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Präsidentschaftswahl 2012, die Kandidaten

Verfasst: 12 Dez 2011, 21:01
von Gunnar
Wladimir Putin bekommt Konkurrenz. Drei Monate vor der Präsidentenwahl kündigt der Oligarch Michail Prochorow überraschend seine Kandidatur an. Der Multimilliardär könnte Russlands mächtigstem Mann tatsächlich gefährlich werden.
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0 ... 19,00.html

Das könnte ein sehr geschickter Schachzug sein. Allerdings weiß ich wenig bis gar nix über diesen Oligarchen.

Es gibt verschiedene Gedankenspiele:

1. Wenn Putin ihn wie Chodorkovsky umgehend mit Strafverfolgungen "aus dem Weg" räumen läßt wäre das ein weitere Beleg für die politische Motivation auch bei Chodorkovsky
2. Prochorow hat so viel Dreck am Stecken dass er jetzt seine Kandidatur nur deswegen anbringt, um weitere Strafverfolgungen gegen sich zu verhindern, weil er weiß, dass der Westen aufschreien würden, wenn er plötzlich auch in Haft ginge
3. Es ist mit ER abgekartet um allen zu zeigen: Seht her, bei uns darf auch ein Oligarch ohne Verfolgungsdruck kandidieren, also sitzt Chodorkovsky eben doch zu recht
4. Er wittert Morgenluft und sieht, dass es an Finanzen und Führungspersonen fehlt, so dass er vielleicht wirklich eine Chance hätte

Re: Präsidentschaftswahl 2012, die Kandidaten

Verfasst: 12 Dez 2011, 23:12
von zimdriver
... welch selbstloser Retter, der Herr Prochorow ... Der hat Russland gerade noch gefehlt.

Re: Präsidentschaftswahl 2012, die Kandidaten

Verfasst: 13 Dez 2011, 00:45
von Jurij
1. Putin hat keine Gründe ihn aus dem Weg zu räumen. Prochorow ist kein US-Lakai und die Justiz verfolgt ihn auch nicht.
2. Immunität würde ihm nichts bringen, wenn der Kreml ihn entmachtet wollen würde, siehe Luschkow.
3. Man würde sich ins eigene Fleisch schneiden, wenn Straftaten über Prochorow aufgedeckt werden und er nicht, wie Chodorkowski, bestraft wurde.
4. Langfristig gesehen könnte das sein. Der Kreml lässt wohl einen loyalen ran, damit er bei den pro-westlichen Liberalen Stimmem abgrast.

Re: Präsidentschaftswahl 2012, die Kandidaten

Verfasst: 13 Dez 2011, 02:53
von GIN
Jurij, wieso benutzt du ständig die USA als Messlatte?, die sind noch nur noch eine Grossmacht und haben De facto jedes Jahr immer weniger Einfluss.
Dann die Frage an Dich, bist Du Anhänger der Demokratie in heutiger Form? also für eine Diktatur der Mehrheit?

Re: Präsidentschaftswahl 2012, die Kandidaten

Verfasst: 13 Dez 2011, 12:28
von Dietrich
J.Eckel hat geschrieben:Jurij, wieso benutzt du ständig die USA als Messlatte?, die sind noch nur noch eine Grossmacht und haben De facto jedes Jahr immer weniger Einfluss.
Wen soll man sonst als Messlatte benutzen? Die USA ist nunmal immerhin noch genau da, wo die Russen gerne wären. Mit Europa und seinen zwischenstaatlichen Problemen ist Russland schlecht vergleichbar. Und China oder Indien? Da sind die Russen von ihrer Art her noch viel weiter entfernt.

Wen schlägst du vor? Oder bist du gegen jede Messlatte, da Russland ja seinen eigenen Weg gehen muss? Was aber nicht gegen eine Messlatte spricht, denn auch nachdem Dick Fosbury den Hochsprung mit "seinem Weg" revolutionierte, wurde weiterhin die Höhe der Latte in cm als Maßstab genommen.
Dann die Frage an Dich, bist Du Anhänger der Demokratie in heutiger Form? also für eine Diktatur der Mehrheit?
Gibt es für dich da irgendwelche lebenswerten Alternativen?

Re: Präsidentschaftswahl 2012, die Kandidaten

Verfasst: 13 Dez 2011, 14:18
von GIN
A. Es geht hier um Demokratie und um demokratische Spielregeln. Meine Messlatte ist immer das beste System, also die Beziehung von meinem Punkt zum besten System. Bis jetzt, kenne ich kein besseres System als die direkte Demokratie in der Schweiz. Russland sollte sich an diesen Punkt orientieren.
Das 2-ParteienSystem in den USA mit diesem merkwürdigen Wahlsystem ist für mich keine Messlatte, es ist so, als ob ich einen Ottomotor aus dem Jahr 1910 mit einem heutigen Motor von VW vergleiche, beide sind aber Ottomotoren.
Auch in Punkt Innovation ist die USA für mich keine Messlatte, der Innovations-Weltmeister ist die Schweiz, ich kenne bis auf die bekannten angebissenen Äpfel und FInanzprodukte fast nichts innovatives in den USA; wo ist der ökologische Dämmstoff? wo die PLA Forschung usw? und wenn doch etwas mal aus einer US-Denkanstalt kommt, so ist es meistens von jemanden aus einem "anderen" Bildungssystem.
Hier ist auch mein Kritikpunkt zu Skolkowo gewesen, es wurde viel zu sehr auf eine US-Copy geschaut, Vekselberg konnte es aber in die Richtung Schweiz drehen, was schon mal sehr gut ist.


B. Es gibt kein anderes System das besser ist als die Demokratie, mir ist keins bekannt.

Re: Präsidentschaftswahl 2012, die Kandidaten

Verfasst: 13 Dez 2011, 15:20
von Dietrich
J.Eckel hat geschrieben:A. Es geht hier um Demokratie und um demokratische Spielregeln. Meine Messlatte ist immer das beste System, also die Beziehung von meinem Punkt zum besten System. Bis jetzt, kenne ich kein besseres System als die direkte Demokratie in der Schweiz. Russland sollte sich an diesen Punkt orientieren.
Bei derartigen Vergleichen muss man aber auch immer die Vorraussetzungen und die umgebenden Faktoren betrachten.
Was in der Schweiz mit ihren 8 Mio Einwohnern und der recht überschaubaren Größe sehr gut funktioniert, dass kann man wohl nicht so ohne weiteres auf Russland übertragen.

Das heisst nicht, dass man es, wie die Russen es gerne machen, genau umgekehrt machen muss, sondern man sollte schon die Dinge auf ihre Tauglichkeit überprüfen. Aber das sollte man eben auch mit Dingen machen, die in der USA "funktionieren". Auch wenn diese auf den ersten Blick vielleicht eher suboptimal erscheinen.
J.Eckel hat geschrieben:B. Es gibt kein anderes System das besser ist als die Demokratie, mir ist keins bekannt.
Dann sind wir da ja einer Meinung!

Re: Präsidentschaftswahl 2012, die Kandidaten

Verfasst: 13 Dez 2011, 17:02
von zimdriver
J.Eckel hat geschrieben:[.... Bis jetzt, kenne ich kein besseres System als die direkte Demokratie in der Schweiz. Russland sollte sich an diesen Punkt orientieren......
... dass die Wahlen fuer Auslaender schwer durchschaubar sind, macht nichts ...

Re: Präsidentschaftswahl 2012, die Kandidaten

Verfasst: 13 Dez 2011, 20:27
von Jurij
J.Eckel hat geschrieben:Jurij, wieso benutzt du ständig die USA als Messlatte?, die sind noch nur noch eine Grossmacht und haben De facto jedes Jahr immer weniger Einfluss.
Dann die Frage an Dich, bist Du Anhänger der Demokratie in heutiger Form? also für eine Diktatur der Mehrheit?
Ich benutze die USA doch nicht als Messlatte. Dass deren Einfluss immer mehr sinkt, ist wohl allen klar. Und was soll die Demokratie heutiger Form für sie sein? Es gibt doch von Land zu Land Unterschiede. Die Frage ist doch auch, ob es im Kapitalismus eine 100%ige Volksherrschaft überhaupt geben kann, oder ob das Ganze nicht doch eher Plutokratie oder Lobbykratie genannt werden sollte. Die Demokratie sollte meiner Meinung nach entweder basis-demokratisch sein, oder es sollten in einer Demokratie Leute die Macht haben, die volksnah und souverän sind. Im Westen ist das natürlich selten der Fall.

Re: Präsidentschaftswahl 2012, die Kandidaten

Verfasst: 14 Dez 2011, 02:09
von GIN
Jurij hat geschrieben:
J.Eckel hat geschrieben:Jurij, wieso benutzt du ständig die USA als Messlatte?, die sind noch nur noch eine Grossmacht und haben De facto jedes Jahr immer weniger Einfluss.
Dann die Frage an Dich, bist Du Anhänger der Demokratie in heutiger Form? also für eine Diktatur der Mehrheit?
Ich benutze die USA doch nicht als Messlatte. Dass deren Einfluss immer mehr sinkt, ist wohl allen klar. Und was soll die Demokratie heutiger Form für sie sein? Es gibt doch von Land zu Land Unterschiede. Die Frage ist doch auch, ob es im Kapitalismus eine 100%ige Volksherrschaft überhaupt geben kann, oder ob das Ganze nicht doch eher Plutokratie oder Lobbykratie genannt werden sollte. Die Demokratie sollte meiner Meinung nach entweder basis-demokratisch sein, oder es sollten in einer Demokratie Leute die Macht haben, die volksnah und souverän sind. Im Westen ist das natürlich selten der Fall.
Das ROte macht mir Angst, ich gebe einer Gruppe von Menschen meine Stimme und sie kann für einige Jahre machen was sie will. Mir fehlt die Kontrolle, ich will meine Freibriefe kontrollieren, das geht nach meiner Meinung nur mit Volksabstimmungen.