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Die militarisierte Gesellschaft
Verfasst: 24 Mär 2014, 17:02
von Gunnar
FAZ: Die militarisierte Gesellschaft
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/d ... 59259.html
Nach meinen Beobachtung ist da leider was dran. Immer wenn ich in Russland bin habe ich das Gefühl, der Weltkrieg wäre noch gar nicht lang her. Ist er vielleicht auch nicht, trotzdem fühlt es sich in den westlichen Gesellschaften lange her an, weil sich das Verständnis der meisten Leute insofern radikal geändert hat.
Wenn meine Schwiegereltern zu meinen kleinen Söhnen mit positivem Duktus sagen: Kak soldat! Dann regt mich das regelmäßig auf ...
Re: Die militarisierte Gesellschaft
Verfasst: 24 Mär 2014, 17:14
von Zejtnot
Du hast keine Söhne in russischen Kindergärten. Da musst Du am 23. Februar einiges ertragen, als pazifistisch erzogener Deutscher. (Und da habe ich mit unserem privaten Kindergarten noch Glück ... mein Sohn hüpfte nur mit Papierflugzeugen auf einer Bühne rum, die dann ins Publikum geworfen wurden.)
Den letzten Absatz des Artikels finde ich dennoch falsch. Auch vor Jahren hätten Sanktionen keinen Einfluss auf die russische Politik gehabt, sondern ebenso nur die Trotzhaltung verstärkt. Sie sind ein Zeichen, was in meinen Augen auch wichtig ist, aber mehr auch nicht.
Re: Die militarisierte Gesellschaft
Verfasst: 24 Mär 2014, 18:49
von Gunnar
Der letzte Absatz des Artikel meint im Kern eben, dass beispielsweise auch die nun endlich gestattet Entsendung von OSZE Beobachtern in die Ukraine (außer Krim!) nicht das Problem lösen wird können, da das Problem im Kreml und nicht in der Ukraine sitzt.
Übrigens erschreckt es mich immer wieder zu sehen, wie dicht unter der zivilisierten Hülle bei nicht wenigen russischen Männern die Bereitschaft zur gewaltsamen Lösung eines Konfliktes liegt. Ich meine da schon einen deutlichen Unterschied zu Deutschland zu erkennen. Der Inbegriff dieser Haltung ist da ja Schirinowski, der auch gern mal vor laufender Kamera handgreiflich wird. Oder man fährt mal eben einen unliebsamen Journalisten in den Wald und tut so, als ob man ihn dort exekutieren will (Bastrikyn ./. Muratov).
Im Livejournal wurde das dann auch noch so kommentiert:
Я одно хочу сказать: человек, способный вывезти в лес самолично, под своим именем, в ярости и в запале погрозить убийством — не гнида. Бастрыкин показал, что он способен на прямую конфронтацию, он не боится афронта.
Re: Die militarisierte Gesellschaft
Verfasst: 24 Mär 2014, 19:08
von Dietrich
Gunnar hat geschrieben:Übrigens erschreckt es mich immer wieder zu sehen, wie dicht unter der zivilisierten Hülle bei nicht wenigen russischen Männern die Bereitschaft zur gewaltsamen Lösung eines Konfliktes liegt. Ich meine da schon einen deutlichen Unterschied zu Deutschland zu erkennen.
Ich weiß nicht, ob da wirklich ein so eklatanter Unterschied in der Psyche der Männer besteht. Auf jeden Fall besteht der Unterschied aber in der gesellschaftlichen Akzeptanz dieser Gewaltbereitschaft. Das kann man ja bereits auf der Straße überprüfen, wo sich kaum jemand drüber aufregt, dass man mit 'nem dicken Wagen sich eben mal vorne davorstellt oder über den Gehweg überholt.... Aus dem Grund "bricht" das dann eben öfter vor.
Re: Die militarisierte Gesellschaft
Verfasst: 27 Mär 2014, 23:05
von klaupe
Dietrich hat geschrieben:Ich weiß nicht, ob da wirklich ein so eklatanter Unterschied in der Psyche der Männer besteht. Auf jeden Fall besteht der Unterschied aber in der gesellschaftlichen Akzeptanz dieser Gewaltbereitschaft. Das kann man ja bereits auf der Straße überprüfen, wo sich kaum jemand drüber aufregt, dass man mit 'nem dicken Wagen sich eben mal vorne davorstellt oder über den Gehweg überholt.... Aus dem Grund "bricht" das dann eben öfter vor.
Das beginnt schon mit der Erziehung und setzt sich in der Gesellschaft fort. "Stärke" ist eine Tugend, die man selbst gerne zeigt und auch von oben her unbedingt akzeptiert, ja sogar erwartet.