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Zugtickets online?!

Verfasst: 10 Jul 2006, 11:59
von Zejtnot
In einem anderen Thread habe ich soeben gelesen:
Oblomski hat geschrieben:Karten kann man seit einigen Wochen auch (fast) online kaufen (d.h., man kauft sie online holt sie ab an einem extra Schalter am Leningradskij bzw. am Moskowskij Bahnhof in M. bzw. SPb.
Das klingt ja sehr interessant. Wo kann ich Details erfahren?! Gilt das nur für Moskau-Piter oder für ganz Russland?

Re: Zugtickets online?!

Verfasst: 10 Jul 2006, 13:36
von Oblomski
Zejtnot Schott hat geschrieben:In einem anderen Thread habe ich soeben gelesen:
Oblomski hat geschrieben:Karten kann man seit einigen Wochen auch (fast) online kaufen (d.h., man kauft sie online holt sie ab an einem extra Schalter am Leningradskij bzw. am Moskowskij Bahnhof in M. bzw. SPb.
Das klingt ja sehr interessant. Wo kann ich Details erfahren?! Gilt das nur für Moskau-Piter oder für ganz Russland?
S. http://www.ufs-online.ru/ (Russisch) Ob sie außer Moskau-Piter auch was anderes verkaufen, weiß ich nicht. Was sie verkaufen, sind auf jeden Fall keine E-Tickets, sondern ganz normale Karten, die man entweder bis kurz vor der Abfahrt am Bahnhof abholen oder nach Hause liefern lassen kann. Geht nur in M, SPb und Kazan.

Verfasst: 10 Jul 2006, 14:10
von Zejtnot
OK, sie verlangen auch gleich 150 Rubel pro Ticket. Da rufe ich lieber die Aviakassa meines Vertrauens an, dort bekomme ich den selben Service für 100 Rubel. Muss halt nur reden statt tippen.

Aber danke für die Info, kann man bestimmt mal gebrauchen.

Verfasst: 10 Jul 2006, 14:26
von Oblomski
Zejtnot Schott hat geschrieben:OK, sie verlangen auch gleich 150 Rubel pro Ticket. Da rufe ich lieber die Aviakassa meines Vertrauens an, dort bekomme ich den selben Service für 100 Rubel. Muss halt nur reden statt tippen.

Aber danke für die Info, kann man bestimmt mal gebrauchen.
Auch am Schalter zahlst Du idR die gleichen 150 Rubel (war letztens vor 2 Wochen am Ladoschskij Voksal in SPb der Fall). Warteschlange, Hitze, Streß. Für mehr Komfort verlangen manche Reisebüros 300 bis 400 Rubel. Könntest Du vielleicht verraten, wo Du so eine Aviakassa entdeckt hast? Ansonsten finde ich auch 150 Rubel für eine schnelle und streßfreie Abwicklung ganz ok.

Verfasst: 10 Jul 2006, 17:16
von harald63
Der Kauf eines Bahntickets scheint in RU ja ein ziemlich hoheitlicher Vorgang zu sein. Ich konnte das zwei Mal beobachten, als meine Freundin Tickets kaufte (das beim ersten Mal gekaufte ließ sie verfallen, um einen Tag länger mit mir in Moskau zusammen zu sein :-))
Die Schlange vor uns war eigentlich nicht der Rede wert, trotzdem dauerte es fast eine Stunde, bis man dran war. Dann darf man wohl das Reiseziel nennen, muss aber seine Pass vorlegen. Der wird eingehend geprüft und dann langsam ein Ticket erstellt. Anscheinend nach irgendeinem Ritus. Hinter den anderen Schaltern ging genau das gleiche ab - sogar die Frauen hinter dem Schalter sahen irgendwie alle gleich aus - unheimlich hoheitlich und weltentrückt. So schnell Russinnen normalerweise reden, so langsam sind die Erläuterungen aus dem Mund der Schalterdamen.
Sie vermittelten perfekt den Eindruck, es wäre eine ungeheuere Gnade, dass man ein Ticket verkauft bekommen hat, obwohl man nicht die letzten hundert Meter zum Schalter auf Knien rutschend zurückgelegt und sich vor ihr in den Staub geworfen hatte.
Der Hammer war dann aber später der Schaffner, als sie in ihren Zug einsteigen wollte. In meinem ganzen Leben habe ich noch keinen Polizisten, Zöllner oder Grenzbeamten erlebt - einschließlich des russischen bei meiner Einreise - der einen Pass so sorgfältig durchgesehen hat wie der Schaffner das mit dem ihrigen Tat.

Ich mag das Land und seine Leute wirklich. Aber seit ich in Russland war, sieht die "Servicewüste Deutschland" in meinen Augen wesentlich grüner aus... :-)

Verfasst: 10 Jul 2006, 18:16
von manuchka
Harald - [genau]

Nicht zu böse sein mit den Fahrkartenverkäufern

Verfasst: 10 Jul 2006, 21:06
von Magdeburg-Moskva
harald63 hat geschrieben:Der Kauf eines Bahntickets scheint in RU ja ein ziemlich hoheitlicher Vorgang zu sein. ...
Die Schlange vor uns war eigentlich nicht der Rede wert, trotzdem dauerte es fast eine Stunde, bis man dran war. Dann darf man wohl das Reiseziel nennen, muss aber seine Pass vorlegen. Der wird eingehend geprüft und dann langsam ein Ticket erstellt. Anscheinend nach irgendeinem Ritus. Hinter den anderen Schaltern ging genau das gleiche ab - sogar die Frauen hinter dem Schalter sahen irgendwie alle gleich aus - unheimlich hoheitlich und weltentrückt. ...
Sie vermittelten perfekt den Eindruck, es wäre eine ungeheuere Gnade, dass man ein Ticket verkauft bekommen hat, obwohl man nicht die letzten hundert Meter zum Schalter auf Knien rutschend zurückgelegt und sich vor ihr in den Staub geworfen hatte....
Ich finde, du übertreibst. Ich habe -außerhalb der Hochsaison- ohne Probleme und zum Glück ohne große Wartezeiten meine Tickets bekommen, sowohl in Moskau als auch in Gomel. In Moskau waren die Verkäuferinnen sowohl in einer privaten Agentur, als auch am ganz normalen Bahnhofsschalter recht fix, da gab es nix zu meckern.

Sinnvoll ist es, eher, sich vorzubereiten (vorher ins Internet gucken, welchen Zug man haben will: http://train.mza.ru/index.jsp und was noch frei ist, bzw. Alternativen und man klebt einen Haftzettel auf das aktuelle russische Visum im Pass, dass die Dame das schneller findet und guckt sich den Preis an).

Dann sagt man auf Russisch: Bitte für den Tag X N Plätze im Platzkartny/Kupe/Lux/mit oder ohne Zusatzservices im Zug Nr. Y von Y1 nach Y2. Dann sagt man in Gomel noch: "Ähm, schreiben Sie gerade eine Versicherung aus?" - "Lassense stecken, machense sich keen Stress, ich bin ausreichend versichert" - "Najut, lassen wirse wech, kostet dann nur Z BYR". Zack, hatte der dicke Onkel aus Deutschland seinen Fahrschein.

Diese direkte Kommunikation hat sogar bei meinen Belarussischen Freunden für Bewunderung gesorgt, allerdings fanden sie es frech.

Die Kommunikation war direkt, ZIELORIENTIERT, aber höflich und respektvoll.

Ich arbeite selbst im "russischen" Callcenter einer Fluggesellschaft und kann sehr gut verstehen, dass manche Fahrkartenverkäuferinnen von extrem dämlichen, uninformierten und bis aufs Messer diskutierenden Kunden extrem angepisst sind.

Servicewüste ist, dass nur sehr selten Kreditkarten akzeptiert werden.

Verfasst: 17 Jul 2006, 18:54
von Sportsfreund
harald63 hat geschrieben:Der Kauf eines Bahntickets scheint in RU ja ein ziemlich hoheitlicher Vorgang zu sein.
...
Der Hammer war dann aber später der Schaffner,
als sie in ihren Zug einsteigen wollte.
In meinem ganzen Leben habe ich noch keinen Polizisten, Zöllner oder Grenzbeamten erlebt -
einschließlich des russischen bei meiner Einreise -
der einen Pass so sorgfältig durchgesehen hat wie der Schaffner das mit dem ihrigen Tat.

es ist ein Überbleibsel aus den Sowjetzeiten- und das Seviceneveau
und die Kontrolle beim Einsteigen.

Die beiden haben alte Wurzel und politische Gründe.
Wenn die Tante am Verkaufsschalter höflich und schnell zu aööen wäre,
wo kämmen wir denn hin?
Jede Pappnase hätte in 5 Minuten das gewünschte Ticket in der Hand und dann?
Die arme(n) Frau(en) am Schalter hätten keine Chance die Tickets für ihre Freunde und Bekannte
gegen einen kleinen Aufpreis oder Geschenk an der Warteschlnge vorbei schnell und unbürokratisch zu besorgen.
Die Kundschaft wüsste nicht wohin mit der ersparten Zeit- etwa ins Museum gehen? :?
Auf dumme Gedanken kommen (etwa darüber- was Lenin unter
"Kommunism=die Macht der Sowjets und Elektrizität im ganzen Lande" gemeint haben konnte...? )
Nein!
Es wäre der falsche Weg!
So wie es ist- alle haben was zu tun, alle sind beschäftigt...
keine Arbeitslosigkeit...


beim Einsteigen in einen sowjetischen Zug ist wie beim Emfang beim Kaiser von China.
Da wird nichts dem Zufall überlassen, alles hat seine Zeit und seinen Platz...
Der Schafner ist der Sohn des Gottes und vertriet ihn stellvertrettend auf der Erde,
na gut... nicht auf der ganzen Erde, aber auf dem klenien Fleck
vor SEINEM WAGEN... aber dadurch wird die von ihm augeübte Macht nicht kleiner....
Die Anfänge liegen in den 30er Jahren des 20 Jahrhundert.
Was wäre, wenn alle die verbannt waren, Mal in jeden Zug einfach so hätten eistegen
und z.B. nach Moskau fahren können?
Oder schlimmer noch- ins Ausland!?
Der Schafner müsste dann die Stelle der Geflohenen in Sibirien antreten (für 10-15 Jahre...)

Auch 70 Jahre danach gibt es in Russland (Putin kann nicht lügen)
gewisse Organisationen, die im Lande der Oposition zur Hilfe eilen
und per Bluetooth und Bordstein mit der Britischen Botschaft kontakt aufnehmen...
Auf jedem Fall... wenn der Schafner vorm Zugseingang einknickt,
geht Russland den Bach runter...
Er ist der letzte Bastion vor Moskauer Toren- da wo Napoleon und Hitler immer hin wollten,
steht immer noch ein Zugsschafner und hält die Stellung...
und so wie es aussieht, wird noch weiter halten....


:reiter:

Verfasst: 17 Jul 2006, 19:35
von Zeppelin
Sportsfreund,
wenn Du nicht recht hättest, mit dieser traurigen Wahrheit müsste man Deine Erläuterung mit 100.000 :lol: kommentieren.

Zeppelin

Verfasst: 17 Jul 2006, 23:04
von Ragnar Schluchtmann
:D :D :D Selten so gelacht :D :D

Du solltest fuer den Eulenspiegel www. eulenspiegel.de schreiben