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Einwanderung jüdischer Russen nach Deutschland unter welchen Bedingungen möglich?

Verfasst: 12 Apr 2015, 13:57
von just3042
Hallo Leute,

aktuell wollen jüdische Verwande meiner Frau (sie haben die Beweisdokumente bereits zusammengetragen) aus Russland auswandern.

Zur Debatte stehen Deutschland und Israel (wegen Kriegsgefahr nur ungern).

Da sie wissen, dass ihre Verwandte einen deutschen Mann hat (ich), haben sie sich an mich gewendet, ob und unter welchen Bedingungen es möglich wäre, nach Deutschland einzuwandern.

Ich habe bereits ohne viel Erfolg das Internet bemüht und habe nur rausgefunden, dass sie bis 2005 wohl Asyl beantragen konnten, es seitdem aber ein neues Einwanderungsgesetz gibt, das das neu regelt.

Weiß jemand von euch etwas konkreteres zu diesem Thema und kann mir dazu aufschlussreiche Quellen nennen?

Vielen Dank im Voraus und

viele Grüße aus Moskau,
Justin

Re: Einwanderung jüdischer Russen nach Deutschland unter welchen Bedingungen möglich?

Verfasst: 12 Apr 2015, 14:46
von Saboteur
Hallo Justin,

laut Internet hat sich die Situation der "Kontingentflüchtlinge" geändert und nun gilt für diese Gruppen § 23 AufenthG..

http://dejure.org/gesetze/AufenthG/23.html

Die oberste Landesbehörde kann aus völkerrechtlichen oder humanitären Gründen oder zur Wahrung politischer Interessen der Bundesrepublik Deutschland anordnen, dass Ausländern aus bestimmten Staaten oder in sonstiger Weise bestimmten Ausländergruppen eine Aufenthaltserlaubnis erteilt wird..

Ich würde an deiner Stelle der deutschen Botschaft eine Email mit deinem Anliegen schreiben und mich erkundigen wer zuständig ist. Bisher haben die immer echt schnell und nachvollziehbar geantwortet wenn ich da eine Frage hatte.

Re: Einwanderung jüdischer Russen nach Deutschland unter welchen Bedingungen möglich?

Verfasst: 12 Apr 2015, 18:54
von klaupe
Saboteur hat geschrieben:laut Internet hat sich die Situation der "Kontingentflüchtlinge" geändert und nun gilt für diese Gruppen § 23 AufenthG.
Das Kontingent ist ja mehr als ausgeschöpft, obwohl de facto eigentlich ein Defizit zu verzeichnen ist, denn viele Juden haben Deutschland nur als Sprungbrett benutzt, um weiter nach Israel oder USA auzuwandern.

Das Aufenthaltsgesetz gibt da nicht viel her, da es nur, beim Vorliegen bestimmter Voraussetzungen, den (vorübergehenden) Aufenthalt regelt, nicht aber eine Einwanderung mit Erteilung der deutschen Staatsbürgerschaft.

Die Chancen wären besser, wenn in Russland die Juden allgemein und aktiv verfolgt wären und deren Existenz bedroht wäre. Auch bei besten Chancen wünschen wir das Keinem.

Re: Einwanderung jüdischer Russen nach Deutschland unter welchen Bedingungen möglich?

Verfasst: 13 Apr 2015, 20:55
von zimdriver
Die deutsche Botschaft Moskau hat besondere Sprechzeiten und Ansprechpartner für die jüdische Emigration. Die Verwandten sollten sich dahin wenden, wenn sie Konkretes wissen wollen. Auf der Seite der Botschaft gibt es Basisinformationen:
Jüdische Zuwanderer
Das ist vielleicht ein wenig hilfreicher als die wertvollen Tips des Einmalreisenden klaupe.

Re: Einwanderung jüdischer Russen nach Deutschland unter welchen Bedingungen möglich?

Verfasst: 13 Apr 2015, 22:50
von m1009
24/7.... Hauptsache die Quantität stimmt.

Re: Einwanderung jüdischer Russen nach Deutschland unter welchen Bedingungen möglich?

Verfasst: 13 Apr 2015, 23:35
von just3042
@ zimdriver,

das ist doch schon mal was konkreteres! Ich denke mal, es wird bei meinen Verwandten an der Sicherung des Lebensunterhalts scheitern, aber vielleicht auch nicht. Im Mai fahren wir sie besuchen, dann kann ich mit ihnen mal die Anforderungen durchgehen und mal gucken, ob es überhaupt eine Chance hat. Der jüdische Vater ist jedenfalls schon bewiesen, allerdings praktizieren sie das Judentum aktuell nicht aktiv. Mal sehen...

Danke!

Gruß aus Moskau, Justin

Re: Einwanderung jüdischer Russen nach Deutschland unter welchen Bedingungen möglich?

Verfasst: 14 Apr 2015, 00:41
von klaupe
just3042 hat geschrieben:Ich denke mal, es wird bei meinen Verwandten an der Sicherung des Lebensunterhalts scheitern, ... Der jüdische Vater ist jedenfalls schon bewiesen, allerdings praktizieren sie das Judentum aktuell nicht aktiv. Mal sehen...
Die Aufnahme als jüdischer Zuwanderer in der Bundesrepublik Deutschland ist an bestimmte Voraussetzungen gebunden. Das Bundesamt kann Ihrem Antrag in der Regel nur entsprechen, wenn: ......
4. Sie dauerhaft selbst für Ihren Lebensunterhalt in der Bundesrepublik Deutschland sorgen können,
und
5. der Nachweis zur Aufnahmemöglichkeit in einer jüdischen Gemeinde im Bundesgebiet erbracht wird.
.....
Aufnahmemöglichkeit in einer jüdischen Gemeinde
Das Aufnahmeverfahren für jüdische Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion soll vor allem das jüdische Leben in der Bundesrepublik Deutschland stärken. Daher ist eine Aufnahmevoraussetzung, dass der Nachweis zur Aufnahmemöglichkeit in einer jüdischen Gemeinde im Bundesgebiet erbracht wird. Es muss für Sie also aus jüdisch-religiöser Sicht die Möglichkeit bestehen, dass Sie nach Ihrer Einreise in eine jüdische Gemeinde in Deutschland aufgenommen werden können.
Dazu müssen Sie selbst nicht tätig werden. Das Bundesamt fordert eine entsprechende gutachterliche Stellungnahme von der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V. (ZWST) an. Diese prüft Ihre Aufnahmemöglichkeit in eine jüdische Gemeinde unter Einbindung der Union Progressiver Juden (UPJ).

Re: Einwanderung jüdischer Russen nach Deutschland unter welchen Bedingungen möglich?

Verfasst: 21 Apr 2015, 21:05
von Glider
Schmunzeln, als das Mindeste, musste ich ja schon, wenn das Merkblatt von "juedischer Nationalitaet" spricht. Bisher war ich immer von einer Religion ausgegangen

Re: Einwanderung jüdischer Russen nach Deutschland unter welchen Bedingungen möglich?

Verfasst: 23 Apr 2015, 22:26
von klaupe
Glider hat geschrieben:Schmunzeln, als das Mindeste, musste ich ja schon, wenn das Merkblatt von "juedischer Nationalitaet" spricht. Bisher war ich immer von einer Religion ausgegangen
"Bisher" kann man ändern, denn tatsächlich handelt es sich nach jüdischem Selbstverständnis um eine Nation, die alle einschließt, die von Abraham abstammen, also zum Stamm oder Volk der Juden gehören.

Dass es auch eine Religion ist, ich vermutlich einmalig, jedenfalls fällt mir keine Gruppe ein, mit identischer Bezeichnung für Volk und Religion (vielleicht die Anglikaner?)

Unter die Zuzugs-Regelung fallen auch die jüdischen Atheisten, nicht aber diejenigen, die zum jüdischen Glauben konvertiert sind.
In der Praxis ist schon die Kombination Nation/Religion bevorzugt, dafür sorgt dann schon die Einschaltung der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland.

Genau genommen ist man Jude, mit jüdischen Eltern oder wenn wenigstens die Mutter Jüdin ist. Ein jüdischer Vater ist nach strenger Regelung nicht ausreichend.

Die Nazis waren da 'großzügiger'. Da zählte auch der Vater oder sonst irgendein Vorfahr, die angenommene Religion oder auch nur der Verdacht, um ins Unglück gestürzt zu werden.