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Ein trauriger "Export-Schlager" aus DE?

Verfasst: 12 Nov 2012, 10:13
von Sibirier
http://www.zdf.de/ZDF/zdfportal/web/ZDF ... uropa.html

Na ich weiß nicht, da sind in Russland aber die Kinder meist noch "familienbewusster".....

Re: Ein trauriger "Export-Schlager" aus DE?

Verfasst: 12 Nov 2012, 10:36
von domizil
... nun, was willst Du? Die Menschen haben ihre Schuldigkeit getan, jahrelang entweder gearbeitet oder sich um die Erziehung und Ausbildung der Kinder gekümmert und somit die Zukunft Deutschlands gesichert. Einige haben fleißig, entsprechend dem Einkommen in die Sozialkassen eingezahlt, andere, aus dem Beschäftigungsstatus heraus, eben nicht. Nun werden die Kassen knapper und man sucht Auswege um den Kostenfaktor "Rentner" oder "Pflegebedürftige" zu "optimieren" - das Wort/der Begriff "Solidargemeinschaft" existiert wohl nicht mehr. Menschen einfach aus Kostengründen irgendwohin ins Ausland abzuschieben ist schlimm. Getrennt vom gewohnten Umfeld, von Verwandten, den Kindern und und und. Vielleicht ist es dort auch schwieriger mit der Kommunikation (deutsch kann eben nicht jeder im Ausland). Wenn das Geld knapp ist - in Ordnung, kann man ein gewisses Verständnis für aufbringen - aber man könnte sich doch mal überlegen keine deutsche Truppen ins Ausland zu bringen. Das eingesparte Geld kann dann für die Bedürftigen in Deutschland verwendet werden. Ehrlich gesagt liegen mir bedürftige Deutsche (Rentner) mehr am Herzen als die Demokratisierung von Afganistan. Und, ich glaube wenn der Rechnungshof in der Bundesrepublik Deutschland sich etwas mehr Mühe gibt, finden sich genügend Finanzreserven auch innerhalb des bundesdeutschen Haushaltes.
Uwe Niemeier
http://www.blog.aktuell.ru/category/kal ... em-akzent/

Re: Ein trauriger "Export-Schlager" aus DE?

Verfasst: 15 Nov 2012, 06:03
von Daten-Salat
Der Rechnungshof darf halt m.W. nur auf Verschwendungsposten aufmerksam machen, hat aber kein Recht, Änderungen oder Sanktionen durchzusetzen.

Gruß: Armin

Re: Ein trauriger "Export-Schlager" aus DE?

Verfasst: 15 Nov 2012, 08:25
von domizil
... ja Armin, genauso ist das. Und wenn der Rechnungshof einen "Verschwendungsposten" gefunden hat, kann man daraus doch einen "Verwendungsposten" machen - ... ach, welch schöne Wortspiele gibt doch die deutsche Sprache her ...
Uwe Niemeier
http://www.blog.aktuell.ru/category/kal ... em-akzent/

Re: Ein trauriger "Export-Schlager" aus DE?

Verfasst: 15 Nov 2012, 12:46
von Dietrich
Die ganze Diskussion um "Pflege im Ausland" ist doch verlogen hoch zehn.
In Deutschland muss so ein Pflegeheim hunderttausend Auflagen erfüllen. Der Brandschutz muss 150%tig sein, natürlich alles barrierefrei, Küche Mega-Tiptop, etc. etc.
Die Bediensteten sollen nach Möglichkeit auch humane Arbeitsbedingungen haben und dafür Nichtprekäre Löhne erhalten. Medizinische Versorgung rund um die Uhr ohne Kompromisse (Medikamente inklusive, jedes Medikament innerhalb kürzester Zeit verfügbar, innerhalb von 7 Minuten ist der Rettungswagen vor Ort, Ansonsten kommt der Arzt ein paar Mal in der Woche vorbei)....
Jeder Bewohner hat sein eigenes Appartment/Zimmer mit eigener Dusche/WC und einen Klingelknopf, den man auch gerne mal alle 10 Minuten betätigen kann, wenn einem das Kissen unter dem Hintern andauernd verrutscht oder man sich entschlossen hat, heute doch lieber die dunklen anstelle der hellen Schuhe anzuziehen. Die Bewohner, auch wenn sie noch gut mobil sind, haben die Wahl zwischen Essen im Speisesaal oder auf dem Zimmer (mit Zimmerservice). Etc. Etc. (*)

Nicht das man mich jetzt falsch verstehe. Viele dieser Sachen (baurechtliche Auflagen, medizinische Versorgung, Löhne, Arbeitsbedingungen) sind absolut notwendig und alles Andere sei den alten Leuten gegönnt.
Aber es kostet eben alles viel viel Geld. Und wenn ich dann höre "Die Pflege in Deutschland ist so teuer, dass viele Senioren und ihre Angehörigen kein Altenheim mehr bezahlen können" wundert mich das nicht. Nur bleibt das Geld auch eben nicht nur "oben irgendwo hängen", wie man oft hört, sondern eine derartige Rundumversorgung ist eben nicht preiswerter zu haben. Wieso kostet ein ordentliches (nicht Luxus-) Hotel auch schon 50 Euro die Nacht? Nichts anderes ist so ein Altenheim auch. Also sind bei 30 Tagen schon mal 1500 Euro NUR für Wohnen weg. Ohne medizinisch notwendige Betreuung und ohne Verpflegung. Und ohne, dass man die diversen baulichen und technischen Besonderheiten des Pflegeheims damit bezahlt hätte. Wenn man dann noch nach Möglichkeit für 10 Patienten eine Pflegekraft haben möchte, dann hat man mit Verwaltung und 3-Schicht-System (plus Urlaubs- und Krankheitsreserve) schon fast eine halbe Pflegekraft pro Person zu rechnen. Bei Brutto nur 3000 Euros sind das dann nochmal 1500 Euro. Sind wir schon bei 3000 Euro pro Person. Und Essen? Reichen 10 Euro am Tag? Kaum. 15? Also ca. 500 Euro = 3.500 Euro.

Und anstelle das man nun sagt: "Dann müssen wir eben alternativ Pflegeheime anbieten, die nicht so teuer sind. In denen 2, 3 oder 4 alte Menschen (mit niedriger Pflegestufe) in einem Zimmer wohnen. In denen der Service eben nicht 4 Sternemäßig ist. In denen Mittags nicht zwischen 5, sondern nur zwischen 2 Gerichten gewählt werden kann. In denen die, die noch fitter sind nach Möglichkeit den anderen helfen.", wird nun von Pflegeheimen im Ausland fabuliert.
Das wagt aber keiner. Da ist man dann plötzlich Sozialdarwinist, wenn man so etwas sagt. Also kommt man mit der Idee vom Ausland.
Aber was ist denn im Ausland? Alle baulichen Auflagen eingehalten? Kaum! Medizinische Versorgung? Eher schlechter oder mit Zuzahlungen. Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter? Löhne? Spätestens dann wird es bei diesen ausländischen Pflegeheimen interessant.
Aber bei russischen, ukrainischen oder Thai-pflegerinnen ist das natürlich kein Problem, wenn die 60 Stunden pro Woche arbeiten und dann dafür nur 600 Euro netto erhalten.

Das kann ja jeder Rentner mit seinem privaten Geld gerne machen. Staatliche Mittel sollte es dafür keine geben. Lieber sollte man mal ehrlich über die Pflege in Deutschland reden.

(*) Meine Frau arbeitet zur Zeit als Pflegehelferin in einem "besseren" Pflegeheim. Ich habe ihre Schilderungen noch abgeschwächt widergegeben!

Re: Ein trauriger "Export-Schlager" aus DE?

Verfasst: 15 Nov 2012, 13:27
von Sibirier
Was ich jedoch mit "traurig" meinte, dass die Kinder heute nicht mehr bereit sind, die Oma's und Opa's bei sich aufzunehmen und zu versorgen. Sie würden ja ebenfalls das Pflegegeld bekommen.

Dies ist aber in Russland immer noch so, vielleicht weil einserseits das Geld fehlt, anderseits aber auch, weil das "Verwandtschaftsverhältnis" noch mehr gepflegt wird....

Ich glaube das Verhältnis, dass 2 oder sogar 3 Generation unter einem Dach leben ist in Russland noch größer als in DE (habe aber keine Beweise dafür, einfach nur mein Gefühl...).

Re: Ein trauriger "Export-Schlager" aus DE?

Verfasst: 15 Nov 2012, 13:41
von Dietrich
Sibirier hat geschrieben:Was ich jedoch mit "traurig" meinte, dass die Kinder heute nicht mehr bereit sind, die Oma's und Opa's bei sich aufzunehmen und zu versorgen. Sie würden ja ebenfalls das Pflegegeld bekommen.
Das stimmt wohl. Aber warum ist das so? Arbeiten heute beide Partner, während früher die Frauen zuhause saßen? Kann man das so pauschal sagen, dass es daran liegt? Wollen sich die Leute einfach nicht mehr mit den alten rumplagen? Sind wir alle zu egoistisch geworden?
Das und der Eindruck, dass es den eigenen Eltern doch "unter gleichgesinnten" viel besser geht, als wenn sie den ganzen Tag alleine zuhause rumhocken, wird wohl einer der Gründe sein. Und wenn der Staat zahlt, umso besser.

Viele Leute wollen heute schon nicht mal mehr Kinder, weil sie sich dadurch ihr Leben viel zu sehr beschränken. Wie? Freitags nicht mehr in die Clubs? Samstags nicht mehr ausschlafen? Spontane Kurztrips nach Paris nicht mehr möglich? Außerdem passt der Kindersitz farblich nicht in Mamas Cabrio ;-)

Wer will sich da noch seinen dementen Schwiegervater ans Bein binden, der sich 2mal am Tag von oben bis unten vollsch.... ?

Sorry für die direkte Sprache. Ist nicht das was ich denke, aber viele andere denken womöglich so....

Re: Ein trauriger "Export-Schlager" aus DE?

Verfasst: 15 Nov 2012, 15:06
von pippie
Dietrich hat geschrieben: Wer will sich da noch seinen dementen Schwiegervater ans Bein binden, der sich 2mal am Tag von oben bis unten vollsch.... ?
Sorry, wer kann sich genau um diesen Schwiegervater kümmern, wenn beide einen Vollzeit+ Job haben?

Re: Ein trauriger "Export-Schlager" aus DE?

Verfasst: 15 Nov 2012, 15:29
von Sibirier
@pippie: Das ist genau das ich meine.... In Russland ist eh die Mentalität anders mit dem "Job", m. E. sind die Russen nicht so an den Job gebunden, wie die Deutschen.

Ich hatte z. B. eine Hauptbuchhalterin hier in Russland (Dietrich kennt sie auch, wir haben mal zusammen gearbeitet, erfahrene Frau in SAP), die überdurchschnittlich gut verdient hat bei uns, die hat den Job gekündigt, um ihre alte Mutter versorgen zu können. Die hätte sich von ihrem Gehalt, 2 Pflegekräfte locker leisten können und hätte noch gut für sich was gehabt....das wollte sie aber nicht, Mutter in fremde Hände geben.

Wenn's ums erben geht, sind alle schnell wieder da!

Re: Ein trauriger "Export-Schlager" aus DE?

Verfasst: 15 Nov 2012, 15:38
von pippie
In Deutschland muß man von den Einnahmen aus dem täglichen Job leben, in Russland lebt man eher vom "Nebenerwerb". Deine Hauptbuchhalterin wird schon ihren "Erwerb" trotz Pflege der Mutter haben - in Deutschland traditionell sogut wie nicht möglich.