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Migrationskarte verloren

Verfasst: 04 Jan 2016, 12:48
von Gunnar
Erstmal frohes Neues an alle hier im Forum :)

Bin gerade vom alljährlichen Winterurlaub in der RF zurückgekehrt und wollte einen kleinen Erlebnisbericht abgeben.
Bei der Einreise Ende Dezember ist mir (vermutlich) direkt nach der Passkontrolle die von der Beamtin eingelegte Mirgrationskarte aus dem Pass rausgeflattert, ohne dass ich es gemerkt habe. Erst als wir schon im Regionalzug aus Moskau raus saßen ist mir siedendheiß eingefallen, dass ich vielleicht mal nachgucke, ob ich das Kärtchen drin habe, aber da war es schon nicht mehr da.

Also am nächsten Tag zum lokalen FMS um dort Schlangen von Leuten vor unterschiedlichen verschlossenen Fensterchen vorzufinden, die alle wild durcheinander redeten, Listen kreisen liessen und den Eindruck erweckten, als wisse kaum einer so recht wo er genau für sein Anliegen hinmüsse. Wir also angestanden und gewartet. Als wir an der Reihe waren hieß es nicht ohne ein vielsagendes Lächeln, wir müssten nach Moskau zur Zentralbehörde. Das Lächeln bezog sich offenbar darauf, dass dort nicht hundert sondern tausend Leute vor den Schaltern stehen. Wir dachten: Na gute Nacht.

Also haben wir uns kurzerhand entschlossen, nach Domodedovo direkt zum Flughafen zu fahren, um dort unser Glück zu versuchen. Zunächst zum Info-Point wo uns ebenfalls gesagt wurde, wir müssten in die Stadt zurück zur Zentralbehörde. Der Hinweis auf die Zustände dort erbarmte die Dame aber und sie schickte uns ins 1.OG zu einer verschlossenen Tür mit Wechselsprechanlage wo wir unser Anliegen vortrugen. Erst sollten wir wieder gehen, doch meine Frau insistierte und nach einigem Warten wurde uns dann gesagt, wo wir hin sollten. Am anderen Ende des Flughafens angelangt gab es aber nicht die zuvor beschriebene Stahltür. Wir fragten uns weiter durch bis wir dann endlich ganz wo anders an einer normalen Tür anlagten, die so aussah:

Bild

Ihr findet die Tür im rechten Bereich des 1. OG von Haupteingang aus gesehen. Es ist eine Wandöffnung da, von der zwei lange Gänge V-Förmig weggehen, dort nehmt Ihr den rechten Gang und findet die Tür weiter hinten rechts.

Wir jedenfalls dort geklopft und eingetreten. Uns wurde gesagt, der Zuständige sei gerade zum Mittagessen und wir sollten draußen warten. Nach 30 Minuten kam der Sachbearbeiter wieder und wir trugen das Anliegen vor. Er sagte, es dauere etwa 30 Minuten und wir sollten warten. Wir waren natürlich erstmal sehr froh, dass es offenbar überhaupt entgegen anderslautenden Ansagen im Flughafen klappen werde. Nach einer Stunde war noch nix passiert. Der Sachbearbeiter kam raus, ging rein, kam raus, ging rein, gelegentlich auch mit meinem Pass in der Hand, den er sich in der zwischenzeit hatte geben lassen. Wir fragten, was das Problem sei, er tat immer gestresst und antwortete nur mit: Schass Schass Schass (Moment Moment Moment). Nach zwei Stunden gingen wir einfach rein und fragten, was das Problem sei und dass wir nicht mehr stehen können. Er sagte, dann sollten wir uns halt in seinem Zimmer hinsetzen aber wieder passierte nix, allerdings konnten wir ihn nun dabei beobachten, dass er eigentlich fast gar nix tat und nur wichtig hin und her eilte. Auf die erneute Frage, wo das Problem bei meiner Angelegenheit sei, sagte er, nun sei sein Vorgesetzter, der unterschreiben müsse, nicht mehr da und wir sollten daher morgen wiederkommen. Wir waren völlig entnervt, als das Telefon klingelte und mein Schwiegervater dran war und sich alles beschreiben ließ. Dann lachte er und sagt, der Sachbearbeiter warte vielleicht einfach auf ein unwiderstehliches Angebot und lasse uns zappeln. Zu Bestechnungsversuchen waren wir ab er definitiv nicht bereit. Daher allen Mut zusammengenommen und einen kleinen Aufstand geprobt und siehe da, augenrollend gings plötzlich innerhalb von 10 Minuten. Formular ausfüllen, Foto machen, Fingerabdrücke nehmen und fertig. Gekostet hat es nichtmal eine Gebühr, aber 3 Stunden dummes rumstehen.

Im Ergebnis hatten wir offenbar Glück und sind an einen jungen Sachberarbeiter geraten der nicht ausreichend abgekocht war um uns weiter unter Druck zu setzen und notfalls unverrichteter Dinge wieder heimzuschicken. Die Unterschrift unter dem Papierchen, die angeblich von dem Vorgesetzten sein musste konnte er dann auch plötzlich problemlos selbst setzen.

Also alle mit demselben Problem: Es geht eigentlich problemlos am Einreiseflughafen, ohne Warteschlangen usw. Einfach darauf beharren.
Eine Frau, die auch keine Karte mehr hatte aber an einem anderen Flughafen eingereist war wurde allerdings knallhart weggeschickt. Es muss also der Einreiseflughafen sein.

Re: Migrationskarte verloren

Verfasst: 04 Jan 2016, 12:54
von bella_b33
Als VID Inhaber bekomme ich an einigen Flughäfen eine Migrationskarte ausgedruckt, die ich aber direkt in den nächsten Mülleimer befördere. Für Visanutzer ist dies aber wohl nicht zu empfehlen, da hatte ich sie bei der Ausreise immer dabei.

Re: Migrationskarte verloren

Verfasst: 04 Jan 2016, 13:08
von Gunnar
ja, wenn man mit Visum ausreist nehmen sie das Kärtchen stets raus und ich wollte nicht riskieren, dass es dann unter Zeitrdruck zu Problemen kommt.

Bei mir war noch ein Begleitschreiben von dem Sachberarbeiter dabei, das die Passbeamtin etwas irritiert las und nicht richtig wusste, was sie damit solle. Dann gab sie mir zurück und behielt das angefertigte Kartenduplikat.

Re: Migrationskarte verloren

Verfasst: 04 Jan 2016, 20:54
von werner
Danke Gunnar,
für diesen wertvollen Erlebnisbericht. Ich hatte auch immer ein wachsames Auge
auf meine Migrationskarte. Wie hier empfohlen, sollte man sich von allem eine
Kopie anfertigen. Ich gratuliere Dir zu Deinem Stehvermögen ;)

Re: Migrationskarte verloren

Verfasst: 11 Jan 2016, 10:00
von Zejtnot
Im Flughafen in Novosibirsk liegen im Ausreisebereich (!) Blankokarten rum. Denn obwohl ich als Вид-Inhaber gar keine brauche (und demzufolge auch keine habe), wollen die eine sehen. Dann verweisen sie einfach auf die Blankokarten.

Bei der Ausreise habe ich insofern nie jemanden mit Problemen erlebt, was aber kein Rat sein soll, den Verlust einfach hinzunehmen.

Ich habe es aber in Zügen erlebt, dass die Beamten keine Karten dabei hatten. Schlicht vergessen. War für mich kein Problem (da Вид-Inhaber). Ich habe dann aber mal meine Sachbearbeiterin im FMS gefragt, was in so einem Fall Gästen von mir drohen würde: "Ich möchte Ihnen das Problem nicht empfehlen!"

Re: Migrationskarte verloren

Verfasst: 11 Jan 2016, 10:16
von inorcist
Ein Freund von mir durfte bei der Ausreise einfach eine neue Karte ausfüllen. Ihm war zuvor nicht aufgefallen, dass er seine Karte verloren hatte.

Re: Migrationskarte verloren

Verfasst: 11 Jan 2016, 10:54
von m1009
Gleiches hat mir ein Schweizer Ehepaar, Mitte Dezember, auf dem Weg nach ZRH berichtet.

Re: Migrationskarte verloren

Verfasst: 11 Jan 2016, 12:19
von Gunnar
Das würde natürlich den ganzen Trouble überflüssig machen.
Allerdings wird die Migrationskarte vom Grenzbeamten genauso wie der Pass mit dem Tagesstempel abgestempelt.
Füllt man später einfach nur ein Blankoformular aus, dann fehlt dieser Stempel. Könnte also bei einem pingeligen Beamten dann durchaus zu einer Sonderbehandlung führen wenn ihm das auffällt, bis hin zu dem Vorwurf einer selbstständig angefertigten offiziellen Urkunde (könnte also zumindest reichen, um mit dem Vorwurf einer Urkundenfälschung herumzufuchteln).

Re: Migrationskarte verloren

Verfasst: 11 Jan 2016, 12:25
von Zejtnot
Gunnar, ich sehe das Potential zu Problemen ebenso. Deswegen hatte ich auch geschrieben: "was aber kein Rat sein soll, den Verlust einfach hinzunehmen."

Danke für Deinen Bericht!

Re: Migrationskarte verloren

Verfasst: 11 Jan 2016, 12:48
von m1009
Das würde natürlich den ganzen Trouble überflüssig machen.
Auf keinen Fall....

- Uebernachtung im Hotel i.d.R. ohne Karte unmoeglich.
- Bei Bahnreisen ist die Gefahr der Kontrolle sehr hoch.

Sollte die Ausreise unmittelbar bevor stehen, wurde ich es darauf ankommen lassen, event. etwas mehr Zeit fuer die Grenzkontrolle einplanen.

Aber ohne Karte durch Russland reisen.... niemals...