu putzen und mich etwas frisch zu machen.
Wie unschwer am Geruch und anhand kleiner Seen von Erbrochenem auf den Gängen und Toiletten unter Deck zu erkennen war, hatte der Alkohol einigen meiner Mitreisenden am vorherigen Abend sehr zugesagt (oder sie sind seekrank geworden, obwohl die Fähre wie ein Brett im Wasser lag ;-)). Aber das kannte ich schon von vorherigen Fahrten mit dieser Linie...
Ich machte mir da nichts draus und unbekümmert ging ich wieder auf das Sonnendeck, um dem näherkommenden Baltikum entgegen zu fiebern.
Endlich gegen Mittag angekommen, machte packte ich meine Sachen zusammen und lief mit meiner Mitfahrgelegenheit (ich nenne ihn Andrej obwohl er anders hies) zu den Auto-Decks. Dort starteten die Rocker noch ein kleines Konzert mit ihren Feuerstühlen und brausten davon.
Da die LKWs rückwärts von der Fähre muessen, dauerte es etwa bis wir an der Reihe waren und Adrej vorsichtig und sicher seinen Renault samt Trailer und 9 Autos im Gepäck über die Beladerampe stoppte.
Dann ging es aber auch zügig los. Einen kleinen Umweg um die Polizeiposten am Stadtausgang von Klaipeda musste aber drin sein. Und nach etwa 3,5h Fahrt und einem kurzen Stopp, um das von den Autos abgezwackte Benzin und Diesel an die Freundin zu übergeben, waren wir dann auch schon in Kaunas.
An einer Raststätte ausgestiegen lief ich Stadtauswärts in ein Naturschutzgebiet und suchte mir gegen Abend ein nettes Plätzchem im Wald.
Am nächsten Morgen machte ich mich dann auf den Weg in die Stadt. Ich deckte mich mit Getränken und Lebensmitteln ein, kaufte mir meine Busfahrkahrte nach Moskau und machte mich auf den Weg stadtauswärts einen Platz für die nächste Nacht zu finden. Zufälligerweise fand ich diesen gleich neben dem Botanischen Garten an einem alten Schloss mit einem netten kleinen Teich, an dem Kinder angelten. Hier lies es sich aushalten. Ich ruhte mich aus, baute mein Zelt unter einer alten Buche auf und schlief hervorragend. Den nächsten Morgen verbrachte ich im Botanischen Garten, nachdem ich mich mit einigen Studentinnen über die Gegend unterhalten hatte.
Rechtzeitig aufgebrochen hatte ich noch ausreichend Zeit eine Runde im Neris (Fluss) zu schwimmen, einige meiner Sachen zu waschen (natürlich abseits des Flusses!) und trocknen zu lassen. Es war sehr warm gewesen und ich hatte schon 2 meiner 3 T-Shirt beim Wandern so nass geschwitzt, dass die Salzränder deutlich zu erkennen waren.
Am späten Nachmittag freute ich mich dann endlich in den etwa 2h verspäteten Bus nach Moskau zu steigen, um das große Abenteuer Russland zu beginnen.
Ergänzungen folgen....