Einige der auch für mich wichtigsten Kritikpunke hat "Waldmeister" bereits beschrieben.
Mir selbst ist Putin über die Jahre kontinuierlich immer unsympathischer geworden. Heute sehe ich in ihm nur noch einen Diktator der ganz offenkundig die Absicht hat, sich überall im In- und Ausland Feinde zu machen.
Ausbaden müssen das die Bürger der RF. Inzwische schätze ich die politische Situation aufgrund derer Putin so fest im Sattel sitzt nur noch als Resignation der Wählerinnen und Wähler ein. Sehr oft habe ich schon das Argument gehört, das mangels Alternativen Putin lediglich als das geringste Übel eingestuft wird.
Die Propaganda und das Ausschalten aller relevanten Konkurrenten haben funktioniert und ihre Wirkung voll entfaltet. Von einer sozial-liberalen Zivilgesellschaft, auf die man Ende der 1990er noch zuversichtlich hoffen konnte, ist das Land wieder weit weit entfernt.
Regelrecht in Wut bringt mich Putins politische Linie gegenüber den ausländischen NGO's.
Wenn ich nur daran denke, wie viel kostenlose Unterstützung die RF von denen allein aus D vor allem im Sozial-, Umwelt-, Kultur-, Bildungs- und Wissenschaftsbereich erhalten hat, ist es mehr als ein Faustschlag ins Gesicht, deren Tätigkeit unter den Geeneralverdacht des subversiven Agierens gegen die russischen Interessen zu stellen.
Unserem Ex-Kanzler Schröder sollte man schon deshalb die dt. Staatsbürgerschaft aberkennen - was leider das dt. Recht nicht zulässt.
Ein m.E. hoch aktueller Vergleich zu der gegenwärtigen Situation in der RF ergibt sich aus dem vom Sommer 1918 stammenden Artikel Max Webers
"Parlament und Regierung im neugeordneten Deutschland", darin besonders das erste Kapitel: "Das Erbe Bismarks".
Die übergroße Mehrheit in der RF befürchtet chaotische Zustände, das eine verantwortungsbewusste und fähige politische Klasse sich bislang hat nicht entwickeln können und ja auch mit allen Mitteln verhindert wird.
Die Konsequenz aus diesen Verhältnissen in Deutschland nach der Ära Bismark war dann Hitler. Weber sagte die bereits 1917 - als er erste Entwurf des Aufsatzes erschien - mit äußerster Präzision voras.
Es wäre wohl überzogen, einen Vergleich zwischen diesen Diktatoren anstrengen zu wollen, aber ich möchte an die Haltung einer übergroßen Mehrheit der Deutschen bis weit nach 1940 erinnern, die durch die "Wohltaten" Hitlers und den infantil-tötlichen Satz: "So schlimm kann es ja nicht werden..." erinnern.
Entsprechend wird die Weimarer Republik in D auch mit der Ära Jelzin in der RF verglichen (wobei jeder Vergleich natürlich hinkt).
Den Vergleich zwisch den "Supermächten" RF und USA lehne ich ingegen aus strukturellen Gründen ab. Dies ändert aber nichts daran, dass ich lieber George W. Bush in dem Gefangenenlager sehen würde, wo heute leider Michail Chodorkowskij festgehalten wird.
(Natürlich wurde Chodorkowskij 'rechtmäßig' verurteilt - ebenso rechtmäßig war aber auch die Anwendung der Rassengesetze im Nazireich.)
Den Krieg in Tschetschenien sehe ich allerdings weit anders als die breite Masse (im Westen). Das Verhalten der RF kann ich zwar nicht akzeptieren, aber dass dieser Krieg entstand und wie er verlief / verläuft kann ich der RF nun wirklich nicht anlasten. Siehe dazu z.B.
"Tschetschenien und Tatarstan - nicht zu vergleichen"
Weit schlimmer ist hingegen die Nuklearpolitik - selbst die "zivile" - der RF.
Überall auf der Welt bietet die RF sich als Abnehmer atomarer Abfälle an. Aber was damit geschieht, kann man den Berichten über die "Entsorgung" der ausgedienten Atomflotte oder über Majak/Tscheljabinsk entnehmen.
Von den Zuständen in der russischen Armee ganz zu schweigen, ebenso wie über die Lage Behinderter, Alter, Waisen etc. etc.
Aber was soll's Kritik an Putin und seinen Apparatschiks allein riecht nicht, um die Probleme zu lösen. Da müssten kompetente politsche Persönlichkeiten in größerer Zahl zu Verfügung stehen sowie ein Mediensystem, mittels dessen diese sich um die ausübung der exekutiven Gewalt bewerben können. Am stärksten bedürfte es jedoch eines Wählervolkes, das überhaupt ein Interesse jenseits des Datschazauns hat...