RVP in Petersburg - Erfahrungsbericht
Verfasst: 18 Jan 2019, 23:57
Nachdem es hier im Forum schon Berichte zu Moskau und Nizhny Novgorod gab, wollte ich auch noch meinen Senf dazugeben und über meine RVP-Erfahrung aus Petersburg berichten. Hab meine RVP im Juli 2018 beantragt, ebenfalls auf Grundlage einer Ehe mit einem russischen Staatsangehörigen.
Für Petersburg bzw. die Oblast Leningrad gibt es meines Wissens nur eine Stelle, die Anträge auf RVP/Vid usw. annimmt, und zwar die Abteilung für Migrationsangelegenheiten im Единый центр документов in der улица красного текстилщика 10-12. Dieses Zentrum befindet sich in der Nähe (ca. 2 km) der Metro-Station Tschernyschewskaja. Wer gut zu Fuß ist, kann von der Metro aus laufen, es fahren aber auch viele Busse/Marschrutkas, bei denen steht sogar in großen fetten Buchstaben "UFMS" als Fahrtziel dran. Die Annahmestelle befindet sich in der 2. Etage des Gebäudes (nach russischer Zählung in der 3. Etage). Wenn man aus dem Fahrstuhl kommt, ist man noch nicht direkt bei der Annahmestelle, sondern in einem Konsultationszentrum, das einem ab 4000 Rubel aufwärts bei der Zusammenstellung der Dokumente helfen kann (WICHTIG: der Antrag wird dabei nicht kontrolliert, sie kümmern sich nur um die ganzen Zertifikate und ggf. um Übersetzungen oder Beglaubigungen).
Für die Antragsabgabe braucht man keinen Termin, man muss nur frühzeitig da sein, um eine Wartenummer zu ergattern. Meist arbeitet die Annahmestelle ab 9 Uhr, dann fangen sie um 8.30 Uhr an, die Wartenummern zu verteilen - d.h. man sollte idealerweise spätestens um 8 Uhr da sein, um eine halbwegs niedrige Nummer zu bekommen. Leider läuft es nicht nach dem Prinzip "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst", d.h. die Ersten in der Schlange sind nicht unbedingt die Ersten, die eine Nummer kriegen. So wie ich es mitbekommen habe, verteilen sie zuerst an die Leute, die ihre RVP innerhalb der Quote bekommen wollen, dann kommen die Teilnehmer der offiziellen Rückkehrprogramme, dann die Leute, die auf Basis einer Heirat beantragen. Als Deutscher steht man da aber relativ weit unten in der Hackordnung, denn zuerst werden die Leute aus den GUS-Ländern aufgerufen, dann diejenigen, die schon im Vorjahr geheiratet haben, und erst dann alle anderen. Bei der Verteilung der Wartenummern (das macht eine Polizistin zusammen mit einigen Ochraniki) geht´s relativ ruppig/barsch zu, aber wenn man einmal seine Wartenummer hat, ist es nicht unentspannt.
Ich hab damals zwei Anläufe zum Abgeben des Antrags gebraucht und hatte jeweils eine Nummer zw. 60 und 65, das waren jeweils knapp 2,5 Stunden Warten. Hatte bei dem Andrang eigentlich mit Schlimmerem gerechnet.
Zu den Dokumenten:
Im Großen und Ganzen dasselbe, wie schon von meinen Vorrednern beschrieben. Mietvertrag o.ä. brauchte ich nicht, die normale Registrierung reichte.
Den Antrag habe ich selbst ausgefüllt, auf der Seite vom MVD gab´s ein Muster, das ich als Vorlage genutzt habe. Eigentlich sind wohl in dem Antrag tatsächlich keine Abkürzungen erlaubt, das MVD-Muster hatte aber auch welche drin (г., ООО, ИП, ул., д. usw.), deshalb habe ich die in meinem Antrag auch benutzt – gab überhaupt keine Probleme, nicht mal Nachfragen. Postleitzahlen hab ich im Antrag auch nicht angegeben, weder russische noch deutsche, ging problemlos durch.
Zur Frage der Passübersetzung: Das Übersetzungsbüro, bei dem ich war, hat am Anfang einfach geschrieben „Übersetzung aus dem Deutschen, Englischen und Französischen“, sodass die Übersetzung bei mir nur einmal da stand und nicht dreimal, wie von Julian beschrieben.
Das Problem war beim ersten Abgabeversuch, dass ich vergessen hatte, die Geburtsdaten meiner Eltern in den Antrag zu schreiben (Schusseligkeit) und dass mein Name in den verschiedenen Dokumenten unterschiedlich geschrieben war. Hab zwei Vornamen, die mit Bindestrich verbunden sind – in den russischen Dokumenten stand es mal mit Bindestrich, mal ohne. Hab da vorher nie drauf geachtet, weil ich immer dachte, dass der Bindestrich den Russen eh egal ist, seitdem bin ich aber auch da penibel geworden. Das Ende vom Lied war dann, dass ich in allen Dokumenten die russischsprachige Namensvariante in eine einheitliche Version bringen musste – entweder alles mit Bindestrich oder alles ohne. Das war ein wenig zusätzliche Rennerei, aber danach wurde der Antrag ohne Weiteres angenommen.
Noch ein paar grundsätzliche Kommentare zu der Annahmestelle: Dort sitzen direkt die Inspektoren vom MVD, sodass man nicht erst noch an irgendwelchen anderen Prüfern vorbeimuss. Die Inspektoren waren höflich, korrekt und sogar richtig ehrlich freundlich – ich war fast ein bisschen überrascht, denn so viel Freundlichkeit hatte ich in diesem riesigen und stressigen Annahmezentrum nicht erwartet. Die erste Inspektorin hat mir ganz ruhig erklärt, wo was in meinem Antrag/in den Dokumenten verbessert werden muss, und hat auch auf mehrmalige Rückfragen geduldig und freundlich geantwortet. Die zweite Inspektorin hat sogar selber noch eine Kopie von meiner Heiratsurkunde gemacht (ich hatte die Urkunde beim Kopieren auf A4 vergrößert, worauf die Inspektorin scherzhaft meinte, das wäre ja die Version für Blinde, sie würde mal noch eine Kopie für Normalsichtige machen).
Außerdem gab es bei mir keinerlei Verzögerungen beim Erhalt der RVP. Nach Abgabe des Antrags meinte die Inspektorin, dass ich in etwa 5 Monaten mal auf dem Onlineportal nachschauen könnte, wie weit die RVP ist. Nach ziemlich genau 5 Monaten (Mitte Juli – Mitte Dezember) war dann auch die Info online zu sehen, dass über den Antrag entschieden wurde.
Als Fazit: Zuerst war ich von dem ganzen Prozedere etwas eingeschüchtert, wurde letztendlich aber positiv überrascht, da alles verhältnismäßig schnell und problemlos geklappt hat.
Für Petersburg bzw. die Oblast Leningrad gibt es meines Wissens nur eine Stelle, die Anträge auf RVP/Vid usw. annimmt, und zwar die Abteilung für Migrationsangelegenheiten im Единый центр документов in der улица красного текстилщика 10-12. Dieses Zentrum befindet sich in der Nähe (ca. 2 km) der Metro-Station Tschernyschewskaja. Wer gut zu Fuß ist, kann von der Metro aus laufen, es fahren aber auch viele Busse/Marschrutkas, bei denen steht sogar in großen fetten Buchstaben "UFMS" als Fahrtziel dran. Die Annahmestelle befindet sich in der 2. Etage des Gebäudes (nach russischer Zählung in der 3. Etage). Wenn man aus dem Fahrstuhl kommt, ist man noch nicht direkt bei der Annahmestelle, sondern in einem Konsultationszentrum, das einem ab 4000 Rubel aufwärts bei der Zusammenstellung der Dokumente helfen kann (WICHTIG: der Antrag wird dabei nicht kontrolliert, sie kümmern sich nur um die ganzen Zertifikate und ggf. um Übersetzungen oder Beglaubigungen).
Für die Antragsabgabe braucht man keinen Termin, man muss nur frühzeitig da sein, um eine Wartenummer zu ergattern. Meist arbeitet die Annahmestelle ab 9 Uhr, dann fangen sie um 8.30 Uhr an, die Wartenummern zu verteilen - d.h. man sollte idealerweise spätestens um 8 Uhr da sein, um eine halbwegs niedrige Nummer zu bekommen. Leider läuft es nicht nach dem Prinzip "Wer zuerst kommt, mahlt zuerst", d.h. die Ersten in der Schlange sind nicht unbedingt die Ersten, die eine Nummer kriegen. So wie ich es mitbekommen habe, verteilen sie zuerst an die Leute, die ihre RVP innerhalb der Quote bekommen wollen, dann kommen die Teilnehmer der offiziellen Rückkehrprogramme, dann die Leute, die auf Basis einer Heirat beantragen. Als Deutscher steht man da aber relativ weit unten in der Hackordnung, denn zuerst werden die Leute aus den GUS-Ländern aufgerufen, dann diejenigen, die schon im Vorjahr geheiratet haben, und erst dann alle anderen. Bei der Verteilung der Wartenummern (das macht eine Polizistin zusammen mit einigen Ochraniki) geht´s relativ ruppig/barsch zu, aber wenn man einmal seine Wartenummer hat, ist es nicht unentspannt.
Ich hab damals zwei Anläufe zum Abgeben des Antrags gebraucht und hatte jeweils eine Nummer zw. 60 und 65, das waren jeweils knapp 2,5 Stunden Warten. Hatte bei dem Andrang eigentlich mit Schlimmerem gerechnet.
Zu den Dokumenten:
Im Großen und Ganzen dasselbe, wie schon von meinen Vorrednern beschrieben. Mietvertrag o.ä. brauchte ich nicht, die normale Registrierung reichte.
Den Antrag habe ich selbst ausgefüllt, auf der Seite vom MVD gab´s ein Muster, das ich als Vorlage genutzt habe. Eigentlich sind wohl in dem Antrag tatsächlich keine Abkürzungen erlaubt, das MVD-Muster hatte aber auch welche drin (г., ООО, ИП, ул., д. usw.), deshalb habe ich die in meinem Antrag auch benutzt – gab überhaupt keine Probleme, nicht mal Nachfragen. Postleitzahlen hab ich im Antrag auch nicht angegeben, weder russische noch deutsche, ging problemlos durch.
Zur Frage der Passübersetzung: Das Übersetzungsbüro, bei dem ich war, hat am Anfang einfach geschrieben „Übersetzung aus dem Deutschen, Englischen und Französischen“, sodass die Übersetzung bei mir nur einmal da stand und nicht dreimal, wie von Julian beschrieben.
Das Problem war beim ersten Abgabeversuch, dass ich vergessen hatte, die Geburtsdaten meiner Eltern in den Antrag zu schreiben (Schusseligkeit) und dass mein Name in den verschiedenen Dokumenten unterschiedlich geschrieben war. Hab zwei Vornamen, die mit Bindestrich verbunden sind – in den russischen Dokumenten stand es mal mit Bindestrich, mal ohne. Hab da vorher nie drauf geachtet, weil ich immer dachte, dass der Bindestrich den Russen eh egal ist, seitdem bin ich aber auch da penibel geworden. Das Ende vom Lied war dann, dass ich in allen Dokumenten die russischsprachige Namensvariante in eine einheitliche Version bringen musste – entweder alles mit Bindestrich oder alles ohne. Das war ein wenig zusätzliche Rennerei, aber danach wurde der Antrag ohne Weiteres angenommen.
Noch ein paar grundsätzliche Kommentare zu der Annahmestelle: Dort sitzen direkt die Inspektoren vom MVD, sodass man nicht erst noch an irgendwelchen anderen Prüfern vorbeimuss. Die Inspektoren waren höflich, korrekt und sogar richtig ehrlich freundlich – ich war fast ein bisschen überrascht, denn so viel Freundlichkeit hatte ich in diesem riesigen und stressigen Annahmezentrum nicht erwartet. Die erste Inspektorin hat mir ganz ruhig erklärt, wo was in meinem Antrag/in den Dokumenten verbessert werden muss, und hat auch auf mehrmalige Rückfragen geduldig und freundlich geantwortet. Die zweite Inspektorin hat sogar selber noch eine Kopie von meiner Heiratsurkunde gemacht (ich hatte die Urkunde beim Kopieren auf A4 vergrößert, worauf die Inspektorin scherzhaft meinte, das wäre ja die Version für Blinde, sie würde mal noch eine Kopie für Normalsichtige machen).
Außerdem gab es bei mir keinerlei Verzögerungen beim Erhalt der RVP. Nach Abgabe des Antrags meinte die Inspektorin, dass ich in etwa 5 Monaten mal auf dem Onlineportal nachschauen könnte, wie weit die RVP ist. Nach ziemlich genau 5 Monaten (Mitte Juli – Mitte Dezember) war dann auch die Info online zu sehen, dass über den Antrag entschieden wurde.
Als Fazit: Zuerst war ich von dem ganzen Prozedere etwas eingeschüchtert, wurde letztendlich aber positiv überrascht, da alles verhältnismäßig schnell und problemlos geklappt hat.