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Muss Chodorkowski ins Straflager?
Verfasst: 17 Mai 2005, 18:18
von Anonymous
Der Fall Chodorkowski beschaeftigt sowohl die russische wie auch die internationale Oeffentlichkeit seit laengerem.
Ein juristisches (oder doch politisches?) Urteil ueber die Person Chodorkowski steht unmittelbar bevor:
http://www.dw-world.de/dw/article/0,156 ... 83,00.html
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,356069,09.html
Ehemals reichster Mann Russlands mit einem geschaetzten Vermoegen von unglaublichen 8 Milliarden US-Dollar, heute ein ergrauter, im Gerichtskaefing sitzender Haeftling mit Aussicht auf Lagerhaft.
Wer ist Chodorkowski? Skrupelloser Privatisierungsgewinnler oder doch ein Opfer der alten sowjetischen Machtstrukturen?
Hat Putin Angst vor Chodorkowski? Es wird gemunkelt, Putin wolle zumindest bis zur Beendigung seiner Amtszeit im Jahr 2008 Chodorkowski "wegsperren". Bekanntermassen hat Chodorkowski mit seinen vielen Dollars die Opposition bereitwillig unterstuetzt.
Jedenfalls ist mit der Verhaftung Chodorkowskis eine eindeutige Richtungsbestimmung in der russischen Politik betrieben worden, die noch lange anhalten wird: weniger Macht fuer kapitalkraeftige Magnaten, mehr Macht fuer den russischen Staatsapparat.
Was haltet ihr von dieser Richtungsbestimmung? Eure Meinung wuerde mich interessieren!
Re: Muss Chodorkowski ins Straflager?
Verfasst: 17 Mai 2005, 19:06
von Dave
tass hat geschrieben:Bekanntermassen hat Chodorkowski mit seinen vielen Dollars die Opposition bereitwillig unterstuetzt.
Jedenfalls ist mit der Verhaftung Chodorkowskis eine eindeutige Richtungsbestimmung in der russischen Politik betrieben worden, die noch lange anhalten wird: weniger Macht fuer kapitalkraeftige Magnaten, mehr Macht fuer den russischen Staatsapparat.
1. Welche Opposition? Er selbst hatte sich doch politisch geäussert, oder haben das alle schon vergessen?
2. Habe schon an anderer Stelle geschrieben; wer sich mit Hilfe des Staates bereichert, oder schöner gesagt: Geld verdient, sollte diesem nicht in den Rücken fallen. Diskretion ist selten von negativer Auswirkung.
Steuersünder, Schattenwirtschaftler oder wie auch immer..., zu bestrafen ist ein gutes Recht eines jeden Staates. Die Beweise müssen aber eindeutig vorliegen.
Genau da ist es doch im Fall Chodorkowski für den Aussenstehenden nicht genau ersichtlich, ob denn die Beweislast unvoreingenommen vorliegt. Denn wegen politischem Engagement, kann selbst in Russland niemand zu einer Haftstrafe verurteilt werden.
Dave
Re: Muss Chodorkowski ins Straflager?
Verfasst: 17 Mai 2005, 20:38
von Gast
Dave hat geschrieben:
1. Welche Opposition? Er selbst hatte sich doch politisch geäussert, oder haben das alle schon vergessen?
Ich glaube, jeder weiss, dass Chorodkowski auch selbst politische Ambitionen hatte. Das ist ja gerade der Knackpunkt des ganzen Geschichte.
Trotzdem hat er sehr wohl andere oppositionelle Parteien finanziell unterstzuetzt, z.B. die Jabloko-Partei und die Union der rechten Kraefte.
2. Habe schon an anderer Stelle geschrieben; wer sich mit Hilfe des Staates bereichert, oder schöner gesagt: Geld verdient, sollte diesem nicht in den Rücken fallen. Diskretion ist selten von negativer Auswirkung.
Wer ist schon der "Staat", besonders im Russland der 90er Jahre? Wenn sich Chorodkowski bereichert hat, dann mit Hilfe des Praesidenten Jelzin, den er auch finanziell und politisch unterstuetzte. Mit Putin begann dann eine neue "Staats"-Aera. Ihm gegenueber war er insofern auch nicht zur "Diskretion" verpflichtet.
Steuersünder, Schattenwirtschaftler oder wie auch immer..., zu bestrafen ist ein gutes Recht eines jeden Staates. Die Beweise müssen aber eindeutig vorliegen.
Ein gutes Recht jeden Staates.... und wie steht es mit den guten Rechten eines jeden Buergers?
Genau da ist es doch im Fall Chodorkowski für den Aussenstehenden nicht genau ersichtlich, ob denn die Beweislast unvoreingenommen vorliegt.
Hier stimme ich zu.
Denn wegen politischem Engagement, kann selbst in Russland niemand zu einer Haftstrafe verurteilt werden.
"Politisches Engagement" ist aus meiner Sicht eine verbale Verharmlosung und stellt als solches auch keinen Haftgrund dar. Im Fall Chorodkowski geht es aber darum, dass der reichste Mann Russlands mit all seiner Finanzkraft nach der Macht im Staat griff und gewissermassen einen Gegenpol zu den alten, in der Sowjetzeit gewachsenen Machtstrukturen bilden wollte.
Letztlich ging es doch um einen Machtkampf zwischen neureichem Geldadel und alter Nomenklatura.
Nur zum Verstaendnis, ich bin kein Anhaenger Chorodkowskis. Aber die Erklaerung, der Staat habe das gute Recht, Schattenwirtschaftler und Steuersuender zu verurteilen ist mich doch ein wenig zu einfach.
Verfasst: 17 Mai 2005, 20:41
von Anonymous
Hoppla, das war ich. Hatte vergessen, mich einzuloggen.
Verfasst: 17 Mai 2005, 21:15
von Anonymous
Das Urteil ist verkuendet: schuldig in allen Anklagepunkten!
Als Link hierzu die letzte Tagesschau-Meldung:
http://www.tagesschau.de/aktuell/meldun ... AB,00.html
Verfasst: 17 Mai 2005, 23:25
von Kaschei
tass hat geschrieben:Das Urteil ist verkuendet: schuldig in allen Anklagepunkten!
Nix ist verkündet. Gericht tagt am Mittwoch weiter.
ciao
Verfasst: 17 Mai 2005, 23:48
von Gast
Kaschei hat geschrieben:
Nix ist verkündet. Gericht tagt am Mittwoch weiter.
ciao
Glaubst du im Ernst, es wird sich an diesem Urteil grundsaetzlich noch etwas aendern? Lass das Gericht tagen so lange es will, die Entscheidung ist gefallen.
Verfasst: 18 Mai 2005, 00:06
von Kaschei
Anonymous hat geschrieben:Glaubst du im Ernst, es wird sich an diesem Urteil grundsaetzlich noch etwas aendern? Lass...
An welchem "diesem Urteil" verdammt, wenn noch gar kein Urteil verkündet wurde?
Verfasst: 18 Mai 2005, 02:05
von Bephep
Chorodkowski wird verurteilt werden und auch die Hoechsstrafe erhalten.
Gefuehlsmaessig wuerde ich sagen es kann auch nicht normal sein das ein Mann so schnell so viel Geld verdient hat.Und das trifft auch auf viele andere zu.
Da gibt es auch das Beispiel Berlusconi der mit politischer Macht verhindert das gegen Ihn ermittelt wird und das die Justiz Ihn eventuell verurteilen kann.
Auch hier in Deutschland gab es das schon,Flick,das die Politik mit Geld beeinflusst wurde.
Verfasst: 18 Mai 2005, 09:52
von Dietrich
Was mich an der ganzen Geschichte am meisten stoert sind folgende Dinge:
- Falls die "Beweise" im Fall Chodorkovski wirklich so schwach sind, wie in manchen Publikationen behauptet wird, dann darf soetwas nicht fuer einen Schuldspruch reichen.
- Die Art und Weise in der Yukos seine Steuern "optimiert" hat, ist seit Jahren bekannt. Aber es wird gewartet bis die Summe an Nachzahlungen eine Groesse erreicht hat, die ausreicht um den Konzern zu zerschlagen.
- Die vielen Anderen, die sich auf die gleiche Art und Weise bereichert haben, werden nicht angeklagt. Nur weil sie sich aus der Politik raushalten? Was hat das mit "Recht" zu tun? Entweder alle oder keiner!
Hier wird mit dem Gesetz und den Gerichten gespielt und diese als Machtmittel genutzt. Recht und Gesetz muessen fuer den Buerger da sein, und nicht fuer die Fuehrungselite!!!
Aber in einem Land in dem der Grossteil der Bevoelkerung mehr positive Seiten der Korruption aufzaehlen kann als negative.... regt sich darueber keiner auf!
Dietrich