Buchempfehlung Sergej Lochthofen
Verfasst: 24 Nov 2015, 15:15
Ich habe gerade die beiden biografischen Bücher Sergej Lochthofens "Schwarzes Eis: Die Geschichte meines Vaters" und "Grau: Eine Lebensgeschichte aus einem untergegangenen Land" hintereinander weg gelesen und kann sie beide nur wärmstens empfehlen.
http://www.rowohlt.de/autor/sergej-lochthofen.html
Im ersten Buch schildert er den Lebensweg seines Vaters Lorenz Lochthofen, der als dt. Antifaschist in die UdSSR gegangen ist und später dort von Stalin in Workuta interniert wurde sowie dann später die Rückkehr der Familie in die DDR und deren weiteres Leben dort, im zweiten sein eigenes Leben als deutsch-sowjetischer "Mischling" in der DDR und z.T. auch in der UdSSR.
Ich komme aus der Gegend, in der der Lochthofen aufgewachsen und als Redakteur tätig gewesen ist (ehem. Bezirk Erfurt) und mein Vater hat u.a. im Büromaschinenwerk Sömmerda, das von Lorenz Lochthofen geleitet wurde, gearbeitet. Es gibt also einen gewissen regionalen Bezug und natürlich das Interesse an der (ddr-)deutsch-sowjetischen Geschichte.
Was mir bei der Lektüre besonders gefallen hat, ist die interessante, facettenreiche und lockere Schreibweise, die ohne pathetische Ausschweifungen auskommt und sich extrem gut lesen lässt. Er hat es gut geschafft, historische Fakten in den Text zu inkorporieren, ohne dass sich dieser wie ein Geschichts- oder Fachbuch liest. Obwohl das Schicksal seines Vaters ja durchaus als tragisch zu bezeichnen ist, wird im "Schwarzen Eis" nicht gejammert, sondern erzählt (auch mit einem gewissen Humor) und konstatiert. Er bringt gut seine innere Zerrissenheit zum Ausdruck (hier der Russe, dort der Deutsche) und lockert in "Grau" auch vieles mit Anekdoten, die ihm passiert sind, auf. Als Sowjetbürger mit sowjetischem Pass in der DDR, mit perfekten Deutsch- (und Russisch-)Kenntnissen und einem einigermaßen privilegierten Vater hat er auf jeden Fall viel Interessantes zu erzählen.
Also, wer noch interessante Tatsachenlektüre mit deutsch-russischem Bezug für die kalten Tage sucht, ist mit den beiden Büchern gut bedient.
Beste Grüße aus (Ost)Berlin
von Barbara
http://www.rowohlt.de/autor/sergej-lochthofen.html
Im ersten Buch schildert er den Lebensweg seines Vaters Lorenz Lochthofen, der als dt. Antifaschist in die UdSSR gegangen ist und später dort von Stalin in Workuta interniert wurde sowie dann später die Rückkehr der Familie in die DDR und deren weiteres Leben dort, im zweiten sein eigenes Leben als deutsch-sowjetischer "Mischling" in der DDR und z.T. auch in der UdSSR.
Ich komme aus der Gegend, in der der Lochthofen aufgewachsen und als Redakteur tätig gewesen ist (ehem. Bezirk Erfurt) und mein Vater hat u.a. im Büromaschinenwerk Sömmerda, das von Lorenz Lochthofen geleitet wurde, gearbeitet. Es gibt also einen gewissen regionalen Bezug und natürlich das Interesse an der (ddr-)deutsch-sowjetischen Geschichte.
Was mir bei der Lektüre besonders gefallen hat, ist die interessante, facettenreiche und lockere Schreibweise, die ohne pathetische Ausschweifungen auskommt und sich extrem gut lesen lässt. Er hat es gut geschafft, historische Fakten in den Text zu inkorporieren, ohne dass sich dieser wie ein Geschichts- oder Fachbuch liest. Obwohl das Schicksal seines Vaters ja durchaus als tragisch zu bezeichnen ist, wird im "Schwarzen Eis" nicht gejammert, sondern erzählt (auch mit einem gewissen Humor) und konstatiert. Er bringt gut seine innere Zerrissenheit zum Ausdruck (hier der Russe, dort der Deutsche) und lockert in "Grau" auch vieles mit Anekdoten, die ihm passiert sind, auf. Als Sowjetbürger mit sowjetischem Pass in der DDR, mit perfekten Deutsch- (und Russisch-)Kenntnissen und einem einigermaßen privilegierten Vater hat er auf jeden Fall viel Interessantes zu erzählen.
Also, wer noch interessante Tatsachenlektüre mit deutsch-russischem Bezug für die kalten Tage sucht, ist mit den beiden Büchern gut bedient.
Beste Grüße aus (Ost)Berlin