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Literaturtip
Verfasst: 11 Aug 2006, 14:27
von Zeppelin
Für Interessenten:
Ende August 2006 erscheint die dt. Übersetzung einer Dokumentation über den nuklearen Archipel Tscheljabinsk (Majak) und dessen ethnopolitische Konsequenzen.
Titel:
Der nukelare Archipel
Autorin:
Fauzia Bairamowa
Verlag:
http://www.bertugan.de
ISBN: 3939165042
Meine Meinung anhand mir vorliegender Auszüge (deren Übersetzung ich redigiere): Sehr empfehlenswert.
Zeppelin
Re: Literaturtip
Verfasst: 02 Sep 2008, 14:42
von Spätzleskosake
Zeppelin hat geschrieben:Für Interessenten:
Ende August 2006 erscheint die dt. Übersetzung einer Dokumentation über den nuklearen Archipel Tscheljabinsk (Majak) und dessen ethnopolitische Konsequenzen.
Titel:
Der nukelare Archipel
Autorin:
Fauzia Bairamowa
Verlag:
http://www.bertugan.de
ISBN: 3939165042
Meine Meinung anhand mir vorliegender Auszüge (deren Übersetzung ich redigiere): Sehr empfehlenswert.
Zeppelin
Tscheljabinsk liegt ja in der Nachbarschaft zu dem Oblast Kurgan. Ist Dir bekannt ob der Kurgan von dem neklearen Dreck von Tscheljabinsk belastet ist?
Re: Literaturtip
Verfasst: 02 Sep 2008, 16:18
von Zeppelin
Spätzleskosake hat geschrieben:Tscheljabinsk liegt ja in der Nachbarschaft zu dem Oblast Kurgan. Ist Dir bekannt ob der Kurgan von dem neklearen Dreck von Tscheljabinsk belastet ist?
Hallo Ulrich,
ich dem Manuskript zu der o.g. Publikation heißt es dazu u.a.:
Der schrecklichste Unfall auf "Majak" geschah 1957. Er ging in die Geschichte unter der Bezeichnung "Die Tragödie von Kyschtym" ein.
Damals übertraf die Menge radioaktiver Strahlung die von Tschernobyl um 200 (zweihundert) mal, aber das wurde niemandem mitgeteilt.
Die radioaktive Wolke bedeckte Tscheljabinsk, Swerdlowsk, Kurgan, Tjumen und Umgebung.
In der Zone der radioaktiven Ansteckung mit dem Radius von 300 Kilometer haben 217 besiedelte Punkte, 270.000 (in Worten: Zweihundertundsiebzigtausend!) Menschen eine hohe Strahlendosis erhalten. .
Ferner zitiert die Autorin z.B. eine betroffene Zeitzeugin:
1969 ging ich zum Studium ins Kurgan Gebiet, dann arbeitete ich dort, heiratete, dort sind die Tochter Elmira und der Sohn Eldar geboren. Ich kehrte 1987 nach Hause zurück, wir siedelten uns am Fluss auf dem 101. Kilometer an, bei der Eisenbahnbrücke, wo auf dem Territorium eine der höchsten Konzentrationen an Radionukliden und somit die höchste Ansteckungsgefahr verzeichnet wurde. Die Anpassung des Organismus an die Strahlung dauerte anderthalb Jahre. (Wir waren dort und prüften - die Strahlung in diesem Ort ist auch jetzt 1500 Mikroröntgen/St, es ist tausend Mal höher als die Norm! - F.B.)
Ich hatte allerdings keine Zeit, mich weiter mit der Tragödie (um es nicht Verbrechen zu nennen) zu beschäftigen. So gut die Fakten in dem Buch auch zusammengebracht wurden, geht die Autorin mit ihren oftmals recht fundamentalistischen Interpretationen eher kontrafunktional vor, um eine breitere Öffentlichkeit für ihr eigentliches Anliegen zu gewinnen.
Wenn Du die Informationen in vollem Umfang möchtest, kann ich Dir nur das Buch empfehlen, welches übrigens zu einem Preis abgegeben wird, der kaum die Verlagskosten deckt. (Von Honoraren ganz zu schweigen)
Auf
http://www.bertugan.de heißt es:
Der nukleare Archipel oder der Atomgenozid an den Tataren
von Fauzia Bairamowa (Autor), Taschenbuch: 170 Seiten, Auflage 1, ISBN-10: 3939165042, ISBN-13: 978-3939165040, 9,50 Euro + 1 Euro Versand
Text s. hier.
PS: Wie bist Du denn auf diesen schon recht alten Thread aufmerksam geworden?
Re: Literaturtip
Verfasst: 02 Sep 2008, 17:27
von Spätzleskosake
Zeppelin hat geschrieben:PS: Wie bist Du denn auf diesen schon recht alten Thread aufmerksam geworden?
Hallo Zeppelin,
danke für die Info. Auf den Thread bin ich durch Zufall gestossen. Jetzt bin ich ganz froh, daß mein in diesem Jahr im Kurgan geplanter Urlaub ins Wasser gefallen ist.
Re: Literaturtip
Verfasst: 03 Sep 2008, 01:17
von ferdystschenko
Zeppelin, danke für die Empfehlung. Zum Thema Majak ist mir ein Artikel aus der ZEIT aus dem letzten Jahr eingefallen, der die Ursachen der nuklearen Katastrophe untersucht und die Ausmaße anschaulich macht. Ethnopolitische Konsequenzen für die tatarische Bevölkerung kommen darin freilich nicht zu Sprache.
http://www.zeit.de/2007/34/A-Atomkatastrophe?page=1
Re: Literaturtip
Verfasst: 03 Sep 2008, 09:56
von Spätzleskosake
ferdystschenko hat geschrieben:Zeppelin, danke für die Empfehlung. Zum Thema Majak ist mir ein Artikel aus der ZEIT aus dem letzten Jahr eingefallen, der die Ursachen der nuklearen Katastrophe untersucht und die Ausmaße anschaulich macht. Ethnopolitische Konsequenzen für die tatarische Bevölkerung kommen darin freilich nicht zu Sprache.
http://www.zeit.de/2007/34/A-Atomkatastrophe?page=1
und es geht gerade so weiter, siehe Endlager Asse.....................
Re: Literaturtip
Verfasst: 03 Sep 2008, 13:08
von Zeppelin
ferdystschenko hat geschrieben:Zum Thema Majak ist mir ein Artikel aus der ZEIT aus dem letzten Jahr eingefallen, der die Ursachen der nuklearen Katastrophe untersucht und die Ausmaße anschaulich macht. Ethnopolitische Konsequenzen für die tatarische Bevölkerung kommen darin freilich nicht zu Sprache.
http://www.zeit.de/2007/34/A-Atomkatastrophe?page=1
Danke meinerseits für den Link. Der Artikel enthält ja ebenfalls die wesentlichen Fakten. Interessant ist, das damals selbst der Westen ignoriert oder gar geleugnet haben soll, was da wirklich vorgefallen ist.
Bairamowa geht natürlich wesentlich weiter auf die Auswirkungen und bis heute währenden Spätfolgen ein.
Allerdings erwähnt sie in dem Buch nicht diesen Shores Medwedjew. Nunja - die Autorin muss man leider als ziemlich fundamentalistisch einstufen, und da ist es ja nicht selten, etwas wegzulassen.
Dennoch sind viele Aspekte in dem Buch sehr aufschlussreich, besonders was den Umgang mit den Opfern angeht.
Re: Literaturtip
Verfasst: 27 Mai 2009, 00:31
von fantaaaa
Hallo!
Vielen Dank für den Literaturtipp!
Interessant wäre auch zu wissen, wie der Unfall zustande gekommen ist und in welchen Dimensionen (welche Thermik/Höhe) sich der "Fallout" ausgebreitet hat.
Mit freundlichen Grüßen,
Volker