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KALININGRAD - demokratischste Region Russlands

Verfasst: 22 Aug 2012, 22:08
von domizil
… so meinte zumindest der Gouverneur des Kaliningrader Gebietes während einer Meinungsäußerung zu den bevorstehenden Bürgermeisterwahlen am 14.10.2012.
Kaliningrad ist nicht der Ort für Experimente – so der Gouverneur. Hier meinte er wohl Experimente mit den Unmengen von Kandidaten die sich, unter Nutzung des neuen Wahlgesetzes, für den Posten des Bürgermeisters haben nominieren lassen.
Er selber nimmt diese Vielzahl an Kandidaten sehr gelassen. Es gibt rein technische Bewerbungen, es gibt Versuchskandidaten, es gibt Kandidaten, die einfach nur ihre Partei bekannt machen wollen, es gibt vielleicht auch Kandidaten die auf einen Skandal hinarbeiten.
Der Gouverneur ist bereit, mit jedem dieser Kandidaten zu arbeiten. Er ist auch davon überzeugt, dass die Kaliningrader keine Partei wählen werden, sondern einen fähigen Verwalter. Ein Bürgermeister ist, so die Meinung des Gouverneurs, eigentlich Leiter einer Wirtschaft. Er soll sich mit der Verwaltung, aber nicht mit Politik beschäftigen.
Quelle: http://kaliningrad.ru/news/item/21838-c ... perimentov

Wer sich für tiefgründigere Einzelheiten auf Deutsch interessiert, hier ein Link zu einem Artikel von Th. Plath:
http://www.kaliningrad.aktuell.ru/kalin ... n_384.html

Uwe Niemeier

Re: KALININGRAD - demokratischste Region Russlands

Verfasst: 22 Aug 2012, 22:09
von domizil
Kaliningrad, 22.08.2012

Der Mörder ist der Gärtner ...

Ein Krimi, wo auf der ersten Seite schon geschrieben steht, dass der Gärtner … verliert das Interesse des Wählers, eh, ich meine des Lesers. Vor einem Monat war die Bürgermeisterwahl noch ein spannender Krimi, mit einigen interessanten Kandidaten. Heute ist alles klar, oder?
Jaroshuk wird zukünftiger Gouverneur … mein Gott, was ist denn heute los mit mir … ich meine natürlich Bürgermeister. Das kann nur noch verhindert werden, wenn die Wahlen nicht mit rechten Dingen zugehen. Und damit es mit rechten Dingen zugeht, hat sich der Gouverneur Zukanov, als Garantiegeber für die ordnungsgemäße Durchführung der Wahlen zur Verfügung gestellt. Beide, Jaroshuk und Zukanov, das weiß man, haben sich zum fressen gern. Wer von beiden die Katze und wer die Maus ist … vielleicht bringt der 14.10.2012 die Antwort. In über 150 Wahllokalen werden Videokameras aufgestellt – wir können also alle zuschauen – bei den Wahlen.
Das Verhältnis beider wird sich weder vor noch nach der Wahl verbessern. Wenn der Gouverneur schon jetzt den zukünftigen Bürgermeister nicht in der Politik sehen will, sondern nur als Verwalter von … (Straßen und Müllplätzen … Anm. durch UN), aber Jaroshuk nicht der Mann ist, der sich dermaßen in der Öffentlichkeit vorführen lässt – dann gehört nicht viel Phantasie dazu zu erraten, was uns nach den Wahlen erwartet. Wenn hier nicht eine dritte, starke Hand „helfend“ eingreift wird weder für die Stadt noch für das Gebiet etwas Gutes dabei herauskommen – milde ausgedrückt.
Jaroshuk, ein ehemaliger Militär (bitte nicht verwechseln mit KGB), hat nach seiner aktiven Zeit bewiesen, dass er Organisationstalent und Durchsetzungsvermögen hat. Er hat Firmen aufgebaut und rechtzeitig den Sprung in die Politik geschafft. In seiner ersten Wahlperiode als Bürgermeister hat er nicht alles geschafft, wovon er und die Bevölkerung Kaliningrads geträumt haben. Aber es ist vorwärts gegangen. Mit Samthandschuhen wird auch keiner in seiner Administration angefasst und auf Verwandte wird auch keine Rücksicht genommen. An sich, gepaart mit den Gedanken die er bereits geäußert hat, beste Voraussetzungen für eine zweite Wahlperiode. Zwei Jahre, … ach, ich meine natürlich 5 Jahre, sind ja nur dann ein langer Zeitraum, wenn man nicht allzu viel arbeiten will.
Meine Meinung zu den anderen Kandidaten? Ich habe keine. Ich kenne sie nicht. Ach, dieser Kandidat „Rechts“ – na, vor ein paar Tagen gab es ein Foto von ihm hier im Russisch-Kaliningrader Internet. Habe mich richtig erschrocken. Da hilft´s auch nichts, dass er Kaliningrad in Königsberg umbenennen will. Da geht dann wieder viel Geld drauf, für den Austausch der Denkmäler: Kalinin gegen …, Lenin gegen …, na usw. und ich brauche einen neuen Koffer für meine Ausreise.
Ich, als Nicht-Russe darf nicht wählen. Als Kaliningrader Lokalpatriot würde ich dies aber schon gerne. Ich will in dieser Stadt noch zwanzig Jahre leben, auch das Stadtleben aktiv mitgestalten und würde schon gerne meine Stimme abgeben. Aber leider … Hoffen wir also, dass die Kaliningrader die richtige Wahl treffen und wir alle in Vorbereitung der Fussball-Weltmeisterschaft 2018 den richtigen Bürgermeister mit der richtigen Mannschaft bekommen.
Uwe Niemeier

Re: KALININGRAD - demokratischste Region Russlands

Verfasst: 28 Aug 2012, 09:00
von domizil
Ich weiß nicht was soll es bedeuten, dass …

… der Kandidat Вячеслав Степанов sich als Anwärter auf das Amt des Bürgermeisteramtes registrieren lässt und eine Woche später diese Registrierung wieder zurückzieht. Seine Begründung: Er hat kein Vertrauen in diese Wahlen. Er ist der Meinung, dass diese Wahlen ungesetzlich und ungerecht sind und er hofft, mit diesem Schritt die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu Problemen des Wahlsystems zu erregen.
In der Mitteilung wird weiterhin erwähnt, dass der Kandidat zur Zeit arbeitslos ist. Bereits im Jahre 2000 nahm er an den Wahlen zur Gebietsduma im Auftrage der Organisation „Volkskontrolle“ teil.

Anm. UN: Ich verweise nochmal auf die Meinungsäußerung des Gouverneurs zur Vielzahl der Kandidaten und deren Motivation.

Quelle: http://www.newkaliningrad.ru/news/polit ... otvod.html

Uwe Niemeier

Re: KALININGRAD - demokratischste Region Russlands

Verfasst: 30 Aug 2012, 22:17
von domizil
… und weil Kaliningrad die demokratischste Region Russlands ist

… bedeutet dies nicht, dass man alles machen kann, was man will. So hat sich der jetzige Bürgermeister und Kandidat für die Wiederwahl zu diesem Amt, Jaroshuk (ER) mit einer Anzeige an das Innenministerium, den FSB und die Staatsanwaltschaft gewandt. Seit einiger Zeit werden in Kaliningrad verleumderische Flugblätter verteilt, in denen behauptet wird, dass der Bürgermeister Jaroshuk zu übermäßigem Rauschgiftgenuss neigt.
Anscheinend haben wir in Kaliningrad zu Fragen der Wahlkampfführung amerikanisches Niveau erreicht: Verleumdung, Schmutz, Intrigen … haben wir das so gewollt, haben wir das nötig?
http://kaliningrad.ru/news/item/22028-y ... -listovkah
Uwe Niemeier

Re: KALININGRAD - demokratischste Region Russlands

Verfasst: 07 Sep 2012, 09:33
von domizil
Kaliningrad, 07.09.2012

Jetzt steht´s fest: 12 Kandidaten für den Posten des Kaliningrader Bürgermeisters


Zwei Kandidaten wurde die Registrierung verweigert: dem Nationalisten mit dem Wunsch der Rückbenennung Kaliningrads in Königsberg – wegen fehlender Unterstützerstimmen und einem Unternehmer, der wohl die Sammlung von Unterschriften nicht ganz gesetzeskonform durchgeführt hat und somit auch keine ausreichende Anzahl Unterstützer vorweisen konnte.

So stehen, nach einer Sitzung der Wahlkommission, nun die Kandidaten fest.
Im nachfolgenden die Aufschlüsselung mit einem, von mir sehr gewagten Versuch, dass Wahlergebnis zu erraten:

Wahlbeteiligung: Zwischen 60 – 65 Prozent

1. TOP- Kandidat Alexander Jaroshuk (Partei ER) – 55 Prozent
2. Alexandra Jakowlewna (Jabloko) – 6 Prozent
3. Alexander Wetoshkin (Liberaldemokraten), - 6 Prozent
4. Juri Galanin (Kommunistische Partei RF), - 8 Prozent
5. Jewgeni Gan (Patrioten Russlands) – 6 Prozent
6. Alexander Orlow (Kommunisten Russlands) – weniger als 2 Prozent
7. Andrej Bogdanow (Demokratische Partei Russlands) – weniger als 2 Prozent
8. Alexander Jewtushin (Partei Bürgerunion) – weniger als 2 Prozent
9. Dmitri Kotshergin (Kommun. Partei sozialer Gerechtigkeit) – weniger als 1 Prozent
10. Dmitri Jewsjutkin (Piraten) – mehr als 5 Prozent
11. Sergej Karpushenko (Parteilos) – weniger als 1 Prozent
12. Dmitri Nowik (Parteilos) – weniger als 1 Prozent

In Kaliningrad sind zum jetzigen Zeitpunkt 25 Parteien registriert. Um den Sieg von A. Jaroshuk vorauszusagen, bedarf es keiner großen analytischen Fähigkeiten oder politischer Sachkenntnis. Er hat bewiesen, dass er als Bürgermeister „ein Macher“ ist (unabhängig von seiner Parteizugehörigkeit) und lebt skandalfrei, als ehemaliger erfolgreicher Unternehmer in Kaliningrad. Er hat nicht alles in den letzten Jahren geschafft, aber doch einiges bewegt.

Die Wahlen finden am 14. Oktober 2012 statt. Eine weitere „heiße Phase“ des Wahlkampfes wird vermutlich nach dem 29.09.2012 einsetzen – dem Datum der Bekanntgabe der Ausrichterstädte für die Fussball-WM2018.

Quelle: http://kaliningrad.ru/news/item/22205-i ... 2-chelovek

Uwe Niemeier

Re: KALININGRAD - demokratischste Region Russlands

Verfasst: 10 Sep 2012, 21:51
von Daten-Salat
domizil hat geschrieben:... zu übermäßigem Rauschgiftgenuss neigt.


Echt so, Uwe?
Wo ziehen die Flugblättler die Grenze zwischen mäßigem und übermäßigem Rauschgiftgenuss?

Späßle von:
Armin

Re: KALININGRAD - demokratischste Region Russlands

Verfasst: 10 Sep 2012, 22:58
von domizil
Daten-Salat hat geschrieben:Wo ziehen die Flugblättler die Grenze zwischen mäßigem und übermäßigem Rauschgiftgenuss?
... eine völlig berechtigte Frage - aber im Wahlkampf sind eben alle Mittel erlaubt (zumindest scheint es so) und somit steht die korrekte Definition oder Wortwahl eines bestimmten Faktes erstmal im Hintergrund. Hauptsache die "Sensation" ist unter die Leute gebracht.
Damit abverschiede ich mich für heute und melde mich morgen wieder vom Airport Riga.
Uwe Niemeier

Re: KALININGRAD - demokratischste Region Russlands

Verfasst: 11 Sep 2012, 15:19
von domizil
Da bleiben noch Fragen offen ...
Die Kaliningrader Regierung sucht neue Möbel für rund 10.000 USD. Aus «Quellen» verlautet, dass diese Möbel für das Arbeitszimmer des Gouverneurs bestimmt sind. Der Gouverneur braucht: Schreibtisch, ein Versammlungstisch, zwei Beistelltische, zwei Schränkchen für Telefone, einen Garderobenschrank und zwei Kommoden. Auf fünf Seiten der Ausschreibung wird detailliert aufgelistet, welche Qualitätsvorstellungen man in der Regierung hat: «Красиво жить не запретиш» (angenehm zu leben ist nicht verboten).
Aber da bleiben noch Fragen offen: Warum braucht der Gouverneur keinen neuen Stuhl? Gerade Stühle nutzen sich doch besonders schnell ab. Vielleicht findet sich die Erklärung ja in einer weiteren Forderung in der Ausschreibung: Garantiefrist auf die neuen Möbel ein Jahr. Und bis dahin will der Gouverneur eben seinen alten, heißgeliebten Stuhl nicht abgeben.
(ein Schelm der zwischen den Zeilen ließt).
http://www.newkaliningrad.ru/news/commu ... larov.html
Uwe Niemeier

Re: KALININGRAD - demokratischste Region Russlands

Verfasst: 20 Sep 2012, 09:42
von domizil
Rating, Rating und nochmals Rating

Kurz vor den Bürgermeisterwahlen in Kaliningrad, am 14.10.2012, sind Ratingumfragen zu Politikern immer populär und gefragt – ungeachtet dessen, dass es dann am Wahltag auch ganz anders kommen kann.
Aber erfreulicher Weise ist das Rating des alten Bürgermeisters und Bewerber auf das neue Amt, Alexander Jaroshuk von 41,5 auf 53 Prozent gestiegen. Die Zahl der zu Jaroshuk kritisch eingestellten Befragten sank von 42,9 auf 31,7 Prozent. Die Erhebungen wurden getätigt durch die Kant-Universität in Kaliningrad. Des Weiteren brachten 67,7 Prozent der Befragten zum Ausdruck, dass sie an der Wahl teilnehmen werden.
Die Wahlprognose lautet laut Umfrage zum heutigen Tag wie folgt:
- Jaroshuk 53,2 % (im Juli 21,5 %)
- Galanin (Kommunisten) 7,9 %
- Gan (Patrioten Russlands) 6,5 %
Alle anderen Kandidaten erhielten statistisch unbedeutende Anteile.
Die Umfrage wurde am 8./9.09.2012 unter 800 Befragten getätigt.
Опрос был проведен 8-9 сентября этого года, общее количество респондентов — 800 человек.
Quelle: http://rugrad.eu/news/528969/
Uwe Niemeier

Re: KALININGRAD - demokratischste Region Russlands

Verfasst: 08 Okt 2012, 20:13
von domizil
Zufall oder logische Abarbeitung eines Problems?

Schon vor ein paar Tagen gab es so kleinere Meldungen zu diesem Thema. Heute erschien in einer, dem Kaliningrader Gouverneur gegenüber, kritisch eingestellten Internetzeitung eine Meldung zu einem, an sich kommunalen Problem. Es geht um eine Mülldeponie in einem Vorort von Kaliningrad, die allen, kurz gesprochen, zum Himmel stinkt. Nun könnte man den Artikel lesen, damit einverstanden sein und die Lösung den dafür Zuständigen überlassen. Aber mir kamen andere Gedanken. Nun bin ich in der Politik etwas unerfahren und kenne mich in Kaliningrad auch nicht so tiefgründig aus, aber nachdenken soll ja manchmal interessante Erkenntnisse bringen. Kaliningrader Bürger, insgesamt 4.000 Umweltbewusste, haben einen Brief geschrieben, zu dieser, zum Himmel stinkenden Angelegenheit. Der Brief wurde direkt an das «Vorzimmer» von Putin in Moskau gesandt. Was daran interessant ist? Nun, es gibt einen Vertreter des Präsidenten hier in Kaliningrad, der diesen Brief auch annehmen könnte. Warum haben sich die Bürger nicht an ihn gewandt? Da gibt es so Gerüchte, dass das Verhältnis zwischen S.W. und N.Z. nicht so besonders sein soll (und das nach erst so kurzer Zeit). Die Bürger wollen aber Resultate sehen. Gut, dann kann man doch den Brief an den Präsidentenvertreter für die Nord-West-Region in St. Petersburg schicken. Ist auch nicht geschehen. Warum? Nun, die Bürger wollen Resultate sehen. Also ging der Brief direkt an Putin. Und jetzt steht die Frage, welche Resultate denn die Bürger von W.W. erwarten? Nun, die Kanzlei des Präsidenten hat erstmal den Empfang bestätigt und es zuständigkeitshalber an das Umweltministerium weitergeleitet. Soweit, so gut. Nun sollte man aber mal das Schreiben lesen (auszugsweise). Da heißt es:
«Leider ignoriert der jetzige Gouverneur des Gebietes unsere an ihn gerichteten Anliegen. Er versteht das Problem nicht und sieht keine Lösungsvorschläge.»
Und weiter (in gekürzter und freier Übersetzung):
«... Womöglich sind 4.000 Familien für die Regionsleitung nur ein kleiner Bevölkerungsteil. Wenn dem so ist, so sind wir bereit 100.000 oder 200.000 Unterschriften zu sammeln ...»
Und da erinnerte ich mich an die Ereignisse des Jahres 2010 in Kaliningrad. Der damalige Gouverneur stand damals auch im Kreuzfeuer der Kritik und es dauerte nur sehr kurze Zeit, bis dieser von seiner Funktion abberufen wurde.
Heute gibt es nicht wenige Kaliningrader, die nachdenklich geworden sind, ob das denn damals alles so richtig war. Man vergleicht die Arbeit von Georgi Boos und Herrn Zukanov und kommt zu «gewissen» Erkenntnissen. Und wenn Putin sich die Wahlergebnisse zu den Duma-Wahlen 2011 und die Wahlergebnisse im März 2012 in Kaliningrad in Erinnerung ruft (mit die schlechtesten in Russland), und nun hört, das wieder massenweise Unterschriften gesammelt werden sollen ... Ja, bis dahin war ich erstmal bereit zu denken und meine, dass wir vielleicht ein paar interessante Tage/Wochen nach dem 14.10.2012 im Gebiet zu erwarten haben.
Quelle: http://rugrad.eu/news/547329/
Uwe Niemeier