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Shoppingtourismus nach Kaliningrad

Verfasst: 27 Jul 2012, 21:47
von domizil
… ja, davon träumen, respektive träumten die hiesigen Verantwortlichen und die Geschäftsleute die sich im Groß- und Einzelhandel tummeln. Davon zeugen auch Zahlen die in dieser Woche durch die Internetseite „kaliningrad.ru“ veröffentlicht wurden.
Heute kommen auf 10 Kaliningrader 7 qm Verkaufsfläche. Dies entspricht dem Niveau in großen europäischen Städten. Vor den Stadtverantwortlichen steht die Aufgabe einen zivilisierten Handel zu entwickeln, welcher nicht nur europäischen Standards entspricht sondern auch die Bewohner mit qualitativ hochwertigen Waren zu vernünftigen Preisen versorgt.
In den letzten sechs Jahren (davon drei Jahre Krise) wurden 68,7tausend Quadratmeter neuer Handelsfläche in Nutzung überführt. Die größten Einkaufszentren in Kaliningrad sind dabei: „City-Center“, „Mega-Center“, „Mega-City“, „Mega-Market“, „Grant“, „Majak“, „Akropol“, „Epicenter“, „Kaliningrad-Plaza“, „Europa“, „Klywer“, „METRO“.

In der ebenfalls in dieser Woche veröffentlichten „Strategischen Entwicklung Kaliningrad“, wird von einer Übersättigung des Handelsplatzes gesprochen. Am 01. Oktober 2011 kamen pro zehn Einwohner noch 6 qm Verkaufsfläche (jetzt schon 1 qm mehr), während staatliche Normen von rund 5 qm ausgehen – also eine Übersättigung von ca. 20 Prozent vorliegt.

Der mehrfach geäußerte Gedanke von Experten, für Kaliningrad den Shopping-Tourismus zu entwickeln, wurde wieder ad-acta gelegt. Hauptgrund ist die schwere Erreichbarkeit des Kaliningrader Gebietes. Ebenfalls vor einer Woche wurde durch den Gouverneur des Kaliningrader Gebietes vorgeschlagen, alle Hypermärkte und den Zentralbasar aus der Stadt zu verlegen. Der Hauptarchitekt der Stadt Kaliningrad ist von dieser Idee, schon aus rein rechtlichen Gründen, nicht überzeugt.

Was sagt uns nun dieser Artikel:
1. Kaliningrad entwickelt sich – und das ist gut so.
2. Nach wie vor können Stadtverwaltung und Gebietsregierung nicht zueinander finden. Das ist nicht gut. Hier muss in Kürze jemand ein Machtwort sprechen – das wäre dann gut.
3. Wir bringen Kaliningrad nur vorwärts, wenn Seitens der Zentralregierung in Moskau der besonderen geopolitischen Lage Kaliningrads mehr Rechnung getragen wird. Unsere Schwierigkeiten müssen anderweitig „kompensiert“ werden. Auch hier brauchen wir einen guten Zugang zu Moskauer Ohren.
4. Die Erreichbarkeit Kaliningrads muss mit Hilfe der Europäischen Union radikal verbessert werden. Darunter verstehe ich, das Russen aus dem Kernland über Lettland und Litauen und Polen schneller im Transit kommen (Visafrei) und Russland sollte für Westeuropa Sonderregelungen finden (z.B. Visafreiheit).
5. Und letztendlich: Shoppingtouristen kommen nur nach Kaliningrad wenn es hier etwas Besonderes zu günstigen Preisen zu kaufen gibt. Wir haben jetzt weder Besonderes zu bieten, noch sind die Preise günstig. Die große Anzahl an Verkaufsfläche sagt dabei noch gar nichts über die Breite des Angebotes aus – und da sieht es eher traurig aus.
Also packen wir es an im Interesse der Menschen und unserer Zukunft. Wenn wir den Zeitraum bis 2018 verpassen (Fussballweltmeisterschaft) trifft das Gorbatschow zugeschriebe Wort zu: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“

Quelle: http://kaliningrad.ru/news/economy/item ... haet-normu

Uwe Niemeier