Die westliche Propaganda ist so professionell, dass die Tatsachen für das, was wir denken sollen, kaum mehr eine Rolle spielen.
Den Bericht über ein Treffen von vier Spitzenpolitikern in Paris in den Tagesthemen am 2.10.2015 begann Thomas Roth mit folgendem Satz:
„Es sind zur Zeit gleich zwei gefährliche internationale Krisen, die sich mit einem Mann verbinden: mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.“
Dann folgte der Hinweis auf die Ukraine und Syrien. Das ist eine sehr professionelle Zuweisung der Verantwortung. Jetzt wird Putin auch für die Krise in Syrien verantwortlich gemacht. Thomas Roth und die ARD befinden sich in zahlreicher Gesellschaft in der deutschen Medienwelt. Ich nenne nur drei Beispiele: Der Tagesspiegel kam drei Tage später, am 5. Oktober mit einem Interview mit dem Historiker Karl Schlögel und der Überschrift „Man muss bei Putin mit allem rechnen“. FAZ Net kam mit der Überschrift „Gewaltherrscher in bester Laune“ Und sogar der sozialdemokratische Vorwärts schlägt in die gleiche Kerbe, mit einem Artikel von Jörg Armbruster „Krieg in Syrien: worum es Putin wirklich geht“.
Es gibt im Westen fast keine abgewogene und differenzierte Betrachtung Russlands und seiner politischen Führung mehr. In den meisten Medien wird Russland als der Störenfried schlechthin betrachtet. Die Methode der Personalisierung auf Putin als den Bösewicht ist typisch dafür. Feindbilder lassen sich an Personen besser festmachen als an Völkern. So ist das offensichtlich.
Wenn Sie am Wochenende ein bisschen Zeit und Muse haben, sich mit Originaltexten von Reden zu befassen, dann wäre zu empfehlen, sich die beiden Reden von Präsident Obama und Präsident Putin vor der UNO Vollversammlung anzuhören bzw. sie zu lesen.
Hier ist zunächst der Link auf die Rede Präsident Obamas vor der UNO am 28.9.2015, mit simultaner Übersetzung.
https://www.youtube.com/watch?v=U97XoBr_JbQ
Und hier ist der Text der Rede von Präsident Putin auf der UNO-Generalversammlung ebenfalls vom 28. September 2015: Quelle: Übersetzungsbüro W. A. M. [PDF – 48,6 KB]
http://www.leslumieres.de/Rede%20Putins ... eutsch.pdf
Die Rede Putins war rundum vernünftig und auch getragen von der Sorge um internationale Zusammenarbeit.
In welchen deutschen Medien haben Sie von den vorgetragenen Gedanken des russischen Präsidenten gelesen? Die Medien hätten ja kritisch kommentieren können. Aber einfach unterschlagen, das geht nur, wenn man so auf Feindmodus eingestellt ist, wie das im Eingangssatz zu den Tagesthemen vom 2. Oktober deutlich wurde. Das ist unsere perverse Situation. Wir haben die großen Chancen des Abbaus der Konfrontation einfach verspielt.
Quelle:
http://www.nachdenkseiten.de/?p=27891