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"Revolution" ist gescheitert

Verfasst: 07 Mär 2012, 16:55
von Dietrich
So sehr sich jetzt auch von allen oppositionellen Seiten über die Wahlen aufgeregt wird, die Chance zum sofortigen Wandel durch eine Niederlage Putins ist vertan. Auch wenn die 63,x % nicht alle "echt" sind, so wird sich die Behauptung, dass Putin eigentlich unter 50% erhalten hat, nicht beweisen lassen, noch ist sie unbedingt realistisch.

Mit vielen "wenns" und "müss(t)en"
storona hat geschrieben:Es müssen alle Parteien registriert werden. Es müssen alle Präsidentschaftskandidaten zugelassen werden. Es muss einen Wahlkampf geben - fair, mit gleicher Anzahl und Länge der TV-Auftritten, gleicher TV-Sendezeit und den Debatten, wo die Wähler die Kandidaten miteinander diskutieren hören und ihre Entscheidung selber treffen können. Alle Kandidaten müssen gleichen Zugang zu allen Wahlkampagnemitteln wie TV, Tageszeitungen und Billboards haben
http://forum.aktuell.ru/viewtopic.php?f ... 80#p137690
lässt sich zwar eine Niederlage Putins herbeireden, doch wird dies keine wirklichen Auswirkungen haben. Auch wenn es natürlich u.U. korrekt ist.

Aussage meiner Schwiegermutter am Montag: "Glücklicherweise hat Putin gewonnen, so das jetzt wieder Stabilität herrscht". Was soll man dazu sagen?

Fakt ist aber auch:
Bei gesellschaftlich wichtigen Bevölkerungsschichten hat Putin keine Mehrheit mehr. Noch nicht mal insgesamt in Moskau oder St. Petersburg gesehen. Da müsste Putin jetzt schon beide Augen ganz fest zudrücken (noch weiter als bis die Tränen kommen!), dass er einfach darüber hinweggehen kann.
Er hat sehr umfangreiche Versprechungen gemacht, die kaum zu finanzieren sind.
Er hat auch andere Dinge versprochen, um die Opposition zu beruhigen.

An alle diese Versprechen muss er jetzt täglich erinnert werden. Die Opposition muss jetzt dringend weg von eingeschnappten "Russia bes Putina"-Rufen und den Leuten jetzt zeigen, dass Putins Versprechungen nicht ehrlich waren. Sie werden wohl oder übel für eine Weile in die Opposition gehen müssen (auch wenn es leider eine Opposition außerhalb der Duma ist) und sie müssen ihre Taktik ändern. Das ist bitter, da sie gefühlt "so dicht dran" waren, aber leider notwendig.

Sonst sind nach den sehr flauen 15.000 Leuten am Montag bei der nächsten Demo nur noch 10k, dann 5k und in einem halben Jahr können sie ihre "Sa shestnie Viborie"-Demos dann bei Navalni zuhause machen.

Die Aufklärung und Verfolgung der Fälschungen muss zwar weitergehen, aber darauf darf sich die Opposition nicht mehr als einzigstes verlassen.

Diese Runde ging vom Ergebnis her an Putin. Die Opposition muss jetzt dafür sorgen, dass es nur ein Pyrrhussieg für Putin war und nicht weiter nur den schlechten Verlierer spielen.

Re: "Revolution" ist gescheitert

Verfasst: 07 Mär 2012, 18:39
von domizil
Dietrich hat geschrieben: Aussage meiner Schwiegermutter am Montag: "Glücklicherweise hat Putin gewonnen, so das jetzt wieder Stabilität herrscht". Was soll man dazu sagen?
... eigentlich nichts, außer das Du eine kluge Schwiegermutter hast ...
Uwe Niemeier

Re: "Revolution" ist gescheitert

Verfasst: 07 Mär 2012, 19:51
von GIN
so ist nun einmal Demokratie, die Diktatur der Mehrheit.
Diese Mehrheit hat Putin, dieses Gefühl hab ich, kann es leider für mich nicht beweisen, hab es versucht, ging nicht.

Es bleibt eine alte Weissheit von Deutschen in Russland, sie ist mindestens 150 Jahre alt.

"Die Russen verdienen nix anderes"

Re: "Revolution" ist gescheitert

Verfasst: 07 Mär 2012, 19:59
von GIN
Auch finde ich dieses "Revolution" ganz falsch.
Für Russland hätte eine Revolution schreckliche Folgen, es würde die Landkarte Russlands verändern. Ich empfehle lieber Veränderung durch verstärkte Kontakte, so wie es ein Schmidt und Co gemacht haben mit dem Ostblock, lieber Minimallösungen suchen, anders geht es in Russland nicht, vielleicht erst wenn diese korrupten Generationen in 30 bis 40 Jahren aussterben, wobei die russische Jugend mir sogar noch viel mehr Angst macht als die Generation Putin.

Re: "Revolution" ist gescheitert

Verfasst: 07 Mär 2012, 20:24
von Apollo
Ich weiss gar nicht was ihr wollt. Es kommt doch nun so etwas wie Bewegung in die Sache. Das an sich ist doch schon einmal positiv.

"Beide" Seiten sind nun gefordert. Putin muss seine Versprechungen finanzieren können, eine mögliche Alternative muss sich finden, positionieren und als Gegenentwurf weiter arbeiten. Revolution ist ein Prozess und keine ergeinisinduzierte Erscheinung.

Die Mehrheit, die Budgetniki, sind hinter Putin, die für eine Entwicklung wichtigen Gruppen einer Gesellschaft aber nicht. Irgendwann sterben die Budgetniki aus.

Re: "Revolution" ist gescheitert

Verfasst: 07 Mär 2012, 21:39
von Dietrich
Apollo hat geschrieben:Die Mehrheit, die Budgetniki, sind hinter Putin, die für eine Entwicklung wichtigen Gruppen einer Gesellschaft aber nicht. Irgendwann sterben die Budgetniki aus.
Wieso sollten die aussterben?
Es kommt doch stetig Nachschub nach. Das sind dann zwar keine Mitglieder der "wichtigen Gruppen", aber das macht ihren Zusammenhalt gegen diese dann eher noch stärker. Solange die Budgetniki die Möglichkeit haben, ihren Teil vom Kuchen abzukriegen, solange wird es welche geben.
Und jetzt wo bewusst geworden ist, wie wichtig Arbeiter von quasi staatsfinanzierten Firmen sind, da wäre man ja blöd, wenn man Firmen privatisiert und so vom Tropf des Staates abnabelt.

So gut wie alle Veränderungen die von der Opposition gefordert werden, schwächen Putin in direkter Art und Weise. Und da dieser frühstens in 6 Jahren bereit ist, seine Macht an jemanden weiterzugeben (den er selbst auswählt), werden alle Veränderungen sehr mühsam erkämpft werden müssen.
Erst wenn der Imageschaden durch Nichteinlösung eines solchen Versprechens für Putin größer erscheint als der dadurch entstandene "Schaden", wird es eingelöst werden.

Für Russland ist die Entwicklung u.U. besser als eine so plötzliche Veränderung, wie es ein Wahlverlust Putins gewesen wäre. Aber es muss jetzt eben auch was passieren....

Re: "Revolution" ist gescheitert

Verfasst: 07 Mär 2012, 22:00
von GIN
genau? wieso aussterben? der Nachwuchs ist doch noch viel frecher als die Vatergeneration

Re: "Revolution" ist gescheitert

Verfasst: 07 Mär 2012, 23:30
von St. Germain
J.Eckel hat geschrieben: Es bleibt eine alte Weissheit von Deutschen in Russland, sie ist mindestens 150 Jahre alt.

"Die Russen verdienen nix anderes"
Das finde ich einen dummen Spruch.
Ehr sehe ich das Problem Russland und Selbstbestimmung des Volkes,
was Demokratie eigentlich bedeutet,
darin begründet, dass das russische Volk über Jahrhunderte unterdrückt, ausgebeutet
und seine Gegner rigerous ausgerottet wurden.
Das sitzt tief im Bewußtsein jeder russische Seele und läßt sich nicht so schnell beseitigen.
Das wird Generationen dauern.
Selbst jetzt 60 jährigen "DDR'lern" fällt es wohl , auch nach 20 Jahren Demokratie noch schwer selber Entscheidungen zu treffen und diese nicht "von Oben" vorgegeben zu bekommen.

LG
St. Germain

Re: "Revolution" ist gescheitert

Verfasst: 08 Mär 2012, 02:53
von GIN
Was verdient den der Grossteil der Bevölkerung in Russland? Wohlstand wie in Nordkorea, Japan und der Schweiz? Wieso? Demokratie so wie im Westen und im fernen Osten? Wieso ?

Übrigens der Spruch ist von Graf Lambsdorff, eine Art Lawrow des 19 Jahrhunderts.

Re: "Revolution" ist gescheitert

Verfasst: 08 Mär 2012, 12:27
von pippie
St. Germain hat geschrieben: Selbst jetzt 60 jährigen "DDR'lern" fällt es wohl , auch nach 20 Jahren Demokratie noch schwer selber Entscheidungen zu treffen und diese nicht "von Oben" vorgegeben zu bekommen.
LG
St. Germain
Vorurteile scheinen sich hartnäckig zu halten :(