Schnellkurs in Russisch erwünscht?
Verfasst: 09 Okt 2011, 11:11
Mit großer Verspätung habe ich erst jetzt das Thema „Seit Ihr russifiziert“ entdeckt. – leider. Ich konnte dieses Thema gar nicht schnell genug durchblättern um weitere Russifizierungsmerkmale zu finden (und auch auf mich anzuwenden). Ich habe in den letzten Jahren selten so „genüßlich“ „Literatur“ gelesen und mich dabei köstlich amüsiert. Vieles, sehr vieles trifft die Sache auf den Punkt. Man sollte sich dieses Thema merken und von Zeit zu Zeit immer wieder reinschauen (und ergänzen).
Ich möchte hier eine kleine – vermutlich weniger lustige – Ergänzung vorschlagen. Einen Kurzkurs für Nichtkenner der russischen Sprache, die aber möglichst schnell einen Stammwortschatz erwerben wollen.
Ich mache mir immer einen kleinen Spaß mit meinen Besuchern in Kaliningrad, welche nach ihrer Ankunft oft bedauern, daß sie leider kein Russisch verstehen. Man kann nichts kaufen, man weiß nicht wo man sich befindet. In Restaurants ist das Menü ein Buch mit sieben Siegeln. Vieles klappt in der Verständigung zwar trotzdem, wenn man mit Händen und Füßen redet und ein Blatt Papier und Bleistift dabei hat, aber eben nicht alles. Russisch lernen ist natürlich nicht notwendig und vermutlich auch viel zu aufwendig, wenn man nur mal für ein paar Tage nach Kaliningrad kommen oder in irgendeiner anderen russischen Stadt ein paar Tage ausspannen will. Viele lernen aber trotzdem ein paar grundlegende Wörter der Sprache des Landes, in das sie fahren. Dies ist sicher eine Frage der Höflichkeit, aber auch der Achtung dem Lande gegenüber. Ich biete meinen Gästen immer einen Schnellkurs in russischer Sprache an. Ich verspreche meinen „Schülern“, daß sie alle zwei Sekunden ein russisches Wort lernen und nicht mehr vergessen und auch so gut wie akzentfrei aussprechen können. Alle schauen mich immer ungläubig an. Ich biete keine Wette an, weil ich hundertprozentig weiß, daß ich diese Wette gewinne, einfach aus der Tatsache heraus, daß ich einige Besonderheiten der russischen Sprache kenne. Diese Besonderheiten der Sprache haben ihren Ursprung in der Zeit Peters des Großen. Bekanntlich war Peter ein sehr großer Freund der Deutschen. Er holte viele Spezialisten, aber auch einfache Leute aus deutschen Landen und siedelte diese in Rußland an, um sowohl Kultur wie auch Entwicklung in seinem Lande voranzubringen. Daher rührt auch die Problematik der Rußlanddeutschen. Deren historische Wurzeln liegen also über dreihundert Jahre zurück. Ich persönlich gehöre nun schon wieder zu einer völlig neuen Generation von Rußlanddeutschen. Aber das nur nebenbei.
Und so kam es auch, daß viele deutsche Vokabeln einfach unkorrigiert und nicht übersetzt ins Russische übernommen wurden. Hier nun also im Schnellkurs eine kleine Auswahl von Wörtern, die im russischen völlig identisch sind mit den deutschen Wörtern. Vergessen sie nicht, auf die Uhr zu schauen – alle zwei Sekunden ein neues Wort und weil ich das Wort Uhr erwähnt habe, beginnen wir gleich mit dem Wort „Zifferblatt“ welches auf russisch auch Zifferblatt heißt und setzten fort: Wunderkind, Landschaft, Eisberg, Rucksack, Schlagbaum, Stuhl, Schrift, Stempel, Appetit, Bootsmann, Atlas, Ballett, Balkon, Bank, Büro, Direktor, Agent, Lektor, Transport, Schnitzel, Butterbrot.
Bei den letzten beiden Worten möchte ich mir noch eine Anmerkung erlauben, da sie, wenn sie diese Wörter verwenden, nicht genau das bekommen, was sie in Deutschland darunter verstehen. Schnitzel ist in Rußland ein Hackeklops. In Deutschland, wenn ich mich denn recht entsinne, ist dies ein paniertes Stück Fleisch. Wenn sie denn aber in einem Schnellimbiß ein Butterbrot verlangen, so bekommen sie auch ein Stück Brot mit Wurst, Käse, Fisch oder irgendeinem anderen Belag. Aber es ist keine Butter darauf. Also mit anderen Worten: Ein Butterbrot ist eben eine Scheibe Brot, nur ohne Butter, aber mit Belag. Nun werden sie sicher die Frage stellen, ob denn Brot auch Brot und Butter auch Butter im russischen heißt. Nein, so einfach ist die russische Sprache nun auch wieder nicht. Brot heißt Chleb und Butter heißt Maslo.
Außer diesen klassischen Wörtern gibt es noch eine Reihe moderner Wörter, die aus der deutschen oder der englischen oder der französischen Sprache übernommen wurden. Hier herrscht leider die gleiche „Mode“ wie in Deutschland, wenn wir von den sogenannten Amerikanismen sprechen. Wo wir als Deutsche einfach nur zu faul sind, uns ein eigenes Wort in deutsch zu bilden, wenn es doch so einfach ist, das englische Wort zu übernehmen.
Ein interessantes Beispiel aus der russischen Sprache möchte ich ihnen aber dennoch schildern. Das Wort „Bistro“. Frage an Sie: Aus welcher Sprache kommt dieses Wort? Sie werden sicher sofort antworten, daß dies ein typisch französisches Wort ist und liegen damit völlig verkehrt. Dieses Wort kommt nämlich aus der ureigensten russischen Sprache und zwar vom Wort „bystro“, was übersetzt „schnell“ heißt. Dieses Wort haben die französischen Truppen während der napoleonischen Kriege aus Rußland „evakuiert.“ Die französischen Truppen mußten immer schnell verpflegt werden, also „bystro, bystro“ und so formierte sich als Inbegriff für ein schnelles Essen eben „Bistro“ und so wurde dieses Wort als „Beute“ nach Frankreich mitgenommen und wurde so zu einem Markenzeichen für Frankreich und schnelle französische Küche.
Soweit zur Vorrede.
Wer kann die Wortliste ergänzen?
Wer kann generell etwas interessantes zum Thema russische Sprache beitragen?
Wer hat vielleicht einen Fehler in meinem Vorhergesagten entdeckt?
Wie habt Ihr die russische Sprache gelernt?
Uwe Niemeier
Ich möchte hier eine kleine – vermutlich weniger lustige – Ergänzung vorschlagen. Einen Kurzkurs für Nichtkenner der russischen Sprache, die aber möglichst schnell einen Stammwortschatz erwerben wollen.
Ich mache mir immer einen kleinen Spaß mit meinen Besuchern in Kaliningrad, welche nach ihrer Ankunft oft bedauern, daß sie leider kein Russisch verstehen. Man kann nichts kaufen, man weiß nicht wo man sich befindet. In Restaurants ist das Menü ein Buch mit sieben Siegeln. Vieles klappt in der Verständigung zwar trotzdem, wenn man mit Händen und Füßen redet und ein Blatt Papier und Bleistift dabei hat, aber eben nicht alles. Russisch lernen ist natürlich nicht notwendig und vermutlich auch viel zu aufwendig, wenn man nur mal für ein paar Tage nach Kaliningrad kommen oder in irgendeiner anderen russischen Stadt ein paar Tage ausspannen will. Viele lernen aber trotzdem ein paar grundlegende Wörter der Sprache des Landes, in das sie fahren. Dies ist sicher eine Frage der Höflichkeit, aber auch der Achtung dem Lande gegenüber. Ich biete meinen Gästen immer einen Schnellkurs in russischer Sprache an. Ich verspreche meinen „Schülern“, daß sie alle zwei Sekunden ein russisches Wort lernen und nicht mehr vergessen und auch so gut wie akzentfrei aussprechen können. Alle schauen mich immer ungläubig an. Ich biete keine Wette an, weil ich hundertprozentig weiß, daß ich diese Wette gewinne, einfach aus der Tatsache heraus, daß ich einige Besonderheiten der russischen Sprache kenne. Diese Besonderheiten der Sprache haben ihren Ursprung in der Zeit Peters des Großen. Bekanntlich war Peter ein sehr großer Freund der Deutschen. Er holte viele Spezialisten, aber auch einfache Leute aus deutschen Landen und siedelte diese in Rußland an, um sowohl Kultur wie auch Entwicklung in seinem Lande voranzubringen. Daher rührt auch die Problematik der Rußlanddeutschen. Deren historische Wurzeln liegen also über dreihundert Jahre zurück. Ich persönlich gehöre nun schon wieder zu einer völlig neuen Generation von Rußlanddeutschen. Aber das nur nebenbei.
Und so kam es auch, daß viele deutsche Vokabeln einfach unkorrigiert und nicht übersetzt ins Russische übernommen wurden. Hier nun also im Schnellkurs eine kleine Auswahl von Wörtern, die im russischen völlig identisch sind mit den deutschen Wörtern. Vergessen sie nicht, auf die Uhr zu schauen – alle zwei Sekunden ein neues Wort und weil ich das Wort Uhr erwähnt habe, beginnen wir gleich mit dem Wort „Zifferblatt“ welches auf russisch auch Zifferblatt heißt und setzten fort: Wunderkind, Landschaft, Eisberg, Rucksack, Schlagbaum, Stuhl, Schrift, Stempel, Appetit, Bootsmann, Atlas, Ballett, Balkon, Bank, Büro, Direktor, Agent, Lektor, Transport, Schnitzel, Butterbrot.
Bei den letzten beiden Worten möchte ich mir noch eine Anmerkung erlauben, da sie, wenn sie diese Wörter verwenden, nicht genau das bekommen, was sie in Deutschland darunter verstehen. Schnitzel ist in Rußland ein Hackeklops. In Deutschland, wenn ich mich denn recht entsinne, ist dies ein paniertes Stück Fleisch. Wenn sie denn aber in einem Schnellimbiß ein Butterbrot verlangen, so bekommen sie auch ein Stück Brot mit Wurst, Käse, Fisch oder irgendeinem anderen Belag. Aber es ist keine Butter darauf. Also mit anderen Worten: Ein Butterbrot ist eben eine Scheibe Brot, nur ohne Butter, aber mit Belag. Nun werden sie sicher die Frage stellen, ob denn Brot auch Brot und Butter auch Butter im russischen heißt. Nein, so einfach ist die russische Sprache nun auch wieder nicht. Brot heißt Chleb und Butter heißt Maslo.
Außer diesen klassischen Wörtern gibt es noch eine Reihe moderner Wörter, die aus der deutschen oder der englischen oder der französischen Sprache übernommen wurden. Hier herrscht leider die gleiche „Mode“ wie in Deutschland, wenn wir von den sogenannten Amerikanismen sprechen. Wo wir als Deutsche einfach nur zu faul sind, uns ein eigenes Wort in deutsch zu bilden, wenn es doch so einfach ist, das englische Wort zu übernehmen.
Ein interessantes Beispiel aus der russischen Sprache möchte ich ihnen aber dennoch schildern. Das Wort „Bistro“. Frage an Sie: Aus welcher Sprache kommt dieses Wort? Sie werden sicher sofort antworten, daß dies ein typisch französisches Wort ist und liegen damit völlig verkehrt. Dieses Wort kommt nämlich aus der ureigensten russischen Sprache und zwar vom Wort „bystro“, was übersetzt „schnell“ heißt. Dieses Wort haben die französischen Truppen während der napoleonischen Kriege aus Rußland „evakuiert.“ Die französischen Truppen mußten immer schnell verpflegt werden, also „bystro, bystro“ und so formierte sich als Inbegriff für ein schnelles Essen eben „Bistro“ und so wurde dieses Wort als „Beute“ nach Frankreich mitgenommen und wurde so zu einem Markenzeichen für Frankreich und schnelle französische Küche.
Soweit zur Vorrede.
Wer kann die Wortliste ergänzen?
Wer kann generell etwas interessantes zum Thema russische Sprache beitragen?
Wer hat vielleicht einen Fehler in meinem Vorhergesagten entdeckt?
Wie habt Ihr die russische Sprache gelernt?
Uwe Niemeier