Erstaunlicher Erkenntnisgewinn bei Ronzheimer (BILD) und Melnik (UA)

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Zejtnot
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Erstaunlicher Erkenntnisgewinn bei Ronzheimer (BILD) und Melnik (UA)

Beitrag von Zejtnot »

Seit dem Streitgespräch zwischen Wagenknecht und Ronzheimer höre ich ab und zu in den Podcast von Ronzheimer rein, da seine Ansichten meinem Eindruck meist völlig widersprechen, ich diese Seite aber gern verstehen will. Zum Hintergrund: Paul Ronzheimer ist Chefreporter bei BILD und sehr häufig als Kriegsreporter an der ukrainischen Front. Er redet also nicht nur Theorie, sondern ist wirklich nah dran, dadurch aber auch sehr stark ideologisch geprägt. Dazu kommt mit der BILD-Zeitung als Arbeitgeber ein Blatt, welches die Doktrin nicht einmal verheimlicht.

Jedenfalls hat er nun ein Interview mit Melnik gemacht, dem ehemaligen ukrainischen Botschafter in Berlin, den sicher die meisten noch als Scharfmacher in Erinnerung haben.

https://ronzheimer.podigee.io/95-andrij-melnyk

Wirklich spannend ist, dass beide sich ganz ernsthaft darüber unterhalten, dass der Rückhalt für einen bedingungslosen Kampf gegen Russland bröckelt. Dass es keinen Ausweg zu Verhandlungen gibt, allenfalls eine Frage, wann. Und das ist schon erstaunlich. Einerseits weil Ronzheimer gegenüber Wagenknecht im Februar noch ganz anders klang. Andererseits weil sich Melnik da ganz anders tönt als kürzlich Selensky und Klitschko - die dies natürlich so niemals sagen würden, selbst wenn sie so denken. Aber dass es Melnik sagt, ist für mich schon unerwartet.
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saransk
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Re: Erstaunlicher Erkenntnisgewinn bei Ronzheimer (BILD) und Melnik (UA)

Beitrag von saransk »

Jedenfalls hat er nun ein Interview mit Melnik gemacht, dem ehemaligen ukrainischen Botschafter in Berlin, den sicher die meisten noch als Scharfmacher in Erinnerung haben.
Melnik war in meinen Augen nicht unbedingt ein Scharfmacher, sondern jemand, der das ganze auch damals schon nüchtern betrachtet hat.
Er hat wahrscheinlich als erster die kritische Lage seines Landes erkannt, und versucht, notwendige Unterstützung schnell und in großem Umfang zu organisieren.
Und hier hat der Westen (nicht nur Deutschland) doch mal wieder richtig versagt, und tut es ja immer noch. Nicht nur, weil der Rückhalt in breiten Bevölkerungsschichten und auch der Politik bröckelt.
Ich befürchte ja auch, das die Ukraine sich nicht mehr unendlich lange halten kann, einfach auch weil die Manpower zu Ende geht. Und dann werden wir in allen Ländern, die westlich und nördlich der UA liegen erst richtig Probleme bekommen.
Der Westen hatte seine Chance, und hat sie vergeigt. Alles was jetzt kommt, wird wahrscheinlich mühsam, teuer und unappetitlich.
paramecium
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Re: Erstaunlicher Erkenntnisgewinn bei Ronzheimer (BILD) und Melnik (UA)

Beitrag von paramecium »

saransk hat geschrieben: 26 Jun 2024, 18:05 Und hier hat der Westen (nicht nur Deutschland) doch mal wieder richtig versagt, und tut es ja immer noch. Nicht nur, weil der Rückhalt in breiten Bevölkerungsschichten und auch der Politik bröckelt.
Ich befürchte ja auch, das die Ukraine sich nicht mehr unendlich lange halten kann, einfach auch weil die Manpower zu Ende geht. Und dann werden wir in allen Ländern, die westlich und nördlich der UA liegen erst richtig Probleme bekommen.
Der Westen hatte seine Chance, und hat sie vergeigt. Alles was jetzt kommt, wird wahrscheinlich mühsam, teuer und unappetitlich.
Sehe ich komplett anders. Meiner Ansicht nach geht die Taktik "des Westen" komplett auf. Vom Einmarsch Russlands war man überrascht und hat diesen erst wenige Wochen davor vorhergesehen. Der Krieg kam denkbar ungelegen, denn die USA sehen berechtigterweise China als Hauptrivalen im 21. Jahrhundert und wollen die pazifische Region militärisch stärken.
Nachdem man gemerkt hat, dass die Ukrainer Willens waren sich zu verteidigen, wurden pèu á pèu genau so viele Waffen geliefert, wie nötig waren um Gebiete zu halten (und sogar einige Teile zurückzuerobern), aber viel zu wenig um einen Sieg zu erringen.
Von den USA wurde zu großen Teilen Technik geliefert die entweder stark veraltet ist oder bereits zur Ausmusterung bereit stand. Da stehen dann vermeintlich große Zahlen im Raum. Beispielsweise aktuell für eine Variante der Kurzstreckenrakete ATACMS mit Streumunition von Anfang der 1990er, die längst abgeschrieben waren und in den nächsten Jahren zur Verschrottung vorgesehen waren. Die Bestände füllt man dann mit neuer Technik aus der eigenen jetzt boomenden Rüstungsindustrie auf.
Ziel des Ganzen ist unter anderem mit wenig Einsatz dem russischen Militär so großen Schaden wie möglich zuzufügen und Schwächen zu ermitteln, was in den letzten beiden Jahren, aus Sicht der USA, wunderbar gelungen ist (das Prestigeobjekt T14-Armata kann man vergessen, S-400 kann man selbst mit 30 Jahre alten Raketen abschießen, Patriot holen Kinschal runter, Schwarzmeerflotte nunja...). Man nimmt Russland damit für Jahre militärisch aus dem Spiel. Gleichzeitig einigt man "den Westen" und rüstet in Europa auf. Ein "Sieg" war nie das Ziel, allein schon weil man damit Putin stürzen und Russland komplett destabilisieren würde. Die Baustelle braucht keiner.
Zweckoptimisten in Russland reden jetzt davon, dass die NATO ja in der Ukraine trotz vollem Einsatz nicht gewinne sowie davon, dass jetzt endlich eine angeblich mulitpolare Weltordnung mit den USA, Russland und China anbricht. Was den Russen offenbar niemand gesagt hat ist, dass der vermeintliche Verbündete China laut eigenem Bekunden ja mittelfristig eine bilaterale Weltordnung (China/USA) anstrebt. Die Chinesen betreiben Realpolitik par excellence was die Russen früher oder später merken werden.
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