Jenenser hat geschrieben:23 Jahre seit dem Ende der UdSSR und schon wieder eine neue Zeitrechnung. Deine alten bekannten Kollegen müssen sich seit dem vergangenen Jahr erneut umstellen.
Diese "Alten Hasen" haben schon für Intourist gearbeitet und sich dann umstellen müssen. Beide haben eigene Incoming-Unternehmen gegründet und eigentlich gut davon leben können. Beide sind ethnische Russen (so weit ich weiß), aber absolut nicht froh, dass sie nun auch zu Russland gehören (sollen), denn das macht den internationalen Verkehr nicht einfacher und vor allen Dingen ist die Nachfrage nach diesem neuen Teil Russlands massiv zusammengebrochen. Auch russische Urlauber lassen sich kaum noch vorschreiben, wohin es im Urlaub gehen soll.
Meine Großeltern haben in Jalta ihre erste Palme in Natura gesehen. Und mir Bildbände von der Krim mitgebracht. Das Hotel „Jalta-Intourist“ empfanden sie als absoluten Luxus. Anfang der 1990er Jahre habe ich spanische Bettenburgen und Hotelbunker gesehen. Da verstand ich schnell, wie schön es auf der Krim ist..
In der Sowjetzeit gab es noch einige durchaus interessante Objekte aus der Zarenzeit, die aber größtenteils über die Jahre gerettet wurden und organisierte Urlauber (Gewerkschaft, Betriebe) beherbergten, teilweise recht spartanisch. Dazu kamen ein paar Aushängeschilder für das gehobene Klientel und Ausländer mit dem typischen Protz-Charme der Stalinära, auch Neubauten, die dann schon eher an Bettenburgen erinnerten.
Die Ukraine hat durchaus eine Menge Geld reingepumpt, die Subventionen waren deutlich höher, als die Steuereinnahmen. Das ging aber vorwiegend in Infrastruktur, Technik und Denkmalschutz, kaum in touristische Einzelobjekte. Da wurde aber dennoch viel bewegt mit Investoren, die aus dem Westen und sogar USA kamen. Angeblich haben auch private Ukrainer kräftig investiert.
Das Schwalbennest wurde z.B. zum italienischen Restaurant "Nido di rondine", der Liwadia-Palast wurde komplett restauriert, ebenso der Khans-Palast usw. Bei Massandra wurde enorm investiert und die Sektproduktion wurde auf internationales Niveau gebracht.
Russland wird seit einem Jahr an seinen Taten auf der Krim gemessen. Erste Erfolge sind erkennbar:
So schlimm sah es nun auch nicht zu ukrainischer Zeit aus. Aber nun hat Russland das Loch ohne Boden geerbt, muss massiv investieren, um die Infrastruktur der neuen Geografie anzupassen, denn mit den Anschlüssen an die Ukraine kann man kaum noch was anfangen.
Auch das ist Propaganda!
Komisch, dass die Freunde sich vor den Propaganda-Brigaden fürchten. Aber vielleicht laufen die nur durch die falschen Straßen.
Ab April finden zum Beispiel Kreuzfahrten zwischen Jalta und Istanbul statt...
Das sieht mir eher nach Linienverkehr aus. Pardon, aber Kreuzfahrten waren mein Job als Veranstalter und darüber kann ich nur milde lächeln. Sicherlich, ein interessantes Angebot für Russischen reisende in die Türkei, Einkaufsfahrten Nach Istanbul waren schon immer ein Renner. Wie viele Türken auf die Krim reisen, bleibt fraglich, obwohl die Krim ja eigentlich historischen "Mutterland" der Türkei ist.
Die EU Hat sich mit ihren Sanktionen auch auf der Krim ein Eigentor geschossen. Vorsicht Politik:
Da wurde das Tor schon vorher geschossen und etliche Kreuzfahrten wurden aus Sicherheitsgründen umgeleitet. Die Sanktionen, die dann folgten, betrafen/betreffen eher andere Schwarzmeerhäfen. Die Krimsanktionen zielen auch weniger auf den Tourismus, denn der reguliert sich nahezu selbst nach Angebot und Nachfrage. Wenn es kriselt, dann bleiben die Gäste weg und nur noch ein paar Abenteurer fahren trotzdem hin. Mit denen kann man aber kein Geld machen.
Und somit gibt es tatsächlich von dieser Seite keine Kreuzfahrten „Rundreisen an der Schwarzmeerküste“. Der Witz an der Sache ist noch, dass die zur Ukraine gehörende Stadt Odessa auch wegfällt und damit „unrechtmäßig“ bestraft wird.
Mit der "Ivan Franko" bin ich mehrmals 'rundherum' gefahren. Da waren auch Häfen bei, die schon lange kein Kreuzfahrer mehr anläuft. Istabul - Samsun - Trabzon - Batumi/Poti - Sochumi - Sotschi - Jalta - Odessa - Constantia - Warna --- da gibt es mehr Verlierer, die nicht sanktioniert sind.
Ja, „westliche Touristen“ hat man auch in den letzten Jahren kaum gesehen. Die Krim wird sie also zahlenmäßig kaum vermissen. Im Hotel „Jalta Intourist“ starteten manchmal Busrundreisen mit deutschen Touristen.
Abgesehen von Kreuzfahrten, die ganz ordentlich liefen, war der westliche Zustrom in die Ukraine und auf die Krim eher verhalten. Das waren vielleicht noch Traumziele der DDR-Bewohner und später allenfalls für Nostalgiker und Urlauber, die immer mal wieder was Anderes machen.
Die Krim war und ist beliebtes Urlaubsziel der Weißrussen, Ukrainer und Russen.
Da sind die großen Einbrüche zu verzeichnen, die gerade meine Freunde betreffen und was sie so maßlos frustriert.
Die Ukrainer, früher das Hauptkontingent, sind praktisch ein Totalausfall, selbst die russophoben Südostukrainer, denn die haben andere Sorgen jetzt. Die paar Verwandten- und Freundesbesuche machen den Kohl nicht fett.
Die Weißrussen, früher fast auf einer Linie runtergerutscht, können nur noch fliegen oder riesige Umwege machen. Wenn schon Flieger, dann kann man ja gleich in die Türkei.
Den Russen will man aus patriotischen Gründen den Krimurlaub schmackhaft machen, aber das scheint nicht so zu klappen, wie geplant. Vielleicht boomt es wieder, wenn die Anreise mit Bahn oder Auto via Kerch einwandfrei und schnell läuft. Der Umweg von Moskau über Rostow ist mit 4 Std. Fahrzeit noch erträglich, wenn es über die neue Brücke geht und man nicht auf Fähren warten muss.
Arbeitskräfte in den Hotels, Taxifahrer... stammen oft aus Aserbaidschan (Saisonarbeiter). Und nicht zu vergessen, die Krimtataren, die man doch gern in der EU als Widerstandskämpfer gegen Russland sehen würde. Alle leben vom Tourismus.
Das sind die echten Verlierer. Wie lange die noch ruhig bleiben, ist eine Frage der Zeit.
Auch wenn der Anschluss an Russland vielleicht wirtschaftlich ein paar Vorteile bringt (z.B. höhere Renten, prall gefüllte Supermärkte), halte ich die nächste Krim-Revolte nicht für ausgeschlossen. Russland hat sich damit einen sehr prestigestarken Klotz ans Bein gehängt und die Ukraine kann eigentlich froh sein, dass sie den Kostenfaktor los ist. Na ja, wenigstens als teure Militärbasis ist die Krim noch brauchbar.