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KALININGRADER WOCHENBLATT Nr. 20-2012

Verfasst: 19 Mai 2012, 18:43
von domizil
Vorliegendes Thema ist meinerseits der Versuch wöchentlich interessante Informationen aus Kaliningrad zu übermitteln. Ziel ist ein wenig mehr Aufmerksamkeit auf diese Stadt zu lenken – Aufmerksamkeit von privat Interessierten oder von Geschäftsleuten.
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Eines der zentralen Themen ist die Fussballweltmeisterschaft 2018. In der Stadt haben sich zwei Interessengruppen gebildet die öffentlich einen Streit zum Standort des neu zu bauenden Stadions austragen. Diese unangenehmen Diskussionen werden sicher keinen positiven Einfluß auf die Entscheidungen der FIFA zum Austragungsort „Kaliningrad“ haben. Zur Zeit befinden sich folgende Städte in der Entscheidungsliste: Moskau, St. Peterburg, Sotchi, Kasan, Kaliningrad, Krasnodar, Rostow, Jekaterinenburg, Saransk, Jaroslawl, Nishni-Nowgorod, Samara, Wolgograd. Die FIFA empfiehlt 11 Städte und 12 Stadien als Austragungsort.

Begleitet werden diese Streitereien mit öffentlich ausgetragenen Meinungsverschiedenheiten zwischen der Kaliningrader Stadtverwaltung und der Kaliningrader Gebietsregierung. Meiner Meinung nach handelt es sich hier um persönliche Diskrepanzen zwischen dem Gouverneur und dem Bürgermeister. Leider kein Punkt für die Hebung des Images der Stadt und des Gebietes.

In der Presse tauchen gehäuft kritische Artikel auf zur Person des Gouverneurs des Kaliningrader Gebietes. Es halten sich standhaft Gerüchte über die bald bevorstehende Ablösung des Gouverneurs. Unter Berücksichtigung der neuen Gesetzgebung zur Wählbarkeit der Gouverneure können Personalveränderungen noch bis 30.06.2012 durch den Präsidenten vorgenommen werden. Danach entscheidet der Wähler.

Die Kaliningrader Werft „Jantar“ wird noch in diesem Jahr mit dem Bau eines neuen Kriegsschiffes für Indien beginnen. Indien hat bereits in diesem Jahr ein von dieser Werft gebautes Kriegsschiff übergeben bekommen.

Bei einer Zollkontrolle im Grenzübergang Shernyshewskoje (Russland-Litauen im Osten des Kaliningrader Gebietes) wurden im doppelten Boden des Fahrzeuges eines russischen Bürgers 9.000 Packungen Zigaretten einheimischer Produktion gefunden. Da an Landübergängen zu Litauen nur die Mitnahme von 2 Päckchen Zigaretten (40 Stück) gestattet ist nahmen die Zöllner dies zum Anlaß den „Privatexporteur“ wegen Schmuggels festzunehmen.

Am 19. Mai fand in Kaliningrad eine internationale Fahrradtour statt. Eine Reihe von Straßen wurde gesperrt, der Verkehr wurde umgeleitet. Trotz mehrfacher Anläufe ist es bisher in Kaliningrad noch nicht gelungen spezielle Fahrradwege oder Fahrradspuren einzurichten.

In Kaliningrad wird die Entwicklung des Tourismus stark diskutiert. Dies wird eine der Hauptentwicklungsrichtungen für das nächste Jahrzehnt werden. Der Kaliningrader Gouverneur strebt bis 2018 eine Zahl von 8 Millionen Touristen an. Zum heutigen Zeitpunkt hat Kaliningrad ca. 450.000 Touristen. Die Zahl ausländischer Touristen sinkt von Jahr zu Jahr – wird aber kompensiert durch Touristen aus dem „Großen Russland“.

In Kaliningrad geht das „Für“ und „Wider“ zum Thema „Straßenbahn“ weiter. In den vergangenen Jahren wurde ein Großteil der Straßenbahnlinien liquidiert. Jetzt hat man sich entschieden den verbliebenen Straßenbahnpark dessen „modernste“ Straßenbahn vor 30 Jahren aus dem Bestand der ehemaligen DDR gekauft wurde, durch Straßenbahnen aus Weissrussland zu ersetzen.
Uwe Niemeier

Re: KALININGRADER WOCHENBLATT Nr. 20

Verfasst: 21 Mai 2012, 07:13
von Zejtnot
domizil hat geschrieben:In Kaliningrad geht das „Für“ und „Wider“ zum Thema „Straßenbahn“ weiter. In den vergangenen Jahren wurde ein Großteil der Straßenbahnlinien liquidiert. Jetzt hat man sich entschieden den verbliebenen Straßenbahnpark dessen „modernste“ Straßenbahn vor 30 Jahren aus dem Bestand der ehemaligen DDR gekauft wurde, durch Straßenbahnen aus Weissrussland zu ersetzen.
Überall in Russland dasselbe Trauerspiel um die Straßenbahnen ...

Re: KALININGRADER WOCHENBLATT Nr. 20

Verfasst: 21 Mai 2012, 09:25
von bella_b33
Zejtnot hat geschrieben: Überall in Russland dasselbe Trauerspiel um die Straßenbahnen ...
Ich selber hab nur Straßenbahnen in Ulyanovsk und Temirtau/Kasachstan gesehen. In Temirtau war man zu Fuß schneller als die Straßenbahn auf den schlechten verworfenen Gleisen :)

Re: KALININGRADER WOCHENBLATT Nr. 20

Verfasst: 21 Mai 2012, 12:53
von Jenenser
Zejtnot hat geschrieben: Überall in Russland dasselbe Trauerspiel um die Straßenbahnen ...
Ich denke, das Problem liegt in ganz Russland vor allem am veralteten Fuhrpark. Der überwiegende Teil der Straßenbahnen stammt noch aus der Tschechoslowakei (Tatra), die im Rahmen der Arbeitsteilung im RGW (Ostblock) geliefert wurden. Nun gibt es weder den Ostblock noch Tatra in Prag mehr. In den russischen Werkstätten wird gebastelt und aus zwei alten Bahnen eine neue gebaut. Oder man importiert gebrauchte Tatras aus der ehem. DDR.
Der Ausweg scheint dann wirklich nur die Einstellung des Straßenbahnverkehrs. In Russland selbst werden Straßenbahnen in geringer Stückzahl in Ust-Kataw am Ural gebaut. Sie werden es wohl nicht schaffen, das ganze Land zu bedienen. In Kaliningrad kommt der Fakt negativ dazu, dass es sich um eine “Meterspur” handelt. Weißrussland baut mittlerweile auch selbst Straßenbahnen. Und da es ja gleich vor der Haustür liegt... In Minsk habe ich im vergangenen Jahr diesen Straßenbahntyp gesehen, Quelle Wikipedia: http://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%90%D0% ... %D0%9C-843

Re: KALININGRADER WOCHENBLATT Nr. 20

Verfasst: 21 Mai 2012, 12:57
von Zejtnot
Jenenser, Ust-Kataw würde schon gern mehr bauen, aber den Städten fehlt das Geld. Immerhin hat das Werk zu Sowjetzeiten mehr Bahnen für die Sowjetunion gebaut als Tatra. Insbesondere die unsäglichen KTM-5, http://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9A%D0%A2%D0%9C-5.

Das Problem ist das Image allgemein, Busse gelten als modern, Trams als veralterte Technologie. Und wenn man die Schienen wegmacht, passen ja zwei Spuren mehr Autostau hin ;) .

Re: KALININGRADER WOCHENBLATT Nr. 20

Verfasst: 21 Mai 2012, 13:15
von Jenenser
Zejtnot hat geschrieben: Insbesondere die unsäglichen KTM-5...
Das ist schon eine Rumpel für sich. Ich saß das erste Mal in Irkutsk in so einem Ding. Die neuen aus Ust-Kataw sehen aber ansprechender aus, innen und außen. Im Norden Moskaus sind sie schon in der Überzahl. Auch in Perm durfte ich mal mitfahren. Quelle Wikipedia: http://ru.wikipedia.org/wiki/71-619 Auf dieser Seite kann man auch sehen, wie dieser Typ sich in Russland ausbreitet (Stückzahl pro Stadt). Image hin oder her. Das entscheiden die Verantwortlichen in der Stadt. Ich denke doch, das es eine Zukunft für die Straßenbahn in Russland gibt.

Re: KALININGRADER WOCHENBLATT Nr. 20

Verfasst: 21 Mai 2012, 14:55
von domizil
Jenenser hat geschrieben:Weißrussland baut mittlerweile auch selbst Straßenbahnen. Und da es ja gleich vor der Haustür liegt... In Minsk habe ich im vergangenen Jahr diesen Straßenbahntyp gesehen, Quelle Wikipedia: http://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%90%D0% ... %D0%9C-843
... als ich das Thema ins Forum stellte habe ich mir nicht träumen lassen das der Punkt "Straßenbahn" aktiv diskutiert wird ...
Straßenbahnen aus Weissrussland - eben die die Du im Link zeigst - ei, das wäre eine feine Sache. Nur das sind so eine Art Niederflourbahnen und um die in Kaliningrad zu nutzen müssten nicht nur die Schienen sondern auch sämtlich Straßen wo die Bahn langfährt erneuert werden. Es gibt 10 Gründe das dies nicht passiert: Erster Grund: Kein Geld ... (soll ich die anderen neun Gründe noch aufzählen ...?).
Deshalb, und das habe ich in der Wochenmeldung nicht geschrieben, hat sich die Stadt Kaliningrad entschlossen (bitte jetzt nicht lachen) die Untergestelle der alten Tatrastraßenbahnen zu nutzen und darauf einen neuen Oberbau aus Weissrussland zu setzen ...
Wie sagt ein russisches Sprichwort: Жадный платит дваждый ... (der Geizige bezahlt doppelt ...) oder so ähnlich.
Uwe Niemeier

Re: KALININGRADER WOCHENBLATT Nr. 20

Verfasst: 21 Mai 2012, 15:03
von domizil
... und noch schnell eine brandneue Information:
In der Stadt "Sowjetsk", dem ehemaligen Tilsit, also dort wo Napoleon mit der Luise aus Preußen .... und wo der Käse herkommt (herkam) will man ein Denkmal für die "Tilsiter Straßenbahn" aufstellen. Die Tilsiter Straßenbahn wurde am 26.07.1901 eingeweiht und funktionierte bis Oktober 1944. Die Straßenbahnen wurden gebaut von der Firma "Lohmeyer & Co. in Frankfurt. Zur Zeit ist man intensiv dabei in Russland aber auch im Ausland (insbesondere Deutschland) nach einer alten Straßenbahn zu suchen um diese dann auf dem Zentralen Platz in Tilsit aufzustellen. Also wer Informationen hat oder so eine Straßenbahn anbieten kann ...
Uwe Niemeier

Re: KALININGRADER WOCHENBLATT Nr. 20

Verfasst: 21 Mai 2012, 16:11
von Jenenser
domizil hat geschrieben: Deshalb, und das habe ich in der Wochenmeldung nicht geschrieben, hat sich die Stadt Kaliningrad entschlossen (bitte jetzt nicht lachen) die Untergestelle der alten Tatrastraßenbahnen zu nutzen und darauf einen neuen Oberbau aus Weissrussland zu setzen
Kannst Du die Quelle benennen? Das wäre schon interessant, wie das aussehen soll.
Und weitere Frage zum Image. In Deutschland ist die Entwicklung des Nahverkehrs immer politischer Gesprächsstoff, gerade im Vorfeld von Wahlen. Interessiert sich von den Verantwortlichen in der Stadt Kaliningrad jemand aktiv für den “gesellschaftlichen Transport”. Schließlich fahren in Kaliningrad auch noch O-Busse. Während der Omnibusverkehr (einschl. Marschrutkis) privat getragen wird, meist auch mit ausgedienten Bussen aus Westeuropa.

Re: KALININGRADER WOCHENBLATT Nr. 20

Verfasst: 21 Mai 2012, 18:26
von domizil
Jenenser hat geschrieben:Kannst Du die Quelle benennen? Das wäre schon interessant, wie das aussehen soll.
Hier der Originaltext der Meldung zu den "neuen" Kaliningrader Straßenbahnen:

http://kaliningrad.ru/news/society/item ... ili-ne-byt

... und hier der Link (mit historischem Foto) zur Suche nach einer alten Straßenbahn für das Denkmal in Tilsit:

http://kaliningrad.ru/news/society/item ... u-tramvayu

Uwe Niemeier